Kate (Hütte)

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Reetgedeckte Kate aus dem 19. Jahrhundert am Twedter Plack in Flensburg-Mürwik, ein Kulturdenkmal des Stadtteils.

Kate oder Kotten war die Bezeichnung eines einzelnen einfachen Wohnhauses oder einer einzelnen Werkstatt in oder abseits der dörflichen Gemeinschaft. Meistens waren sie von Köttern bewohnt, deren Wohnrecht eine Form des Deputatlohns darstellte.

Etymologie[Bearbeiten]

Erich Dummer: Bauernkate in Schleswig-Holstein, entstanden um 1915

Kotten – auch Kot, Kote, Kotte oder Kate, Katte, Katten – heißt mittelniederdeutsch „Hütte“, „kleines Haus“. Daneben gibt es weitere Formen mit th: Koth, Kothe, Köth, Köthe, Köthen, Kathe.[1][2][3] Das Wort findet sich in allen drei Geschlechtern, ist in Form von Kate/Kote aber meist weiblich, in Form von Kotten meist männlich.

Es wird eine sprachliche Verwandtschaft mit Hütte, Haus, Gaden und lateinisch casa angenommen in einer allgemeinen Bedeutung „umschlossener Raum“, „Verschlag“ oder „bedeckter Raum“, auch das englische Wort cottage ist verwandt.[4]

Nach Grimm sind Kotte „Korb“ und Kotte „Hütte“ von derselben Wurzel und meinen „Flechtwerk“: Die Kotte dürfte also eine aus Rutengeflecht hergestellte (und dann meist lehmverputzte) Konstruktion bezeichnen. Diese Bautechnik ist Standard für die Füllungen (Gefache) des Fachwerkhauses. Im allgemeineren Sinne meint es regional ein einfaches – abwertend auch ärmliches – Wohnhaus (oder Arbeitsstätte) im Gegensatz zu festem Steinmauerwerk (Natur- oder Backstein) oder Massivholzbau.

Lokalformen des Wortes finden sich in der Köte, einer Köhlerhütte im Harz, und der Kote, der traditionellen Hütte der Samen in Lappland, oder mit Chata in Polen und Tschechien. Dasselbe Wort findet sich in der Bezeichnung Kohte für das Hordenzelt der Pfadfinderbewegung.

Siedlungsform[Bearbeiten]

Wohnen[Bearbeiten]

Zwei zu Wohnhäusern ausgebaute Kotten eines ehemaligen Bauernhofs in Ostwestfalen; auf dem Grundstück befindet sich auch ein Friedhof des Vollbauern

Die Siedlungsform des Kottens stammt aus dem Mittelalter. Zunächst stand im Hochmittelalter bei der Landnahme unbesiedelten Gebietes noch ausreichend Rodungsland für einzeln stehende Vollhöfe (Hufe) zur Verfügung. Folgend entstanden die Kotten, als die ursprünglichen Höfe bei steigender Bevölkerungszahl nicht mehr ausreichten und kleinere Absplisse entstanden. Bei Erbteilungen wurden Vollhöfe unter den Erben aufgeteilt, die dann oft auf dem ursprünglichen Hofland mehrere Einzelkotten errichteten. Eine zweite Siedlungswelle, bei der viele Kotten/Katen in enger Nachbarschaft angelegt wurden, war um 1600 im Oldenburger Land zu beobachten.

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wurde in Urkunden vermehrt zwischen Vollhöfen und Kotten/Katen unterschieden. Ein Kotten/Kate war dabei ein Hof mit geringerer Größe und niedrigerer Abgabenlast. Im Gegensatz zur Hufe des Vollbauern (Hufner) war er meist nur mit einem kleinen Stück Land zur Selbstversorgung und Nebenerwerbslandwirtschaft ausgestattet. Die Bewohner (Kätner, Kötner, Kötter, Kotsasse oder auch Köter genannt) gehörten zur unteren dörflichen Mittelschicht und gingen in der Regel einem anderen Haupterwerb nach.

Oft fanden sich mehrere Kotten/Katen auf dem Grundstück des Großbauern. Eine solche Ansammlung von Siedlungsplätzen unterhalb der Dorfebene ohne eigene Sozialeinrichtungen wie Kirche, Schule oder Gastwirtschaft wird je nach Region Weiler oder Hofschaft genannt.

Arbeiten[Bearbeiten]

Der Balkhauser Kotten in Solingen, ein Schleifkotten (Werkstatt) an der Wupper

In der vor- und frühindustriellen Zeit werden auch ländliche Gebäude als Kotten bezeichnet, die zur Herstellung oder Bearbeitung von Waren benutzt werden.[5][6] Vgl. etwa den Ausdruck Salzkot oder den entsprechenden Ortsnamen Salzkotten, der ursprünglich ein Sudhaus bezeichnet.[7] Die Tätigkeit des Kottners/Kätners bestimmte Lage und Ausstattung der Kotten/Kate. So gab es Webers Kotten, Handwerkerkaten, Wegewärterkaten an den Chausseen (siehe auch Hellweg) und (Schlag-)Baumkaten an den Zollstellen.

Insbesondere im Bergischen Land kennt man die Regionalform Hammer- und Schleifkotten oder Slipkoten eine Schleiferwerkstatt, in der seit dem späten 14. Jahrhundert mit Hilfe von Wasserkraft gearbeitet wurde. Die Blütezeit der Schleifkotten war das 17. Jahrhundert. Der Manuelskotten ist heute der einzige noch funktionsfähige, wassergetriebene Schleifkotten auf Wuppertaler Stadtgebiet, die Doppelkottenanlage Wipperkotten der letzte im Solinger Raum.[8][9] Dort wurden, beginnend mit dem 15. Jahrhundert, an den Bächen und Flüssen Kotten errichtet, in denen mit Hilfe der Wasserkraft Metall, insbesondere Eisen, erstellt und bearbeitet wurde. Durch Wasserräder wurden Blasebälge, mechanische Schmiedehämmer und Schleifsteine angetrieben. Häufig wurden auch Kotten abseits der Wasserläufe ohne unterstützende Hilfe der Wasserkraft als Schmieden erbaut.[10]

Bauform[Bearbeiten]

Kotten/Katen sind im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit in Fachwerkbauweise wie ein Niedersachsenhaus gebaut (Zweiständerhaus), haben aber weniger Ständer. Sie sind also kürzer, was ein Hinweis auf den eingeschränkten Nutzwert als vollwertiger landwirtschaftlicher Betrieb ist. Die Deele reicht von Giebel zu Giebel, der hintere Wohnteil entfällt. Im norddeutschen Raum wandelte sich im 19. Jahrhundert die Bauweise von der Fachwerk- zur Ziegelkate.

Zur Kotten/Kate gehörte in der Regel kein Scheunen- oder Stallgebäude. Kotten/Katen sind zumeist einstöckig, der Giebelraum wurde als Stroh- und Nahrungsmittellager genutzt. Tiere wurden unter der Niederung einer verlängerten Dachseite untergebracht. In Regionen mit kalten Wintern gab es keine Abgrenzung zwischen Wohn- und Tierbereich, um von der Tierwärme profitieren zu können.

Eine besondere Form waren die kleinen Altenteilerkaten (Auszugshaus), die Hufner auf dem Grundstück ihres Hofes für ihre aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Eltern errichteten.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

Bohmter Kotten, Baudenkmal
  • Auch Heuerlingshäuser (Unterkünfte für Wanderarbeiter) werden als Kotten/Katen bezeichnet.
  • Regional wurden Halbhöfe oder noch kleinere Einheiten (Drittelhof bis Zehntelhof) als Kotten/Katen bezeichnet. Der Name bezieht sich auf die Größe eines Vollhofs.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag Koth (das) oder die Kothe In: J. G. Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Pauli, Berlin 1773–1858 (kruenitz1.uni-trier.de)
  2. KOT,KOTE. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  3. KATE, f. Taglöhnerhütte. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  4. Krünitz: Koth 3.
  5. Kulturelles Forum Langenfeld – Vom Baumstamm zum Messergriff. Der Langenfelder Schalenschneider-Kotten. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  6. Mein Solingen: Unnersberg, Kotten, Werkstatt am Unnersberg 1924. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  7. Krünitz: Koth 2.
  8. Der Manuelskotten im Wuppertal – Geschichte. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  9. Solinger Kotten an der Wupper. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  10. Zeitspurensuche: Die Kotten. Abgerufen am 25. Juli 2011.