Żukowo (Powiat Kartuski)

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Żukowo
Wappen von Żukowo
Żukowo (Polen)
Żukowo
Żukowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Powiat Kartuski
Gmina: Żukowo
Fläche: 4,73 km²
Geographische Lage: 54° 21′ N, 18° 22′ OKoordinaten: 54° 20′ 45″ N, 18° 21′ 38″ O
Einwohner: 6565
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 83-330
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GKA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 7: → Warschau - Chyżne/Slowakei
DK 20: Stargard - SzczecinekGdynia
DW 211: → Kartuzy - Nowa Dąbrowa
Schienenweg: PKP-Linie 201: Nowa Wieś Wielka ↔ Gdynia
PKP-Linie 229: Pruszcz Gdański ↔ Lębork - Łeba
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 27 Ortschaften
19 Schulzenämter
Fläche: 163,95 km²
Einwohner: 33.918
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 207 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2205083
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Wojciech Kankowski
Adresse: ul. Gdańska 52
83-330 Żukowo
Webpräsenz: www.zukowo.pl



Żukowo (deutsch Zuckau, kaschb. Żukòwò, lateinisch Sucovia) ist eine Stadt im Powiat Kartuski (Kartauser Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, am Fluss Radaune (Radunia) am östlichen Rand der Kaschubischen Schweiz, etwa 19 Kilometer westlich von Danzig an der Kreuzung der Landesstraßen 7, 20 und der Woiwodschaftsstraße 211.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuckau westlich von Danzig und südsüdöstlich von Neustadt in Westpreußen auf einer Landkarte von 1910.
Straßenzug beim Stadtzentrum
Kaschubische Festtagstracht

In unmittelbarer Nähe des Klosters Zuckau entstand Ende des 13. Jahrhunderts eine deutsche Siedlung. Um 1260 verlieh der pommerellische Herzog Swantopolk II. dem Kloster das Recht, Märkte abzuhalten, und stellte ihm zugleich die Anlage einer Stadt anheim. Zur Gründung einer Stadt war es damals jedoch noch nicht gekommen. 1326 wurden die Bewohner von Zuckau zu einer deutschen Gerichtsgemeinde zusammengefasst; der Gerichtsbarkeit des Schulzen sollten auch die Bewohner der alten Ortschaft unterstehen. 1433 wurde Zuckau von den Hussiten verwüstet.

Aus dem Jahr 1661 ist überliefert, dass die Klosterschule Kinder aus adligen und bürgerlichen Familien unterrichtete und diesen unter anderem auch das Nähen beibrachte. Außer einer Mädchenschule gab es auch eine Knabenschule. Nach der Auflösung des Klosters 1834 wurde die Klosterkirche 1836 zur Pfarrkirche bestimmt. 1863 wurde ein Teil der Klosteranlage zum Abbruch verkauft.[2]

Bis 1920 gehörte Zuckau zum Kreis Karthaus im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste ein großer Teil des Kreises Karthaus, darunter auch das Dorf Zuckau, zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Durch den Polenweldzug 1939 kam das entnommene Gebiet das Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Westpreußen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt.

Żukowo erhielt 1989 die Stadtrechte. Im Stadtwappen von Żukowo befindet sich neben anderen Motiven eine Palmette aus kaschubischer Stickerei.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Żukowo sind noch heute mit kaschubischen Stickereien besetzte Frauenhauben im Gebrauch, die in Polen als „zlotnice“ bezeichnet werden. Diese aus Silber- und Goldfäden hergestellten Stickereien gehen auf Arbeiten der im Kloster Zuckau einst ansässigen Prämonstratenserinnen aus dem 18. Jahrhundert zurück. Die Motive der Stickereien an den Spitzenhauben der kaschubischen Frauen sind denen sakraler Stickarbeiten im Stil des Barock ähnlich. Die Prämonstratenserinnen unterrichteten Töchter wohlhabender Bürger und Landleute in der Kunst des Stickens. Eine dieser Schülerinnen war die 1818 geborene Marianna Okuniewska aus Żukowo. „Zlotnice“ waren äußerst kostbar.

Vermutlich mit der Schließung des auf das Jahr 1214 zurückgehenden[3] Klosters im Jahre 1834 (zu der Zeit war Żukowo unter preußischer Herrschaft) endete auch diese Sticktradition. Die Enkelin von Marianne Okuniewska, Zofia (geboren 1896), sowie Jadwiga Ptach erneuerten vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Tradition kaschubischer Stickereien (Żukowo-Schule). Aus dieser Zeit stammen Haubenstickereien und Antependien. Żukowo ist ein historisch bedeutendes Zentrum kaschubischer Stickereien. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier diese kunstvollen Handarbeiten hergestellt, in denen immer wieder Blüten und Pflanzenmotive vorkommen.

Zu den ehemaligen Klostergebäuden neben der Kirche gehört ein Wagenschuppen, wo zurzeit ein kleines Pfarrmuseum mit interessanten und wertvollen Gegenständen sowie eine Ausstellung der kaschubischen Stickerei untergebracht sind. In der Nähe des Klosters befindet sich an der Radunia ein Komplex von Mühlen, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Die Mühlen wurden von Norbertinen aus Żukowo gegründet. Im Laufe der Jahrhunderte sind sie immer wieder umgebaut worden. Heute bestehen sie in der Form des 19. und 20. Jahrhundert.

In Zuckow gab es eine Kirchenglocke, welche im Jahr 1797 gegossen wurde. In der folgende Inschrift stand: „ME FECIT ERICH LINDEMANN GEDANI, SANCTUS EST DOMINUS DEUS ZABAOT, SOLI DEO GLORIA, IN OMNEM TERRAM EXIVIT SONUS EORUM, PSALM 18. S. ECCLESIAE ZUKOVIENSIS“.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 306 [2]
1820 398 [4]
1831 über 400 [5]
1910 1.379 darunter 316 Deutsche, zwei Polen und 1.037 Kaschuben[2]
1943 2.160 [2]
2012 6.493 Stand vom 30. Juni 2012[6]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Żukowo gehören 19 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[7] mit einem Schulzenamt:

  • Banino (Banin)
  • Borkowo (Borkau)
  • Chwaszczyno (Quaschin)
  • Elżbietowo (Elisenhof)
  • Glincz (Glintsch)
  • Leźno (Leesen)
  • Łapino Kartuskie (Lappin)
  • Małkowo (Mahlkau)
  • Miszewo (Groß Mischau)
  • Niestępowo (Nestempohl)
  • Otomino (Ottomin)
  • Pępowo (Pempau)
  • Przyjaźń (Rheinfeld)
  • Rębiechowo (Ramkau)
  • Rutki
  • Skrzeszewo Żukowskie (Krissau)
  • Sulmin (Richthof)
  • Tuchom (Groß Tuchom)
  • Widlino
  • Żukowo (Zuckau)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Babi Dół, Barniewice, Borowiec, Czaple, Miszewko, Nowy Świat, Piaski und Stara Piła (Altemühle).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 391.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Żukowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d Ernst Bahr: Zuckau. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 247.
  3. A. Zbierski: Early Medieval ambercraft in Gdańsk. In: Amber - views - opinions. Warschau 2006 (Erstveröffentlichung des Beitrags 2003).
  4. Willy Heidn: Die Ortschaften des Kreises Karthaus/Westpr. in der Vergangenheit. Herder-Institut, 1965, S. 668.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 391.
  6. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf
  7. Das Genealogische Orts-Verzeichnis