Angela Marquardt

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Angela Marquardt auf dem SPD-Bundesparteitag am 25. Juni 2017 in Dortmund

Angela Marquardt (* 3. September 1971 in Ludwigslust) ist eine deutsche Politikerin (1990 bis 2003 PDS, ab 2008 SPD). Von 1994 bis 1997 gehörte sie dem PDS-Bundesvorstand an, von 1995 an als stellvertretende Bundesvorsitzende. Von 1998 bis 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2006 ist sie Mitarbeiterin der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Nahles, seit 2007 zudem Geschäftsführerin des Arbeitskreises Denkfabrik der SPD.

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marquardt wuchs in Greifswald auf. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie acht Jahre alt war.[1] Von ihrem Stiefvater, der als Tenor am Greifswalder Theater arbeitete, berichtet sie in ihrem Buch Vater, Mutter, Stasi, dass er sie sexuell missbraucht habe.[1] Ihre Mutter war Lehrerin.[1] Nach dem Umzug der Eltern nach Frankfurt an der Oder lebte sie seit 1987 in Greifswald in einem Internat.[1] 1990 legte sie in Greifswald das Abitur ab und studierte zuerst Sport, danach von 1995 bis 2005, zeitweise mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und schloss das Studium im Sommer 2005 mit dem Diplom ab.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PDS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 war sie in der AG Junge GenossInnen der PDS Greifswald. Bei der Bundeskonferenz der PDS in Berlin im Januar 1991 wurde Marquardt auf Vorschlag der AG Junge GenossInnen, nachdem zwei Kandidatinnen zurückgezogen haben, in den Parteivorstand gewählt. Von Januar 1991 bis Januar 1997 war Marquardt Mitglied im Bundesvorstand der PDS. Auch in den auf 18 Mitglieder verkleinerten PDS-Vorstand wurde sie auf Empfehlung von Gregor Gysi gewählt. Von 1992 bis 1995 war sie hauptamtliche Referentin für Jugendpolitik beim Parteivorstand der PDS. 1995 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der PDS gewählt, was sie bis Januar 1997 blieb. Anfang 1997 trat sie aus dem Vorstand zurück, um eine "Politpause" einzulegen und sich auf ihr Studium zu konzentrieren.

1998 wurde Marquardt bei dem Landesparteitag in Kühlungsborn auf Listenplatz 3 der Landesliste Mecklenburg-Vorpommern der PDS für den deutschen Bundestag nominiert. Von 1998 bis 2002 war sie Mitglied der PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag. Seit Anfang 2002 war sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag stellvertretende parlamentarische Geschäftsführerin.

2002 wurde eine handschriftliche Verpflichtungserklärung als Inoffizielle Mitarbeiterin für die DDR-Staatssicherheit („Stasi“) öffentlich, die sie 1987 als Fünfzehnjährige unterschrieben hatte.[3] Marquardt bestätigte, dass sie diese Erklärung geschrieben hatte, bestritt aber eine Tätigkeit als Spitzel.[4] Aufgrund der Verpflichtungserklärung wurde der Sachverhalt durch den Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung des Bundestages im September 2002 untersucht.[5] Dieser stellte fest, dass eine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst nicht erwiesen ist. „Der Ausschuss konnte [...] nach einer eingehenden Würdigung aller Umstände [...] keine so sichere Überzeugung von einer willentlichen und wissentlichen Zusammenarbeit der Abgeordneten mit dem Staatssicherheitsdienst gewinnen, dass auch angesichts der beschränkten Beweismöglichkeiten vernünftige Zweifel an der Richtigkeit der Feststellung einer IM-Tätigkeit ausgeschlossen wären.“[6] Seitdem gilt sie als ein minderjähriges Opfer der Stasi. In ihrem Buch Vater, Mutter, Stasi beschrieb sie später, die Stasi-Mitarbeiter, die sie angeworben hatten, seit ihrem neunten Lebensjahr gekannt und für gute Freunde ihrer Eltern gehalten zu haben.[7]

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag stellte Marquardt die Beitragszahlung Ende 2002 ein und wurde somit 2003 aus der PDS-Mitgliederliste gestrichen.

SPD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2006 ist sie Mitarbeiterin der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Nahles,[8] seit 2007 zudem Geschäftsführerin[9] des Arbeitskreises Denkfabrik der SPD, eines Zusammenschlusses von überwiegend jüngeren linken SPD-, Grünen- und Linken-Abgeordneten, die mit ihrer Arbeit für die Zukunft eine rot-rot-grüne Regierung anstreben.[7] Im März 2008 trat Marquardt in die SPD ein, betonte jedoch, sie sei „keine Überläuferin“, und verwies auf den Zeitraum von fünf Jahren seit ihrem Ausscheiden aus der PDS.[10] Im November 2011 kandidierte sie für den Vorsitz des Forums Demokratische Linke 21, unterlag jedoch Hilde Mattheis.[11]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Marquardt in Internetkreisen insbesondere 1996 und 1997, als die Staatsanwaltschaft Berlin ihre Website zensieren wollte, da sie einen Link zur verbotenen Zeitschrift radikal angelegt hatte, die bis Mitte der 1990er Jahre ein wichtiges Diskussionsforum der Autonomen darstellte. Seitdem kämpfte sie immer wieder gegen jegliche Versuche, das Netz zu zensieren, unter anderem gegen die Sperrungsverfügungen des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow an nordrhein-westfälische Internetprovider.[12]

Marquardt war von 2000 bis 2004 Beirätin im Bündnis für Demokratie und Toleranz[13] und ist Mitglied im Verein Rote Hilfe.[14]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angela Marquardt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d "Ihr habt mich benutzt!" sueddeutsche.de, 6. April 2015
  2. Was macht eigentlich … Angela Marquardt? stern.de, 9. August 2005
  3. SPIEGEL online: PDS-Punkerin war Stasi-Informantin, 11. Juni 2002
  4. dpa: PDS-Abgeordnete Marquardt gibt Stasi-Verpflichtung zu. In: welt.de. 11. Juni 2002, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  5. Bundestagsdrucksache 14/9951, 2. September 2002 (PDF; 296 kB)
  6. Berliner Zeitung 13. September 2002 Marquardt von Stasi-Vorwurf entlastet
  7. a b Ihre Akte, unser Urteil auf tagesspiegel.de, 1. März 2015, abgerufen 2. Juli 2017
  8. Rot-rote Bürogemeinschaft focus.de, 9. Oktober 2006
  9. Angaben auf der Seite der "Denkfabrik", abgerufen am 23. Juni 2015
  10. Gysis Kleene wird Becks Große taz.de, 14.  März  2008
  11. Mattheis gewählt, Nahles gestraft faz.net, 28. November 2011
  12. Angela Marquardt freigesprochen. RZ, 1. Juli 1997, abgerufen am 27. April 2018.
  13. Mitglieder des Beirats (Memento vom 6. Dezember 2004 im Internet Archive) buendnis-toleranz.de
  14. SPD-Neuling verteidigt "Rote Hilfe" stern.de, 25. März 2008