Wochenende

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Dieser Artikel behandelt den Zeitraum. Siehe auch: Das Wochenende (Bernhard Schlink), Roman, Das Wochenende (2012), deutscher Spielfilm bzw. Schönes Wochenende.

Der Begriff Wochenende (abgekürzt WE) bezeichnet im Allgemeinen den Zeitraum zwischen dem Abschluss einer durchschnittlichen Arbeitswoche (je nach Branche unterschiedlich, meist ein Freitag oder Samstag), bis zum Beginn der neuen Arbeitswoche (meist ein Montag). Wenn ein Feiertag auf einen Freitag oder Montag fällt, dann spricht man auch von einem langen Wochenende oder von einem verlängerten Wochenende.

Geschichte[Bearbeiten]

Weekend[Bearbeiten]

Der Begriff tauchte im frühen 20. Jahrhundert[1] als direkte Übersetzung des englischen weekend auf. Gebräuchlich war dieser Begriff in England seit Einführung des freien Samstagnachmittags in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geworden, politisch durchgesetzt von Lord Shaftesbury. In der Londoner Times taucht der Begriff erstmals 1830 in einer Kleinanzeige und dann verstärkt ab 1833 auf. Weekend wurde von vielen Sprachen als Fremdwort oder als Lehnwort übernommen, zum Beispiel ins Französische, wo das Wochenende week-end heißt.

Die als fortschrittlich geltende Fachzeitschrift für Autofahrer Der Herrenfahrer betitelte in ihrer ersten Ausgabe 1924 einen Reisebericht mit „Weekend um Berlin“:

„Weekend - bleiben wir bei dem englischen Wort: der Engländer hat es, der Deutsche muß es erst lernen - bedeutet lebendiges Ausruhen. Erholung nicht durch Untätigkeit, die ein negatives Vorzeichen hat und für den, der das Leben bejaht, der Langeweile gleichzusetzen ist, sondern durch Ausübung einer anderen Tätigkeit, als die Werktage verlangen. Werktagsarbeit ist gebunde Tätigkeit zur Erzielung wirtschaftlichen Nutzens, Weekendruhe ist freie Tätigkeit, die von jedem wirtschaftlichen Nutzeffekt bewußt absieht, und auf die Erfüllung der Muße mit reinen Lebenswerten gerichtet ist. Wundervollstes Instrument zur Weekendfreude ist das Automobil. Es bedeutet das sanfte, reibungsfreie Sichloslösen von der Wochenpflicht.“[2]

Sonntag und Ruhetag[Bearbeiten]

Spätestens mit der Übernahme der Wochentagszählung nach ISO 8601 durch die UNO im Jahre 1978 wird weltweit überwiegend der Sonntag als der siebte Tag gezählt. Dadurch wird der Sonntag zum Wochenende; der Samstag wird im Allgemeinen mit eingeschlossen, da er in vielen Branchen arbeitsfrei ist.

Nach christlichem Verständnis dürfte der Sonntag jedoch nicht zum Wochenende gerechnet werden. Christen sehen ihn als den ersten Tag der Woche an, was man zum einen noch in der Bezeichnung des Mittwoch als Wochenmitte sieht und was zum anderen deutlich im früheren Kalenderdesign zum Ausdruck kam: Bis in die 1970er Jahre begann jede neue Woche mit dem Sonntag, da Jesus Christus „am frühen Morgen des ersten Wochentages“ (Mk 16, 9) (Ostersonntag) auferstanden sei. Während Israel seinen Wochengottesdienst am Sabbat feiert, versammeln sich die Christen am Sonntag. Während das „alte“ Bundesvolk sich bei seinem heiligen Tag auf die erste Schöpfung berief (in sechs Tagen habe Gott Himmel und Erde erschaffen, am siebenten Tag, dem Sabbat, ruhte er von seinen Werken), berief sich die neutestamentliche Gemeinde auf die Auferstehung Jesu, den Anbruch der neuen Schöpfung Gottes. Bereits in der urchristlichen Kirche, die dem Judentum näher stand, wurde am ersten Tag der Woche Gottesdienst gehalten und das Abendmahl gefeiert. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, wurden die alttestamentlichen Vorschriften über die Heiligung des Sabbats als Ruhetag auf den Sonntag übertragen. Die Sonntagsheiligung war ein wichtiges Anliegen der kirchlichen Erneuerungsbewegungen (Pietismus, Puritanismus, Erweckungsbewegungen).

Sowohl die christliche Religion (Sonntag) als auch der Islam (Freitag) haben die Tradition eines arbeitsfreien Tages in der Woche vom jüdischen Sabbat (wörtlich Ruhetag) übernommen. Im Hinduismus und Buddhismus ist dieses Konzept nicht bekannt.

Recht[Bearbeiten]

Der Rechtsbegriff Wochenende wird in Deutschland nicht legal definiert. Vielmehr wird er vorausgesetzt und vom Gesetzgeber u.a. verwendet:

  • Arbeitszeitgesetz - Auch wenn sich der freie Samstag weitgehend durchgesetzt hat, gilt der Samstag rechtlich als Werktag und als Arbeitstag. Der Sonntag gilt hingegen grundsätzlich als arbeitsfrei. Das Arbeitszeitgesetz gestattet Sonntagsarbeit nur in genau definierten Fällen. Der Begriff Wochenende wird im Gesetz nicht verwendet.
  • Familienrecht - Das Recht des nicht sorgeberechtigten Elternteils, seine Kinder zu sehen, wird oft auf einzelne Wochenenden und wenige Ferienwochen begrenzt. Meist erhält der Elternteil das Recht, seine Kinder an zwei Wochenenden jedes Monats zu sich auf Besuch zu nehmen. Unklar kann diesbezüglich sein, ob das Wochenende nun bereits am Freitagabend oder erst am Samstagmorgen beginnt. Vereinzelt bestimmen Gerichtsentscheide dies im Dispositiv gleich mit. Jüngere Entscheide stellen auf die gelebte Praxis ab. Da das Wochenende bereits ab Freitagabend gelebt wird, ist dies auch für das Besuchsrecht anzuwenden.


Der Montag ist seit dem 1. Januar 1976 in der Bundesrepublik Deutschland als Wochenbeginn genormt (EN 28601, ISO 8601 und DIN 1355). In der DDR trat diese Änderung bereits 1969 in Kraft. Folglich beginnt das erste Wochenende eines Monats, wenn der erste Samstag eines Monats auf dem Kalenderblatt steht. Dies auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Samstag als Werktag gilt.

Islamische Staaten[Bearbeiten]

In vielen islamisch geprägten Staaten ist der Freitag (als Gebetstag) arbeitsfrei, wobei die Regelungen von Land zu Land und manchmal sogar innerhalb eines Landes für Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften unterschiedlich sind. Bei der Ausweitung der Arbeitsruhe auf ein Wochenende wurde in einigen Staaten des Nahen Ostens der Donnerstag arbeitsfrei (unter anderem in Saudi-Arabien vor dem 29. Juni 2013).[3] Die meisten Staaten haben statt des Donnerstags den Samstag arbeitsfrei gemacht (unter anderem Ägypten, Algerien, Syrien und die Vereinigten Arabischen Emirate). Der Wechsel vom arbeitsfreien Donnerstag auf einen arbeitsfreien Samstag wird in jüngerer Zeit damit begründet, auf internationaler Ebene vier statt drei gemeinsamer Werktage mit der nicht-islamischen Welt zu gewinnen. Einige Staaten wie der Iran kennen bisher kein Wochenende, mit Ausnahme des Freitags wird voll gearbeitet.

"Gestückeltes" und "flexibles" Wochenende[Bearbeiten]

Das islamische Brunei-Darussalam hat ein "gestückeltes" Wochenende: Freitag und Sonntag. Am Samstag wird gearbeitet, wenn auch manchmal nur halbtags.
Malaysia hat ein "geteiltes" Wochenende: in Johor, Kedah, Kelantan und Terengganu Freitag und Samstag, in den anderen Regionen aber Samstag und Sonntag.
In Tunesien und im Libanon gelten, wie in westlichen Ländern, Samstag und Sonntag als Wochenende. Am Freitag gibt es eine Arbeitspause für diejenigen, die das Mittagsgebet in der Moschee besuchen wollen.
In Indien muss nach dem "Weekly Holiday Act" von 1942 jedes Geschäft einen Tag in der Woche geschlossen bleiben, der Inhaber darf jedoch den Wochentag selbst wählen.
In Deutschland haben Arbeitnehmer, die an Sonntagen beschäftigt werden, nach dem Arbeitszeitgesetz Anspruch auf Ersatzruhetage. Manche Personen arbeiten hauptsächlich am Wochenende (vgl. Abschnitt "Wochenenden als Urlaubs- und Bildungsangebot") und haben dafür unter der Woche arbeitsfrei.

Feiertage am Wochenende[Bearbeiten]

Immer am Wochenende begangene Feiertage[Bearbeiten]

Manche Feiertage fallen immer auf das Wochenende, z. B. Ostersonntag und Pfingstsonntag.

Heute werden viele Feiertage, die immer am ohnehin arbeitsfreien Wochenende begangen werden, oft gar nicht mehr so sehr als besondere Tage empfunden, z. B. zieht das deutsche Erntedankfest, das immer an einem Sonntag gefeiert wird, bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie sein amerikanisches Äquivalent Thanksgiving, das immer an einem Donnerstag stattfindet.

In manchen Diktaturen wurden früher alle Feiertage auf das Wochenende gelegt, um die Arbeit unter der Woche nicht zu unterbrechen.

"Nachgeholte" und "vorgefeierte" Feiertage[Bearbeiten]

In vielen Ländern (zurzeit noch nicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz) werden Feiertage, wenn sie auf einen Sonntag fallen (manchmal auch, wenn sie auf einen Samstag fallen), in der folgenden Woche "nachgeholt", es sei denn, sie werden ohnehin am Wochenende begangen, wie z. B. der Ostersonntag. Feiertage, die auf einen Samstag fallen, werden zuweilen auch am Freitag "vorgefeiert".

Verlängertes Wochenende[Bearbeiten]

Fällt ein Feiertag auf einen Montag oder Freitag, hat man ein verlängertes Wochenende. Manche Feiertage fallen immer auf einen dieser beiden Tage, z. B. Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag.

In den USA wurden 1971 durch den "Uniform Monday Holiday Act" Präsident Nixons fünf gesetzliche Feiertage auf einen Montag gelegt, um den US-Bürgern ein langes Wochenende zu verschaffen:

  • George Washington's Birthday: 3. Montag im Februar
  • Memorial Day: letzter Montag im Mai
  • Labor Day: 1. Montag im September (in den meisten Ländern feiert man den Tag der Arbeit am 1. Mai)
  • Columbus Day: 2. Montag im Oktober
  • Veterans Day: 4. Montag im Oktober

Am 3. Montag im Januar feiert man darüber hinaus den Martin Luther King, Jr. Day (statt am 15. Januar), dieser Feiertag existierte aber bei der Einführung des Act noch nicht.

Fallen Neujahr, Independence Day (4. Juli) oder Weihnachten (25. Dezember) auf das Wochenende, werden sie am Freitag "vorgefeiert" oder am Montag "nachgeholt".

Brückentage[Bearbeiten]

Fällt ein Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag, wird der vorhergehende Montag bzw. der folgende Freitag als "Brückentag" bezeichnet. Kann man sich an diesem Tag arbeitsfrei nehmen, hat man ebenfalls ein verlängertes Wochenende. Arbeitnehmer benötigen allerdings hierzu die Erlaubnis ihres Arbeitgebers.

Manche Feiertage fallen immer auf einen dieser beiden Tage, z. B. wird in den USA Thanksgiving immer am vierten Donnerstag im November gefeiert.

Wahlen am Wochenende[Bearbeiten]

In vielen Ländern werden Wahlen an einem Sonntag abgehalten, so muss z. B. in Deutschland der Wahltag ein Sonntag oder ein öffentlicher Feiertag sein. An einem Samstag wählt man z. B. in Australien, Lettland, Malta, Neuseeland, Singapur, in der Slowakei, auf Taiwan und in Tschechien.
Andere Länder haben den Wahltag unter der Woche, z. B. Großbritannien am Donnerstag und die USA am Dienstag. Je nach Land oder Region ist der Wahltag dann arbeitsfrei oder nicht (in den USA z. B. regeln das die einzelnen Bundesstaaten). Abstimmungen vor dem eigentlichen Wahltag oder Briefwahl sind oft möglich.

Wochenenden als Urlaubs- und Bildungsangebot[Bearbeiten]

Der Begriff Wochenende wird seit etwa 1990 auch für spezielle, zweitägige Urlaubs- und Bildungsangebote verwendet. Beispiele sind u. a.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wochenende – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Konversationslexikon von 1888/1889 führt das Wort noch nicht auf.
  2. Der Herrenfahrer, Heft 1, 1924, S. 60, Almanach Kunstverlag, Berlin
  3. Tagesanzeiger:Der saudische König verschiebt das Wochenende