Zahntechniker

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Zahntechnikerin bei der Arbeit an einem Artikulator

Zahntechniker oder Zahnprothetiker ist in Deutschland ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung. Die Ausbildung dauert in der Regel 3 Jahre und 6 Monate, unter Erfüllung besonderer Voraussetzungen ist auch eine Verkürzung der Ausbildungszeit möglich. In der Schweiz heißt die Berufliche Grundbildung Zahntechniker/in EFZ und dauert 4 Jahre. In Österreich erfolgt die Grundausbildung Zahntechniker/in als Lehrberuf mit dualer Ausbildung in Berufsschule und Ausbildungsbetrieb und dauert 4 Jahre.

Aufgabengebiet[Bearbeiten]

Abformung
Gipsmodell

Zahntechniker fertigen Zahnersatz (Zahnkronen, Stiftkronen, Brücken, Teil- und Vollprothesen), laborgefertigte Einlagefüllungen, kieferorthopädische Apparaturen (Spangen), seltener auch Aufbissschienen und Antischnarch-Apparate an.

Jeder Auftrag setzt ein genaues Abformen des Patientengebisses voraus. Diese Abformung (Negativform des Patientengebisses) nimmt der Zahnarzt mit Materialien auf Silikon-, Polyäther- oder Alginatbasis vor und muss sehr exakt sein. Die Qualität (Genauigkeit) kann in manchen Fällen durch den Einsatz von individuellen Abformungsträgern („Löffel“) verbessert werden. Durch Ausgießen mit Spezial-Hartgipsen erstellt der Zahntechniker ein Arbeitsmodell (Positivform) als seine Arbeitsgrundlage.

Patientenkontakt hat der Zahntechniker umso öfter, je näher die Zahnwerkstatt (Dentallabor) liegt (einige sind an Praxen angeschlossen). Meist zieht der Zahnarzt ihn bei bestimmten Arbeitsschritten hinzu, um das Endergebnis der zahntechnischen Arbeit zu optimieren.

Der Patient hat das Recht, sich vorab informieren zu lassen, wer seinen Zahnersatz anfertigen wird und kann auf eine ganz bestimmte Dentalwerkstatt bestehen. Ob der Zahnersatz qualitativ hochwertig genug gearbeitet ist, verantwortet der Zahnarzt („medizinische Eingliederbarkeit“); deshalb wird er auch evtl. die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Labor verweigern.

Arbeitsweise – Beispiele[Bearbeiten]

Herstellung von Kronen und Brücken – festsitzender Zahnersatz[Bearbeiten]

Der Zahntechniker modelliert über einen vom Zahnarzt beschliffenen Zahnstumpf im Gipsmodell ein originalgetreues Wachsmodell: über den „Muffelguss“ („verlorene Form“) wird in Metall gegossen und in feinster Handarbeit bearbeitet.

Kronen ersetzen Einzelzähne (auf Zahnstümpfen oder mit künstlichen Wurzeln: Stiftaufbau und Implantate). Brücken versorgen mehrere zu ersetzende Zähne: zwei oder mehrere Zähne dienen als Pfeiler zum Überspannen einer Lücke. Zur Verbindung von einzelnen Elementen dienen Einstückguss, Löt-, Schweiß- (durch Lichtbogen oder Laser) oder Klebetechnik.

Inlays, Onlays oder Veneers (Verblendschalen) ersetzen nur Teile von Zähnen.

Edelmetalllegierungen (geschätzt wegen ihrer Bioverträglichkeit, ihrer zumeist goldgelben Farbe und ihrer Wertbeständigkeit) oder Nichtedelmetalllegierungen (meist aus den Elementen Cobalt, Chrom und Molybdän legiert und werden auch für Hüftgelenksendoprothesen verwendet) sind übliche Materialien. Im Wachsausschmelzverfahren werden die modellierten Gerüste in Metall umgesetzt. Dabei muss die sog. Einbettmasse durch thermische Expansion exakt die Schrumpfung der Legierung ausgleichen. Eine Passungstoleranz zum natürlichen Zahn von 10 µm wird angestrebt. Der Schmelzprozess erfolgt mittels Flamme, elektrischer Widerstandsheizung, Induktionsstrom oder Lichtbogen im Schleuder- oder Vakuumdruckguss.

Alternativ werden gießtechnisch Kronen und Brücken aus Titan oder Titanlegierungen hergestellt (technologisch aufwändiger) oder neuerdings CAD/CAM-Systeme zum Fräsen von Gerüsten aus Titan oder Hochleistungskeramiken (Zirkon, Zirkoniumdioxid, Aluminiumoxid) eingesetzt. Im Moment eignen sich letztere mit Einstiegspreisen für Produktionssysteme von 50.000 bis 150.000 Euro eher für größere Betriebe (siehe auch unten im Kapitel Tendenzen). Eine weitere Alternative ist das Lasersinterverfahren zur Herstellung von Kronengerüsten in Edelmetall und NEM Legierungen.

Um Gerüste für Kronen, Brücken und Suprastrukturen sowie für die Teleskoptechnik herzustellen, ist die Galvanotechnik eine weitere Alternative, bei der aus einem ungiftigen Goldelektrolyten Galvanokappen aus reinem Gold abgeschieden werden. Der Vorteil dieser seit Jahrzehnten bewährten Technik liegt in der hervorragenden Passgenauigkeit der Galvanoteile.

Je nach Einsatzzweck werden die Metallgerüste mit keramischen Massen beschichtet, um die natürlichen Zähne in Form, Oberflächengestaltung und Farbaufbau täuschend echt zu kopieren. Lichteffekte des natürlichen mineralischen Zahnschmelzes, wie Opaleszenz, Fluoreszenz, Transparenz, unterschiedlich intensive Farbschichten usw. werden in individueller Handarbeit aus feuchtem Keramikpulver aufgebaut und unter Vakuum bei 780 bis 900 °C gebrannt. Auch mit Keramik versetzte Kunststoffe (Composites), in knetbarer Konsistenz aufgeschichtet und mit Halogenlicht polymerisiert, eignen sich.

Herstellung von Teil- und Voll-(Total-)Prothesen – herausnehmbarer Zahnersatz[Bearbeiten]

Stegarbeit

Wenn zahlreiche Zähne zu ersetzen sind, wirtschaftliche Fragen eine größere Rolle spielen, große Ansprüche hinsichtlich Tragekomfort fehlen oder ein festsitzender Zahnersatz nicht machbar ist, kommen Teil- (partielle) oder Voll-(Total-)Prothesen zum Einsatz.

Die Verankerung mit dem Restgebiss erfolgt durch aus V2A-Draht gebogenen oder aus Chrom-Cobalt-Molybdän-Legierungen gegossenen Klammern (Modellgusstechnik), die die Wölbung des Zahnes (den prothetischen Äquator) nutzen, durch Federkraft die Konstruktion zu halten. Andere Möglichkeiten wären Anker (Druckknopfprinzip) und verschiedene Formen von Geschieben, Teleskopkronen, Stegen und Knöpfen zum Halt einer Prothese an noch vorhandenen natürlichen Zähnen.

An diesen Gerüsten werden mittels zahnfleischfarbenen Kunststoffs vorgefertigte Zähne aus Kunststoff oder selten auch aus Keramik befestigt. Diese Zähne liefert die Industrie in zahlreichen Formen und Farbschattierungen. Der Zahntechniker kombiniert entsprechend der Situation des Patienten. Ihn unterstützen Artikulatoren - das sind Geräte, die die Bewegungen des Kiefergelenks simulieren und sicherstellen, dass die künstlichen Zähne ihre Aufgabe hinsichtlich Ästhetik, Phonetik (Lautbildung) und Kaufunktion erfüllen.

Als Kunststoff wird für Zähne und Zahnfleischanteile meist Methylmethacrylat (MMA) eingesetzt und zu PMMA polymerisiert (UV-Härten). Das Material hatte als Reaktionsmischung mit PMMA 1936 erstmals die deutsche Firma Heraeus Kulzer als Prothesenkunststoff unter dem Markennamen PALADON in den Markt eingeführt (Kulzer & Co. GmbH, UK Patent 484.343 (1938)). Es ähnelt chemisch dem Plexiglas.

Bei Totalprothesen erfolgt der Halt am zahnlosen Kiefer

  • durch den Grundhalt, d. h. Adhäsions–Kohäsions-Kräfte und Druckdifferenzkräfte (unter der Prothese bildet sich ein „Vakuum“, ähnlich einem Saugnapf, das der Speichel abdichtet).
  • der Verschlusshalt (d. h. eine ventilartige „Randverriegelung“ und vektorielle Anteile muskulärer Kräfte) verbessert den Grundhalt.

Tendenzen[Bearbeiten]

Künftige Entwicklungen der Zahntechnik gehen in Richtung zahnfarbener und besonders biokompatibler Werkstoffe, einfacherer, sicherer und standardisierbarer Verfahrenstechniken und noch stärkerer Individualisierung von Zahnersatz, um jeden Eindruck des „Künstlichen“ zu vermeiden. Dazu bedarf es einer optimalen Zusammenarbeit von Patient, Zahnarzt, Zahnarzt-Assistenten (Helfern) und Zahntechnikern.

Die Zahntechnik hat sich in den letzten Jahren verändert. Die vom Handwerk geprägte Tätigkeit erfährt immer mehr Einfluss von Computer und automatischen Prozessen, das Berufsbild wandelt sich. Zurzeit sind verschiedene CAD/CAM-Systeme auf dem Markt, die die Kiefersituation im Mund oder auf einem Modell mittels mechanischen Abtastens, Laser- oder optischen Scans aufnehmen, um den Zahnersatz danach am Bildschirm zu konstruieren. Diese Daten gehen danach an die Produktionsmaschinen, die den Zahnersatz aus verschiedensten Materialien fräst oder sintert. Stark zunehmende Verbreitung finden hochfeste Gerüstwerkstoffe wie Zirkon, Zirconiumoxid, Aluminiumoxid, Titan etc.

Zahnersatz wird in Deutschland meist in Laboren vor Ort angefertigt. Dies ist ein großer Vorteil für den Patienten, da der Zahntechniker in direktem Kontakt mit Zahnarzt und Patient steht. Dabei spielen gewerbliche Dentallabore ebenso eine Rolle, wie direkt beim Zahnarzt angestellte Zahntechniker. Der Trend geht jedoch zu immer günstigerem Zahnersatz, was dazu führt, dass zum Teil weit vom Zahnarzt entfernte, aber preislich interessante Labore beauftragt werden. Dadurch gerät der Patient immer mehr in den Hintergrund, weil es nicht möglich ist über solch großen Distanzen nach heutigen Qualitätsstandards zu arbeiten und auch die Reaktionszeiten der entfernten Labore ist dementsprechend länger. Seit einigen Jahren ist Zahnersatz aus osteuropäischen und asiatischen Ländern auf dem Markt, dessen Qualität variiert. Einige Krankenkassen haben aber mit ausländischen Dentalanbietern Rahmenverträge geschlossen, welche illegal sind, deutsche Dentallabore gehen Kooperationen und Beteiligungen ein oder verlagern ihre Produktion ins Ausland.[1][2]

Verbände, Organisationen und Fachmessen[Bearbeiten]

Zahntechniker damals und heute: deutsche Briefmarke von 1987

Viele zahntechnische Labore in Deutschland sind im Verband Deutsche Zahntechniker-Innungen e. V. (VDZI) organisiert. Daneben gibt es weitere unternehmerische Zusammenschlüsse, wie z. B. den FVZL (Freie Verband Zahntechnischer Laboratorien), VISION Dental u. a. m.

Zahntechniker als Arbeitnehmer sind in Deutschland in verschiedenen Gewerkschaften, vornehmlich der IG Metall - welche als einzige tariffähig ist - und im Deutsche Zahntechniker Verband e. V. (DZV) organisiert. Ihre Verdienstmöglichkeiten haben sich – zum Teil bedingt durch osteuropäischen und zunehmend asiatischen Wettbewerb – seit den 1960er-Jahren drastisch verschlechtert.

Viele Lehrerinnen und Lehrer an Berufsschulen für Zahntechnik in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Mitglieder in der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Zahntechnik e. V.

In der Schweiz finden sich vor allem drei wichtige Organisationen:

  • Der Verband Zahntechnischer Laboratorien der Schweiz (VZLS) für die Laborinhaber.
  • In der Schweizerischen Zahntechnikervereinigung (SZV) sind die Zahntechniker.
  • Als dritten Verband gibt es den Schweizer Zahntechnikermeister-Verband (ASMO).

In Österreich sind die Zahntechniker in neun Landesinnungen oder Fachvertretungen organisiert und in der Dachorganisation Bundesinnung der österreichischen Zahntechniker zusammengefasst.

Die weltweit bedeutendste Fachmesse ist die Internationale Dental-Schau, die alle zwei Jahre in Köln stattfindet.

Weiterbildungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Die laufende Weiterbildung gehört zum Beruf des Zahntechnikers. Neben diesen laufenden Weiterbildungen gibt es auch Aufstiegsfortbildungen. Einige davon sind unten aufgeführt.

Deutschland[Bearbeiten]

  • Zahntechnikermeister

Österreich[Bearbeiten]

  • Akademie für Österreichs Zahntechnik (Bildungseinrichtung für die Weiterbildung von Lehrlingen und Zahntechnikern)[3]

Schweiz[Bearbeiten]

  • Zahnprothetiker/in (Kantonales Diplom)[4]

Höhere Fachschule für Zahntechnik:

  • Fachmann/-frau VZLS[5]

Berufsprüfung:

  • Spezialist/in Zahntechnik mit eidg. Fachausweis

Höhere Fachprüfungen:

  • Zahntechnikermeister/in (HFP)

Weblinks[Bearbeiten]

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stiftung Warentest: Preiswerter Zahnersatz aus Fernost, test.de, 14. Mai 2007 (abgerufen am 4. Februar 2013)
  2. BR-online: Gunther Franke : Zahnersatz aus China Wirklich ein Schnäppchen?, 16. März 2009
  3. http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=512899&dstid=214&opennavid=50118
  4. http://www.berufsberatung.ch/dyn/1199.aspx?data=education&id=5423
  5. http://hfz.jimdo.com/fachmannfrau_vzls.php