Frank Capra

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Dieser Artikel behandelt den Filmregisseur Frank Capra. Zum gleichnamigen Autor, Physiker und Philosophen siehe Fritjof Capra.
Frank Capra am Schneidetisch während seines Militärdienstes, ca. 1943

Frank Capra, (* 18. Mai 1897 in Bisacquino, Sizilien als Francesco Rosario Capra; † 3. September 1991 in La Quinta, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmregisseur, Produzent und Autor italienischer Herkunft. Aus einer ärmlichen Auswandererfamilie stammend, gehörte Capra in den 1930er- und 1940er-Jahren zu Hollywoods erfolgreichsten und angesehensten Regisseuren und gewann dreimal den Oscar für die Beste Regie. Er drehte überwiegend Komödien, welche aber auch - stets auf der Seite des „Kleinen Mannes“ - zu gesellschaftlichen oder politischen Themen Stellung bezogen. Zu Capras Werken gehören bedeutende Filmklassiker wie Es geschah in einer Nacht, Mr. Smith geht nach Washington, Arsen und Spitzenhäubchen sowie Ist das Leben nicht schön?.

Frühes Leben[Bearbeiten]

Frank Capra wurde unter seinem italienischen Namen Francesco Rosario Capra in Bisacquino geboren, einem kleinen Dorf in der Nähe von Palermo. Er war das jüngste von sieben - überlebenden - Kindern des Obstpfückers Salvatore Capra und seiner Ehefrau Sarah. Die Familie war Römisch-Katholisch und stark mit der Kirche verbunden.[1] Die sizilianische Familie emigrierte 1903 in die Vereinigten Staaten, als Frank fünf Jahre alt war. Die 13-tägige Schiffsreise über den Atlantik musste die Familie im untersten und billigsten Deck zubringen, weil sie nicht genug Geld besaßen, und Capra empfand die Schiffsreise später als einen seiner schlimmsten Erfahrungen im Leben.[2] Die Familie siedelte sich im östlichen Teil von Los Angeles an, welchen Capra später als „Italienisches Ghetto“ bezeichnete.[3] Sein Vater arbeitete wie schon in Italien als Obstpflücker, während Frank für zehn Jahre nach der Schule als Zeitungsjunge arbeiten musste.

Frank Capra schloss die Highschool nach zehn Jahren ab und besuchte anschließend die California Institute of Technology. Um sich das Stumdium finanzieren zu können, musste er sich mit verschiedenen Jobs Geld dazuverdienen: Er spielte Banjo in Nachtclubs, arbeitete in der Waschküche seiner Universität sowie als Kellner, außerdem putzte er Maschinen in einem lokalen Kraftwerk. Capra schloss sein Studium im Chemieingenieurwesen im Frühling 1918 ab. Bald darauf schloss er sich der US-Armee als Second Leutnant in den Ersten Weltkrieg an. Er unterrichtete als Lehrer für die Soldaten das Fach Mathematik an der Fort Point National Historic Site in San Fransisco. Nachdem Capra an der Spanischen Grippe erkrankt war, wurde er zu seiner Mutter zurückgeschickt. Capras Vater verstarb 1919 bei einem Unfall. Als er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in ihrer Wohnung lebte, war er zwar das einzige Familienmitglied mit einem College-Abschluss, allerdings ebenfalls das einzige Familienmitglied ohne festes Einkommen. Nach einem Jahr ohne Arbeit verfiel der spätere Regisseur zeitweise in eine Depression.[4]

Nachdem er seine Depression überwunden hatte, lebte er die nächsten Jahre in verschiedenen Unterkünften in San Fransisco, sprang auf Züge auf oder zog mit Soldatentruppen umher. Um sein Leben einigermaßen finanzieren zu können, arbeitete Capra als Helfer auf Farms, als Filmstatist, als Pokerspieler und als Handelsvertreter, unter anderem für die Werke des Philosophen Elbert Hubbard. Im Alter von 24 Jahren drehte Capra die 32-minütige, kleine Dokumentation La Visita Dell'Incrociatore Italiano LIBYA a San Francisco. Dies war sein erster Kontakt zum Film, wenngleich ihm die Dokumentation keinen Erfolg oder Aufsehen brachte.

Filmkarriere[Bearbeiten]

1922-1928: Die Anfänge in der Stummfilmära[Bearbeiten]

1922 stieß Capra während seiner Zeit als Handelsvertreter auf eine Zeitungsanzeige, dass Regisseure für ein neues Filmstudio in San Francisco gesucht werden. Am Telefon erzählte er den Produzenten, dass er direkt aus Hollywood kommen würde und Erfahrung im Filmgeschäft hätte. Der Studiogründer Walter Montague stellte Capra bei sich an und gab ihm 75 US-Dollar, um einen zehnminütigen Stummfilm zu drehen. Der angehende Regisseur drehte den Film Fultah Fisher's Boarding House, basierend auf einem Gedicht von Rudyard Kipling, mit einem Kameramann und Amateurdarstellern in nur zwei Tagen. Nachdem Montagues Produktionsfirma wenig Erfolg hatte und schnell wieder aufgelöst worden war, suchte Capra in der folgenden Zeit nach neuen Anstellungen im Filmgeschäft und erhielt schließlich eine feste Anstellung in einem anderen kleinen Filmstudio in San Fransisco.

Hier erweckte Capra die Aufmerksamkeit des Hollywood-Produzenten Harry Cohn, welcher ihn zu seinem neuen Filmstudio in Los Angeles lotste. Er arbeitete während dieser Zeit gleichzeitig als Requisiteur, Filmcutter, Titelschreiber und Assistenzregisseur; gleichzeitig lernte er durch diese vielfältigen Aufgaben die Grundlagen des Filmgeschäfts.[4] 1925 begann er in der Drehbuchabteilung des Produzenten Hal Roach zu arbeiten, wo er sich zum Komödienspezialisten entwickelte und unter anderem für die Kleinen Strolche als Gag-Writer schrieb. Roachs größter Konkurrent Mack Sennett konnte Capra 1926 als Autor für die Filme des Komikers Harry Langdon abwerben. Langdons Figur zeichnete sich durch grenzenlose Langsamkeit, Naivität und Unschuld aus, weshalb sie mit der großen, harten Welt meistens nicht zurechtkam. Auch wegen Capra entwickelrte sich Langdon zu einem der erfolgreichsten Komiker am Ende der Stummfilmzeit.

Als Langdon von Mack Sennetts Studio nach First National wechselte, um dort Langfilme herstellen zu können, nahm er Capra als seinen wichtigsten Autoren und Regisseur mit sich. Sie drehten zwischen 1926 und 1927 drei Langfilme, welche sowohl bei Publikum als auch bei Kritikern Erfolg hatten und Langdon wurde während dieser Zeit mit Charlie Chaplin und Buster Keaton verglichen. Es kam jedoch zu einem Streit zwischen Capra und Langdon und das Erfolgsduo trennte sich - woraufhin Langdons Stern in den folgenden Jahren sank. Nach der Trennung von Langdon drehte Capra für First National noch einen Film: die Stummfilmkomödie For the Love of Mike, in welcher auch die zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekannte Claudette Colbert eine Rolle innehatte. Der Film erhielt allerdings schlechte Kritiken und Capra erhielt keinen weiteren Vertrag bei First National.[4]

1928-1933: Erste Erfolge bei Columbia Pictures[Bearbeiten]

Der arbeitslose Regisseur wurde 1928 vom Produzenten Harry Cohn, welcher ihn einst nach Hollywood geholt hatte, erneut für dessen Filmstudio Columbia Pictures verpflichtet. Columbia gehörte zu dieser Zeit zu den sogenannten Poverty Row-Filmstudios in Hollywood, welche mit den großen Filmstudios nicht konkurrieren konnten, unter anderem weil diese größere Budgets und auch eigene Kinos besaßen. Columbia Pictures wollte allerdings an Bedeutung und Größe gewinnen und zu den größeren Filmstudios aufschließen, doch dafür mussten erfolgreiche Langfilme produziert werden. Hierfür wurde Capra verpflichtet. Insgesamt drehte der Regisseur zwanzig Filme für Columbia Pictures, neun davon gleich im ersten Jahr. Die meisten dieser neun Filme Capras stellten sich als sehr erfolgreich heraus, sodass Cohn dessen Gehalt von 1000 US-Dollar pro Film auf das Jahresgehalt von 25.000 US-Dollar vergrößerte. Er drehte unter anderem das Drama The Younger Generation (1929), über eine jüdische Familie in New York, deren Sohn seine jüdischen Wurzeln verleugnet, um weiter in der Gunst seiner Freundin zu bleiben.

Ende der 1920er-Jahre hielt der Tonfilm Einzug in Hollywood; Capra begrüßte diese Neuerung im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen und hielt den Tonfilm ebenfalls nicht für eine vorrübergehende Moderscheinung. Bei der Produktion seiner ersten Tonfilme war ihm das Ingenieurstudium ein Vorteil, denn - wie sich später Capras lanjähriger Kameramann Joseph Walker erinnerte - verstand er im Gegensatz zu dem meisten anderen Regisseuren auch etwas von der technischen Materie und hatte sich schnell an die technischen Neuerungen des Tonfilmes gewöhnt.[2] Neben dem Kameramann Joseph Walker, welcher mit dem Regisseur bei insgesamt 18 Filmen zusammenarbeitete, wurde auch der Drehbuchautor Robert Riskin regelmäßig von Capra verpflichtet. Im vielen Capra-Filmen schrieb Riskin die witzigen und scharfen Dialoge und beide wurden zu „Hollywoods umjubelsten Regisseur/Autor-Team.[4]

Nach Achtungserfolgen wie dem Abenteuerfilm Das Luftschiff (1931) und vor allem der Komödie Vor Blondinen wird gewarnt (1931), die Jean Harlows Karriere erheblich nach vorne brachte, drehte Capra im Jahre 1933 die Komödie Lady für einen Tag. Mit der 75-jährigen May Robson - welche eine arme Apfelverkäuferin spielt, welche sich als Dame verkleidet - hatte der Film eine eher ungewöhnliche Hauptdarstellerin. Dennoch wurde er für vier Oscars nominiert, darunter auch in der Kategorie Beste Regie für Capra, ging aber bei der Verleihung leer aus. Dennoch gilt Lady für einen Tag als Capras erster großer Wurf, außerdem war es Columbias erster Streifen, welcher für einen Oscar als Bester Film nominiert wurde.

1934-1941: Große Kinoklassiker und drei Oscars als Bester Regisseur[Bearbeiten]

Im folgenden Jahr sollte Capra seinen Erfolg von Lady für einen Tag allerdings überschatten: Seine Roadmovie-Komödie Es geschah in einer Nacht (1934) gewann als erster Film alle Oscars in den fünf Hauptkategorien (Bester Film, Bester Regisseur, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Bestes Drehbuch). Claudette Colbert spielt im Film eine verwöhnte Millionenerbin, welche vor ihrem Vater zu ihrem snobhaften Geliebten flieht und auf diesem Weg nicht nur das Elend der normalen Bevölkerung in der Great Depression kennenlernt, sondern sich dabei auch in einen bodenständigen Reporter (Clark Gable) verliebt. Trotz dieser eigentlich komischen Handlung zeigt Capra also die Probleme der amerikanischen Durchschnittsbürger in einer Wirtschaftskrise. Es geschah in einer Nacht gilt heute als Gründungfilms der Screwball-Komödie. Auch bei Capras folgenden Film Broadway Bill handelte es sich um eine Screwball-Komödie über Pferderennen, allerdings war sie nicht so erfolgreich wie Es geschah in einer Nacht.

Nach Broadway Bill entschied sich Capra, künftig noch mehr Einfluss auf seine Filmhandlungen zu nehmen und in seinen Filmen auch politische, gesellschaftliche oder moralische Botschaften an die Öffentlichkeit zu senden.[4] Einer der ersten Filme dieser Art war Mr. Deeds geht in die Stadt mit Gary Cooper und Jean Arthur in den Hauptrollen. Cooper spielt ein Landei und Glückskarten-Dichter, welcher zu einem Millionenerbe wird und in New York City mit geldgierigen und betrügerischen Anwälten konfrontiert wird. Der Kritiker Alistair Cooke schrieb bei Mr. Deeds, dass Capra beginnen würde, mehr Filme über Themen als über Menschen zu drehen.[4] Für Mr. Deeds geht in die Stadt gewann Capra seinen zweiten Oscar als Bester Regisseur. Von Capras vorigen Filmen unterschied sich dagegen der Abenteuerfilm In den Fesseln von Shangri-La (1937) mit Ronald Colman, welcher auf dem utopischen Roman Der verlorene Horizont von James Hilton basierte. Der Dreh verbrauchte die damals hohe Summe von 1,5 Millionen US-Dollar, unter anderem weil der Film in einem exotischen, wunderschön-utopischen Tal im Himalaya spielt - die Kulissen des Filmes waren äußerst aufwendig.

Am 5. Mai 1936 war Capra Gastgeber der Oscarverleihung 1936.

Mit seinem dritten Oscar als Bester Regisseur in fünf Jahren wurde Capra für die Komödie Lebenskünstler, außerdem gewann er den Oscar für den Besten Film des Jahres. Lebenskünstler basiert auf dem Erfolgsstück You Can’t Take It with You, welches am Broadway ab Dezember 1937 insgesamt 837 Vorstellungen hatte. Jean Arthur und James Stewart spielen in den Hauptrollen ein junges Liebespaar, deren äußerst unterschiedliche Familien - die einen knallharte Geschäftsmänner, die anderen alternative Exzentriker - sich kennenlernen. 1939 drehte Capra mit der Politiksatire Mr. Smith geht nach Washington einen seiner bekanntesten Filme. Erneut spielten Arthur und Stewart die Hauptrollen. In Mr. Smith geht nach Washington wird Capras Patriotismus deutlich, er zeigt „das Individuum im demokratischen System beim Kämpfen gegen zügellose Korruption in der Politik“.[5] Bei seiner Veröffentlichung war der Film bei Kritikern und Publikum beliebt, unter vielen Politikern gab es jedoch deutliche Kritik. So bat der damalige US-Botschafter in Großbritannien, Joseph P. Kennedy, Columbia-Boss Harry Cohn, dass der Film nicht in Europa gezeogt werden sollte. An US-Präsident Franklin D. Roosevelt schrieb Kennedy, dass der Film im Ausland den falschen Eindruck erzeugen würde, in den USA würden Bestechung, Korruption und Gesetzlosigkeit herrschen. Solch ein Eindruck sei insbesondere im Hinblick auf den beginnenden Zweiten Weltkrieg fatal für Amerika.

Capra und Cohn ignorierten allerdings die Kritik am Film und der Regisseur verteidigte seinen Film mit den Worten: „Je unsicherer die Menschen auf der Welt sind, desto mehr verstreuen und verlieren sich ihre schwergewonnenen Freiheiten im Wind der Risiken, umso mehr brachen sie eine tönendes Statement für Amerikas demokratische Ideale.“[6] Mr. Smith geht nach Washington war für elf Oscars nominiert, konnte aber gegen starke Konkurrenz nur einen Preis für die Beste Orginalgeschichte entgegennehmen. Als das Vichy-Regime im Zweiten Weltkrieg US-amerikanische Filme in den Kinos verbot, zeigten viele Kinobesitzer als letzten amerikanischen Film vor dem Inkrafttreten des Gesetzes Mr. Smith als Zeichen für Demokratie.

Zwei Jahre später veröffentlichte Capra seinen nächsten Film Hier ist John Doe. Der Filmheld, gespielt von Gary Cooper, ist ein ehemaliger Baseballspieler, welcher ohne Arbeit und Geld durchs Land zieht, ehe er von Nachrichtenreportern zum amerikanischen Durchschnittsbürger „John Doe“ ausgerufen wird und zum Held der Massen mutiert. Kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht, zeigt Hier ist John Doe erneut patriotische Züge und enthält außerdem eine Botschaft gegen Faschismus: ein skrupelloser und offenbar faschistischer Industrieller mit diktatorischen Absichten nutzt John Doe für seine Zwecke aus und will zum Präsidenten werden. Viele Filmhistoriker sehen diesen Film als einen der persönlichsten von Capra an, vor allem weil dieser wie sein Filmheld einen rasanten Aufstieg hingelegt hatte.[4]

1941-1946: Zweiter Weltkrieg und „Arsen und Spitzenhäubchen“[Bearbeiten]

Capra (rechts) erhält die Army Distinguished Service Medal von General Marshall, 1945

Nur vier Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 trat Capra in die US-Armee im Rang eines Majors ein. Bei seiner Einberufung gab er nicht nur vorerst seine Hollywood-Karriere, sondern auch den Vorsitz der Directors Guild of America auf. Biografen schrieben später, dass er mit seinem Eintritt als Einwanderer seinen Patriotismus zu Amerika beweisen wollte; nach eigener Aussage wollte er sich auch etwas vom Glanz und Geld Hollywoods entfernen, welcher im Gegensatz zu den Inhalten seiner Filme stand.[7][8] In den nächsten Jahren war er am Dreh zahlreicher Kriegsdokumentationen für Amerika. Sein Ziel war es zu erklären, warum die US-Soldaten für ihr Land in den Krieg zogen und was ihre Ziele waren. Damit distanzierte er sich bewusst von Propagandafilmen aus Deutschland oder Japan.

Zu einem großen Erfolg wurde seine siebenteilige, preisgekrönte Dokumentarfilmreihe von 1942 bis 1945 die preisgekrönte Why We Fight, die Capra als Antwort auf Leni Riefenstahls Nazi-Propagandafilm Triumph des Willens verstand. Zusätzlich produzierte er mit Walt Disneys Hilfe 28 etwa drei- bis fünfminütige Schwarz/Weiß-Cartoons über „Private Snafu“, die zu Unterrichtszwecken in den Streitkräften eingesetzt wurden. Für die Hintergrundmusik von Capras Dokumentationsfilmen waren namhafte Hollywoodkomponisten wie Alfred Newman und Dimitri Tiomkin. General George C. Marshall, unter dessen Kommando Capra stand, sagte nach der Sichtung von Capras erstem Armee-Film: „Colonel Capra, wie haben sie das nur hingekriegt? Das ist die wunderschönste Sache!“[9] Caoras Dokumentarfilme wurden in der Folge in Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Chinesisch übersetzt und Winston Churchell verlangte, dass alle Why we Fight-Filme im britischen Kino gezeigt werden sollen.

1944 wurde Capras Arsen und Spitzenhäubchen mit Cary Grant in der Hauptrolle veröffentlicht, welche Capra allerdings bereits 1941 veröffentlicht hatte. Die mit Schwarzem Humor angereicherte Komödie basiert auf dem Theaterstück Spitzenhäubchen und Arsenik (Arsenic and Old Lace) von Joseph Kesselring und wurde von dem Drehbuchautor Julius J. Epstein adaptiert. Der Erfolg der Bühnenfassung am Broadway verzögerte die Uraufführung des Films bis ins Jahr 1944, denn die Produzenten hatten sich vertraglich verpflichtet, mit der Auswertung des Filmes bis nach Absetzung des Stückes am Broadway zu warten. Der Film erhielt exzellente Kritiken und war auch beim Publikum erfolgreich. Heute gilt er als Klassiker der Schwarzen Komödie.

Spätere Karriere[Bearbeiten]

Nach dieser Zeit gründete Capra mit seinen Regiekollegen William Wyler und George Stevens sein eigenes Filmproduktionsunternehmen Liberty Films. Zu Beginn der sechziger Jahre zog sich Frank Capra aus dem Filmgeschäft zurück, Grund war der nachlassende Erfolg.

Capras Genre ist die Komödie des kleinen Mannes aus der Mittel- und Unterschicht. Seine Filme sind märchenhafte Sozialutopien, sie sind in der Zeit von 1934 bis 1947 untrennbar mit den New-Deal-Reformen von Franklin D. Roosevelt, mit denen die Folgen der Weltwirtschaftskrise überwunden werden sollten, verbunden.

Er gehörte zu den wenigen Regisseuren, deren Namen auch einem breiteren Kinopublikum bekannt waren. Als besondere Auszeichnung verstand er selbst, dass sein Name über dem Titel des Films stand. The Name above the Title nannte er darum auch seine Autobiographie.

Capra bekam 1934, 1936 und 1938 für Es geschah in einer Nacht, Mr. Deeds geht in die Stadt und Lebenskünstler den Oscar für die beste Regie. Zusätzlich gewann er den Oscar als Produzent von Lebenskünstler für den besten Film.

Im Zweiten Weltkrieg diente er als Oberst und produzierte für die US Army von 1942 bis 1945 die preisgekrönte Dokumentarfilmreihe Why We Fight, die Capra als Antwort auf Leni Riefenstahls Propagandafilm Triumph des Willens verstand. Zusätzlich produzierte er 28 etwa drei- bis fünfminütige S/W-Cartoons über „Private Snafu“, die zu Unterrichtszwecken in den Streitkräften eingesetzt wurden.

Sein bekanntester Film ist das Fantasymelodram Ist das Leben nicht schön? mit James Stewart. Allerdings floppte der Film anfangs. 2006 wurde er in den USA zum „inspirierendsten Film aller Zeiten“ gewählt (Quelle: dpa vom 17. Juli 2006). Einer ähnlichen Beliebtheit erfreut sich seine Komödie Arsen und Spitzenhäubchen mit Cary Grant.

Capras Spezialität waren Filme, die – wie Mr. Smith geht nach Washington (1939) oder Der beste Mann (1948) – ein Loblied auf den untrüglichen politischen Instinkt des „einfachen Mannes“ singen. Obwohl seine Filme einen positiven Eindruck auf die Zeit von Roosevelt und seinen New Deal machten (die Drehbuchautoren waren linke Anhänger der Demokratischen Partei), war Capra selbst ein konservativer Republikaner und überzeugter Antikommunist.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1938: Lebenskünstler (You can’t Take It with You)
  • 1939: Mr. Smith geht nach Washington (Mr. Smith Goes to Washington)
  • 1941: Hier ist John Doe (Meet John Doe)
  • 1942: Vorspiel zum Krieg (Prelude to War)
  • 1943: The Nazis Strike (Dokumentarfilm)
  • 1943: Luftschlacht um England (The Battle of Britain, Dokumentarfilm)
  • 1943: Divide and Conquer
  • 1943: The Battle of Russia (Dokumentarfilm)
  • 1944: Die Schlacht um China – Der eiserne Widerstand (The Battle of China. Dokumentarfilm)
  • 1944: Tunisian Victory (Dokumentarfilm)
  • 1944: Arsen und Spitzenhäubchen (Arsenic and Old Lace)
  • 1945: Your Job in Germany (Kurzfilm, Dokumentarfilm)
  • 1945: Know Your Enemy – Japan (Dokumentarfilm)
  • 1945: Here Is Germany (Dokumentarfilm)
  • 1945: Two Down and One to Go (Kurzfilm, Dokumentarfilm)
  • 1945: War Comes to America (Dokumentarfilm)
  • 1946: Ist das Leben nicht schön? (It’s a Wonderful Life)
  • 1948: Der beste Mann (State of the Union)
  • 1950: Lach und wein mit mir (Riding High)
  • 1951: Hochzeitsparade (Here Comes the Groom)
  • 1956: Our Mr. Sun (Fernsehfilm)
  • 1957: Hemo the Magnificent (Fernsehfilm)
  • 1957: The Strange Case of the Cosmic Rays (Fernsehfilm)
  • 1959: Eine Nummer zu groß (A Hole in the Head)
  • 1961: Die unteren Zehntausend (Pocketful of Miracles)
  • 1964: Rendezvous in Space (Kurzfilm, Dokumentarfilm)

Autobiographie[Bearbeiten]

  • Autobiographie. (OT: The Name Above the Title). Diogenes, Zürich 1992, ISBN 3-257-01938-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Scherle, William Turner Levy: The Complete Films of Frank Capra. Citadel Press, New York/ Secaucus 1992, ISBN 0-8065-1296-2.
  • Jeanine Basinger (Hrsg.): The It's a Wonderful Life Book. Alfred A. Knopf, New York 1994, ISBN 0-394-74719-4.
  • Robert Sklar, Vito Zagarrio, Thomas Schatz: Frank Capra. Autorship and the Studio System. Temple University Press, Philadelphia 1998, ISBN 1-56639-608-5.
  • Ursula Vossen: Frank Capra. In: Andreas Friedrich (Hrsg.): Filmgenres. Fantasy- und Märchenfilm. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018403-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frank Capra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. catholiceducation.org
  2. a b Joseph McBride: Frank Capra: The Catastrophe of Success. Univ. Press of Mississippi, 1992, ISBN 1-60473-839-1.
  3. Italienisches Ghetto. In: Joseph McBride: Frank Capra: The Catastrophe of Success.
  4. a b c d e f g John Wakeman: World Film Directors: Volume One 1890–1945. 1987, ISBN 0-8242-0757-2.
  5. Pendergast 2000, S. 428–429.
  6. Capra, Frank (1971). The Name Above the Title: An Autobiography. Lightning Source Incorporated. ISBN 978-0-306-80771-8.
  7. Pendergast 2000, S. 428–429.
  8. Capra, Frank (1971). The Name Above the Title: An Autobiography. Lightning Source Incorporated. ISBN 978-0-306-80771-8.
  9. Capra, Frank (1971). The Name Above the Title: An Autobiography. Lightning Source Incorporated. ISBN 978-0-306-80771-8.