Angerbach (Rhein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Angerbach
Anger
Angerbach zwischen Heiligenhaus und Ratingen

Angerbach zwischen Heiligenhaus und Ratingen

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2756
Lage Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle In Velbert (heute wird auch Wülfrath als Quelle genannt)
51° 19′ 39″ N, 7° 3′ 10″ O
Quellhöhe ca. 250 m ü. NN[1]
Mündung Bei Duisburg-Angerhausen in den RheinKoordinaten: 51° 22′ 46″ N, 6° 43′ 39″ O
51° 22′ 46″ N, 6° 43′ 39″ O
Mündungshöhe ca. 23 m ü. NN[1]
Höhenunterschied ca. 227 m
Länge 35,8 km[2]
Einzugsgebiet 111,412 km²[2]
Abfluss am Pegel Ratingen[3]
AEo: 63,23 km²
Lage: 12,98 km oberhalb der Mündung
NNQ (11.07.1977)
MNQ 1959/2007
MQ 1959/2007
Mq 1959/2007
MHQ 1959/2007
HHQ (03.06.1961)
46 l/s
329 l/s
975 l/s
15,4 l/(s km²)
8,11 m³/s
14 m³/s
Die Auermühle im unteren Angertal

Der Angerbach, auch kurz die Anger, ist ein etwa 35,8 km langer rechtsrheinischer Zufluss zum Niederrhein.

Quellflüsse und Namensübertragungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Quelle des Angerbachs lag in Velbert in einem Quelltal namens „In den Fliethen“[4] nahe dem Kotten „Oberste Flieth“, dem Stammsitz der Familie Wodenbeck mit einst angebauter Buntmetallgießerei. In einem Wohnhaus des bachabwärts liegenden Gehöfts „Unterste Flieth“, im Felsenkeller des Hauses „Hausmann“, befand sich eine weitere Quelle. Dieser Quellfluss war mit einem Ursprung auf ca. 250 m NHN der höchstgelegene und längste und somit hydrologisch gesehen der Hauptquellast des Angerbachs. Am Angerhäuschen erreichte ein weiterer Quellfluss vom Bastersteich kommend das junge Gewässer. Im weiteren Verlauf bildete der Angerbach die historische Grenze zwischen der Honschaft Rützkausen und der Bauerschaft Große Höhe.

Im Jahr 1943 wurde etwa 2,5 km unterhalb der historischen Angerquelle ein Damm errichtet. Der dadurch entstandene Stausee diente als Sedimentationsbecken der Kalkwerke Wülfrath. Der Damm hat eine Kronenhöhe von 72 m und erzielte eine Stauhöhe von 237 m NHN. Infolgedessen wurde das gesamte obere Angertal unter dem sich absetzenden Schlamm der Kalkwäsche begraben. Der 1,3 km² große Klärteich erhielt den Namen des Eigenerbachs, eines unbedeutenden Nebenbaches, der unmittelbar unter dem Damm verschwand. Der historische Angerbach dagegen wurde aus den amtlichen Kartenwerken gelöscht. Sein durch das Sedimentationsbecken abgeschnittener Oberlauf wird heute als Fliethenbeeke geführt. Nach Einstellung der Sedimentation 1998 wurde das ehemalige Sedimentationsbecken renaturiert.[5] Der Angerbach erhält nun im Rahmen der Renaturierung wieder einen durchgehenden Lauf.

Anstelle des historischen Quellasts[6] wurde nach dem Bau des Sedimentationsbeckens der um 2 km kürzere Mühlenbach, ein ursprünglich linker Zulauf aus Wülfrath, häufig als Angerbach bezeichnet und so schließlich auch in die amtlichen Kartenwerke übernommen. Die auf nur 170 m NHN gelegenen unterirdischen Zuflüsse zum Stadtteich in Wülfrath werden daher heute regelmäßig als Angerquelle bezeichnet.

Historische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 wurde im Friedensvertrag zwischen Adolf V. von Berg und dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg den Kölnern verboten, an der Anger Befestigungen oder Burgen anzulegen. Die heute noch zahlreichen Burgen, Rittergüter und Herrensitze zeugen womöglich von der Zeit des frühen Mittelalters. In Heiligenhaus liegt Gut Laubeck, in Ratingen liegen Haus Anger, Burg Gräfgenstein, der Poensgenpark und die Wasserburg Haus zum Haus an der Anger, auf Düsseldorfer Gebiet Burg Angermund, Schloss Heltorf, Rittersitz Groß-Winkelhausen sowie auf Duisburger Gebiet Haus Böckum, Haus Remberg und Haus Angerort.

Weitere historische Gebäude und Tourismusziele sind in Ratingen die ehemalige Wassermühle Auermühle sowie auf Duisburger Gebiet Gut Kesselsberg, die Sandmühle, der Biegerhof, und der ehemalige Medefurter Hof mit Mühle. Die historisch zu Groß-Winkelhausen gehörende Winkelhauser Ölmühle wurde Anfang 2014 abgerissen.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Angerbach verläuft durch die Städte Wülfrath, Heiligenhaus und Ratingen im Kreis Mettmann und durch die kreisfreien Städte Düsseldorf und Duisburg. Während der Fluss sich in seinem östlichen Teil durch eine verhältnismäßig starke Neigung auszeichnet, trifft er bei Ratingen-Lintorf auf die Niederterrasse des Niederrheins und verläuft von dort sehr flach bis zum Rhein. Bedeutend für den Abfluss des Gewässers ist der Kalkabbau in der Stadt Wülfrath.

Die Anger unterliegt einem strengen Hochwasserschutz, da sie ohne Regulierungsmaßnahmen weite Teile der Städte Ratingen, Duisburg und Düsseldorf gefährden könnte. Die Planfeststellung zum Neubau der Autobahn A 44 ist seit 2009 nach Klagen der Städte Ratingen und Düsseldorf noch immer nicht richterlich entschieden, da die Ableitung des Niederschlagwassers vom Straßenbaulastträger nicht gelöst werden konnte.

Das Gebiet um den unteren Angerbach wird als Angerland bezeichnet und entspricht dem alten bergischen Amt Angermund, das den Norden des heutigen Kreises Mettmann, Kettwig, Teile der heutigen Stadt Mülheim an der Ruhr, die nördlichen Düsseldorfer Stadtteile und den größten Teil des heutigen Duisburger Stadtbezirks Duisburg-Süd umfasste. 1928 wurde das Amt Angermund aufgelöst und durch das Amt Angerland ersetzt, das bis 1974 bestand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedhelm Koppshoff, August Wilhelm Rees, Jürgen Scheidsteger: Das Obere Angertal. Scala Verlag, Velbert 2015, ISBN 978-3-9816362-5-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Topografische Karte 1:25.000
  2. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW
  3. Deutsches gewässerkundliches Jahrbuch 2007
  4. Topographische Urkarte 1843 auf http://www.tim-online.nrw.de
  5. http://kreisgruppe-mettmann.bund.net/fileadmin/bundgruppen/bcmskgmettmann/bn-print-2013/S4-5_2013BN-Eignerbach.pdf /Eignerbach Klärteich-teilweise gerettet auf: kreisgruppe-mettmann.bund.net 2013
  6. Rheinische Post, Ausgabe Ratingen, Kettwig, Amt Angerland 1951, Bericht "Heimatkundliche Exkursion zur Angerquelle"

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angerbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien