Apfelreifeklassen

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Apfelreifeklassen sind ein Ordnungsprinzip, das Apfelsorten nach ihrer jeweiligen Pflück- und Genussreife erfasst. Man unterscheidet Sommeräpfel, Herbstäpfel und Winteräpfel. Diese Unterscheidung spielt angesichts der globalisierten Marktwirtschaft und der damit verbundenen ständigen Verfügbarkeit kaum mehr eine Rolle.

Eine eindeutige Trennung der Herbstäpfel von den Winterapfel-Sorten ist nicht möglich, da einige Sorten von Oktober bis März genussreif sind; zu den Sommerapfel-Sorten hingegen ist eine klare Trennung grundsätzlich möglich. Im Zuge des Klimawandels deuten sich jedoch Verschiebungen an.

Sommeräpfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommeräpfel sind Apfelsorten mit früher bis sehr früher Reife, die zum Teil bereits im Juli (diese speziell: Frühäpfel), meist im August, spätestens aber vor der Haupterntezeit Mitte bis Ende September reif werden.[1][2] Vor dem Beginn des globalen Obsthandels in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Sommeräpfel wegen ihrer frühen Reife als erste Äpfel des neuen Jahres begehrt. Geschmacklich zeichnen sich Sommeräpfel häufig durch viel erfrischende Säure bei eher geringem Aroma aus.

Einige Sommeräpfel sind sehr druckempfindlich und können nach der Reife kaum oder nur für eine sehr kurze Zeit gelagert werden, da der Reifeprozess rasch voranschreitet und die Äpfel mehlig oder überreif werden.[3] Daher sind die meisten Sommeräpfel kaum im Handel zu finden und dem Selbstversorgeranbau im eigenen Garten vorbehalten.

Beispiele für Sommeräpfel

Typische Sommeräpfel sind der ‘Klarapfel’, ‘Schöner aus Bath’, ‘Pfirsichroter Sommerapfel’, ‘Jamba’, ‘Roter Astrachan’, ‘Astramel’, ‘Mantet’[4] und ‘Piros’. Daneben gibt es noch viele weitere Sorten, die zum Teil nur regional verbreitet sind.

Herbstäpfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herbstäpfel bezeichnet man Apfelsorten, die zwischen September und Oktober pflückreif werden und sofort oder nach nur kurzer Lagerung genussreif sind.[5] Vor einer permanenten Versorgung mit Obst aus dem Supermarkt waren Herbstäpfel (neben lagerfähigen Birnen) eine der wichtigsten Quellen für die Versorgung mit frischem Obst im Herbst und Winter. Eine andere Bezugsquelle für Obst in der kalten Jahreszeit bot lediglich das Einkochen und Vermosten.

Beispiele für Herbstäpfel

Typische Herbstapfelsorten sind Alkmene, Grahams Jubiläumsapfel, Holsteiner Cox und James Grieve. Weitere bekannte Herbstsorten sind u. a. Gelber Edelapfel, Ruhm aus Kirchwerder, Maunzen, Gewürzluiken sowie einige Sorten aus der Renette-Gruppe wie Cox Orangenrenette, Baumanns- und Kanadarenette.

Winteräpfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Winteräpfeln sind Apfelsorten gemeint, die nach der Ernte im Herbst – meist im Oktober oder November – zwei Monate oder länger lagern müssen und gewöhnlich erst im Dezember oder später genussreif sind.[6] Bei Winteräpfeln handelt es sich demnach um so genannte Lagersorten. In einigen Ausnahmefällen können Winteräpfel bis in den Juni hinein eingemietet werden. Ein Beispiel für extrem lange Lagerbarkeit ist der Rote Eiserapfel, der sich in Erdmieten bis zum Sommer des übernächsten Jahres halten kann. Vor der permanenten Versorgung mit Äpfeln aus Neuseeland, Chile und Südafrika waren die lange haltbaren Winteräpfel eine der wichtigsten Quellen für die Versorgung mit Obst. Eine eindeutige und klare Trennung von Winterapfel-Sorten von Herbstapfel-Sorten ist nicht möglich, da einige Sorten von Oktober bis März genussreif sind.

Beispiele für Winteräpfel

Typische Winterapfelsorten sind neben dem bereits erwähnten Roten Eiserapfel der Borsdorfer Apfel, Finkenwerder Herbstprinz, Glockenapfel, Gloster, Ontarioapfel, Rheinischer Bohnapfel und Altländer Pfannkuchenapfel, außerdem Berlepsch, Cox Orange, Rote Sternrenette, Schöner von Boskoop und Weißer Winter-Calville (wegen des Geschmacks auch Erdbeer- oder Paradiesapfel genannt). Daneben gibt es noch viele weitere Sorten, die zum Teil nur regional verbreitet sind (sogenannte Lokalsorten, zum Beispiel Roter Pariner und Edler von Leipzig).

Weihnachtsapfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Weihnachtsapfel werden umgangssprachlich eher kleine und zumeist rote Winteräpfel bezeichnet. Diese wurden, bevor Christbaumschmuck aus Glas aufkam und für die breite Bevölkerung bezahlbar wurde, zum Dekorieren von Tannenzweigen bzw. Weihnachtsbäumen verwendet. Dafür war eine geringe Größe (um ein Aufhängen auch an dünnen Zweigen zu ermöglichen), eine schöne – meist rote – Färbung und eine blank polierbare Schale wünschenswert. Die roten Weihnachtsäpfel lieferten die Vorlage für die heutigen Christbaumkugeln; angeblich erfand ein verarmter Glasbläser aus dem thüringischen Lauscha 1847 den Glasschmuck, weil er sich echte Äpfel nicht leisten konnte.

Es gibt eine große, im Wesentlichen regionale Vielfalt an Weihnachtsäpfeln, bei denen es sich meist um alte Apfelsorten handelt. Beispiele: Rote Sternrenette, Roter Pariner, Purpurroter Cousinot und Spartan.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Apfelbaum In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 612–614.
  2. Herbert Petzold: Apfelsorten Neumann Leipzig 1990, S. 28, "Reifezeitgruppen", ISBN 3-7402-0075-8
  3. Herbert Petzold: Apfelsorten Neumann Leipzig 1990, S. 44, "Pflückreife", ISBN 3-7402-0075-8
  4. Sortenbeschreibung Mantet, pdf-Datei, 2 MB
  5. L. März: Das Apfelhandbuch: Wissenswertes rund um den Apfel, Hamburg 2011, S. 19.
  6. Apfelbaum In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 612.