Zinsberechnungsmethode
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Unter Zinsberechnungsmethoden versteht man die einzelnen Varianten der Finanzmathematik in der Zinsberechnung. Insgesamt gibt es weltweit neun verschiedene Methoden, die wissenschaftlich anerkannt sind. Hiervon kommen in der Realität sechs Methoden zur Anwendung. Alle Methoden basieren hierbei auf den klassischen Zinsformeln, sie unterscheiden sich lediglich in der Berechnung der Anzahl der Tage (siehe hierzu auch Zinsertrag). Die weltweit üblichen Methoden sind:
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[Bearbeiten] Abkürzungen
- ACT/360 (Eurozinsmethode; Französische Zinsmethode)
- ACT ist die Abkürzung für actual = tatsächlich.
- 360 steht für die Anzahl der Tage eines (Bank-) Jahres.
- Bei ACT/360 wird das Jahr (unabhängig von der Anzahl der tatsächlichen Tage) mit 360 Tagen und jeder Monat taggenau gerechnet.
- ACT/ACT
- ACT ist die Abkürzung für actual = tatsächlich. Das zweite ACT steht in diesem Fall für actual historical = tatsächlich historisch. Das Jahr wird mit der Anzahl der tatsächlichen Tage gerechnet.
- ACT/365
- Bei ACT/365 wird das Jahr generell mit 365 Tagen gerechnet.
- 30/360-Methode (deutsche kaufmännische Zinsmethode)
- Jeder Monat wird mit 30 Tagen gerechnet. Die Resttage innerhalb eines Monats werden subtrahiert (abgezogen).
- Die zu Grunde liegende Anzahl der Zinstage wird aus der Differenz zwischen der Wertstellung (Valuta) des Verzinsungsbeginns und der Wertstellung des Verzinsungsendes berechnet. Gemäß §§ 187, 188 BGB wird dabei der Wertstellungstag des Beginns nicht mitgezählt. Der Wertstellungstag des Verzinsungsendes muss dabei mitgezählt werden.
- (30(28-29)/360)-Methode (US-Zinsmethode)
- Sie lehnt sich an die deutsche kaufmännische Zinsmethode an, denn die Monate werden mit 30 Tagen und das Jahr mit einer Konvention von 360 Tagen berechnet; Ausnahme ist der Februar, der mit 28 bzw. 29 Tagen genau angesetzt wird.
- 30E-Methode
- Jeder Monat wird mit 30 Tagen gerechnet. Der 31. eines Monats wird mit dem 30. gleichgesetzt. Resttage werden subtrahiert (abgezogen).
[Bearbeiten] Anwendung
- ACT/360: Diese Methode findet z.B. im EURO-Raum und der Schweiz im Geldmarkt und bei der Berechnung von Hypotheken ihre Anwendung.
- ACT/ACT: Diese Methode findet z.B. im EURO-Raum im Kapitalmarkt und bei Anleihen ihre Anwendung. Unterschieden wird act/act nach der ICMA Methode oder nach der ISDA Methode.
- ACT/365: Diese Methode findet in einigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft im Geldmarkt ihre Anwendung.
- 30/360: Diese und die 30E Methode finden z.B. im Kapitalmarkt der Schweiz ihre Anwendung.
[Bearbeiten] Arbeitstagskonventionen
In Verträgen, die Zinsberechnungen zum Inhalt haben, muss auch geklärt werden, wie mit an Wochenenden und Feiertagen fälligen (Zins-) Zahlungen zu verfahren ist. Beim „following“ (folgender Werktag) wird der Zahltag auf den nächsten Bankarbeitstag (TARGET) gelegt, beim „modified following“ (folgender Werktag modifiziert) gilt auch der Grundsatz des following mit der Ausnahme für den Fall, dass der nächste Bankarbeitstag im nächsten Monat liegt: dann wird der vorhergehende Bankarbeitstag gewählt. Damit soll verhindert werden, dass sich Laufzeiten durch striktes Festhalten am following in den nächsten Monat – und im Dezember in das nächste Jahr - verschieben. Sind die Zinsperioden vertraglich festgelegt (etwa 30 Tage) und das modified following würde zu einer effektiven Zinsperiode von nur 28 Tagen führen, muss ein „modified following adjusted“ vereinbart werden.
[Bearbeiten] Auswertung
Da die verschiedenen Methoden der Zinsberechnung wegen der unterschiedlichen Laufzeiten zu nicht unerheblichen Zinsdifferenzen bei gleichem Nonminalzins führen können, sollte bei einer Kapitalanlage oder Kreditaufnahme hinterfragt werden, nach welcher Methode verzinst wird.

