Wendland

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wendland (Begriffsklärung) aufgeführt.

Das Wendland ist eine Landschaft im Grenzbereich der heutigen Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Sein Kern ist das Hannoversche Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.

Im Jahre 2012 nominierte das Land Niedersachsen die Rundlingsdörfer im Hannoverschen Wendland für die deutsche Tentativliste bei zukünftigen UNESCO-Welterbeanträgen. Weitere Entscheidungen über den Erfolg der Bewerbung fallen 2013 durch die Kultusministerkonferenz und frühestens ab dem Jahre 2017 durch die UNESCO.[1]

Im Norden wird das Wendland von der Talaue der Elbe begrenzt

Name[Bearbeiten]

Wendland ist keine altüberlieferte Gebietsbezeichnung. Der Begriff kam erst um 1700 auf, als ein Pfarrer aus Wustrow über die Sprache, Gewohnheiten, Bräuche und Sitten der polabischen Bewohner dieses Landstrichs berichtete. Er betrachtete die Bewohner in den Dannenbergischen Ämtern als Wenden und benannte danach das Gebiet als Wendland. Im Laufe der Zeit bürgerte sich der Name ein.

Landschaft[Bearbeiten]

Im Westen prägt der teils bewaldete Drawehn-Höhenzug das Hannoversche Wendland; Blick vom Hohen Mechtin
Die Lüchower Landgraben- und Grenzgrabenniederung trennt das Wendland im Süden von der Altmark; Blick über den „Flötgraben“ auf den Lemgow

Geographisch stellt das westliche Wendland den Ostrand der Lüneburger Heide dar, das sein Gepräge während der Saale-Eiszeit erhielt. Landschaftsbestimmend dort ist der Höhenzug des Drawehn, der auch als osthannoversche Kies-Endmoräne bezeichnet wird. Es handelt sich um eine sandige Geest, die mit Kiefern aufgeforstet wurde. Mit unfruchtbaren Böden und Wasserarmut infolge des wasserdurchlässigen Bodens ist es in seiner Geschichte immer siedlungsunfreundlich gewesen. Der größte Teil des Hannoverschen Wendlands liegt aber im Urstromtal der Elbe. Hierbei wird zwischen der eigentlichen Elbtalaue im Norden und der Lüchower Niederung unterschieden. Letzteres ist eine Niederterrasse, die von zahlreichen Fließgewässern – als größtes die Jeetzel –, Kanälen und Gräben durchzogen wird. Anhöhen werden von kleinen, inselartigen Grundmoränen wie Öring, Lemgow, Langendorfer Geestinsel und Höhbeck gebildet. Im Osten besteht auf einer großen Flugsandebene der Gartower Forst (siehe auch: Wendland und Altmark).

Kultur und Geschichte[Bearbeiten]

Maßgeblich geprägt ist das Wendland von der polabischen Kultur. Im Mittelalter, in Resten bis in die frühe Neuzeit, wurde das Wendland von Slawen bewohnt, die im gesamten deutschsprachigen Raum als Wenden bezeichnet wurden. Erhalten geblieben sind davon zahlreiche Ortsnamen slawischen Ursprungs und, entstanden in mittelalterlichen Konfliktsituationen, die Siedlungsform der Rundlingsdörfer. Die slawische Sprache der Wendländer, das Drawänopolabische, ist seit 1756 ausgestorben. Bis dahin war das Wendland der westlichste Punkt des slawischen Sprachgebietes.

Bis zur Wende 1989/90 war das Wendland, das sich sackartig in das Gebiet der DDR hineinstreckte, Zonenrandgebiet. Seit Ende der 1970er Jahre ist es durch die Proteste gegen das Atommülllager Gorleben und wegen der „Ausrufung“ der Republik Freies Wendland im Jahr 1980 überregional bekannt geworden.

Seit 1989 findet im Wendland jährlich zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die Kulturelle Landpartie als eine der umfangreichsten Kulturveranstaltungen in Deutschland statt.

Zur Religionsgeschichte der Region ist unter Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg ein Beitrag zu lesen.

Siedlungsformen[Bearbeiten]

Blick in den Rundling Satemin, drei Kilometer westlich von Lüchow

Im Hannoverschen Wendland ist der dörfliche Siedlungstyp des Rundlings weit verbreitet und erhalten. Fast alle Rundlinge tragen auch heute noch Ortsnamen slawischen Ursprungs. Diese Siedlungsform des Rundlings ist zwar in einem Streifen von der Ostsee bis zum Erzgebirge vertreten, konnte sich aber nur im Wendland als einer seit dem Mittelalter strukturschwachen Region abseits der großen Handelswege in der gehäuften Ausprägung erhalten.

Bei über 100 Dörfern ist die Rundlingsform noch heute im Ortsbild zu erkennen. Aber auch in der benachbarten Altmark sowie in östlichen Teilen der Landkreise Lüneburg, Uelzen, Gifhorn sowie südlich auf dem Vorsfelder Werder (Rühen, Wendschott, Brackstedt, Velstove) und einigen Gebieten Schleswig-Holsteins hat sich eine erhebliche Zahl von Rundlingen erhalten. Diese sind im Gegensatz zu denen des Hannoverschen Wendlandes häufig stärker überformt. Auch sind ihre historischen Bauernhäuser weniger erhalten geblieben, da in anderen Gebieten mit höherer wirtschaftlicher Dynamik Neubauten entstanden.

Bewerbung für die Tentativliste als Welterbestätte[Bearbeiten]

Die Rundlingsdörfer im Hannoverschen Wendland sind nach einem 2011 begonnenen Auswahlverfahren im Jahre 2012 vom Bundesland Niedersachsen als Kulturlandschaft für die deutsche Tentativliste bei zukünftigen UNESCO-Welterbeanträgen nominiert worden, was das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur am 18. Juni 2012 bekannt gab. [2] Die Kultusministerkonferenz entschied 2014 [3], das sich die Rundlingsdörfer nicht unter den 10 ausgewählten Objekten der 32 Bewerbungen befinden. Sie werden aber im folgenden Turnus für die Auswahl neuer Welterbestätten in den Jahren 2017-2019 erneut nominiert. [4]

Begründet wurde die Kandidatur von 19 ausgesuchten Rundlingsdörfern damit, dass sie eine Auswahl von prägnanten hochmittelalterlicher Kolonisationssiedlungen im Landkreis Lüchow-Dannenberg darstellen. Die Einzigartigkeit der Rundlingsdörfer drücke sich durch das Zusammenspiel eines prägnanten Ortsgrundrisses, einer großen Dichte an giebelständig auf den zentralen Platz ausgerichteten niederdeutschen Hallenhäusern sowie einer regional spezifischen Ausprägung dieses Haustyps aus. Erfolgsaussichten bei der Kandidatur erhoffte sich das Land Niedersachsen dadurch, dass die Rundlingsdörfer zu den unterrepräsentierten Kategorien der Kulturlandschaften und der bäuerlichen Architektur innerhalb des Welterbes gehören.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wendland-Lexikon. Hrsg.: Wolfgang Jürries und Berndt Wachter, Köhring, Lüchow 2008, Bd. 1: A-K, 2. Aufl., 424 S., Ill., Kt, ISBN 978-3-926322-28-9; Bd. 2: L-Z., 640 S., Ill., graph. Darst., Kt., ISBN 978-3-926322-45-6
  • Ingeborg Harms: Das Wendland. in: Deutsche Landschaften. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003. ISBN 3-10-070404-5
  • A. Danneberg, T. Danneberg, B. Eisermann, A. Krüger, B. Sturm: 750 Jahre Trebel, 1251–2001. Köhring, Lüchow 2001.
  • Burghard Kulow: Damals im Wendland. edition limosa, Clenze 2008. ISBN 978-3-86037-345-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikivoyage: Wendland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wer wird Welterbe? in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 18. Juni 2012
  2. Pressemitteilung: „Altes Land“ und „Rundlingsdörfer des Hannoverschen Wendlandes“ werden für die deutsche Tentativliste gemeldet des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 18. Juni 2012
  3. Kein UNESCO-Welterbe? Dann eben nicht! bei ndr.de vom 17. Juni 2914
  4. Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 14. Juni 2014