Willibald Feuerlein

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Willibald von Feuerlein

Ehregott August Willibald von Feuerlein, Nobilitierung 1836 [1]; (* 24. Juni 1781 in Stuttgart, Herzogtum Württemberg; † 29. September 1850 in Stuttgart, Königreich Württemberg), war ein deutscher Jurist und „Ober-Tribunalrath“ am Oberappelationstribunal in Stuttgart. Von 1820 bis 1833 war er Stadtschultheiß Stuttgarts mit dem Ehrentitel Oberbürgermeister.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Wappen, versehen mit einem Wappenbrief von Kaiser Karl V. [2], verliehen am 15. Juni 1551 an Hans Feyerlein, Bürgermeister von Roth, einem Urahn von Willibald Feuerlein

Willibald Feuerlein besuchte das gymnasium illustre in Stuttgart. Er bestand 1796 das Landexamen als bester seines Jahrgangs. Anschließend besuchte er das evangelisch-theologische Seminar in Blaubeuren. Danach studierte Willibald Feuerlein, zunächst als Stipendiat des evangelischen Stifts Tübingen, evangelische Theologie an der Universität Tübingen. Nach seinen theologischen Examina studierte Feuerlein Rechtswissenschaften in Tübingen und Landshut. 1804 erhielt er seine Promotion zum Dr. jur..

Nach seiner Kavalierreise durch Europa ließ sich Feuerlein 1807 als Notar in Stuttgart nieder. 1817 wurde er Oberjustizprokurator am Gerichtshof in Tübingen.

Von 1815 bis 1819 war Willibald Feuerlein Göppinger Abgeordneter in der Ständeversammlung und stimmte 1817 gegen die Annahme des königlichen Verfassungsentwurfs. 1818 wurde Feuerlein Justitiar an der Universität Tübingen. In den Jahren 1819 bis 1843 war er für wechselnde Wahlkreise Abgeordneter der Zweiten Kammer im württembergischen Landtag. 1820 wurde er von König Wilhelm I. zum Stadtschultheiß von Stuttgart berufen (Amtsantritt am 1. November 1820) und erhielt am 1. März 1822 als erster in der Reihe der Stuttgarter Stadtoberhäupter den Ehrentitel Oberbürgermeister.

Zu dieser Zeit hatte Stuttgart etwas mehr als 20.000 Einwohner. In die Zeit Feuerleins als Stadtschultheiß von Stuttgart fallen einige wichtige Projekte wie zum Beispiel 1822 der Baubeginn von Schloss Rosenstein, 1825 der Bau des Kursaals in Cannstatt, 1827 der Bau des Wilhelmsplatzes, 1828 die Eröffnung des Katharinenhospitals und 1831 die Eröffnung der Neuen Weinsteige nach den Plänen Etzels.

Bei den Landtagswahlen 1832 unterlag Feuerlein im Wahlkreis Stuttgart deutlich gegen Ludwig Uhland. Wegen dieser Niederlage trat er am 1. Januar 1833 von seinem Amt als Stadtschultheiß zurück, obwohl es ihm 1832 gelungen war, ein anderes Abgeordnetenmandat im Wahlkreis Künzelsau zu erlangen.

Der Rücktritt Feuerleins zeigt, dass zu dieser Zeit der König und der Landtag übermächtig waren und an eine eigene Kommunalpolitik ohne genügenden Rückhalt auf landespolitischer Ebene nicht zu denken war. Ab 15. Januar 1836 war Feuerlein Richter am Königlich Württembergischen Obertribunal in Stuttgart. Im Jahre 1841 wurde Feuerlein Mitglied des Württembergischen Staatsgerichtshofs.

Ehrungen[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Grabstein der Familie Feuerlein

Ehregott August Willibald Feuerlein erblickte mit seinem Zwillingsbruder Fürchtegott Willibald Gustav Feuerlein[3] am 24. Juni 1781 das Licht der Welt. Sie waren das neunte und achte Kind, von zwölf Kindern, des Carl Friedrich Feuerlein (* 5. März 1730 in Mömpelgard; † 15. März 1808 in Stuttgart) und seiner Ehefrau Auguste Elisabeth Franziska Johanna Feuerlein geb. Fischer (* 18. Dezember 1747 in Stuttgart; † 11. Februar 1823 in Stuttgart).

Carl Friedrich Feuerlein war Geheimer Kabinettssekretär in Diensten des Herzogs Carl Eugen von Württemberg. Er war Präsident des Wohltätigkeitsvereins, Kanzleiadvokat und Ordensregistrator. Seine Gemahlin Auguste Feuerlein, geb. Fischer war offiziell eine Tochter des Friedrich Johann Ernst Fischer (Hofkammerrat und 1. Küchenmeisters in Diensten Carl Eugens von Württemberg) und seiner Ehefrau Magdalena Barbara, einer Tochter des württembergischen Hofmusikus' und Instrumentenverwalters Sigmund Castenbauer (1677–1736) und dessen Ehefrau Maria Barbara geborene Scheiner (1683–1757).

Auguste Fischer, verehelichte Feuerlein, ist die Schwester des Erbauers von Schloss Hohenheim, Reinhard Fischer, Hofbaumeister Carl Eugens von Württemberg, der als Architekt und Baumeister viele Schlossanlagen und Gartenanlagen im Auftrag des Herzogs verwirklichte.

Willibald Feuerlein war seit dem 10. Februar 1810 mit Auguste Henriette Feuerlein geb. Schott (1792–1846) verheiratet. Das Paar hatte vier Söhne und drei Töchter. Der jüngste Sohn Otto (1822–1875) ist der Vater des Physikers Otto Feuerlein. Willibald Feuerleins Nichte Emilie Auguste Vischer (1799–1881) wurde die Ehefrau von Ludwig Uhland.

Die Grabanlage von Willibald Feuerlein und seiner Familie befand sich auf dem Hoppenlaufriedhof in Stuttgart. Nachdem der Hoppenlaufriedhof im 20. Jahrhundert aufgelassen worden war, wurde das Grabmal der Familie Willibald Feuerlein und die Grabmäler weiterer bekannter Personen, die im Laufe der Jahrhunderte hier bestattet worden waren, auf einer Rasenfläche, des nun zu einer Parkanlage umgestalteten ehemaligen Friedhofs, neu errichtet.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Königlich Württembergische Hof- und Staatshandbuch, Seite 36, anno 1836 Nobilitierung v. Feuerlein, Ober-Tribunalrath.
  2. Wiedergabe in der ursprünglichen Rechtschreibung: Wappenbrief von Kaiser Karl des V. Majestät. Hans Feyerlein erteilet. für die getrewen Willigen Dienst, darzu er sich Unss unnd dem Reiche zu tun unterthäniglich erbaut unnd wol zu thun mag unnd sol. Wir mainen setzen und wollen, daß nun füran der genennte Hanns Feyerlein, seine Eheliche Leibeserben und derselben Erbenserben die vorgeschriebene Wappen und Cleinot haben, führen und sich deren in allen und jeglichen ehrlichen und redlichen Sachen und geschefften zu Schimpff und Ernst, zu Streyten und Kempffen, Insiegeln, Pettschafften, Cleinoten und sonsten in allen Enden und Orten nach Iren Notturfften, willen und wolgefallen gebrauchen und genießen sollen.
  3. Gustav Feuerlein, der Zwillingsbruder, http://www.pantoia.de/Schiller/SSGDL/vita.html

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 201.

Weblinks[Bearbeiten]