William Baffin

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William Baffin (* 1584 ?; † 23. Januar 1622 auf Hormus/Persischer Golf) war ein englischer Seefahrer und Entdecker. Nach ihm ist die Baffin Bay zwischen Westgrönland und dem Kanadisch-arktischen Archipel benannt, die er als erster detailliert beschrieb.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Baffins genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert. Die 11. Auflage der Encyclopædia Britannica gibt das Jahr 1584 an, jedoch ist unbekannt, auf welche Quelle sich diese Angabe stützt.

Baffin trat zum ersten Mal 1612 als Steuermann bei James Halls Expedition an die Westküste Grönlands in Erscheinung. Zu dieser verfasste er den offiziellen Bericht, der neben Informationen über die Kompassabweichung auch umfangreiche Berechnungen zur Bestimmung des Längengrads im Gebiet Westgrönlands auf der Basis des Mondzenits enthält. Darüber hinaus beschrieb er Begegnungen mit den Inuit und insbesondere Halls tragisches Ende, der von einem Eingeborenen getötet wurde.

1613 und 1614 fungierte Baffin als Steuermann auf zwei Expeditionen nach Spitzbergen, die von der Moskowitischen Compagnie organisiert wurden.

1615 nahm er an der ersten von zwei Expedition unter der Führung von Robert Bylot zur Suche nach der Nordwestpassage teil, die von der Muscovy Company finanziert wurde. Bei der ersten Expedition wurde die Hudsonstraße und Southampton Island genauer erkundet. Während der Expedition führte Baffin die erste überlieferte Bestimmung des Längengrads auf einem Schiff durch. Im Bericht über die Expedition vertrat Baffin die Meinung, dass, anstatt die Hudson Bay weiter nach einer möglichen Passage zu durchsuchen, besser weiter nördlich gesucht werden sollte.

Entdeckung der Baffin Bay[Bearbeiten]

Baffins Karte der Reise von 1615 durch die Hudsonstraße

Das Meer westlich von Grönland war erstmals etwa 30 Jahre zuvor durch John Davis erkundet worden, nach dem die Davisstraße benannt wurde. Baffins Plan war es nun, weiter in nördlicher Richtung vorzudringen. Die zweite Expedition im Auftrag der Nord West Company stach am 26. März 1616 an Bord der Discovery und 17 Mann Besatzung vom englischen Gravesend aus in See. Die Fahrt über den Atlantik verlief ohne Vorkommnisse, und am 14. Mai wurde vor Maniitsoq Land gesichtet. Sechs Tage später ankerte die Discovery an der Nordspitze der Diskoinsel. Am 30. Mai passierten sie den Berg Sandersons Hope, bei dem Davis im Jahr 1587 umgekehrt war. Auf Women's Island in der Nähe des heutigen Upernavik traf die Expedition auf Inuit. Ab dem 12. Juni wartete man bei 73° 45' N ein weiteres Schmelzen des Packeises ab, und konnte sechs Tage später die Reise fortsetzen. Am 20. Juni entdeckte man den Smithsund und erreichte mit 78° N den nördlichsten Punkt der Expedition. Am 10. und 12. Juli entdeckte die Gruppe den Jones- und den Lancastersund. Wie Edward Parry 1819 nachwies, war der Lancastersund tatsächlich der Eingang zur Nordwestpassage, die Expedition widmete sich jedoch keiner weiteren Erkundung und suchte stattdessen auf südlichem Kurs nach weiteren Abflüssen. Nachdem keine weiteren Entdeckungen gemacht werden konnten, und sich Skorbut unter der Mannschaft ausbreitete, entschloss man sich zur Rückfahrt. Nach einem weiteren Zwischenstopp bei Maniitsoq, bei dem die Ausbreitung des Skorbuts mittels in Bier aufgekochter Löffelkräuter („scurvy grass“) bekämpft wurde, erreichte man am 30. August Dover.

Baffins Entdeckungen gerieten über 200 Jahre lang in Vergessenheit. Der Pastor Samuel Purchas, der die Veröffentlichung von Baffins Dokumenten übernahm, ließ die Karten und Berechnungstabellen weg, da deren Druck damals schwierig und kostspielig war. Erst John Ross erkundete 1818 erneut das Meer vor Westgrönland und bestätigte die Angaben Baffins.

Dienst für die Ostindien-Kompanie[Bearbeiten]

Nachdem die Entdeckung der Nordwestpassage auf westlicher Route gescheitert war, beschäftigte sich Baffin in den folgenden Jahren mit der Idee, diesen Weg in östlicher Richtung zu finden. Am 4. Februar 1617 segelte er als Master's Mate an Bord der Anne Royal in einer Flotte unter dem Kommando von Martin Pring in den Pazifik. Die Expedition wurde von der Ostindien-Kompanie finanziert und erreichte im September Surat in Indien. Dort wurde die Anne Royal aus dem Flottenverband herausgelöst und fuhr Häfen im Roten Meer und im Persischen Golf an. Währenddessen fertigte Baffin Karten des Gebiets an. Im September 1619 wurde das Schiff nach England zurückbeordert.

Im folgenden März stach Baffin erneut für die Ostindien-Kompanie in See, diesmal an Bord des Flaggschiffs einer Flotte unter Andrew Shilling, dem ehemaligen Kapitän der Anne Royal. Im Golf von Oman wurde die Flotte jedoch in eine Schlacht mit portugiesischen und niederländischen Schiffen verwickelt, während der Shilling getötet wurde. Ab Januar 1622 nahm die Flotte an einer Belagerung der portugiesischen Festung auf Hormus teil. Am 23. Januar wurde Baffin an Land geschickt, um die Höhe der Festungsmauern zu bestimmen. Dabei wurde er von einer Kugel in den Bauch getroffen, und erlag noch an Ort und Stelle der Verletzung.

Seine Ehefrau verklagte nach seinem Tod die Ostindien-Kompanie und erhielt nach drei Jahren eine Entschädigung von 500 Pfund zugesprochen. Neben der Baffin Bay wurde auch die Baffininsel nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]