Otto Feuerlein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Otto Feuerlein, Ölgemälde aus dem Jahr 1913

Otto Feuerlein (* 11. Dezember 1863 in St. Gallen; † 19. Mai 1930 in Berlin) war ein Schweizer Physiker, Elektrotechniker und Pionier der Glühlampen-Herstellung.

Leben[Bearbeiten]

Otto Feuerlein, Foto entstanden etwa im Jahr 1885

Otto Feuerlein studierte von 1881 bis 1884 am Polytechnikum Stuttgart Physik und promovierte an der Universität Basel zum Dr. phil.. Von 1885 bis 1888 arbeitete er als Ingenieur in der Elektrotechnischen Fabrik Cannstatt. Im Jahre 1888 trat er als Ingenieur in die Firma Siemens & Halske AG in Berlin ein und war zunächst am Bau von Kraftwerken in Terni und Kairo beteiligt, ehe er im so genannten Projektenbüro der Siemens-Fabrik in Charlottenburg in leitender Funktion tätig wurde. Er befasste sich mit der Herstellung und Installation der elektrischen Beleuchtung bei Theatern und Ausstellungen sowie mit der damit verbundenen Sicherungstechnik, so zum Beispiel bei der Berliner Gewerbeausstellung 1896 und bei den Weltausstellungen in Brüssel 1897 und in Paris 1900.

Im Jahre 1902 übernahm Feuerlein die Leitung des Glühlampenwerks in Berlin, wo er die damals verbreitete Kohlenfadenlampe, die seit der Erfindung durch Edison[1] im Gebrauch war, auf die Initiative Wilhelm von Siemens' hin entscheidend zu verbessern suchte. Als Ersatz für die Kohlefäden wurde ein Faden aus einem hoch schmelzenden Metall ins Auge gefasst. Feuerleins Kollege Werner von Bolton fand in seinen Versuchen das Element Tantal als geeignet heraus. Feuerlein arbeitete daraufhin an der Formung und Halterung des Tantaldrahts und entwickelte dabei das Prinzip, nach dem alle späteren Metallfadenlampen hergestellt wurden. Bis zum Jahre 1905 wurde die Tantallampe zur Serienreife geführt und in einer Versammlung des Elektrotechnischen Vereins in Berlin vorgestellt.[2]

Die folgenden Jahre widmete Feuerlein der ständigen Verbesserung der Tantallampe und kümmerte sich um die Patentierungen dieser Fortschritte. Acht Reisen in die USA dienten dem Erfahrungsaustausch mit amerikanischen Ingenieuren und Wissenschaftlern, was ihn u. a. auch in das Labor von Thomas Alva Edison in West Orange führte.

Ab dem Jahre 1910 wurde die Tantallampe auf Grund der Arbeiten von William David Coolidge allmählich durch die heute übliche Wolframlampe ersetzt, wofür Feuerlein für Siemens die Hersteller-Lizenz aus den USA erwarb.

Von 1908 bis 1919 war Feuerlein Mitglied des Vorstands der Siemens & Halske AG. Als Siemens nach dem Ersten Weltkrieg die Herstellung der Glühlampen auf die neu gebildete Osram GmbH übertrug, wechselte Feuerlein 1920 in die dortige Geschäftsleitung, die er 1923 mit dem Eintritt in den Ruhestand verließ.

Familie[Bearbeiten]

Feuerlein war der Sohn der Mathilde Auguste Charlotte Feuerlein geb. Ströbel (1824–1866) und des Otto Feuerlein (1822–1875) und hatte sechs Geschwister. Feuerleins Vater war der Sohn des ersten Stuttgarter Oberbürgermeisters Willibald Feuerlein und betätigte sich als Textilkaufmann in Stuttgart, St. Gallen und Zürich hauptsächlich mit dem Import von ägyptischer Baumwolle. Feuerlein war seit 1888 mit der aus Cannstatt stammenden Sophie Kuhn (1866–1947) verheiratet, von der er zwei Töchter bekam. Einer seiner Schwiegersöhne war der Wirtschaftswissenschaftler Hermann Funke.

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Osram-Nachrichten: Mitteilungsblatt für die Angehörigen der Osram GmbH Kommanditgesellschaft. Jahrgang 5, Nummer 24, Berlin, 15. Dezember 1923.
  • Osram-Nachrichten: Mitteilungsblatt für die Angehörigen der Osram GmbH Kommanditgesellschaft. Jahrgang 12, Nummer 11, Berlin, 1. Juni 1930.
  • Werner von Bolton und Otto Feuerlein: Die Tantallampe, eine neue Glühlampe der Firma Siemens & Halske A.-G. In: Physik Journal. 4, Nr. 3, 2005, S. 18.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Als Erfinder der ersten wettbewerbsfähigen Elektrobeleuchtung gilt Thomas Alva Edison. Das US-Patent 223.898 wurde am 27. Januar 1880 ausgestellt. Patente für Glühlampen wurden jedoch bereits ab den 1840er Jahren erteilt. Bis zu den Weiterentwicklungen von Thomas Edison hatte jedoch alle Konstruktionen experimentellen Charakter mit Nutzungszeiten unter 10 Stunden und hohem Energieverbrauch.
  2. Werner von Bolton und Otto Feuerlein: Die Tantallampe, eine neue Glühlampe der Firma Siemens & Halske A.-G. In: Elektrotechnische Zeitschrift. 26, Heft 4, 1905, S. 105.