Einbürgerung

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Erwerb der Staatsangehörigkeit. Für das Heimischwerden fremder Species (Biologie) siehe Neobiota.
Deutsche Naturalisations-Urkunde von 1902

Unter einer Einbürgerung – auch Naturalisation (von amerikanisch-englisch naturalisation oder naturalization) – wird der Erwerb einer Staatsbürgerschaft durch einen Exekutivakt verstanden, d. h. auf Antrag des Bewerbers bei der in dem jeweiligen Land zuständigen Behörde.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einbürgerung ist zu unterscheiden von:

  • dem Erwerb der Staatsbürgerschaft durch den Geburtsort (Geburtsortsprinzip) oder durch Abstammung (Abstammungsprinzip). In diesen Fällen wird die Staatsbürgerschaft nicht auf Antrag, sondern per Gesetz gewährt.
  • dem Erwerb der Staatsbürgerschaft durch Adoption oder durch Heirat
  • der Ehrenbürgerschaft. Diese wird nicht auf Antrag des Betroffenen gewährt, sondern um ihn auszuzeichnen; oft handelt es sich um eine rein symbolische Auszeichnung, mit der keine Bürgerrechte und -pflichten verbunden sind.

Eine Einbürgerung Behinderter wird durch das „Übereinkommen der Vereinten Nationen über [die] Rechte von Menschen mit Behinderungen“ erleichtert.[1]

Regelungen in einzelnen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Deutsche Staatsangehörigkeit

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Österreichische Staatsbürgerschaft

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Schweizer Bürgerrecht

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Büro der USCIS im Bundesstaat Georgia

In den Vereinigten Staaten von Amerika liegt die Zuständigkeit für die Einbürgerung von Bewerbern bei den Citizenship and Immigration Services (USCIS). Der Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft kann unter jeder der folgenden Voraussetzungen beantragt werden:[2]

  • Bewerber, die seit mindestens 5 Jahren Inhaber einer Permanent Resident Card sind. Diese Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein, innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 30 Monate in den Vereinigten Staaten verbracht haben, mindestens 3 Monate innerhalb des Bundesstaates gelebt haben, Englisch sprechen, Grundkenntnisse der amerikanischen Geschichte und Staatsform besitzen und bestimmte persönliche Voraussetzungen (z. B. Treue zur US-Verfassung) erfüllen.[3]
  • Ehepartner eines US-Bürgers, die seit mindestens 3 Jahren Permanent Residents sind[4]
  • Mitglieder der US-Streitkräfte[5]
  • Minderjährige, die außerhalb der USA geboren sind und außerhalb der USA leben, aber Kinder von US-Staatsbürgern sind.[6]
    Wenn sie dagegen als Permanent Residents in den USA leben, erhalten Kinder von US-Bürgern – dem Abstammungsprinzip entsprechend – die US-Staatsbürgerschaft per Gesetz, d. h. ohne besonderen Verwaltungsakt und automatisch. Dies gilt auch, wenn die Eltern US-Staatsbürgerschaft per Naturalisation erworben haben; will eine Familie mit minderjährigen Kindern sich naturalisieren lassen, genügt es, wenn lediglich alle mindestens 18-Jährigen Einbürgerungsanträge stellen.[6]

Das Einbürgerungsverfahren beginnt mit dem Antrag, zu dem neben dem ausgefüllten Formblatt Formblatt N-400 Anlagen, eine Liste sämtlicher Auslandsaufenthalte seit Erwerb der Greencard, Passfotos und Gebühren in Höhe von 680 US-Dollar gehören. Bewerber, die dies wünschen, können mit der Einbürgerung auch ihren Namen ändern oder sich z. B. einen Mittelnamen zulegen.[7] Bewerber unter 75 Jahren werden anschließend ins nächstgelegene Field Office der Behörde geladen, um dort ihre Fingerabdrücke nehmen zu lassen.[8] Der nächste Schritt ist ein Interview, zu dem die Bewerber ebenfalls ins Field Office gebeten werden; von Bewerbern unter 75 Jahren sind bei diesem Termin auch ein Englisch- und ein Einbürgerungstest zu absolvieren.[8] Bewerber, über deren Anträge positiv entschieden wird, legen ‒ entweder noch während des Interviewtermins oder an einem späteren Termin – ihren Treueeid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten ab, geben ihre Permanent Resident Card ab und nehmen ihre Einbürgerungsurkunde entgegen.[8] Ein Ausscheiden aus der bisherigen Staatsangehörigkeit wird von amerikanischer Seite nicht erwartet.

Malta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 kann man in Malta, für eine Schenkung von 650.000 Euro, zuzüglich des Erwerbs oder der Anmietung einer Immobilie und 150.000 Euro an Investitionen in maltesische Staatsanleihen, die Staatsbürgerschaft erwerben.[9] Die Europäische Kommission erwies sich trotz einer Resolution des Europaparlamentes, die die Praxis der käuflichen Staatsbürgerschaft ausschliesst, als hilflos. 2015 verkaufte Malta seine Staatsbürgerschaft an 201 Personen.[10]

St. Kitts und Nevis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsbürgerschaft von St. Kitts und Nevis war bis 2009 für 250.000 Euro zu erwerben,[9] nachdem ein Abkommen mit der Europäischen Union von 2009,[9] das visafreie Einreise in die Union erlaubt, erhöhte sich der Preis. Nach Recherchen des Spiegel müssen 400.000 Euro für fünf Jahre auf den Inseln investiert werden, um Staatsbürger zu werden.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übereinkommen der Vereinten Nationen über Rechte von Menschen mit Behinderungen (PDF, ≈ 960 KB) – BMAS, am 3. August 2011
  2. Citizenship Through Naturalization (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 22. Januar 2013
  3. Path to U.S. Citizenship (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 22. Januar 2013
  4. Naturalization for Spouses of U.S. Citizens (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 22. Januar 2013
  5. Military (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 14. Juli 2015
  6. a b Citizenship Through Parents (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 10. November 2015
  7. N-400, Application for Naturalization (englisch) – USCIS; letzte Änderung am 23. Oktober 2015
  8. a b c 10 Steps to Naturalization (englisch; PDF, ≈ 1,7 MB) – USCIS; zuletzt abgerufen am 14. Februar 2016
  9. a b c Sara Farolfi: "Der gekaufte Pass" TAZ vom 27. Februar 2016
  10. Markus Becker: "Staatsbürgerschaft für Reiche: Maltas Milliardengeschäft mit dem EU-Pass" Spiegel online vom 19. August 2016
  11. "Zeitungsannonce in Pakistan: Karibikstaat lockt Investoren mit Reisepässen" Der Spiegel vom 25. Februar 2012