Lüchow (Wendland)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lüchow (Wendland)
Lüchow (Wendland)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lüchow (Wendland) hervorgehoben
52.96666666666711.1518Koordinaten: 52° 58′ N, 11° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Lüchow (Wendland)
Höhe: 18 m ü. NHN
Fläche: 89,01 km²
Einwohner: 9417 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29439
Vorwahl: 05841
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 018
Stadtgliederung: 24 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Theodor-Körner-Str. 14
29439 Lüchow
Webpräsenz: www.luechow.de
Bürgermeister: Manfred Liebhaber
Lage der Stadt Lüchow (Wendland) im Landkreis Lüchow-Dannenberg
Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Brandenburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Neu Darchau Hitzacker Göhrde gemeindefreies Gebiet Göhrde Damnatz Karwitz Zernien Gusborn Langendorf Dannenberg (Elbe) Jameln Lüchow Wustrow Luckau (Wendland) Küsten Waddeweitz Clenze Bergen an der Dumme Schnega Lübbow Woltersdorf Lemgow Prezelle Trebel Gorleben Gartow Höhbeck Schnackenburg gemeindefreies Gebiet GartowKarte
Über dieses Bild

Lüchow (Wendland) [ˈlyːçoː] ist eine Stadt im Nordosten Niedersachsens im südlichen Wendland. Lüchow ist der Verwaltungssitz der Samtgemeinde Lüchow (Wendland) und ist die Kreisstadt des Landkreises Lüchow-Dannenberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lüchow liegt im südlichen Teil des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Durch die Stadt fließt der Fluss Jeetzel. Die Landschaft wird durch den saaleeiszeitlich entstandenen Drawehnhöhenzug im Westen sowie die größtenteils weichselglazial überformte Lüchower Niederung (Niederterrasse) geprägt, die noch Bestandteil des Elbe-Urstromtales ist (vgl.: Naturräumliche Haupteinheitengruppe Wendland und Altmark). Die örtlich bedeutenden Höhen sind der Kolborner Berg mit 24 m[2] im Osten sowie der etwa niedrigere Jeetzeler Berg im Südwesten.

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Lüchows umfasst 89,01 km².

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Lüchow gliedert sich in 24 Ortsteile:[3]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Lüchow
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de[4]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Lüchow
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 4 8 13 18 21 23 23 19 13 7 4 Ø 13
Min. Temperatur (°C) −3 −3 0 3 7 10 12 11 9 6 2 −1 Ø 4,5
Niederschlag (mm) 40 35 35 40 50 60 65 55 40 35 43 45 Σ 543
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,3 3,7 5,2 7,2 7,4 6,9 6,7 4,8 3,3 1,7 1,2 Ø 4,3
Regentage (d) 18 16 13 14 14 14 17 16 15 17 18 18 Σ 190
Luftfeuchtigkeit (%) 88 85 80 75 71 73 74 75 80 85 87 88 Ø 80,1
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Quelle: wetterkontor.de[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Lange Straße im August 1956
Marktplatz Lüchow mit dem alten Rathaus(links) und dem Ratskeller (rechts)

Der Ort wurde erstmals 1158 urkundlich erwähnt und erhielt 1293 die Stadtrechte. 1320 ging die Grafschaft Lüchow in den Besitz des Hauses Braunschweig-Lüneburg über. Von der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung ist heute nur noch ein Turm vorhanden, der als Glockenturm für die aus dem 13. Jahrhundert stammende St. Johannis-Kirche genutzt wird. Ein 1555 errichtetes Stadttor, welches die Innenstadt von der Drawehner Vorstadt im Westen trennte, wurde 1793 abgebrochen. Zwischen 1471 und 1473 ließ die Gemahlin von Herzog Otto II. von Braunschweig-Lüneburg, die Gräfin Anna von Nassau-Dillenburg (1440–1513), die Grafenburg zum Schloss ausbauen, das ihr einige Jahre (1496–1504) als Witwensitz diente. 1537 wurde Lüchow von der Pest heimgesucht. Im Jahre 1589 brannte die Stadt zum großen Teil ab. Im Jahre 1608 legte eine Feuersbrunst den größten Teil der Stadt Lüchow in Asche.[5]

Die bis dahin größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt ereignete sich im Jahr 1811. Weite Gebiete Lüchows wurden in einem großen Brand vernichtet, der auch das Rathaus und das Schloss zerstörte. 1855 erfolgte die Vereinigung mit den beiden Vorstädten, der Salzwedeler und der Drawehner Vorstadt.

Der polabische Name für Lüchow ist Ljauchüw (geschrieben als Lgauchi or Lieuschü in älteren deutschen Quellen).

Von 1852 bis 1974 war Lüchow Sitz eines Amtsgerichts. 1972 entstand im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen die Samtgemeinde Lüchow. 2006 wurde die Samtgemeinde Lüchow (Wendland) aus den Samtgemeinden Lüchow und Clenze gebildet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Zum 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden im Raum Lüchow neu gegliedert und 19 bis dahin eigenständige Gemeinden in die Stadt Lüchow eingegliedert. Eingemeindet wurden Beutow, Bösel, Gollau, Grabow, Jabel, Jeetzel, Kolborn, Krautze, Künsche, Loge, Plate, Ranzau, Reetze, Rehbeck, Saaße, Satemin, Seerau in der Lucie, Tarmitz und Weitsche.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1975 10.418
1980 10.631
1985 10.623
1990 11.097
1995 9.955
2000 10.078
2005 9.826

Politik[Bearbeiten]

Die Stadt Lüchow gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg–Lüneburg.[7][8]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Lüchow hat einschließlich des Bürgermeisters 25 Mitglieder.

Partei / Liste CDU SPD UWG Grüne SOLI1 EB2 Gesamt
Sitze 7 7 5 3 1 2 25 Sitze

1 Sozial Ökologische Liste, in der Grünen-Fraktion    2 Einzelbewerber, je einer in der Fraktion der CDU und der UWG

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt Lüchow ist Manfred Liebhaber (SPD).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Lüchow unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten und Gemeinden:

Religion[Bearbeiten]

St. Johannis-Kirche

Die evangelisch-lutherische St. Johannis-Kirche ist die älteste Kirche von Lüchow, sie ist benannt nach Johannes dem Täufer. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg der Landeskirche Hannovers und ist Sitz der Superintendentur. Andere evangelische Einrichtungen in Lüchow sind der Kindergarten St. Johannis, das Altenheim St. Georg, die evang. Lebensberatung Georgshof, die Mensa im Schulviertel und den Friedhof von Lüchow. Weitere evangelische Kirchen und Kapellen befinden sich in den zu Lüchow eingemeindeten Orten Plate, Satemin, Kolborn und Jeetzel.

Die katholische St. Agnes-Kirche befindet sich an der Hindenburgstraße, die nach Agnes von Rom benannte Kirche wurde 1913/14 erbaut. Ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Lüneburg, zu ihr gehört seit 2006 auch die katholische Kirche in Dannenberg. Die Filialkirche in Clenze wurde 2012 profaniert.[9]

Eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Drawehner Straße. Von 1945 an fanden zunächst neuapostolische Gottesdienste in verschiedenen profanen Räumlichkeiten statt. 1962/63 wurde eine eigene heute noch bestehende Kirche erbaut und 1963 eingeweiht. Die Gemeinde gehört heute zur Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland.

Die Bibel Baptisten Gemeinde besitzt in Lüchow ein Gemeindehaus und die Zeugen Jehovas einen Königreichssaal.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Amtsturm, Überrest des ehemaligen Schlosses der Grafschaft Lüchow
Glockenturm, Nordansicht

Museen[Bearbeiten]

In Lüchow befinden sich zwei Museen: in einem erhalten gebliebenen Turm des 1811 abgebrannten Lüchower Schlosses das 1930 eröffnete Amtsturm-Museum – das älteste Museum des Landkreises –, das die Geschichte der Lüchower Grafen und die Lüchower Stadtgeschichte präsentiert,[10] sowie seit 2011 das Stones-Fan-Museum, das sich der britischen Rockband The Rolling Stones widmet.[11] Sie gehören zusammen mit den anderen Museen des Landkreises Lüchow-Dannenberg dem Museumsverbund Lüchow-Dannenberg e. V. an.[12]

Bauwerke[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmale in Lüchow (Wendland)

Sehenswert sind die naturbelassene Umgebung und einige typisch wendländische Rundlingsdörfer in der Nachbarschaft. In der Innenstadt gibt es viele Fachwerkhäuser. Durch die Stadt führt die Deutsche Fachwerkstraße.

Sport[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es ein Hallenbad sowie ein Freibad.

Die drei Lüchower Sportvereine FC Lüchow, TuS Lüchow und SV Sporting sind am 1. Januar 2007 zum SC Lüchow verschmolzen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Bundesstraße 248 und an der Bundesstraße 493. Im Jahr 2010 hat Lüchow eine Ortsumgehungsstraße erhalten. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Dannenberg, Salzwedel und Schnega. Die Bahnstrecke Lüchow–Dannenberg soll reaktiviert werden. Im Ortsteil Rehbeck befindet sich ein Verkehrslandeplatz.

Medien[Bearbeiten]

In Lüchow erscheint die Elbe-Jeetzel-Zeitung. Außerdem der zur EJZ gehörige Kiebitz und das Anzeigenblatt 'Generalanzeiger'

Der Regionalsender Radio ZuSa berichtet über UKW über Lüchow und Umgebung.

Bildung[Bearbeiten]

In der Samtgemeinde Lüchow (Wendland) gibt es zehn Grundschulen, eine Realschule, eine Hauptschule, ein Gymnasium, eine Berufsbildende Schule mit einem Beruflichen Gymnasium für Wirtschaft und einem Beruflichen Gymnasium für Technik, eine Förderschule, eine Kreisvolkshochschule sowie Kreismusikschule. Im Jahr 2008 wurde die Akademie für erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg GmbH gegründet.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Chronik der Stadt Lüchow. Druck- u. Verlagsgesellschaft E. Köhring, Lüchow 1949, 2. unveränd. Nachdruck 1989
  • Karl Kowalewski: Lüchow. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zur Geschichte der Jeetzel-Stadt. Stade 1980
  • Karl Kowalewski: Der große Brand von Lüchow 1811 und der Wiederaufbau der Stadt, Lüchow 2006
  • Karl Kowalewski: Von Altertümern und von Heimatliebe. Notizen und Beobachtungen aus Anlaß des Doppeljubiläums; 75 Jahre Wendländischer Altertumsverein 1905–1980; 50 Jahre Wendländisches Heimatmuseum 1930–1980. Lüchow 1980
  • Burghard Kulow: Lüchow (Wendland), Die 50er und 60er Jahre. Horb 2006
  • Hans Nordsiek: Von Lüchow nach Salzwedel – auf den Spuren des Mindener Reformators Nicolaus Krage. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, 53/1981, S. 51–106
  • Peter und Torsten Schoepe: Lüchow. Wandel des Stadtbildes in 120 Jahren. Lüchow 1985
  • Johann Parum Schultze; Reinhold Olesch (Hrsg.): Fontes linguae Dravaenopolabicae minores et Chronica Venedica J. P. Schultzii. (= Slavistische Forschungen; Band 7). Böhlau, Köln und Graz 1967
  • Christian Hennig von Jessen: Vocabularium Venedicum (oder Wendisches Wörter-Buch) (1705). Nachdruck besorgt von Reinhold Olesch. - Köln [u. a.]: Böhlau 1959 (Gewährsmann des Pastors C. Hennig von Jessen war der polabisch sprechende Bauer Johann Janieschge aus Klennow)
  • Hans-Cord Sarnighausen: Kurhannoversche Amtsjuristen in Lüchow (1694-1866), in: GENEALOGIE Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, Verlag Degener & Co. 91610 Insingen, Heft 2/2007, S. 558-573.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lüchow (Wendland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. vgl. die Bezeichnung "Kolborner Alpen"
  3. § 1, Satzung zur Festlegung der Schulbezirke im Primarbereich der Samtgemeinde Lüchow (Wendland). In: Ortsrecht der Samtgemeinde Lüchow (Wendland). Stand 1. Januar 2009, S. 36, 37 (PDF; 512 KB).
  4. Jürgen Schmidt: Das Klima in Lüchow. In: Wetterkontor. Abgerufen am 29. März 2013.
  5. Blazek, Matthias: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900, Adelheidsdorf 2006, S. 93, ISBN 978-3-00-019837-3.
  6. § 5 (4), Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Lüchow. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt. Nr. 30, 26. Jahrgang, Hannover 27 Juni 1972.
  7. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anl. zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB).
  8. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anl. zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB).
  9. Pfarrgemeinde St. Agnes. In: kk-lue-dan.de. Abgerufen am 21. Oktober 2012.
  10. Amtsturm-Museum Lüchow. In: luechow-dannenberg.de. Abgerufen am 20. Oktober 2012.
  11. Stones Fan Museum Lüchow. In: luechow-dannenberg.de. Abgerufen am 2. August 2012.
  12. Museumsverbund Lüchow-Dannenberg e. V. In: luechow-dannenberg.de. Abgerufen am 2. August 2012.
  13. http://www.akademie-ee.de/akademie-erneuerbare-energien/entstehung-akademie-erneuerbare-energien
  14. Wendland-Lexikon, Band 2, Lüchow 2008, S. 462.