Wie im Himmel

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Filmdaten
Deutscher Titel Wie im Himmel
Originaltitel Så som i himmelen
Produktionsland Schweden
Originalsprache Schwedisch
Erscheinungsjahr 2004
Länge Kino: 133 Minuten
DVD: 127 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 10 [1]
Stab
Regie Kay Pollak
Drehbuch Kay Pollak, Anders Nyberg, Ola Olsson, Carin Pollak, Margaretha Pollak
Produktion Anders Birkeland,
Göran Lindström
Musik Stefan Nilsson
Kamera Harald Gunnar Paalgard
Schnitt Thomas Täng
Besetzung
Mikael Nyqvist im November 2009 in Stockholm
Frida Hallgren und Kay Pollak bei der deutschen Premiere auf der Berlinale 2005

Wie im Himmel (Originaltitel: Så som i himmelen) ist ein schwedisches Musikfilm-Drama aus dem Jahr 2004 vom Regisseur Kay Pollak mit Michael Nyqvist in der Hauptrolle.

Handlung[Bearbeiten]

Daniel Daréus ist ein international erfolgreicher Dirigent aus Schweden. Kurze Rückblenden zeigen zunächst prägende Stationen des Heranwachsenden: Der Junge wächst ohne Vater in Ljusåker auf, einem Dorf in Nordschweden. Während seiner Schulzeit wird Daniel von seinen Mitschülern gehänselt und verprügelt. Später kommt sein außergewöhnliches musikalisches Talent als Geigenvirtuose zum Vorschein. Im Alter von acht Jahren zieht er mit seiner Mutter in die Stadt, wo ihn der Musikagent Mircea unter die Fittiche nimmt. Als Jugendlicher muss er mitansehen, wie seine Mutter infolge eines Autounfalls stirbt, als er gerade im Begriff ist, an einem internationalen Jugendmusikwettbewerb teilzunehmen. Schließlich − als Mittvierziger − wird Daniel Daréus ein gefeierter Stardirigent. Während eines großen Sinfoniekonzerts erleidet er einen Herzinfarkt und legt deshalb seine Arbeit nieder.

Er zieht sich zurück nach Ljusåker, den Ort seiner Kindheit, wo er die ehemalige Dorfschule kauft und dort einzieht. Da Daniel Daréus nur sein Künstlername ist, erkennt ihn in dem Dorf zunächst niemand wieder. Daniel träumt von einer Musik, die die Herzen der Menschen öffnet und verbindet. Er lernt die junge Verkäuferin Lena kennen, die im örtlichen Kirchenchor singt. Der Sportladen-Besitzer des Dorfes, Arne, will ihn als Leiter für diesen Chor gewinnen. Daniel besucht zunächst widerwillig eine Chorprobe, entscheidet sich dann jedoch, die vakante Stelle des Kantors zu übernehmen, den Chormitgliedern Gesangsunterricht zu erteilen und sie für die Musik zu begeistern. Der anfangs kleine und schlechte Chor wächst und wächst. Auch der geistig behinderte Tore darf mitmachen, da er eine ursprüngliche Herangehensweise an das Singen hat. Daniel erhält von den Chormitgliedern großen Zuspruch, auch da er eigenwillige Unterrichtsmethoden einführt, die den Chormitgliedern helfen, sich zu öffnen und den Zugang zur Musik zu finden.

Zwei weitere Handlungsstränge stellen die häusliche Problematik im Dorfleben dar: die begabte Sängerin Gabriella und ihr gewalttätiger Mann Conny sowie das Pfarrerehepaar Stig und Inger. Bei letzteren wird konfliktreich die Bigotterie des dörflichen Kirchenlebens, namentlich des Pfarrers selbst, offengelegt.

Daniel erlebt intensive Stunden mit dem Chor, und der Zusammenhalt wächst durch die gegenseitige Unterstützung bei den Sorgen und Problemen Einzelner, die der Enge des Dorflebens geschuldet sind und die eindrücklich in Nebenschauplätzen oder Einzelschicksalen dargestellt werden. Der Pfarrer Stig, dessen Frau auch im Chor singt und die den neuen Kantor unterstützt, sieht seinen Status und seine Autorität durch die Beliebtheit Daniels untergraben und entlässt ihn mit Hilfe von Verleumdungen vor Ablauf der Probezeit durch einen Kirchenvorstandsbeschluss. Der Chor folgt jedoch Daniel und probt weiter in dessen Haus. Daniel und Lena bauen eine immer intensiver werdende Beziehung auf. Es wird jedoch offenkundig, dass der Dirigent Schwierigkeiten hat, einer Liebesbeziehung zu trauen und sich Menschen persönlich anzuvertrauen.

Arne, der informelle Führer der Gruppe, meldet den Chor zu dem Gesangswettbewerb Let the Peoples Sing in Österreich an. Daniel ist zunächst dagegen, aber die anderen überreden ihn, und so willigt er doch noch ein.

Einige Tage vor der Abfahrt, mitten in der Chorprobe, taucht Gabriella mit ihren Kindern auf. Sie hat Gesichtsverletzungen und verkündet, nicht mehr zu ihrem gewalttätigen Mann zurückzukehren. Kurze Zeit später taucht dieser auf und will seine Frau mit Gewalt zurückholen, wird aber von der Gruppe daran gehindert. Er droht daraufhin, sich zu rächen, und als er Daniel einige Zeit später im Bach baden sieht, prügelt er ihn bewusstlos. Er wird festgenommen und landet im Gefängnis. Daniel offenbart der Gruppe, wer er wirklich ist und dass er seine Kindheit in Ljusåker verbracht hat.

Schließlich fährt die Chorgruppe mit dem Bus nach Innsbruck. Dort angekommen, erhält Daniel durch seine vormalige Popularität sofort die Aufmerksamkeit der Medien. Zudem trifft er dort auf seinen ehemaligen Musikagenten, dem er erklärt, nun seinen Traum, die Herzen der Menschen durch Musik zu verbinden, gefunden zu haben. Er erkennt, dass der Chor ihn liebt und umgekehrt. Daraufhin schafft er es endlich, auch Lena seine Liebe zu offenbaren. In ihrem Hotelzimmer kommen sich die beiden näher.

Euphorisiert von den jüngsten Ereignissen fährt Daniel später wie von Sinnen mit dem Fahrrad durch die Stadt und hat anscheinend die Zeit vergessen. Dann erinnert er sich an den bevorstehenden Auftritt und hetzt zurück. Auf dem Weg in die Halle, wo seine Gruppe schon auf der Bühne steht, erleidet er einen weiteren Herzinfarkt. Er schleppt sich in die Toilette des Gebäudes, stürzt taumelnd mit dem Kopf gegen den Heizkörper und bricht verletzt zusammen. Da ihr Leiter nicht erscheint, fängt der Chor an zu improvisieren, und Daniel hört über Lautsprecher den Gesang seines Chors, der die anderen Chöre so sehr in seinen Bann zieht, dass sie aufstehen und mitsingen. Daniel liegt blutend in der Toilette und hört, dass der Gesang die Menschen erreicht und verbindet. Schließlich hört er mit einem Lächeln im Gesicht auf zu atmen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Wie im Himmel war der erste Film des Regisseurs Kay Pollak seit 18 Jahren. Pollak hatte die Regiearbeit 1986 aufgegeben, nachdem der schwedische Ministerpräsident Olof Palme nach einem Kinobesuch ermordet worden war. Palme hatte jedoch am Abend vor seiner Ermordung nicht – wie oft fälschlich angegeben – einen Film von Pollak, sondern den Film Bröderna Mozart (Die Gebrüder Mozart) von Suzanne Osten gesehen.[2]

Kritiken[Bearbeiten]

„Chorfilm mit spirituellem Beiklang, der seine Botschaft von der Notwendigkeit der Solidarität nur durch biederes Handwerk vermittelt und auch als Künstlerdrama nicht zu überzeugen versteht.“

Lexikon des Internationalen Films

„Zu Recht für den Oscar nominiert, ein bewegendes Fest der Musik und des Lebens.“

KulturSpiegel [3]

„Wenn auch das Ende über alle pathetischen Stränge schlägt, teilt hier der Regisseur erstmals die Zuversicht seines Protagonisten, daß eine große Botschaft keineswegs der Worte bedarf.“

Jutta Klocke - Schnitt [4]

„Dem Regisseur Kay Pollack glückt nun nach fast zwanzig Jahren Pause ein intensiver Film: Der Anfang mit seinen Zusammenschnitten aus Daniels Kindheit und zerstörerischer Karriere und wie das mit einer langen Fahrt durch eine schwedische Winterlandschaft in die Erzählgegenwart mündet, ist so originell wie eindrucksvoll. Mit seiner Wendung zu den Menschen wirkt er danach nicht mehr ganz so originell, aber eindrucksvoll bleibt er bis zum Schluss.“

Peter Uehling - Berliner Zeitung [5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film war bei der Oscarverleihung 2005 als Bester fremdsprachiger Film nominiert, konnte sich aber nicht gegen den spanischen Beitrag Das Meer in mir von Alejandro Amenábar durchsetzen. Beim Internationalen Norwegischen Filmfestival in Haugesund war er für den Amanda Award in derselben Kategorie nominiert und beim ebenfalls in Norwegen stattfindenden Tromsø Internasjonale Filmfestival 2005 gewann das Werk den Publikumspreis Tromsø Audience Award.[6] Beim Europäischen Filmpreis 2005 erhielt Stefan Nilsson eine Nominierung als Bester Komponist, Kay Pollak war für den Publikumspreis als Bester Regisseur nominiert.

Bei der Verleihung des schwedischen Filmpreises Guldbagge 2005 ging der Film bei acht Nominierungen leer aus. Nominiert war er unter anderem als Bester Film, Michael Nyqvist als Bester Hauptdarsteller, Frida Hallgren als Beste Hauptdarstellerin und Kay Pollak für die Beste Regie.

Am 14. September 2006 erhielt Wie im Himmel auf der 6. Filmkunstmesse Leipzig den Gilde-Filmpreis für den Besten ausländischen Film verliehen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Filmdatenbank des BMUKK
  2. Granskningskommissionens betänkande: Brottsutredningen efter mordet på statsminister Olof Palme. Elanders Gotab, Stockholm 1999, ISBN 91-7610-896-1. Offizieller Untersuchungsbericht, siehe Seite 148. (Schwedisch, PDF 1.1. MB; 1,2 MB)
  3. KulturSpiegel, Ausgabe 10/2005 vom 26. September 2005
  4. Singen macht frei in Schnitt – Das Filmmagazin, Ausgabe 40/2005
  5. Glücklich mit der Sopranistin in Berliner Zeitung vom 20. Oktober 2005
  6. Tromsø Internasjonale Filmfestival: Power to the people. Abgerufen am 5. April 2011 (norwegisch)