Adelheid Duvanel

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Adelheid Duvanel (* 23. April 1936 in Basel als Adelheid Feigenwinter; † 8. Juli 1996 ebenda; Pseudonym: Judith Januar) war eine Schweizer Schriftstellerin und Malerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adelheid Duvanel, älteste Tochter des basellandschaftlichen Strafgerichtspräsidenten Georg Feigenwinter (1904–1997)[1] und der Elisabeth Lichtenhahn, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Pratteln und Liestal. Sie absolvierte die Kunstgewerbeschule sowie eine Lehre als Textilzeichnerin. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als Büroangestellte und als Mitarbeiterin in einem Meinungsforschungsinstitut. Adelheid Duvanel war von 1962 bis 1981 mit Joseph Edward Duvanel verheiratet. Seit 1962 lebte sie in Basel, abgesehen von einem längeren Aufenthalt mit Mann und Tochter auf Formentera. Ihre früheren Texte hatte sie unter dem Pseudonym «Judith Januar» in den Basler Nachrichten veröffentlicht, bevor sie 1997 und 2004 postum in Buchform herausgegeben wurden. Sie starb in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1996 unter Medikamenteneinfluss in einem Wäldchen bei Basel an Unterkühlung.[2]

Adelheid Duvanel war die Schwester des Journalisten Felix Feigenwinter (* 1939) und die Schwägerin der Publizistin Gunild Feigenwinter (* 1940).

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adelheid Duvanel wurde immer wieder mit Robert Walser und Regina Ullmann verglichen, etwa von Peter Hamm 2004:

“An Regina Ullmann erinnert in Adelheid Duvanels Erzählungen vor allem jene manchmal fast schon schockierende Naivität, von der man nie genau weiß, ob sie kalkuliert oder wirklich unschuldig ist. Das raffiniert Unbeholfene dieser Prosa, wie man es auch von Robert Walser, dem Übervater der neueren Schweizer Literatur, kennt, entspricht ziemlich genau der prekären Gefühlslage ihrer Protagonisten, die fast alle aus fatalen Verhältnissen kommen, sich aber auf unsicherstem Grund oft mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen.”

Peter Hamm: Die Zeit, 29. Juli 2004, Nr. 32[3]

Ihr Werk war und ist in der Öffentlichkeit jedoch weitgehend unbekannt. Nebst einigen wenigen Gedichten verfasste sie vorwiegend Prosaminiaturen. Diese handeln von Menschen am Rand der Gesellschaft, von gescheiterten Existenzen. Die Figuren, die bei Duvanel im Zentrum stehen, sind Aussenseiter*innen, oft umgetrieben von einem Gefühl der Ausweglosigkeit und der Trostlosigkeit.[4][5] Alle diese Figuren behalten aber immer ihre Würde. Duvanels Prosaminiaturen sind oft aus der Perspektive von Frauen oder Kindern erzählt.[6] Die Sprache hat einen tagträumerischen, manchmal sogar surrealistischen Charakter und wird stark verdichtet. So die Schriftstellerin Johanna Lier über Duvanels Schaffen.[7] Duvanel hinterliess auch ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre. Ein Teil davon befindet sich im Museum im Lagerhaus in St. Gallen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Merkwürdige Geschichten aus Basel. (mit Felix Feigenwinter und Gunild Regine Winter). Mond-Buch, Basel 1978.
  • Wände, dünn wie Haut. Gute Schriften (GS 453), Basel 1979.
  • Windgeschichten. Luchterhand, Darmstadt 1980.
  • Das Brillenmuseum. Erzählungen. Luchterhand, Darmstadt 1982.
  • Anna und ich. Erzählungen. Luchterhand, Darmstadt 1985.
  • Das verschwundene Haus. Erzählungen. Luchterhand, Darmstadt 1988.
  • Gnadenfrist. Erzählungen. Luchterhand, Frankfurt am Main 1991.
  • Die Brieffreundin. Erzählungen. Luchterhand, München 1995.
  • Der letzte Frühlingstag. Erzählungen, hrsg. v. Klaus Siblewski. Nachwort von Peter von Matt. Luchterhand, München 1997.
  • Beim Hute meiner Mutter. Erzählungen. Nachwort von Peter von Matt. Nagel & Kimche, Zürich 2004.
  • Fern von hier. Gesammelte Erzählungen. Hrsg. Elsbeth Dangel-Pelloquin und Friederike Kretzen. Limmat, Zürich 2021, ISBN 978-3-03926-013-3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gudrun S. Krayfuss: Scheherezadel. Eine Basler Autorin wird entdeckt. Reflexionen zu Leben und Schaffen von Adelheid Duvanel. Isishaus, Basel 1998, ISBN 3-906427-01-3.
  • Susanne Hofer: «...irgendeine Bedeutung, die niemand begreift». Die Kinderfiguren im Werk Adelheid Duvanels. Lizentiatsarbeit, Universität Bern 1998.
  • Wände dünn wie Haut. Zeichnungen und Gemälde der Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel. Katalog zur Ausstellung der Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut. Museum im Lagerhaus, St. Gallen 2009, ISBN 978-3-033-02125-9.
  • Saskia Fischer: Das Recht zu schweigen. Über die Erzählung «Kavalier» von Adelheid Duvanel. In: Federwelt – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren, Nr. 64, Juni/Juli 2007, ISSN 1439-8362.
  • Tadeus Pfeifer: Leben im Medium der Sprache. Abschied von Adelheid Duvanel (1936-1996). In: Basler Stadtbuch 1996, S. 159–161.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://personenlexikon.bl.ch/Georg_Feigenwinter
  2. Michael Krüger, Worte über dem Abgrund, In: Die ZEIT vom 2. Juni 2021
  3. Der Schlaf schlich herbei… Adelheid Duvanels Erzählungen besitzen eine herzzerreißende Zauberkraft. Abgerufen am 25. Februar 2021.
  4. https://www.nb.admin.ch/snl/de/home/ueber-uns/sla/einsichten-aussichten/einsichten---aussichten-2020/trostlose-gestalten.html,, abgerufen am 3. Nov. 2020
  5. https://www.derbund.ch/adelheid-duvanel-malte-die-trostlosigkeit-in-froehlichen-farben-923877994715! abgerufen am 3. Nov. 2020.
  6. https://www.literapedia-bern.ch/Duvanel,_Adelheid, abgerufen am 3. November 2020.
  7. Johanna Lier in: WOZ (WochenZeitung) vom 20.01.2005, https://www.woz.ch/0503/adelheid-duvanel/sprachkosmos