Zeuge der Anklage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Zeuge der Anklage
Originaltitel The Talk of the Town
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1942
Länge 119 Minuten
Stab
Regie George Stevens
Drehbuch Sidney Buchman
Sidney Harmon
Dale Van Every
Irwin Shaw
Produktion George Stevens für Columbia Pictures
Musik Friedrich Hollaender
Kamera Ted Tetzlaff
Schnitt Otto Meyer
Besetzung

Zeuge der Anklage (Originaltitel: The Talk of the Town) ist eine US-amerikanische Filmkomödie mit Cary Grant, Jean Arthur und Ronald Colman unter der Regie von George Stevens aus dem Jahr 1942.

Handlung[Bearbeiten]

Nach dem Brand seiner Mühle, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist, beschuldigt der Mühlenbesitzer Andrew Holmes den stadtbekannten Nichtsnutz Leopold Dilg der Brandstiftung und des Mordes. Leopold entkommt aus dem Gefängnis und versteckt sich in einem vermeintlich leeren Ferienappartement, das der Lehrerin Nora Shelly gehört. Nora ist gerade dabei, das Appartement für den Besuch von Michael Lightcap, einem bekannten Strafrechtsprofessor, herzurichten. Lightcap will die Ruhe in der Sommerfrische nutzen, einige Akten durchzuarbeiten, die liegen geblieben sind. Dilg, der sich bei der Flucht am Knöchel verletzt hat, bittet Nora verzweifelt, ihm zu helfen. Zunächst skeptisch, lässt sich Nora am Ende doch darauf ein, zumal Leopold ihr glaubhaft versichert, unschuldig an der Tat zu sein. Am Ende verteidigt Michael Leopold erfolgreich vor Gericht und wird kurz danach zum Obersten Richter gewählt.

Michael Lightcap und Leopold Dilg machen Nora jeweils einen Heiratsantrag, die sich für Leopold entscheidet.

Hintergrund[Bearbeiten]

George Stevens war seit Alice Adams aus dem Jahr 1935 stetig zu einem der bedeutendsten Regisseure der Zeit aufgestiegen. Sein Prestige war 1941 so groß, dass er mit Columbia Pictures einen Vertrag aushandeln konnte, der ihm völlige künstlerische Freiheit und das Recht für den Endschnitt garantierte. Stevens gehörte neben Irene Dunne zu den ganz wenigen Menschen in Hollywood, die mit dem cholerischen Studioboss Harry Cohn gut zurechtkamen. Cohn war nach dem Weggang von Frank Capra bemüht, seinem Studio weiterhin Prestige und Anerkennung zu sichern. Der erste Film unter den Bedingungen war Penny Serenade, der Irene Dunne und Cary Grant als Eheleute zeigte, die den Verlust ihres einzigen Kindes ertragen müssen. Der Streifen wurde unter anderem als Bester Film des Jahres für den Oscar nominiert.

Es dauerte eine Weile, bis Stevens den geeigneten Stoff für die zweite Produktion fand. Erneut griff er auf Cary Grant zurück. Die weibliche Hauptrolle übertrug er auf den größten weiblichen Star des Studios, Jean Arthur. Die notorisch schüchterne Schauspielerin entwickelte so etwas wie Zutrauen zu Stevens und beide sollten unmittelbar im Anschluss in The More the Merrier wieder zusammenarbeiten. Stevens nannte Arthur einmal die größte Komödiantin, die er je getroffen habe. Arthur und Grant hatten bereits 1939 unter der Regie von Howard Hawks in Only Angels Have Wings zusammen gespielt. Für Ronald Colman war der Film das langersehnte Comeback. Nach etlichen Flops lag die Karriere des 51-jährigen, der noch in Stummfilmtagen an der Seite von Vilma Banky zu Ruhm gekommen war, am Boden. Zuerst weigerte er sich, den Part anzunehmen, da er Cohn seit den Dreharbeiten zu Lost Horizon abgrundtief hasste. Auch war es für Colman nicht einfach, erst an dritter Stelle neben den anderen Stars angekündigt zu werden. Die Qualität des Drehbuchs und die Zusicherung von Stevens, unter keinen Umständen direkten Kontakt zu Cohn zu haben, überzeugten ihn schließlich. Der Erfolg des Streifens führte Colman zur männlichen Hauptrolle neben Greer Garson und top billing in Gefundene Jahre aus demselben Jahr, der sogar noch mehr Geld einspielte und ebenfalls für den Oscar als Bester Film nominiert wurde.

Ein Problem bei den Dreharbeiten war die Rivalität zwischen Cary Grant und Ronald Colman. Keiner gönnte dem anderen mehr Szenen und vor allem wollte jeder von ihnen am Ende das Mädchen bekommen. Stevens löste die Situation elegant, indem er zwei alternative Schlussszenen drehte und es dem Testpublikum überließ, den Mann für Nora auszusuchen.

Das Studio konnte sich lange nicht auf einen Titel für den Film festlegen. So waren Three's a Crowd, Mr. Twilight, Justice Winks an Eye und The Gentleman Misbehaves im Gespräch. The Talk of the Town war einer der großen finanziellen Erfolge des Jahres und bekam insgesamt sechs Oscarnominierungen.

Kritiken[Bearbeiten]

In der New York Times waren warme Worte für die Schauspieler zu lesen:

„Cary Grant spielt den Leonard Dilg mit einer Lockerheit, die etwas störend wirkt, aber Ronald Colman als bärtiger Professor ist zu einhundert Prozent Harvard-Jurist (also kultiviert). Fräulein Arthur ist bezaubernd, wie immer, in ihrer Verwirrtheit, und Edgar Buchanan, Glenda Farrell und Rex Ingram überzeugen als Nebencharaktere. Zeuge der Anklage wird eine Menge Leute zum Lachen bringen und sich gut fühlen lassen. Der Film mag in seiner Aussage danebenliegen, aber seine Komik wirkt nicht angestrengt.“[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film ging in die Oscarverleihung 1943 mit sechs Nominierungen, gewann jedoch keinen der begehrten Preise:

  • Bester Film
  • Bestes Originalstory
  • Bestes Drehbuch
  • Beste Kamera
  • Beste Art Direction
  • Bestes Filmmusik

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Clive Hirschhorn: The Columbia Story. Hamlyn, London 2001, ISBN 0-600-59836-5.
  • Marilyn Ann Moss: Giant. George Stevens, a Life on Film. University of Wisconsin Press, Madison, WI u. a. 2004, ISBN 0-299-20430-8.
  • John Oller: Jean Arthur. The Actress Nobody Knew. Limelight, New York NY 1997, ISBN 0-87910-278-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mr. Cary Grant plays Leopold Dilg with a casualness which is slightly disturbing, but Ronald Colman as the bearded professor is 100 per cent Harvard Law. (Cultured, that is.) Miss Arthur is charming, as usual, in her bewilderment, and Edgar Buchanan, Glenda Farrell and Rex Ingram are rich in lesser character roles. The Talk of the Town is going to make a lot of people laugh and feel good. It may be off beam in its philosophy, but its quality of humor is not strained.