1-Methylcyclopropen

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Strukturformel
Strukturformel von 1-Methylcyclopropen
Allgemeines
Name 1-Methylcyclopropen
Summenformel C4H6
CAS-Nummer 3100-04-7
PubChem 151080
Eigenschaften
Molare Masse 54 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Schmelzpunkt

unter −100 °C[1]

Siedepunkt

4,7 °C[1]

Dampfdruck

2·105 Pa (25 °C)[1]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

1-Methylcyclopropen (1-MCP) ist ein gasförmiger, ungesättigter, cyclischer Kohlenwasserstoff aus der Gruppe der Cycloalkene.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1-Methylcyclopropen wird im Obst- und Gemüsebau zur Verzögerung der natürlichen Alterung des geernteten Obstes bzw. Gemüses eingesetzt. Auch bei der Produktion von Schnitt- und Topfblumen wird 1-MCP zur Verlangsamung des Welkevorgangs verwendet. Bereits eine einmalige Begasung mit 1-MCP verhindert durch Belegung der Ethylen-Rezeptoren in den Zellmembranen eine Aufnahme des den biochemischen Reife- oder Welkungsprozess auslösenden Gases Ethylen durch die Zelle, da das 1-MCP bereits in Konzentrationen von wenigen ppb wirksam ist.[3] Der weitere Reifungs- und Welkeprozess wird nach Anwendung des 1-MCP deutlich verlangsamt. Dabei bleibt die Wirkung des 1-MCP solange erhalten, wie die behandelten Produkte gekühlt werden; nach einer Temperaturerhöhung können neue Ethylen-Rezeptoren gebildet werden und der Reife- oder Welkungsvorgang setzt sich fort.[4]

Wirkung von 1-MCP: Links unbehandelte Birne, rechts mit 1-MCP behandelte; die Lagerzeit war jeweils gleich lang

1-MCP ist als Begasungsmittel seit 2005 in der EU, den USA und einigen anderen Ländern weltweit zugelassen[5] und wird als Ergänzung und Verbesserung von konventionellen Kühl- und CA-Lagerungsmethoden angesehen.

Handelsnamen für Formulierungen des 1-MCP sind SmartFresh, EthylBloc und FreshStart des US-amerikanischen Herstellers AgroFresh oder Fysium des US-amerikanischen Herstellers Pace International LLC. In einer Formulierung von SmartFresh wird das gasförmige 1-MCP in cyclisch geschlossenen Oligosacchariden, den sog. Cyclodextrinen verpackt. Diese Cyclodextrine stellen Zuckermoleküle dar, die sich in Wasser auflösen und so das 1-MCP freisetzen.[4] Als Hersteller von Cyclodextrinen ist an der SmartFresh-Formulierung die Firma Wacker Chemie beteiligt, die jährlich ca. 5000 Tonnen der Cyclodextrine herstellt.[3]

Apfellagerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einsatz bei Äpfeln ist in der EU zugelassen, die Verwendung muss nicht gekennzeichnet werden.[6] Der Stoff ist nicht bei allen Sorten einsetzbar, da teilweise physiologische Krankheiten gefördert werden. [7]

Geeignet sind:

Bedingt geeignet sind:

Ungeeignet sind:

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Begasung mit 1-MCP ist der Verbraucher nicht in der Lage, das Alter des Obstes zu erkennen; ob es beispielsweise eine Woche oder zwei Jahre alt ist. Eine Alterung findet dennoch statt, z. B. beim Abbau von Vitamin C.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): 1-Methylcyclopropen. Stand Februar 2006. PDF (19 kB)
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. a b Wacker Chemie: Smartfresh, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  4. a b AgroFresh: SmartFresh Technology (in engl. Sprache), abgerufen am 1. Dezember 2015
  5. Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, Rheinland-Pfalz: MCP - Auswirkungen in der Apfel-Lagerung, gesehen 2012.
  6. Test.de:Rückstände in Äpfeln: Bio ist besser, abgerufen 20. Oktober 2013.
  7. Arbeitstagebuch 2014 der OVA Jork, S. 276
  8. Reinhard Wolff: Uralte Äpfel dauerhaft ganz frisch. In: die tageszeitung. 21. Mai 2005.