Amtsgericht Bad Vilbel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Amtsgericht Bad Vilbel (bis 1879: Landgericht Vilbel, 1879–1948: Amtsgericht Vilbel) war von 1853 bis 2004 ein hessisches Amtsgericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in Bad Vilbel.

Gerichtsbezirk und Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amtsgericht Bad Vilbel war erstinstanzliches Gericht in Zivil-, Familien- und Strafsachen. Es gehörte zum Bezirk des Landgerichts Frankfurt am Main. Zweite Instanz war das Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

Sitz des Gerichte war zuletzt in der Friedrich-Ebert-Str. 28 in Bad Vilbel. Das Gerichtsgebäude Bad Vilbel wurde für 13,5 Millionen DM (in heutiger Kaufkraft 12 Millionen €) gebaut und im Jahre 1989 eingeweiht[1].

IT-Stelle der hessischen Justiz in Bad Vilbel
Friedrich-Ebert-Straße 28

Das Amtsgericht Bad Vilbel war zuletzt noch zuständig für die Städte Bad Vilbel und Karben im Wetteraukreis mit insgesamt 55.000 Einwohnern. Das Gericht wurde zum 31. Dezember 2004 aufgelöst,[2] die Aufgaben wurden vom Amtsgericht Frankfurt am Main übernommen. Das ehemalige Gerichtsgebäude dient heute als IT-Stelle der hessischen Justiz.

Altes Amtsgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Amtsgericht

Der erste Sitz des Landgerichtes befand sich in der Frankfurter Straße 132. Das zweigeschossige klassizistische Gebäude wurde 1830 außerhalb der Stadt als Zolldirektion des Großherzogtums Hessen erbaut. Mit dem Beitritt der freien Stadt Frankfurt zum Zollverein 1836 entfiel dieser Zweck. Um 1850 zog das Landgericht Vilbel in das Gebäude ein aus dem das Amtsgericht wurde. Später erwarb es die Stadt Vilbel, die darin Wohnungen einrichtete. Seit 1999 wird es als Bankgebäude genutzt. In diesem Zusammenhang erfolgte eine Sanierung bei der die Fenster wieder in den originalen Zustand, nämlich Kastenfenster, umgebaut wurden. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Oktober 1853 nahm das Großherzoglich Hessische Landgericht Vilbel seine Tätigkeit auf, während zugleich die Landgerichte Großkarben und Rödelheim aufgelöst wurden.[5] Der Bezirk des Landgerichts Vilbel bestand zunächst aus den Orten Vilbel, Büdesheim, Burggräfenrod, Großkarben, Heldenbergen, Holzhausen, Kaichen, Kleinkarben, Kloppenheim, Niedereschbach, Obererlenbach, Obereschbach, Okarben, Petterweil, Rendel und Rodheim aus dem Sprengel des bisherigen Landgerichts Großkarben sowie dem Sprengel des bisherigen Landgerichts Rödelheim mit den Orten Niederursel, Rödelheim und Steinbach.[6] Im Rahmen des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurden Rödelheim und Niederursel an Preußen abgetreten[7] (sie kamen zum Justizamt Homburg), während die vormals frankfurtischen Ortsbezirke Dortelweil und Nieder-Erlenbach, der vormals kurhessische Ort Massenheim und der vormals nassauische Ort Harheim neu hinzukamen[8]. Zum 1. Oktober 1879 erfolgte aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes die Umbenennung in Amtsgericht Vilbel und die Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[9]

Mit Wirkung vom 1. Januar 1882 wurden die Gemeinden Burg-Gräfenrode, Heldenbergen und Kaichen vom Amtsgerichtsbezirk Vilbel abgetrennt und dem Bezirk des Amtsgerichts Friedberg zugeteilt.[10] Gleiches geschah am 1. Juli 1911 mit den Gemeinden Rodheim und Holzhausen.[11]

Mit Wirkung vom 1. Januar 1949 wurde der Amtsgerichtsbezirk Bad Vilbel vom Landgerichtsbezirk Gießen abgetrennt und dem Landgerichtsbezirk Frankfurt am Main zugeteilt.[12] Am 1. Juli 1957 wurde aus dem Amtsgerichtsbezirk Frankfurt am Main die Gemeinde Gronau dem Amtsgericht Bad Vilbel zugelegt.[13]

Richter am Gericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Resolution gegen die Schließung (PDF; 15 kB)
  2. Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,4 MB]).
  3. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Frankfurter Straße 132 In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  4. Denkmalpflege in Hessen, Berichte 1999/2000, Bericht "Fenster – die Augen des Hauses", S. 7–8
  5. Bekanntmachung vom 4. Oktober 1853,
    1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend. (Hess. Reg.Bl. S. 640–641)
  6. Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:
    1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. (Hess. Reg.Bl. S. 221–230)
  7. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866. (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  8. Bekanntmachung betreffend die Gerichtsbarkeit in den durch den Friedensvertrag mit der Krone Preußen vom 3. September v. J. erworbenen Gebietstheilen vom 4. Januar 1867. (Hess. Reg.Bl. S. 9–10)
  9. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  10. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204)
  11. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Friedberg, Vilbel, Bad-Nauheim und Altenstadt betreffend vom 27. Mai 1911. In: Großherzogliches Ministerium der Justiz (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1911 Nr. 10, S. 80 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 35,6 MB]).
  12. Betrifft: Gerichtsorganisation (Änderung von Landgerichtsbezirken) vom 14. Dezember 1948. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 52, S. 563, Punkt 728 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  13. Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete der Gerichtsorganisation (§1, Abs. 3) vom 6. März 1957. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1957 Nr. 5, S. 16 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).

Koordinaten: 50° 10′ 19,4″ N, 8° 44′ 0,6″ O