Alfred Rethel

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Alfred Rethel, Selbstbildnis (1832)

Alfred Rethel (* 15. Mai 1816 bei Aachen; † 1. Dezember 1859 in Düsseldorf) war ein deutscher Historienmaler der Spätromantik.

Leben[Bearbeiten]

Der Sieg Karls des Großen über die Sarazenen bei Córdoba (778), Historiengemälde (Studie) von Alfred Rethel für den Krönungssaal des Aachener Rathauses (1849/50): Neben einer Kreuzesfahne und einer Adlerfahne lässt Rethel über dem siegreichen Frankenheer eine dritte Fahne in den Farben Schwarz-Rot-Gold wehen.[1]
Die Krönung Karls des Großen, Ausführung von Joseph Kehren nach dem Entwurf von Alfred Rethel, um 1860, 1944 zerstört

Sein Vater Johann (Jean) Rethel (1769–1839), welcher aus Straßburg ausgewandert und vormals Präfekturrat unter Napoleon I. war, besaß ein Gut Diepenbend unterhalb der Quelle des Wurm (hist. Worm) im Süden der Stadt Aachen.[2][3]

Nachdem dieser Johanna Schneider (1782–1857), die Tochter eines Aachener Fabrikanten, im Jahre 1801 geheiratet hatte, legte er auf Gut Diepenbend[en] eine chemische Fabrik an, in der lange Jahre Berliner Blau und Salmiak für den Export nach Holland hergestellt wurde. Gut Diepenbend[en] wurde 1813 durch eine Windhose zerstört, zwar war das Fabrikgebäude verschont geblieben, der wirtschaftliche Schaden konnte in den folgenden Jahren nicht mehr aufgefangen werden.

In dieser Zeit wurde Alfred Rethel, als viertes von fünf Kindern, am 15. Mai 1816 geboren. In Burtscheid besuchte er eine einklässige Simultanschule, dessen Lehrer der Vater von Friedrich Wilhelm Hackländer war.[4] „[…] war der kleine Alfred Rethel schon damals ein wunderbares Talent. Mit acht oder neun Jahren, ehe er noch irgendwelchen ernstlichen Zeichenunterricht erhalten [hatte], warf er sicher und gewandt alles auf das Papier, [...]. Alles kam aus seinem Bleistift wie von selbst hervor und gab in kürzester Zeit, während wir zusahen, ein so gerundetes, durchdachtes und vortreffliches Ganzes, dass [...] ältere Leute und Kenner mit Staunen diese Kompositionen betrachteten.“ (F. W. Hackländer: Mitgeteilt von M.M. Ströter: Rheinische Post, 28. November 1959) Bei dem aus Löwen eingewanderten Johann Baptist Joseph Bastiné erhielt Rethel seinen ersten Unterricht an der Aachener Zeichenschule.

Die Harkortsche Fabrik auf Burg Wetter

Um 1822 verließen Rethels Aachen und siedelten nach Wetter an der Ruhr in Westfalen über, wo der Vater eine Stellung in der Harkortschen Fabrik auf Burg Wetter als Buchhalter bekleidete.[5]

Im Alter von dreizehn Jahren ging Alfred Rethel, von 1829 bis 1836, wie auch später sein jüngerer Bruder Otto Rethel, an die Kunstakademie Düsseldorf. Unter Wilhelm von Schadow malte er überwiegend im Stil der Nazarener. Sein eigentliches Interesse jedoch galt der Monumentalmalerei. Von seiner frühesten Kindheit an hatte Alfred Rethel Bildideen aufgezeichnet. Die Darstellung von Schlachten, wohl angeregt durch Bildwerke zur griechischen Kunst und Geschichte, spielten eine besondere Rolle. Die Bekanntschaft mit Carl Friedrich Lessing führten Rethel offenbar der Historienmalerei zu. Ein junger Freund und Kollege Alfred Rethels war der Historienmaler und spätere Akademieprofessor Heinrich Mücke, welcher in ihn in seinem Skizzenbuch um 1835/36 festgehalten hatte, kurz bevor Rethel Düsseldorf verließ.[6]

1836 übersiedelte er nach Frankfurt am Main an das Städelsche Kunstinstitut und bekam dort seine ersten Freskoaufträge.

1839 gewann er den Wettbewerb um die Ausmalung des Krönungssaales im Aachener Rathaus mit Themen aus dem Leben Karls des Großen. Diese Jahre währende Arbeit, die sein Lebenswerk darstellt, führte ihn immer mehr in geistige Umnachtung. 1847 begann er mit der Ausführung der Karlsfresken. Vollendet hat er nur vier Fresken alleine. Bei den übrigen musste er sich helfen lassen, weil er ab 1853 zunehmend in Depressionen verfiel. Für Rethels Fresken waren die südlichen Fenster des Rathaus-Saales zugemauert worden. Dadurch hatte der Raum sein architektonisches Gleichgewicht verloren. Die Architektur wurde dem Maler dienstbar gemacht. Hier spiegelt sich die Auffassung seiner Zeit, die vielerorts durch Gemälde und Fresken alten Bauten den Charakter einer „Weihestätte“ zu geben suchte, geprägt von einem patriotischen Frömmigkeitsideal, wie es den deutschen Bildungshumanismus damals auszeichnete (Verbindung von nationalem Mittelalter und Christentum). Von den acht Karlsfresken sind im Zweiten Weltkrieg drei zerstört worden. Die verbliebenen fünf wurden transloziert, also sorgfältig von der Wand gelöst, gründlich restauriert und an einer anderen Stelle wieder angebracht.

Rethels Fresken stehen vor dem großen Hintergrund der Geschichtsauffassung des frühen 19. Jahrhunderts. Was darunter zu verstehen ist, dokumentiert eindeutig ein Zitat von Friedrich Theodor Vischer von 1844: „Die Geschichte, die Welt als Schauplatz des Herrn, die naturgemäße Wirklichkeit in scharfen, nicht romantisch schwankenden, festen Umrissen darzustellen, als eine Bewegung, worin sittliche Mächte Gottes Gegenwart verkünden […] das ist das Feld des modernen Künstlers.“ Und weiter: „Ein Maler führte eine große geschichtliche Szene aus, worin eine allwaltende sittliche Macht siegend oder zum Heldentod stärkend ihren Triumph feiert: […] das ist ein Blatt aus dem Buch der Gottheit, ein Act aus der Geschichte der Selbstbewegung Gottes.“

Ausschnitt aus Auch ein Todtentanz von 1848

Große Aufmerksamkeit erzielte Rethel mit seinen Holzschnittfolgen Auch ein Todtentanz / aus dem Jahre 1848 (Titel der Erstausgabe). Die Idee dieser Folge schlummerte bereits länger in seinem Kopf, wie verschiedene Sensemann-Bilder aus dem Jahre 1847 deutlich zeigen. Dieser Zyklus ist nicht vom Dresdner Maiaufstand inspiriert worden, da Alfred Rethel bereits im Winter 1848 mit der Ausarbeitung zu Auch ein Totentanz begonnen hat. Mit der aus sechs Holzschnitten bestehenden Folge knüpft Rethel an die Totentanz-Holzschnitte Hans Holbeins an. Dargestellt wird, wie der Tod zunächst von fünf weiblichen Gestalten Schwert, Waage und andere Utensilien übergeben bekommt, im Folgenden in eine Stadt reitet und dort auf dem Marktplatz die Bürger für die Revolution zu begeistern versucht; im Hintergrund ist ein Plakat mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zu sehen.

In den folgenden Bildern übergibt er den Bürgern ein Schwert mit der Aufschrift „Volks Justiz“ und eine Kampfszene wird dargestellt. Im letzten Bild reitet der Tod mit einem Lorbeerkranz (Zeichen des Siegers) auf dem Haupt über die Gefallenen. Die Moral ist, dass das Volk nun frei und gleich ist (vgl. Todtentanz). Die Bilder werden von Texten von Robert Reinick begleitet.

Die Darstellung in Auch ein Totentanz erreichte eine hohe Resonanz in den Zeitungen und wurde insbesondere von konservativen Kreisen begeistert aufgenommen. Die politische Aussage trat dabei stark in den Vordergrund. Auf Drängen mehrerer Seiten wurde ein billigerer Nachdruck mit einer Auflagenstärke von 10.000 Exemplaren nachgereicht – eine für damalige Verhältnisse außergewöhnlich hohe Zahl.

Den Winter von 1848 auf 1849 verlebte Rethel in Dresden, in seiner Gemüthsstimmung aufgefrischt durch den Verkehr mit Julius Schnorr von Carolsfeld, Ernst Rietschel, Eduard Bendemann, Julius Hübner, Robert Reinick und der Familie von August Grahl.

Genesung Marie Rethel geb. Grahl 1852

Am 17. Oktober 1851 heiratete Alfred Rethel Marie in der Sophienkirche in Dresden, welche er um 1849 im Haus ihres Vaters August Grahl kennengelernt hatte. In Erinnerung an die Verlobungszeit hatte Alfred Rethel Darstellungen der Monate in Kindgestalten gefertigt, welchen Marie kleine Verse zufügte. 1919 wurde das Erinnerungsbüchlein an die Brautzeit aus dem Jahre 1851 vom Verlag Julius Bard 1919 in Berlin gedruckt. Kurz nach der Hochzeit erkrankte Marie an Typhus, schwebte lange Zeit zwischen Leben und Tod, und die Sorge und das strenge Fernhalten von der jungen Frau, wirkte sich ungünstig auf den Gemütszustand von Alfred Rethel. Mit ihrer Gesundung empfand Rethel eine tiefe Dankbarkeit schuf er die Komposition Genesung. Im Frühjahr 1852 begab sich Rethel, auf anraten der Ärzte, nach Düsseldorf und Aachen, wo der Familie seine weiche Stimmung und seine unsichere Sprache auffiel. Im Spätsommer reiste Rethel mit seiner jungen Frau nach Rom und bezogen eine kleine Wohnung in der Via del Tritone. Nähere Freunde beobachteten mit großer Sorge den sich täglich verdüsternden Zustand. 1853 brach seine Geisteskrankheit endgültig aus, kehrte nach Deutschland zurück und wurde von seinem Bruder Otto Rethel und Schwiegervater August Grahl in eine Nervenheilanstalt nach Bonn gebracht. Die Gehirnkrankheit machte reißende Fortschritte und stellte sich als unheilbar heraus. In seinen letzten sechs Lebensjahren kümmerte sich sein Bruder Otto Rethel und seine Schwester Emma (*1802) im Haus seiner Mutter in Düsseldorf auf der Duisburger Straße fürsorglich um ihn. Seine junge Frau Marie geb. Maria Elisabeth Henrietta Philippina Grahl und sowie die gemeinsame Tochter Else (1853–1933), die später den Maler Karl Rudolf Sohn heiratete, wurden zu deren Familie nach Dresden geholt.

Alfred Rethel starb am 1. Dezember 1859 im Alter von nur 43 Jahren auf der Duisburger Straße 127 in Düsseldorf an den Folgen seines Gehirnleidens.

Alfred Rethels Grab befindet sich auf dem alten Golzheimer Friedhof. Zu seinen Nachfahren gehören Alfred Sohn-Rethel (Maler) und dessen Sohn Alfred Sohn-Rethel, Otto Sohn-Rethel, Karli Sohn-Rethel, Mira Heuser der Gattin von Werner Heuser und deren Tochter Ursula Benser.

Politische Einstellung[Bearbeiten]

Alfred Rethels politische Gesinnung war, anders als diese Darstellung zunächst vermuten lässt, nicht der reaktionären Partei zugeneigt. Nach der Niederschlagung des Dresdner Aufstandes schrieb er seiner Mutter: „Vor ein paar Stunden hat sich die entsetzliche Katastrophe in hiesiger Stadt zu Gunsten des Militärs entschieden – ein herrliches Werk zu Ehren Deutschlands ist unter der kaltblütig berechnenden Militärgewalt unter den Stiefel gesunken! Ich sah die Entstehung der Republik, Communismus mit allen seinen Konsequenzen. – Allein es war wahrhaftige allgemeine Volksbegeisterung im edelsten Sinne zur Herstellung eines großen edlen Deutschlands, eine Mission, die ihnen Gott in die Brust gelegt und nicht durch das radikale Geschwätz schlechter Zeitungen und Volksreden hervorgerufen worden.“[7]

Wolfgang Müller von Königswinter konstatierte in einer zwei Jahre nach Rethels Tod veröffentlichten Monographie, dass dieser ein entschiedener Feind überstürzter Bewegung war und stattdessen eine Position des gemäßigten Fortschrittes vertrat. Das Ideal der Einheit Deutschlands sah Rethel durch die radikalen Parteien in weite Ferne gerückt. Er selbst war der konstitutionellen Partei zugeneigt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Auch ein Totentanz[Bearbeiten]

Das Luther-Lied[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Ehrengrab auf dem Golzheimer Friedhof, Düsseldorf
  • Benennung der Rethelstraße in Düsseldorf; am 16. Juli 1876 - Alfred Rethel bewohnte zeitweise das damalige Hofgärtnerhaus auf der Hofgartenstraße 1.
  • Benennung der Rethelstraße in Dresden; sie hieß bis 1899 Dorfstraße, dann Hauptstraße, der Micktener Teil hieß Bergstraße. Mit der Eingemeindung nach Dresden bekamen diese dann ab 1904 den gemeinsamen Namen Rethelstraße - Alfred Rethel hielt sich ab Herbst 1848 bis 1852 jeden Winter in Dresden auf.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Rethel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ingrid Jederko-Sichelschmidt: Die profane Historienmalerei 1826–1860. In: Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 108
  2. Über den Zustand des Gutes berichtet Chr. Quix in seiner „historisch-topographischen Beschreibung der Stadt Aachen, S. 195, „im Jahre 1829: „Das Landgut Diepenbend besteht jetzt in einem Wohngebäude mit Hof- und Wirtschaftsgebäuden, einer Topferswohnung nebst den zur Töpferei gehörigen Gebäulichkeiten, einem Salmiak-Fabrikgebäude, einem Berlinerblau-Fabrikgebäude, in Garten, Wiesen, Benden, Ackerland, Teichen und Springbrunnen, ungefähr 35 Morgen, zu 150 Ruthen, enthaltend.“
  3. „Der Wormbach hat seine Quelle oberhalb dem Landgute Diepenbend.“ in Christian Quix: Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Burtscheid mit 61 Urkunden. Mayer, 1832, S. 29
  4. Friedrich Wilhelm Hackländer: Der Roman meines Lebens. Stuttgart, C. Krabbe, 1878, Seite 3
  5. L. Berger: Der alte Harkort. Leipzig, 1902
  6. Bild: Studienkopf Alfred Rethel von Karl Anton Heinrich Mücke
  7. Alfred Rethel: Briefe. In Auswahl herausgegeben von Josef Ponten (Berlin, 1912) S. 119
  8. Dr. Karlheinz Kregelin „Namenbuch der Straßen und Plätze im Norden der Stadt Dresden“ (Manuskript)