AMO Kultur- und Kongreßhaus

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AMO, 2013
April 1951
Kurz nach der Fertigstellung im Mai 1951
AMO im Jahr 1953
AMO in einer November-Nacht 1952
1953
AMO, 1955
Blick von Südosten, 1965
Westseite
Vorderfront, 2013
Blick von Osten

Das AMO Kultur- und Kongreßhaus ist ein denkmalgeschütztes Veranstaltungshaus in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es befindet sich im südlichen Teil der Magdeburger Altstadt an der Adresse Erich-Weinert-Straße 27. Betrieben wird das Haus durch die im Eigentum der Stadt Magdeburg stehende Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM). Etwas weiter westlich steht das Haus Junger Talente.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das häufig nur kurz als AMO bezeichnete Haus verfügt über einen großen Saal mit einer Fläche von 700 m², der je nach Art der Bestuhlung Platz für bis zu 710 Menschen bietet. Ohne Bestuhlung gibt es 1673 Stehplätze. Darüber hinaus gibt es weitere Räume, so einen kleinen Saal (200 Stehplätze), die Bördestube (99 Sitzplätze), den Salon Magdeburg (50 Sitzplätze) und Tagungsräume.

Im Erdgeschoss befindet sich das griechische Restaurant "Troja", das über einen separaten Zugang zu erreichen ist.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das AMO wurde 1950/51[1] im Stil des Neoklassizismus für die Magdeburger Industriebetriebe Krupp-Gruson, Buckau-Wolf, Otto Gruson, Maschinenbau Mackensen und Gerätebau Schönebeck[2] mit einem Aufwand von 2,5 Millionen DM errichtet.

Die Planung des Hauses erfolgte durch die Architekten Gustav Pohl und Hermann Gspann. Es entstand ein monumentaler verputzter Bau. Die Fassade des mit einem flachen Dach bedeckten Gebäudes ist streng durch Achsen gegliedert, eine Gliederung, die an Bauten des Barock erinnert. In Details ist auch ein Einfluss des Art déco zu finden.[3] Fenster und Türen des AMO sind von Werkstein umrahmt. Auch das schlichte Kranzgesims ist aus Werkstein gearbeitet. In der Osthälfte der südlichen Fassade befindet sich ein die Erscheinung des Gebäudes dominierender dreiachsiger Risalit. In den drei Achsen sind die drei Haupteingangsportale des Hauses integriert, die in die Eingangshalle führen. Oberhalb der mit Doppeltüren versehenen Portale befinden sich hohe Fenster. Das Dach kragt vor und trägt eine Balustrade, auf der sich vier Fahnenmasten befinden. Vor dem Eingangsbereich befindet sich ein Podest, zu dem eine breite fünfstufige Treppe führt.

Die seitliche Fassade ist ähnlich der Frontfassade gestaltet. Auch hier befinden sich drei Eingänge und hohe Saalfenster. Auf der Westseite grenzt ein einfach gestalteter zweigeschossiger Seitenflügel an. Er wird von einem Satteldach bedeckt.

Der im Inneren des Gebäudes ursprünglich als Ballettsaal genutzte Raum ist mit Wandmalereien versehen.

Das Gebäude gilt als kunsthistorisch, aber auch industrie- und stadtgeschichtlich bedeutendes Beispiel für die Architektur des Übergangs von der sowjetischen Militärverwaltung zur DDR.[4] Die Planung erfolgte dabei noch, bevor in der Architektur der DDR die Nationalen Traditionen in den Mittelpunkt gerückt wurden. Das Gebäude ist im örtlichen Denkmalverzeichnis eingetragen.

Umgeben ist das Haus von einer Parkanlage, die aus einem zur Festung Magdeburg gehörenden Glacis hervorgegangen ist. In die Parkanlage ist auch der nordwestlich gelegene Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz integriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des 34. Jahrestags der Oktoberrevolution wurde das im Mai 1951 weitgehend fertiggestellte Haus am 7. November 1951[5] als Ernst-Thälmann-Kulturhaus durch den Generaldirektor Ossipow offiziell eröffnet.[6] Die Betriebe waren zu diesem Zeitpunkt Teil der sowjetischen Industrievereinigung AMO, in der die sich mit Maschinenbau befassenden Sowjetischen Aktiengesellschaften zusammengefasst waren. Hieraus ergab sich der dann bis heute gebräuchliche Name des Hauses. Die auch in der DDR wenig geläufige Abkürzung AMO gab häufiger Anlass zu Spekulationen um ihre Bedeutung. So finden sich auch unrichtige Annahmen, der Name bedeute Administrative oder Allgemeine Militärorganisation. Das ab 1987 im SKL tätige untergetauchte RAF-Mitglied Inge Viett kritisierte in ihrer 1997 erschienenen Autobiografie, das Kulturhaus hätte 1990 im Zuge einer Privatisierung den Namen AMO mit der Bedeutung Am Markt Orientiert erhalten.[7]

Das Haus entwickelte sich in der Zeit der DDR zum meistbesuchten Kulturzentrum Magdeburgs.[8] Neben Kultur- und Vergnügungsveranstaltungen fanden im Gebäude auch viele offizielle und propagandistische Veranstaltungen statt. Bereits im Jahr 1952 wurde kritisiert, dass mit 22 Tagungen und Konferenzen allein im Monat August der übrigen Kulturarbeit aus Zirkeln, Vorträgen und Volkskunst zu wenig Raum bliebe.[9] Am 3. September 1952 empfing der Magdeburger Oberbürgermeister Philipp Daub den Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, im Haus.[10] Am 27. August 1953 trat der Bezirkstag des Bezirkes Magdeburg im Kulturhaus zu einer Sondersitzung zusammen. Es redeten der FDGB-Vorsitzende Herbert Warnke und Alois Pisnik (SED).[11] Der Bezirkstag tagte häufiger im AMO. Aber auch Tagungen wie eine Delegiertenkonferenz der Deutschen Volksbühne mit Walter Maschke fanden im AMO statt.[12]

Im August 1957 besuchten Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht das AMO. Überliefert ist, dass beide hier so schnell aßen, dass die Bedienung die anderen Gäste noch nicht fertigt bewirtet hatte, als die beiden ihr Essen beendeten. Da Chruschtschow und Ulbricht dann schnell zum Aufbruch drängten, mussten die weiteren Gäste überstürzt aufbrechen.[13]

Auch in der Zeit nach der politischen Wende des Jahres 1989 blieb das AMO ein wichtiger Ort für Kultur- und Konzertveranstaltungen. Für das zwischenzeitlich dem SKET angegliederte Haus bestanden 1991 seitens der Treuhandanstalt Pläne einer Privatisierung, die auf breite Kritik trafen. Neben dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Werner Münch (CDU) sprachen sich auch der DGB-Landesvorsitzende Jürgen Weißbach und die Magdeburger Stadtverordnetenversammlung gegen eine Privatisierung und für einen Erhalt als Kultureinrichtung aus.[14]

Tatsächlich gelangte das AMO letztlich in das Eigentum der Stadt Magdeburg. Bekannt ist es auch weiterhin als Ort für unterschiedlichste Veranstaltungen und Konzerte. Beispielhaft sind Auftritte von Gruppen wie Rosenstolz, Ich + Ich und Unheilig zu nennen. Das AMO war auch Ort für Parteitage und politische Veranstaltungen. So trat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 1998 der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder auf einer Wahlkampfveranstaltung der SPD auf. Während einer Wahlveranstaltung der FDP mit Cornelia Pieper, Wolfgang Gerhardt und Klaus Kinkel kam es zu einem Zwischenfall, als sich während einer Rede Cornelia Piepers, nachdem sie im Falle eines Wahlerfolgs ein Feuerwerk im Landtag angekündigt hatte, ein Vorhang des AMOs entzündete.[15]

Im Zuge der Sitzung des Magdeburger Stadtrates vom 4. Juli 2013 wurde für die Öffentlichkeit überraschend bekannt, dass die Magdeburger Stadtverwaltung eine Schließung und einen Abriss des Hauses erwägt. Stadtrat Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen) hatte beantragt, eine entsprechende von der Stadtverwaltung für den nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung vorgesehene Drucksache im öffentlichen Teil zu behandeln. Oberbürgermeister Lutz Trümper zog daraufhin die Drucksache zunächst zurück.[16] Am 5. September 2013 wurde vom Oberbürgermeister eine neue, diesmal öffentliche Drucksache in den Stadtrat eingebracht, in der nur eine Kündigung eines entsprechenden Nutzungsvertrages zum 31. Dezember 2014 und damit die Schließung des AMOs beantragt wurde.[17] Die Ratsfraktionen der Linken[18] und von Bündnis 90/Die Grünen sprachen sich in Presseerklärungen gegen die Schließungspläne aus. Mit 25 Stimmen vor allem von Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Linken wurde gegen 24 Stimmen von CDU und SPD knapp die Kündigung des Nutzungsvertrages im Stadtrat abgelehnt.[19]

Es folgte eine Ausschreibung, um das AMO aus der MVGM herauszulösen und zukünftig privat zu betreiben, diese blieb aber erfolglos. Zwei Bewerber zogen ihr Übernahmeangebot zurück. Eine dritte Bewerbung, die die Umwandlung in eine Schule beabsichtigte, entsprach nicht den Ausschreibungsbedingungen. Der Oberbürgermeister lenkte darauf hin ein und schlug nun ebenfalls einen Weiterbetrieb durch die MVGM vor.[20] 2016 bezeichnete die Geschäftsführung der MVGM das Projekt der Wiederbelebung des AMO als Erfolgsgeschichte. Es war gelungen, im Jahr 2015 die Zahl der Veranstaltungen fast zu verdoppeln und die Besucherzahlen zu steigern. Es erfolgten Investitionen in Bühnentechnik, Foyer, Ausstattung, Fenster, Sicherheitsanlagen sowie Küchen- und Personalräume.[21] Trotzdem war eine Weiterbetreibung zunächst nur bis 2019 vorgesehen. In einer Drucksache wurde dem Stadtrat 2019 vorgeschlagen, eine weitere Fristverlängerung bis 2024 vorzunehmen und dann über den Weiterbetrieb neu zu entscheiden. Der Stadtrat beschloss am 5. Dezember 2019 auf einen Änderungsantrag der Ratsfraktion Grüne/future, mit den Stimmen von Grüne/future, Linke und SPD, jedoch darüber hinausgehend, die Befristung aufzuheben und das AMO dauerhaft weiter zu betreiben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 14: Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, S. 187.
  2. Heinz Gerling: Denkmale der Stadt Magdeburg. Helmuth-Block-Verlag, Magdeburg 1991, ISBN 3-910173-04-4, S. 20.
  3. Iris Reuther in: Magdeburg - Architektur und Städtebau. Verlag Janos Stekovics, Halle an der Saale 2001, ISBN 3-929330-33-4, S. 67.
  4. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt.Band 14: Landeshauptstadt Magdeburg. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, S. 188.
  5. Helmut Asmus: 1200 Jahre Magdeburg - Die Jahre 1945 bis 2005. S. 440 nennt als Datum der Eröffnung des Hauses unrichtigerweise bereits den 7. November 1949.
  6. Kulturhaus für Magdeburger Metallarbeiter. In: Neuen Deutschland. 9. November 1951, S. 3.
  7. Inge Viett: Nie war ich furchtloser. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek 1999, ISBN 3-499-60769-7, S. 325.
  8. Helmut Asmus: 1200 Jahre Magdeburg - Die Jahre 1945 bis 2005. S. 440.
  9. Wie hat der Wettbewerb der Kulturhäuser die kulturelle Massenarbeit verbessert? In: Neues Deutschland. 30. Oktober 1952, S. 6.
  10. Friedensvertrag statt Generalvertrag. In: Neue Zeit. 4. September 1952, S. 1.
  11. Wir müssen Lehren aus unserer Geschichte ziehen. In: Neues Deutschland. 29. August 1953, S. 3.
  12. Friedrich Schindler, Worum es in Magdeburg geht in der Berliner Zeitung vom 31. Januar 1953, Seite 3.
  13. Karl-Heinz Kaiser, Weißt du noch?, Band 1, Herkules Verlag Kassel 2014, ISBN 978-3-941499-87-4, Seite 25
  14. Proteste gegen Sket-Absicht zum AMO-Verkauf. In: Neue Zeit. 31. August 1991, S. 23.
  15. Ute Semkat, Großeinsatz der Bundespolitiker in der Welt vom 24. April 1998
  16. Katja Tessnow in der Magdeburger Volksstimme vom 6. Juli 2013.
  17. Beschlussvorlage DS0308/13 für den Magdeburger Stadtrat
  18. Echo zu AMO Kultur- und Kongresshaus – unverzichtbar vom 8. August 2013 (PDF; 239 kB)
  19. Robert Richter, Hauchdünne Mehrheit für Erhalt des AMO in der Magdeburger Volksstimme vom 6. September 2013
  20. Rainer Schweingel, Amo bleibt und wird Ausweich für Stadthalle in der Magdeburger Volksstimme vom 28. August 2014
  21. Karolin Aertel, Hat sich das Amo amortisiert? in Magdeburger Volksstimme vom 6. Juni 2016, Seite 7

Koordinaten: 52° 6′ 50,8″ N, 11° 37′ 39,6″ O