Wattwagen

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Typischer Wattwagen auf dem Weg nach Neuwerk (2007)
Die „Wattenpost“ vor Neuwerk, gemalt von Richard Eschke (1905)

Der Wattwagen ist ein von zwei Pferden als Zugtiere gezogener Kutschwagen, der bei Ebbe auf dem Meeresboden fährt.

Bauweise[Bearbeiten]

Der Wattwagen zeichnet sich durch eine besondere Bauweise aus, er ist relativ hoch gebaut. Dies ist erforderlich, weil der Wattwagen die Priele durchfahren muss. Ein Priel ist ein Wasserlauf im Watt, er kann durchaus 1,3 m tief sein. Dementsprechend befindet sich der Kastenaufsatz auf einer Höhe von 1,3 m. Die Sitzflächen der gut gepolsterten Bänke befinden sich auf einer Höhe von 1,75 m.

Bei einer größeren Wassertiefe kann der Priel mit dem Fahrzeug nicht mehr durchfahren werden, denn Pferde können zwar schwimmen, aber nicht gleichzeitig schwimmen und einen Wattwagen ziehen. Die Pferde können den Wattwagen nur ziehen, wenn sie noch festen Boden unter den Hufen haben.

Die Untergestelle der Wattwagen werden grundsätzlich aus erstklassigem Eichenholz gefertigt, u.a. auch deshalb, weil sie beim Durchfahren eines Priels vom Wasser umspült werden. Die ursprünglich eisenbereiften Holzspeichen-Räder wurden Mitte des 20. Jahrhunderts durch gummibereifte Metallscheiben-Räder ersetzt.

Zum Auf- und Absteigen der Fahrgäste dient eine am Wattwagen mitgeführte Anlegeleiter.

Fahrweg[Bearbeiten]

Der Fahrweg vom Festland zur zehn Kilometer entfernten Insel Neuwerk und zurück wird in jedem Frühjahr von einer Kommission aus erfahrenen Wattwagenführern neu festgelegt und mit sogenannten Pricken gekennzeichnet, die in den Wattboden eingesetzt werden. Diese markiert den Weg über das Watt.

Fahrzeiten[Bearbeiten]

Die möglichen Fahrzeitfenster der Wattwagen, die sich wegen der durch den Mondstand bedingten Gezeiten täglich um ca. 50 Minuten verschieben, werden vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg für ein Jahr im Voraus errechnet (Gezeitenkalender) und liegen dann in gedruckter Form als Fahrplan aus.

Fahrausweis[Bearbeiten]

Das Watt ist zwar relativ eben, aber es gibt immer wieder kleine Vertiefungen, die mit Wasser gefüllt sind. Diese zu erkennen und richtig einzuschätzen ist Aufgabe der Wattwagenführer, um sicher ans Ziel zu kommen.

Die Wattwagenführer benötigen einen besonderen Führerschein. Diesen gibt es in drei Klassen:

  • Der Beifahrer-Schein ist für Anfänger gedacht. Mit diesem Schein darf man einen Wattwagen führen, muss allerdings hinter einem Hauptfahrer herfahren und seinen Anweisungen folgen.
  • Nach dreijähriger Fahrpraxis kann der Selbstfahrer-Schein erworben werden. Damit darf dann ein Wattwagen selbständig geführt werden.
  • Nach weiteren drei Jahren - also nach insgesamt sechs Jahren Fahrpraxis - ist man berechtigt, mit dem Hauptfahrer-Schein selbständig Wattwagen zu führen sowie Anfänger auszubilden und anzuweisen.

Wattwagen-Abnahme[Bearbeiten]

In jedem Frühjahr zu Beginn der Saison findet eine Abnahme der Wattwagen statt. Die Prüfungskommission, die für Niedersachsen und Hamburg zuständig ist, gehören ein Stellmachermeister an, der zusammen mit einem Schmiedemeister die Wattwagen auf Stabilität, Funktionsfähigkeit und Sicherheit überprüft. Ein Sattlermeister untersucht die Pferdegeschirre, ein Tierarzt muss die Pferde auf Gesundheitszustand und Eignung untersuchen.

Die Polizei kontrolliert die Wattwagen, weil diese auch am Straßenverkehr teilnehmen. Die Wasserschutzpolizei wahrt ihre Rechte in ihrem Wasserrevier. Das Ordnungsamt stellt das Vorhandensein von Erste-Hilfe- und Rettungs-Mitteln fest, auch darf ein Funkgerät nicht fehlen. Außerdem muss die Zulassung für den Wattwagen vorhanden sein, wichtig ist auch noch der Nachweis einer Haftpflichtversicherung.

Der Prüfbericht wird schriftlich festgehalten. Nach einer mängelfreien Abnahme der Wattwagen bekommen diese eine Prüfplakette für ein Jahr, die sichtbar angebracht wird.

Die Wattwagen-Abnahme dient der Sicherheit von Menschen, Pferden und Material.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wattwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien