William Ames

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William Ames, latinisiert auch Guilielmus Amesius (* 1576 in Ipswich; † 14. November 1633 in Rotterdam) war ein englischer reformierter Theologe, der vor allem in den Niederlanden wirkte. Er ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls lange in den Niederlanden wirkenden Quäker William Ames († 1662).

Leben[Bearbeiten]

Ames, Sohn eines Kaufmanns, wurde von seinem Onkel Robert Snelling im Geist des Puritanismus erzogen. Ab 1594 studierte er am Christ's College in Cambridge, unter anderem bei William Perkins (1558–1602), dem führenden Theologen der Puritaner in der Church of England. Nach Erlangung des Magistergrades 1601 wurde Ames zum Fellow des Christ's College berufen. Nach einer Predigt gegen das ausschweifende Studentenleben im Dezember 1609 musste er diese Stellung jedoch aufgeben. Er wurde zum Pfarrer der Gemeinde in Colchester gewählt, aber vom Londoner Bischof George Abbot nicht bestätigt. Weil die Stellung der Puritaner in England immer schwieriger wurde, reiste er Ende 1610 in die Niederlande. Nach kurzem Aufenthalt in Leiden (bei John Robinson) und Rotterdam (Disputation mit dem Arminianer Nicolaas Grevinckhoven († 1632)) wurde er 1613 zum Garnisonsprediger bei den englischen Truppen in Den Haag berufen. An der Dordrechter Synode 1618/19 nahm er als Beobachter für die calvinistische Partei teil und beriet den Präsidenten Johann Bogermann.

1619 wurde Ames zum Betreuer eines Studentenheims an der Universität Leiden berufen. Die geplante Ernennung zum Professor der Theologie an der Universität Leiden scheiterte am Widerstand von George Abbot. Stattdessen wurde Ames 1622 Professor an der Universität Franeker, wo er zahlreiche Schüler nachhaltig prägte. 1632 wurde er Pfarrer einer Flüchtlingsgemeinde in Rotterdam, starb aber kurz vor der geplanten Übersiedlung nach Neuengland.

Werk und Bedeutung[Bearbeiten]

Spätestens mit der Übersetzung der Schrift »English Puritanism« von William Bradstaw (1610) war Ames als ein entschiedener Vertreter des orthodoxen Calvinismus und des sittenstrengen Puritanismus hervorgetreten. Sein theologisches Hauptwerk Medulla theologica prägte den Anführer der „präzisistischen“ Richtung im niederländischen Protestantismus, Gisbert Voetius. Zugleich aber beeinflusste er mit seiner Bestimmung des Gewissens als autonomer Instanz und seiner Bundestheologie die „Nadere Reformatie (Nähere Reformation)“ und gilt als Wegbereiter des reformierten Pietismus. Besonders Johannes Coccejus hat ihn in diesem Sinne aufgenommen.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Coronis ad collationem Hagiensem, qua argumenta pastorum Hollandiae adversus Remonstrantium quinque articulos de divina praedestinatione, et capitibus ei adnexis, producta, ab horum exceptionibus vindicantur. Elzevir, Leiden 1618
  • Medulla theologica. Amsterdam 1623 (Englisch: The marrow of sacred divinity. London 1642; Neuausgabe: The marrow of theology. Grand Rapids, Mich : Baker Books, 1997)
  • Bellarminus Enervatus, sive disputationes anti-Bellarminianae. Amsterdam 1628
  • De conscientia, et eius iure vel casibus : Libri quinque. Amsterdam 1630 (Deutsch: Von dem Recht deß Gewissens/ und Desselben begebenden Fällen : In V. Büchern verfasset. Nürnberg : Endter, 1654; Englisch: Conscience with the power and cases thereof. 1639; Nachdruck Amsterdam [u.a.] : Theatrum Orbis Terratum [u.a.], 1975)
  • The substance of Christian religion: or, A plain and easie draught of the Christian catechisme. London 1659 (Neuausgabe: A sketch of the Christian's catechism. Grand Rapids, Mich : Reformation Heritage Books, 2008)
  • A fresh suit against human ceremonies in God's vvorship. [Rotterdam?], 1633 (Nachdruck: Springfield, Ill.: [Scholarly Repr.], 2000)
  • The workes of the Reverend and faithfull minister of Christ, William Ames. London : John Rothwell, 1643.
  • A declaration of the witness of God manifested in me from my youth. S.l. 1656

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]