Warsteiner Brauerei

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Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG
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Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1753
Sitz Warstein, Kreis Soest
Leitung Catharina Cramer
Mitarbeiter 2300 Mitarbeiter[1]
Umsatz 519 Millionen Euro (2013)[2]
Branche Bierbrauerei
Website Warsteiner Gruppe
Warsteiner Marken-Website
Warsteiner International
Luftaufnahme (2014)
Warsteiner Brauerei im Waldpark

Die Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG ist eine deutsche Großbrauerei, die in Deutschland für den Binnen- und Exportmarkt produziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Flaschenabfüllung

1753 erfolgte erstmals die Zahlung einer Biersteuer durch den Landwirt Antonius Cramer. Damit begann die Tätigkeit der Brauerei. Von Casper Cramer wurde 1802 das Stammhaus des Unternehmens errichtet.

Der eigentliche Aufschwung begann 1884 mit der Anbindung Warsteins an die Eisenbahn. Damit wurde über den engeren lokalen Rahmen hinaus der Versand des Bieres möglich. Eine Modernisierung und Expansion des Betriebes erfolgte durch die Inbetriebnahme einer ersten Dampfmaschine 1895 und die Eintragung ins Unternehmensregister 1898. Bis 1920 entwickelte sich die Brauerei zu einem für damalige Verhältnisse modernen Unternehmen, das neben der Pils- und Bockbierherstellung auch Limonaden und Tafelwasser abfüllte.

Mit der Erschließung der Kaiserquelle begann ab 1928 die Konzentration auf die Herstellung von Pils. Mit einer Braukapazität von über 100.000 Hektolitern pro Jahr zählte Warsteiner 1960 zu den deutschen Großbrauereien. Im Jahr 1972 wurde die Produktion in die „Waldparkbrauerei“, einen Betrieb außerhalb der Stadt, verlegt. Mit über zwei Millionen Hektolitern war Warsteiner 1984 Deutschlands größte Biermarke. Ihren Höhepunkt erreichte die Marke im Jahr 1994 mit einem Ausstoß von mehr als sechs Millionen Hektolitern.[3] Im Jahr 2008 war die Brauerei am Hauptsitz Warstein, die damals auf eine Leistung von sieben Millionen Hektolitern ausgerichtet war, nicht mal zur Hälfte ausgelastet.[4] Nach Produktionsrückgängen lag der Ausstoß der gesamten Warsteiner-Gruppe 2010 bei 5,4 Millionen Hektolitern.[5]

Das Jahr 1994 stellte gleichzeitig eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte dar. In Hamburger Gastronomiekreisen tauchten Gerüchte auf, nach denen die Warsteiner Brauerei mit der Scientology-Sekte in Verbindung stehen sollte. Diese Gerüchte verbreiteten sich in den darauf folgenden Jahren in ganz Deutschland, obwohl die Brauerei im Herbst 1994 und nochmals 1997 mit ganzseitigen Anzeigen in allen großen deutschen Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen versucht hatte, sich gegen diese Kampagne zur Wehr zu setzen. Als Folge musste die Brauerei ab 1995 bis über die Jahrtausendwende hinweg erhebliche Absatzeinbrüche hinnehmen.[6] Eine Rehabilitierung erfuhr Warsteiner durch einen Sendebeitrag des Medienmagazins Zapp, der am 17. Februar 2010 im NDR ausgestrahlt wurde. Darin griff das Magazin unter dem Titel „Perfide Public Relations verdeckt aus dem Hinterhalt“ die Lancierung der Gerüchte um Warsteiner als Beispiel für eine Kampagne auf.[7]

Die wenig innovative Marktstrategie in den letzten Jahren führte zu Produktions- und Umsatzrückgängen. Das Unternehmen reagierte mit einem ausgeprägten Sparkurs. Mitarbeiter wurden entlassen, Produktionsstätten geschlossen und das Sponsoring wurde eingeschränkt.[8] Nach mehreren Jahren marktbedingter Absatzrückgänge kehrte Warsteiner im Jahr 2010 auf einen leichten Wachstumskurs zurück.[9] Der gesamte Getränkeausstoß der Warsteiner Gruppe 2012 bewegte sich mit 4,56 Millionen Hektolitern auf dem Niveau des Jahres 2011. Der konsolidierte Umsatz der Warsteiner Gruppe lag im Geschäftsjahr 2012 bei 530 Millionen Euro, eine Steigerung um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum Gewinn machte Warsteiner keine Angaben.[10] Sowohl im Inland als auch im Ausland erzielte die Marke Warsteiner im Jahr 2013 ein Absatzplus gegenüber dem Vorjahr – zusammengenommen 1,2 Prozent, dabei sank der Umsatz von 530 Millionen Euro auf 519 Millionen Euro. Der gesamte Getränkeausstoß der Warsteiner Gruppe belief sich 2013 mit 4,56 Millionen Hektolitern auf Vorjahresniveau.[11]

In Warstein kam es am 10. August 2013 zu einem Legionellose-Ausbruch. Am 11. September gab die Brauerei per Pressemeldung bekannt, dass auch in Abwasservorbehandlungsbecken der betrieblichen Kläranlage und in einer Kühlanlage Legionellen gefunden worden seien. Als Maßnahmen wurden Abdeckung des betriebseigenen Klärbeckens, UV-Desinfektion des Ablaufs und kontinuierliche Desinfektion der Rückkühlwerke beschlossen und durchgeführt.[12]

Vor dem Umweltausschuss des Landtages in Düsseldorf gab der Landesumweltminister Johannes Remmel am 11. Februar 2014 bekannt, dass noch im Januar 2014 im Belebungsbecken der Betriebskläranlage der Warsteiner Brauerei sehr hohe Konzentrationen von Legionellen gemessen wurden. Dabei wurden mehrere Millionen sogenannte koloniebildende Einheiten (kbE) von Legionellen pro 100 Milliliter Wasser gefunden. Bei Trinkwasser besteht ein Legionellen-Grenzwert von 100 kbE. Nach Schätzungen des Ruhrverbandes wird die geplante Sanierung und dauerhafte Sicherung der mit Legionellen belasteten Anlagen in Warstein etwa sieben Millionen Euro kosten. Saniert werden sollen die betriebliche Kläranlage von Warsteiner, die Kanalisation (Brauereikanal), welche die betriebliche Kläranlage von Warsteiner mit der kommunalen Kläranlage verbindet und die kommunale Kläranlage. 1,8 Millionen Euro würde allein die geplante Sanierung des Brauereikanals kosten und 5,5 Millionen Euro die Kläranlage des Ruhrverbandes. Der Brauereikanal soll mit druckdicht verschlossenen Revisionsschächten versehen werden, damit keine Krankheitserreger mehr in die Luft gelangen können. In der Kläranlege der Brauerei soll die biologische Vorklärung zukünftig entfallen und nur noch als Abwasser-Sammelbecken fungieren. Unklar war noch, wie die Legionellen aus einem Bioreaktor, hier das Belebungsbecken der Brauerei-Kläranlage, entfernt werden können, da eine komplette Außerbetriebnahme und Desinfektion von betrieblicher Kläranlage, Kanalisation und kommunaler Kläranlage nicht möglich sei. Bei den Flüssen Wäster und Möhne, in welche das Wasser der kommunalen Kläranlage eingeleitet wird, galt immer noch das seit September 2013 geltende Wasserentnahmeverbot, wobei die Konzentrationen von Legionellen in diesen Flüssen unbedenklich war. Noch im Februar 2014 war unklar, wo genau Legionellen ihre erste Brutstätte hatten.[13][14]

Am 27. September 2013 strahlte der WDR in der Sendereihe Dynastien in NRW die Sendung Vom Dorfbier zur Weltmarke – Die Cramers aus Warstein aus.[15]

Im Januar 2014 verhängte das Bundeskartellamt gegen die Warsteiner-Brauerei und drei weitere Brauereien wegen Preisabsprachen für Fass- und Flaschenbiere in einem Bierkartell von 2006 bis 2008 eine Strafzahlung von 106,5 Millionen Euro.[16]

Das Unternehmen[Bearbeiten]

Die Marke „Warsteiner“ gehört neben anderen Marken zur Haus Cramer GmbH & Co. KG. Die Geschäftsführung bilden die geschäftsführende Gesellschafterin Catharina Cramer, Peter Himmelsbach, Geschäftsführer für den Bereich Technik, und Stephan Fahrig, Geschäftsführer für den Bereich Finanzen. Um sich Marktanteile in der Gastronomie zu sichern, kaufte Warsteiner in den vergangenen Jahren auch einige Getränkefachgroßhändler auf.

Die Brauerei hat für die Stadt Warstein und die gesamte Region einen hohen Stellenwert, ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Region und machte Warstein deutschlandweit bekannt. Das Unternehmen prägt zu einem großen Teil das kulturelle Leben in Warstein. Seit dem Herbst 2009 betreibt die Warsteiner Brauerei ein eigenes Blockheizkraftwerk für die Versorgung der Waldparkbrauerei mit Wärme und Strom aus eigener Hand.[17] Im Februar 2012 zertifizierte der TÜV NORD das Energiemanagementsystem der Warsteiner Brauerei. Das Sauerländer Unternehmen vermindert durch die Zertifizierung Treibhausgasemissionen und reduziert gleichzeitig die künftigen Kostenbelastungen für das eigene Unternehmen.[18]

Produkte[Bearbeiten]

Warsteiner Produktsortiment

Die Brauerei produziert und vertreibt ihr Sortiment unter der als „Premium“-Produkt bezeichneten Marke Warsteiner Premium. Sie hat das Markenimage anstelle der individuellen Produkte beworben. Zur Produktpalette gehören (Stand 2013)

  • Verum: Bier nach Pilsner Brauart.
  • Herb: Das Bier ist herber als das Premium Verum. Der höhere Bitterwert wird durch eine größere Menge an Hopfen erzielt, der während der Würzekochung zweimal zu unterschiedlichen Zeiten zugegeben wird.[19]
  • Alkoholfrei: ein alkoholfreies Bier in Anlehnung an das Premium Verum. Im Februar 2011 veränderte die Warsteiner Brauerei die Rezeptur von 0,0 % Alkohol in ein isotonisch wirkendes Getränk.
  • Radler: Für die Zitronenlimonade wird ein Konzentrat aus Zitronensaft verwendet.
  • Radler Alkoholfrei: Biermischgetränk mit Mischung aus 60 % Warsteiner Alkoholfrei und 40 % Zitronenlimonade unter Verwendung von Zitronensaftkonzentrat.[20]
  • Radler Grapefruit: Biermischgetränk aus 50 % Warsteiner und 50 % Grapefruitlimonade unter Verwendung von Grapefruitsaftkonzentrat.[21]
  • Orange/Lemon/Cola: Biermischgetränke mit Orangen-, Zitronen/Limetten- und Cola-Biermix als Erfrischungsgetränk.

Außerdem gibt es:

  • Warsteiner Dunkel: Dunkles Bier, ausschließlich für den amerikanischen Markt. Wird beworben als Premium German Dunkel.

Warsteiner Gruppe[Bearbeiten]

Beteiligungen und Tochterfirmen[22]

Internationale Entwicklung[Bearbeiten]

Das Auslandsgeschäft von Warsteiner stellte ein wichtiges Standbein der Brauerei dar. Mit der C. A. S. A. Isenbeck verfügte die Brauerei bis zum 23. November 2010 über ein eigenes Tochterunternehmen in Argentinien. SABMiller hat die argentinische Brauerei von der Warsteiner Gruppe abgekauft, eine langfristige Lizenzvereinbarung sichert aber Produktion und Vertrieb der Marke in Argentinien. Das von Warsteiner in Argentinien betriebene Weingeschäft blieb zunächst von der kompletten Transaktion ausgeschlossen.[24] Im Jahre 2011 zog sich Warsteiner mit der Veräußerung des Weingeschäfts vollständig aus dem operativen Geschäft in Argentinien zurück.[25] Des Weiteren werden Kooperationen mit Partnerbrauereien in Afrika gepflegt und Verträge über Lizenzproduktionen beispielsweise in Russland unterhalten. Insgesamt exportiert die Brauerei die Marke Warsteiner in mehr als 60 Länder der Welt.

Welcome Hotels[Bearbeiten]

Die Haus-Cramer-Gruppe ist seit 1998 auch im Hotelbereich aktiv. Die Welcome-Hotelgruppe, die ihre Zentrale ebenfalls im sauerländischen Warstein hat, zählt zu den 50 umsatzstärksten Hotelgesellschaften in Deutschland. Es werden acht eigene, sechs gepachtete und drei gemanagte Hotels betrieben. Damit werden 17 Hotels mit drei bis vier Sternen und 1965 Zimmern mit 3335 Betten betrieben und circa 1100 Mitarbeiter beschäftigt.[26][27]

Besucherzentrum[Bearbeiten]

„Warsteiner Welt“ Besucherzentrum

Zur Warsteiner Brauerei gehört seit dem 15. Mai 2006 ein Besucherzentrum.

Das Besucherzentrum besteht aus insgesamt drei Gebäuden mit einer Gesamtfläche von 2200 Quadratmetern. Bei den Neubauten wurde darauf geachtet, dass sich die Fassaden der typischen Sauerländer Architektur anpassen. Die Hallenfassade ziert ein kupferner Sudkessel der gleichzeitig als Eingang zum „Welcome Center“ dient. Das Areal des Besucherzentrums misst rund 53.000 Quadratmeter. Der Biergarten ist mit Rosskastanien bepflanzt und geht in ein 14.000 Quadratmeter großes Gelände mit heimischen Bäumen, Sträuchern und Bodendeckern über.

In der so genannten „Warsteiner Welt“ wird bei einer etwa eineinhalb Stunden langen Vorstellung Geschichtliches über die Warsteiner Brauerei und den Prozess des Bierbrauens erläutert. Die Tour beginnt mit einer Vorstellung im Multimedia-Theater „Rotarium“. Dabei bewegt sich der Zuschauer auf elektronisch gesteuerten Drehplattformen auf die einzelnen Bühnenbilder der 360-Grad-Leinwand zu. Die Kommentare zu den einzelnen Stationen werden in mehreren Sprachen angeboten. Am Ende der Rundfahrt gelangt der Besucher erneut in die Willkommenshalle des Besucherzentrums, in dem sich Exponate über die Produkte der Privatbrauerei und der Eingang zu einem Indoor-Biergarten mit 150 Sitzplätzen befinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tanja Bessler-Worbs, Klaus Pradler: Entdeckungen. Dokumente aus firmengeschichtlichen Sammlungen des südöstlichen Westfalen. Arnsberg 2001. S. 176.
  • Catharina Cramer, in: Internationales Biographisches Archiv 15/2008 vom 8. April 2008, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Warsteiner Brauerei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Basispressemappe 2013 [1] (PDF; 81 kB)
  2. Pressemitteilung 9. Januar 2013[2]
  3. Fachmagazin Inside, Nr. 237 vom 19. Januar 1995
  4. Die Welt-Online 18. Dezember 2008
  5. Preiskrieg macht Radeberger und Warsteiner zu schaffen in: Handelsblatt 13. Januar 2011
  6. Der Spiegel 42/1994
  7. „Ganz perfide PR-Methode“ In: Der Westen 20. Februar 2010
  8. Die Welt-Online 18. Dezember 2008
  9. Bitburger und Warsteiner können leicht zulegen, Werben & Verkaufen vom 13. Januar 2011
  10. [3] Warsteiner wächst 2012 leicht (in: AHGZ 17. Januar 2013)
  11. [4]
  12. Legionellen bei „Warsteiner“. WDR, 11. September 2013, abgerufen am 2. Oktober 2013.
  13. Legionellen-Sanierung in Warstein kostet Millionen. In welt.de, 14. Februar 2014, abgerufen am 27. Februar 2014.
  14. Warstein rüstet im Kampf gegen Legionellen auf. In derwesten.de, 12. Februar 2014, abgerufen am 27. Februar 2014.
  15. [5]
  16. http://www.welt.de/wirtschaft/article123805182/Kartellamt-verhaengt-hohe-Bussgelder-gegen-Brauereien.html
  17. "Warsteiner Brauerei mit eigenem Blockheizkraftwerk" In: Suedwestfalen-Online, 12. Oktober 2009
  18. TÜV NORD zertifiziert Energiemanagementsystem von Warsteiner In: Tüv-Nord, 8. Februar 2012
  19. [6] Neues Warsteiner Herb: doppelt gehopft
  20. [7]
  21. [8]
  22. [9],
  23. http://www.business-on.de/weser-ems/bierhersteller-warsteiner-gibt-guinness-vertrieb-ab-_id28606.html
  24. Fachmagazin "BRAUINDUSTRIE", Nr. 1 Januar 2011, Seite 5
  25. Luther Rechtsanwaltsgesellschaft, Pressemeldung vom 27. April 2011 (PDF; 23 kB)
  26. Welt-Online: „Warsteiner-Chef betreibt auch Hotels“
  27. [10]

51.4216666666678.3544444444444Koordinaten: 51° 25′ 18″ N, 8° 21′ 16″ O