Limonade

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Limonaden-Stand in Rishikesh (Indien)
Limonade

Eine Limonade, umgangssprachlich auch kurz Limo (in großen Teilen Bayerns auch Gracherl), ist ein alkoholfreies, gesüßtes und meist mit Kohlensäure versetztes Erfrischungsgetränk mit Fruchtauszügen auf Basis von Wasser. Im ursprünglichen Wortsinn ist Limonade ein Getränk aus mit Wasser verdünntem Zitronensaft.

Zu den Limonaden gehören auch die coffeinhaltigen Colagetränke und die meisten Energy-Drinks. Oft werden Limonaden zudem mit anderen Getränken gemischt. Verwandt mit der Limonade ist die Brause, die aber auch künstliche oder naturidentische Aroma- und Farbstoffe enthalten darf.

Bekannte Mischgetränke mit Limonade sind etwa Schorle und Spezi. Daneben gibt es zahlreiche Biermischgetränke.

Geschichte[Bearbeiten]

Berliner Limonadenverkäufer (1931)

Bereits in der römischen Antike war ein limonadenähnliches Erfrischungsgetränk bekannt, das unter dem Namen Posca jahrhundertelang populär blieb. Trinkwasser wurde einfach mit einem Schuss Essig versetzt. Der Geschmack hing dabei sehr stark von der Dosierung des Essigs ab. Auch die Fruchtsorte, aus der der Essig hergestellt wurde, hatte entscheidenden Anteil am Geschmack. Wann die heutige Form der Limonade entstand, bleibt jedoch unklar. Einer der ersten Nachweise stammt aus dem 16./17. Jahrhundert aus Spanien. Am Dresdner Hof trank man 1688 Limonaden „von Zitronen, Rosen, Himbeeren, Zimt, Erdbeeren, Quitten, Hippokras und Orsade“. Mit der Zeit wurden immer weitere Variationen entwickelt und verkauft. Der Urtyp aller modernen Limonaden, der englische Lemon Squash, war ursprünglich ein reines Naturprodukt aus Wasser, Zucker und Zitronensaft, wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts jedoch künstlich hergestellt.

Zutaten[Bearbeiten]

In Deutschland besteht nach den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke[1] des deutschen Lebensmittelbuchs Limonade aus Trinkwasser, natürlichem Mineralwasser oder Quell- und/oder Tafelwasser. Hinzu kommen Aromaextrakte und/oder natürliche Aromastoffe sowie in der Regel Citronensäure. Für die Aromabasis wird neben Zitrone oft auch Orange verwendet. Limonade weist einen Zuckergehalt von mindestens 7 Prozent auf, eine Begrenzung nach oben gibt es nicht. Bei kalorienreduzierter Limonade wird der Zucker ganz oder teilweise durch Süßstoff ersetzt.

Als weitere Zutat darf Fruchtsaftkonzentrat, Fruchtmark, Fruchtmarkkonzentrat oder eine Mischung dieser Erzeugnisse hinzugegeben werden (jeweils auch in haltbar gemachter Form). Limonaden mit Fruchtsaftanteil enthalten mindestens die Hälfte der bei Fruchtsaftgetränken üblichen Fruchtsaftanteile, das heißt:

  • 15 Prozent bei Limonaden aus Kernobst oder Traubensäften
  • 3 Prozent bei Limonaden aus Zitrussäften
  • 5 Prozent bei Limonaden aus anderen Fruchtsäften

Weitere Zutaten dürfen sein:

  • Zuckerkulör bei koffeinhaltigen und den diesen in der Geschmacksrichtung entsprechenden koffeinfreien Limonaden sowie bei Limonaden mit Apfelgeschmack mit oder ohne Fruchtsaftanteil und klaren Kräuterlimonaden
  • Koffein bei koffeinhaltigen Limonaden in einem Anteil von mindestens 65 Milligramm pro Liter und höchstens 250 Milligramm pro Liter
  • Molkenerzeugnisse
  • Beta-Carotin sowie Riboflavin und färbende Lebensmittel, außer bei klaren Limonaden mit Zitrus-Aroma
  • Auszüge der Ingwerwurzel, wie z. B. bei dem bekannten Produkt Ginger Ale
  • Bitterstoffe, z. B. Chinin (aus der Rinde des Chinabaumes). Enthält eine Limonade mind. 15 mg/l Chinin wird sie als Tonic bezeichnet (max. 85 mg/l Chinin).
  • Glucose-Fructose-Sirup (Maissirup) ist bei der industriellen Limonadenherstellung im Einsatz

Herstellung[Bearbeiten]

Die industrielle Herstellung von Limonaden ist voll automatisiert und umfasst nur wenige Schritte: Das Wasser wird im Zulauf durch eine Imprägnierpumpe mit Kohlensäure (eigentlich CO2) versetzt, dann kontinuierlich mit vorgefertigtem Limonadengrundstoff und Süßungsmittel vermischt und in Flaschen oder Dosen abgefüllt, die schließlich gasdicht verschlossen werden. Das Verfahren geht auf Johann Jacob Schweppe zurück, der Ende des 18. Jahrhunderts ein Verfahren zum Versetzen von Wasser mit Kohlensäure erfand.

Namensherkunft und Bezeichnungen[Bearbeiten]

Der französische Ausdruck limonade, abgeleitet aus limon (Zitrone), wurde im 17. Jahrhundert ins Deutsche übernommen und bezeichnete bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich ein Erfrischungsgetränk aus Zitronen. Das auch in anderen Sprachen gebräuchliche Wort für die Zitrone geht auf das persische Wort limun zurück, das dort diese Frucht bezeichnet. Das Wort kam auf dem Handelsweg in das Arabische, von wo es in andere europäische Sprachen gelangte.[2] Im 19. Jahrhundert erweiterte sich die Bedeutung des eingedeutschten Wortes Limonade auf ähnlich hergestellte Getränke mit anderen Früchten. Das Wort wurde so zur allgemeinen Verkehrsbezeichnung für Erfrischungsgetränke.

Auf den heutigen Produkten wird die geschmackgebende Frucht ergänzend angegeben, zum Beispiel „Apfel-Limonade”. Als Hinweis auf den Geschmack sind auch Bezeichnungen wie „Limonade mit Apfelgeschmack” oder „Limonade mit Apfelaroma” gebräuchlich. Bei Limonaden mit Pflanzenauszügen – zum Beispiel Gewürze (etwa Ingwer), Kräuter, Süßholz – wird auch eine Bezeichnung wie „Limonade mit …-Auszug” verwendet. Bei Limonaden ohne Kohlensäurezusatz wird die Verkehrsbezeichnung durch eine entsprechende Angabe ergänzt.

Kracherl[Bearbeiten]

Eine Kugelverschlussflasche

In Österreich und Teilen von Süddeutschland ist auch der Ausdruck Kracherl für Limonadengetränke gebräuchlich. Der Name rührt daher, dass die ersten Limonadenflaschen als Kugelverschlussflaschen konstruiert waren. Als Verschluss diente eine gläserne Kugel, die durch den Druck der Kohlensäure nach oben in den konischen Flaschenhals gedrückt wurde und diesen verschloss. Den Verschluss der jeweiligen Flasche erreichte man entweder durch eine Gummidichtung oder durch Einschleifen von Flaschenhals und Kugel. Zum Öffnen wurde die Glaskugel mit dem Daumen eingedrückt, was meist von einem krachenden Geräusch begleitet war. Da die Reinigung dieses Verschlusses aufwändig ist, wurden diese Flaschen durch solche mit Bügelverschluss und später mit Kronkorken und Schraubverschlüssen abgelöst. Originalflaschen mit Glaskugeln sind heute von Sammlern begehrte Raritäten.

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten]

Mark Pereira von der School of Public Health der Universität Minnesota stellt Limonaden unter den Verdacht, für ein erhöhtes Risiko zur Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich zu sein: Ein um 87 Prozent höheres Krebsrisiko liege bereits bei Personen vor, die pro Woche zwei Softdrinks und mehr konsumieren. Pereira hält den hohen Zuckergehalt dafür verantwortlich.[3] Gemäß der American Heart Association kann der übermäßige Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken, wie Limonaden oder Fruchtsaftgetränken, weltweit jährlich sogar mit rund 180.000 Todesfällen in Zusammenhang gebracht werden. Intensiver Genuss von mit Zucker gesüßten Getränken führt demnach zu Übergewicht, was wiederum das Risiko für das Auftreten einer ganzen Reihe von schweren Krankheiten erhöht. Auf der Grundlage von Daten, die im Rahmen der Global Burden of Diseases Study 2010 zusammengetragen wurden, konnten die Forscher aufzeigen, dass der intensive Konsum von zuckerhaltigen Getränken in kausalem Zusammenhang mit jährlich rund 133.000 Diabetes-assoziierten Todesfällen, 44.000 Toten in Folge von Herz-Kreislauferkrankungen und 6.000 Todesfällen aufgrund von Krebserkrankungen steht.[4][5][6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Limonade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Limonade – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leitsätze für Erfrischungsgetränke, Neufassung vom 27. November 2002, BAnz. Nr. 62 vom 29. März 2003, GMBl. Nr. 18 S. 383 vom 15. April 2003, abgerufen am 10. Juni 2013
  2. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, 7. Auflage, dtv, München 2007, ISBN 3-423-32511-9.
  3. Soda may increase risk of cancer (Version vom 21. September 2010 im Internet Archive)
  4. Global Burden of Disease Study 2010. The Lancet. Abgerufen am 22. März 2013.
  5. 180,000 deaths worldwide may be associated with sugary soft drinks. American Heart Association. Abgerufen am 22. März 2013.
  6. Riskante Süßgetränke. Bild der Wissenschaft. Abgerufen am 22. März 2013.