Armstrong (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen des Geschlechts

Das anglo-irische Landadelsgeschlecht Armstrong entstammt dem schottischen Clan Armstrong, welcher spätestens ab dem Jahre 1138 im Grenzgebiet von Schottland und England ansässig war und seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1235 findet. Das Geschlecht hat sich Ende des 16. Jahrhunderts nach Irland ausgebreitet und im Laufe der Jahrhunderte einige Persönlichkeiten in Militär und Politik hervorgebracht. Ein Zweig wurde 1841 in den Baronetstand des Vereinigten Königreichs erhoben.[1] Neben den Britischen Inseln, hat sich die Familie auch nach Nord- und Südamerika, Australien, Südafrika, Frankreich, Russland, Deutschland und Österreich ausgebreitet. Zweige des Geschlechts blühen bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach andauernden Auseinandersetzungen mit der schottischen Krone, siedelten Ende des 16. Jahrhunderts führende Mitglieder des Clan Armstrong im Rahmen der von Königin Elisabeth I. betriebenen Plantation of Ireland, von Schottland nach Irland über. Darunter auch Andrew (* 1576, † 1671), später Offizier bei den Royalisten unter Karl I. und Enkel des berüchtigten John Armstrong von Gilnockie, aus einer Seitenlinie der Herren von Mangerton, der seitdem als Stammvater der irischen Linie des ursprünglich schottischen Geschlechts gilt. Seine Nachkommen verzweigten sich in die drei nach ihren Sitzen benannten Hauptlinien Ballycumber, Gallen Priory und Garrycastle, welche vornehmlich in den Grafschaften Offaly (damals „King‘s County“ genannt), Limerick und Tipperary begütert waren.[2]

Durch ihre Zugehörigkeit zum protestantischen Landadel, der sogenannten Landed gentry, sicherten die Familie und ihre Standesgenossen die Interessen der englischen Krone in Irland. Einige Familienmitglieder bekleideten hohe politische und militärische Ämter, womit sie ihren Einfluss mehrten. Traditionell diente ein Großteil der männlichen Vertreter der Familie als Offiziere, womit einige Zweige wieder zurück nach Schottland und England fanden. Zu damaliger Zeit nicht unüblich, standen etliche Mitglieder auch in Diensten anderer europäischer Staaten, darunter Länder des Deutschen Bundes, dem Kaisertum Österreich und dem Russischen Kaiserreich. Insbesondere Mitglieder der Häuser Ballycumber und Garrycastle siedelten sich ab Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts dauerhaft im deutschsprachigen Raum, inklusive des Baltikums, an. In Russland erfolgte die Adelsnaturalisation 1798, in Österreich wurde der ausländische Stand durch Immatrikulation und Führung des Namens "Ritter von Armstrong" 1835 prävaliert.

Ehemalige Besitzungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptlinien und deren Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Ballycumber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Gallen Priory[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edmund Armstrong, Esq.: († 1745), ⚭ Elizabeth Holmes, hielt das Amt des Justice of the Peace in King’s County inne. Wurde 1730 zum High Sheriff derselben Grafschaft ernannt und zusätzlich 1731 im County Kildare[6]
  • Colonel Andrew Armstrong, Esq.: (* 1729), ⚭ Constance Maria Pigot, hielt das Amt des Justice of the Peace inne und wurde 1751 zum High Sheriff von King’s County ernannt[7]
  • Edmund Armstrong, Esq.: (* 1754, † 1827), ⚭ Elizabeth Trench, arbeitete als Barrister und hielt 1818 das Amt des High Sheriff von King’s County inne[8]
  • Captain Sir Andrew Armstrong, 1. Baronet: (* 1786, † 1863), ⚭ Frances Fullerton, Hauptmann der King’s County Miliz, 1811 und 1836 zum High Sheriff von King’s County ernannt. Er bekleidete von 1831 bis 1841 das Amt des Receiver General of the Stamps in Ireland, wurde 1841 in den erblichen Baronetstand des Vereinigten Königreichs erhoben und war von 1841 bis 1852 Member of Parliament[9]
  • Rev. Sir Edmund Frederick Armstrong, 2. Baronet: (* 1836, † 1899), ⚭ Alice Fisher, war Vikar in Borris-in-Ossory und hielt das Amt des Justice of the Peace von King’s County inne[10]
  • Captain Sir Andrew Harvey Armstrong, 3. Baronet: (* 1866, † 1922), hielt das Amt des Justice of the Peace von King’s County inne, diente im Leinster Regiment (Royal Canadians) und kämpfte 1900–1901 im Zweiten Burenkrieg. Er wurde 1914 zum High Sheriff von King’s County ernannt und blieb ledig ohne Nachkommen, weshalb der Titel 1922 an seinen jüngeren Bruder fiel[11]
  • Sir Nesbitt William Armstrong, 4. Baronet: (* 1875, † 1953), ⚭ Clarice Amy Hodkinson[12]
  • Sir Andrew St. Clare Armstrong, 5. Baronet: (* 1912, † 1987), kämpfte im Zweiten Weltkrieg bei den Royal Australian Engineers, blieb ledig und kinderlos, weshalb der Titel 1987 an den nachfolgend erbberechtigten Vetter fiel[13]
  • Sir Andrew Clarence Francis Armstrong, CMG, 6. Baronet: (* 1907, † 1997), ⚭ Laurel May Stuart, war von 1929 bis 1961 Kolonialverwalter und wurde 1959 in den Ritterorden von St. Michael und St. George aufgenommen[14]
  • Lieutenant Colonel Sir Christopher John Edmund Stuart Armstrong, 7. Baronet: (* 1940), ⚭ Georgina Elizabeth Carey Lewis, absolvierte das Ampleforth College sowie das Royal Military College in Sandhurst und diente bis zur Pensionierung im Royal Corps of Transport[15][16]

Haus Garrycastle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hon. Major General John Armstrong, Esq.:
    Hon. Maj.-Gen. John Armstrong
    (* 1674, † 1742), ⚭ Anna Priscilla Burroughs, war einer der bedeutendsten Offiziere unter dem Duke of Marlborough während der Kämpfe im Spanischen Erbfolgekrieg. Aufgrund seines maßgeblichen Anteils an der erfolgreichen Belagerung von Bouchain, wurde ihm die Ehre einer gemeinsamen Porträtierung mit seinem Feldherrn zuteil. Das Originalgemälde hängt heute noch in Marlborough House aus.
  • Thomas St. George Armstrong, Esq.: (* 1797, † 1875), ⚭ Dona Justa de Villanueva, immigrierte 1817 gemeinsam mit seinem Bruder John nach Buenos Aires, Argentinien, und gründete dort ein Handelsunternehmen. Er wurde zum Direktor der Nationalbank ernannt, gründete 1859 ebenfalls die später führende Versicherungsgesellschaft 'Argentine Insurance Company'[17] und finanzierte maßgeblich den Ausbau des argentinischen Eisenbahnnetzes[18]
  • S.E. Johann (russ. Iwan Adamowitsch) von Armstrong, kaiserlich-russischer Wirklicher Staatsrat und Ritter: (* 1807, † 1869), ⚭ Adelheid Ida Rosamunde Eleonore Freiin von Krohne, Zolldirektor des Hafens von Reval (Tallinn), sowie der Bezirke Sibirien und zuletzt Kalisch im Generalgouvernement Warschau. Sein Grab auf dem Dresdner Inneren Neustädter Friedhof[19], in dem später ebenfalls seine Frau und weitere Familienmitglieder bestattet wurden, gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Wandgräbern.
  • Lt. John William Armstrong, Esq.: (* 1813, † 1878), im Kaisertum Österreich ab 1835 als Johann Ritter von Armstrong immatrikuliert[20], diente in der k. k.-Kavallerie als Offizier im Chevauleger-Regiment Nr. 6 seines Landsmanns Feldmarschalleutnant Simon Chevalier Fitzgerald.[21]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbindungen in den Adel Deutschlands und Österreichs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum bestanden bzw. bestehen durch Heirat Verbindungen zu den Familien von Lueder (1805), von Krohne[22] (1843), Mayr von Melnhof[23] (1849), Zois von Edelstein[24] (1885) und von Minckwitz (2010).

Nicht dieser Linie entstammende Persönlichkeiten des erblichen Adels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in rot untereinander drei rechte, angewinkelte Arme in Rüstung, der Ellenbogen jeweils nach unten gerichtet. Auf dem Helm mit silber-roter Decke findet sich auch ein gerüsteter Arm in selber Ausrichtung auch als Zier wieder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Burke, B. Burke: A genealogical and heraldic dictionary of the landed gentry of Great Britain & Ireland, Band 1, H. Colburn, 1947
  • Duncan Heaton-Armstrong: The six month kingdom. Albania 1914. Verlag Tauris, London 2005, ISBN 1-85043-761-0 (Auszug (englisch)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Burke, B. Burke: A genealogical and heraldic dictionary of the landed gentry of Great Britain & Ireland, Band 1, H. Colburn, 1947, S. 23.
  2. J. Burke, B. Burke: A genealogical and heraldic dictionary of the landed gentry of Great Britain & Ireland, Band 1, H. Colburn, 1947, S. 23.
  3. http://burgenkunde.at/oberoesterreich/weyer-gmunden/weyer.htm Burgenkunde.at
  4. Major William Duncan Francis Heaton-Armstrong auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  5. Sir John Dunamace Heaton-Armstrong auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  6. Edmund Armstrong auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  7. Andrew Armstrong auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  8. Edmund Armstrong auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  9. Sir Andrew Armstrong, 1st Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  10. Reverend Sir Edmund Frederick Armstrong, 2nd Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  11. Sir Andrew Harvey Armstrong, 3rd Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  12. Sir Nesbitt William Armstrong, 4th Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  13. Sir Andrew St. Clare Armstrong, 5th Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  14. Sir Andrew Clarence Francis Armstrong, 6th Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  15. Lt.-Col. Sir Christopher John Edmund Stuart Armstrong, 7th Bt. auf thepeerage.com, abgerufen am 11. September 2016 (englisch)
  16. http://www.baronetage.org/official-roll-of-the-baronets/ Offizielle Liste der Baronetswürden
  17. http://www.irlandeses.org/dilab_armstrongt.htm
  18. http://www.casahistoria.net/argentine_railways.htm
  19. http://www.friedhof-dresden-neustadt.de/2009.html
  20. http://www.oesta.gv.at/site/5001/default.aspx Österreichisches Staatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv
  21. http://www.kuk-wehrmacht.de/regiment/husaren/h16.html
  22. http://dokumente.ios-regensburg.de/amburger/index.php?id=3817 Erik-Amburger-Datenbank
  23. https://archive.org/stream/genealogischest00vongoog#page/n467/mode/2up Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser Österreichs
  24. https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Zois_von_Edelstein,_die_Freiherren,_Genealogie Genealogie der Freiherren Zois von Edelstein in Wikisource