Askanischer Hof

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Das Hotel Askanischer Hof in Berlin, um 1910.
Der Askanische Hof befand sich zwischen dem Potsdamer und dem Anhalter Bahnhof.

Das Hotel Askanischer Hof (auch Ascanischer Hof geschrieben) war in der wilhelminischen Epoche und in den ersten Jahren der Weimarer Republik ein bekanntes Hotel in der deutschen Reichshauptstadt Berlin, in dem sich auch der Schriftsteller Franz Kafka mehrfach aufhielt. Das Hotel wurde 1878 eingerichtet und 1923 geschlossen.

Lage zwischen wichtigen Bahnhöfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel Askanischer Hof befand sich auf der südwestlichen Seite in der Königgrätzer Straße (damalige Nr. 21, heute: Stresemannstraße Nr. 111), unweit des Askanischen Platzes, der an das Geschlecht der Askanier aus dem Hause Anhalt erinnert. Die lange Königgrätzer Straße verband den Potsdamer Platz mit dem Halleschen Ufer in der Nähe des damaligen Belle-Alliance-Platzes (heute: Mehring-Platz). Das Hotel Askanischer Hof lag etwas nördlich der Mitte zwischen den beiden wichtigen Bahnhöfen, die Berlin mit dem Süden Deutschlands und Europas verbanden, dem Potsdamer Bahnhof und dem Anhalter Bahnhof (vgl. Karte).[1] Der genaue Standort des Hotels befand sich in der Häuserreihe zwischen den Einmündungen der Dessauer und der Köthener Straße. Schräg gegenüber vom Hotel Askanischer Hof befand sich an der Einmündung der Verlängerten Zimmerstraße (später: Prinz-Albrecht-Straße, heute: Niederkirchnerstraße) in die Königgrätzer Straße das Ethnologische Museum.

Umbau zum Hotel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend zwischen dem Potsdamer und dem Anhalter Bahnhof erfuhr zu Beginn der 1880er Jahre eine rasante Entwicklung, die durch die Einrichtung neuer Straßenverbindungen sowie zahlreiche Neubauten (Museen, Hotels, Privatbauten und Behörden) gekennzeichnet war.

Eigentümer des Grundstücks Königgrätzer Straße 21 war 1876 der Geheime Kommerzienrat Lachmann, der das Gebäude auf diesem Grundstück an eine größere Anzahl von Privatpersonen und kleine Gewerbetreibende vermietet hatte. 1877 ließ er das Haus für die Unterbringung eines Hotelbetriebs umbauen. Seit 1878 wird das Hotel Askanischer Hof im Berliner Straßenverzeichnis bereits mit der Adresse Königgrätzer Straße 21 angegeben.[2] Erster Inhaber des Hotels war A. Trabert.

Standard und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Askanische Hof verfügte über 50 Zimmer mit 70 Betten, hatte ein eigenes Restaurant, Bäder und eine Gartenterrasse. Autofahrer konnten später ihr Gefährt in einer hoteleigenen Autohalle abstellen. Der Grieben-Reiseführer von 1920 rechnet das Hotel zwar zu den – im Vergleich mit den Grand-Hotels – weniger luxuriösen Herbergen, spricht ihm aber eine Empfehlung aus.[3]

Nach den Preisen zu urteilen, die der Askanische Hof für seine Zimmer verlangte, gehörte er zu den teureren kleinen Hotels.[4] Er muss seinen Gästen eine dementsprechend gehobene Unterkunft angeboten haben. Sowohl in der Prinz-Albrecht-Straße als auch in der Nähe der beiden genannten Bahnhöfe gab es etliche weitere Hotels, die um die Gunst der Reisenden warben.

Franz Kafka und Felice Bauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Kafka.

Der Prager Schriftsteller und Dichter Franz Kafka war mehrmals Gast im Hotel Askanischer Hof in Berlin. Am Ostersonntag des Jahres 1913 saß er bei trübem Wetter in einem der Zimmer der Herberge und wartete auf eine Nachricht seiner Freundin Felice Bauer. Als Felice schließlich in das Hotel kam, unternahmen beide von dort einen Ausflug in den Grunewald.[5] Am 1. Juni 1914 erfolgte eine Verlobung, die allerdings nicht lange hielt. Denn schon am 12. Juli 1914 erlebte Kafka eine peinliche Szene im Hotel Askanischer Hof, als seine (erste) Verlobung mit Felice Bauer in den Räumen des Hotels in Anwesenheit von Felices Schwester Erna und ihrer Freundin Grete Bloch nach einem „Prozess“ wieder aufgelöst wurde.[6]

Schließung des Hotels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1923 wurde das Hotel von seinem damaligen Besitzer Zuelsdorf dauerhaft an verschiedene Gewerbebetriebe vermietet. Offensichtlich fand ein Hotelbetrieb, der für ein allgemeines Publikum offen war, von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr statt. Seit 1924 wird das Hotel Askanischer Hof deshalb nicht mehr in der Hotelliste des Berliner Adressbuchs aufgeführt. 1931 übernahm eine Hausverwertungsgesellschaft das Gebäude und vermietete es weiterhin an verschiedene gewerbliche Parteien.

Heutige Nutzung des Standorts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Standort des ehemaligen Hotels Askanischer Hof befindet sich heute (2014) in der Stresemannstraße 111 das Gebäude einer großen deutschen Krankenversicherung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude des ehemaligen Hotels Askanischer Hof durch Bombenangriffe der Alliierten zerstört. In der Stresemannstraße befindet sich an der Stelle, wo früher das Hotel Askanischer Hof stand, heute ein modernes Bürogebäude, das von der Deutschen Krankenversicherung genutzt wird.

Ein Askanischer Hof an neuem Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein modernes Hotel, das sich den traditionsreichen Namen „Askanischer Hof“ gegeben hat, bestand bis Juni 2015[7] am Kurfürstendamm 53 in Berlin-Charlottenburg.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anonymus: Berlin. Griebens Reiseführer Band 25. Kleine Ausgabe. Auszug aus der 60. Auflage der großen Ausgabe. Albert Goldschmidt Verlag, Berlin 1920/21.
  • Karl Baedeker: Berlin und Umgebungen. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 5. Aufl. Leipzig 1887.
  • Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 18. Aufl. Leipzig 1914.
  • Bodo-Michael Baumunk: Grand-Hotel. In: Die Reise nach Berlin. Hg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 192ff.
  • Wolfgang Bernhagen / Heinz Schlottke: Vom Gasthof zum Luxushotel. Ein Streifzug durch die Berliner Hotelgeschichte – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hg. von der Generaldirektion der Interhotel DDR, o. O. o. J. [1988].
  • Renate Düttmann: Berliner Gasthöfe des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Die Reise nach Berlin. Hg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 181–191.
  • Hans-Christian Täubrich: Zu Gast im alten Berlin. Erinnerungen an die Alt-Berliner Gastlichkeit mit Hotelpalästen, Vergnügungslokalen, Ausflugsgaststätten und Destillen. Verlag Hugendubel 1990. ISBN 3-88034-482-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei beiden Bahnhöfen handelte es sich um Kopfbahnhöfe. Vom Potsdamer Bahnhof fuhren Züge auf der sogenannten „Stammbahn“, der ältesten preußischen Eisenbahnlinie, in Richtung Potsdam und Magdeburg und weiter nach Westdeutschland. Vom Anhalter Bahnhof aus verliefen die Eisenbahnstrecken nach Halle (Saale), Leipzig, Frankfurt am Main und München über die Anhalter Bahn sowie nach Dresden über die Dresdner Bahn. Der Anhalter Bahnhof verband Berlin mit Wien, Budapest, Triest, Marienbad, Karlsbad (in Österreich-Ungarn), mit Rom, Mailand, Genua, Venedig, Marseille, Nizza, Cannes und Athen. Sogar eine Direktverbindung nach Neapel existierte.
  2. In der Hotelliste des Berliner Adressbuchs wird es von 1880 an mit dieser Adresse aufgeführt.
  3. vgl. Anonymus: Berlin. Griebens Reiseführer Band 25. Berlin 1920/21, S. 9.
  4. vgl. Karl Baedeker: Berlin und Umgebungen. 1887. S. 14.
  5. vgl. Florian Illies: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts. Verlag S. Fischer. Seite PT 65 ff.
  6. Peter-André Alt: Franz Kafka: der ewige Sohn : eine Biographie. München : Beck 2005, S. 375–384
  7. Brigitte Schmiemann: Askanischer Hof am Kudamm hat geschlossen. In: Im Westen Berlins. 19. August 2015, abgerufen am 28. Juli 2016.
  8. Website Hotel Askanischer Hof, Kurfürstendamm 53 (Memento vom 5. September 2015 im Internet Archive)

Koordinaten: 52° 30′ 25″ N, 13° 22′ 43″ O