Aspekte

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Fernsehsendung
Originaltitel Aspekte
Produktionsland Deutschland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Genre Kultur
Erscheinungsjahre seit 1965
Länge 30–45 Minuten
Titelmusik Play the Chill
Produktions-
unternehmen
ZDF
Premiere 17. Okt. 1965 auf ZDF
Moderation Derzeitige Moderatoren

Ehemalige Moderatoren

Ehemaliges Logo von Aspekte

Aspekte (eigene Schreibweise: aspekte) ist ein 45-minütiges wöchentliches Kulturmagazin im ZDF, das von 1993 bis 2011 von Luzia Braun (von 2000 bis 2011 im Wechsel mit Wolfgang Herles) moderiert wurde und neben Kunst auch Hintergründe der Politik thematisiert. Von 2012 bis 2013 moderierte Katty Salié im Wechsel mit Tobias Schlegl die bis dahin noch 30-minütige Sendung.[1] Am 7. Februar 2014 wurde die Sendezeit um 15 Minuten verlängert. Die Film-Einspieler werden ergänzt durch Auftritte von Künstlern und Gespräche mit Menschen aus der Kulturszene. Zudem gehören seit 2014 Jo Schück und seit 2022 Salwa Houmsi zum Moderatoren-Team.

Auf dem aktuellen Sendeplatz (freitags gegen Mitternacht) werden im Durchschnitt 1,1 Millionen Zuschauer erreicht. Als Titelmelodie wurde viele Jahre ein Ausschnitt aus der 1. Sinfonie von Sergei Prokofjew verwendet. Der Titel Aspectacle von der Kölner Band Can wurde ab Februar 1978 einige Zeit zur Erkennungsmelodie. Bis 2012 wurde ein Stück namens Play the Chill von Phat Daddy aus der CD-Reihe Extreme Music Library eingesetzt, das vom ZDF nachbearbeitet wurde. Seit 2012 dient eine Komposition des Seeed-Keyboarders Torsten Reibold als Titelmelodie. Laut ZDF kostet die Sendung pro Ausgabe ca. 91.000 Euro.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 17. Oktober 1965 wurden von Walther Schmieding unter dem Titel Kulturbericht drei Sendungen ausgestrahlt. Ab dem 1. Januar 1966 lief die Sendung im zweiwöchentlichen Rhythmus unter dem nach wie vor aktuellen Namen Aspekte – Informationen aus dem Kulturleben. Für die Vermittlung eines allgemeinverständlichen Zugangs zu Theater, Musik, Kunst, Literatur, Kino und Kulturpolitik wurde Schmieding 1967 von der Hörzu mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet.

1969 wurde der vormalige Spiegel- und Stern-Redakteur Reinhart Hoffmeister weiterer Moderator und Redaktionsleiter der Sendung, die sich unter seiner Leitung nach und nach vom eher konservativen Kunstverständnis löste und zum politisierten Magazin wandelte, dem von Kritikern Schmähungen von „linkem Kulturkampf“ bis „Rote Zelle Aspekte“ entgegengebracht wurden. Hoffmeister behandelte Themen, die bislang nicht ins Ressort „Kultur“ eingeordnet wurden: antiautoritäre Erziehung, Badesport, Jugend-Rebellion, Medienkritik, Sexwelle und – damals in schlechtem Ruf stehend – Denkmalschutz. Die später sehr erfolgreiche ZDF-Kampagne „Bürger rettet Eure Städte“ wurde von Aspekte ins Leben gerufen. Ein Leitfaden zur Gründung von Bürgerinitiativen erzeugte bei den ZDF-Programmverantwortlichen Missfallen.

Zu einem Eklat kam es am 27. Februar 1974, als der Schriftsteller und spätere Bundestagsabgeordnete Gerhard Zwerenz behauptete, in Verbindung mit dem Frankfurter Häuserkampf sei es seitens der Polizei zu Folterungen von Inhaftierten gekommen; in Folge wurde Hoffmeister zunächst fristlos gekündigt und mit Hausverbot im ZDF belegt, dann aber auf Druck des PEN-Clubs und der breiten Öffentlichkeit wieder eingestellt. Die von Zwerenz unterstellten Menschenrechtsverletzungen erwiesen sich dahingehend als haltbar, als dass die beteiligten Beamten gerichtlich verurteilt wurden.

1975 bis 1977 wurde das Magazin im Wechsel von Monika Meynert, Wiltrud Mannfeld und Wolfgang M. Ebert gestaltet. Während Mannfeld ihre Schwerpunkte im Bereich Jugendprotest setzte, brachte Ebert Aktionskunst und moderne Architektur ein.

1978 folgte als Redaktionsleiter Dieter Schwarzenau (1937–2010[3]), der den seitens der ZDF-Programmdirektion gewünschten Umbau der Sendung zu einer publikumsfreundlicheren Sendung durchsetzte, die nun wöchentlich mit wechselndem Sendetermin ausgestrahlt wurde. Eine Trennung von Redaktion und Moderation führte zu einem für Aspekte untypisch häufigen Wechsel der Moderatoren Alexander U. Martens, Christina von Braun, Manuela Reichart, Anne Linsel und Hannes Keil. Keils besonderes Augenmerk galt der visuellen Gestaltung der Sendung, wobei er minimalistischen Ansatz verfolgte. Der von Schwarzenau als Kino-Kritiker berufene Peter W. Jansen wurde mit seiner „Kino-Notiz“ zur anerkannten Instanz im deutschen Filmgeschäft, die 10 Jahre später Comedians wie Olli Dittrich als Vorlage für Parodien diente. Darüber hinaus wurde Literatur ein neuer Schwerpunkt des Magazins bei dem insbesondere Ostblock-Autoren und Dissidenten zu Wort kamen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki unternahm bei Aspekte erste Gehversuche, um „Das Literarische Quartett“ als eigenständige Sendung weiterzuführen. Schwarzenau wurde Mitte 1988 als Pressesprecher des ZDF abberufen.

Im September 1988 folgte Johannes Willms, der die Zeit des kulturellen Umbruchs in West und Ost begleitete und sich dabei nicht auf die Beobachtung der Kunst beschränkte, sondern selbst Kunstfilm schaffen ließ. Nach der Perestroika wurde auch der Einzug des Kapitalismus in Russland thematisiert.

Als im August 1992 Willms Chef des SZ-Feuilletons wurde, war Aspekte nur noch alle 14 Tage im Programm und wurde vom traditionellen Freitagstermin auf den Dienstagabend verlegt. Willms’ Nachfolger wurde Manfred Eichel, der beim NDR-Fernsehen in Hannover und Hamburg 17 Jahre lang die Sendungen „Kultur aktuell“ und „Kulturreport“ gemacht hatte. 1992 holte ihn das ZDF nach Mainz, als Chef der Aspekte, des „Literarischen Quartetts“ und der Feature-Redaktion „Literatur und Kunst“. Bis Anfang 2000 hatte er in einem Vierteljahrhundert für ARD und ZDF weit mehr als 500 Kulturmagazine verantwortet und die meisten davon auch selbst moderiert – neben seinem ständigen Einsatz auch als Macher von Aspekte-Beiträgen.

Ab Oktober 1993 wurde das Magazin, auf 30 Minuten gekürzt, wieder wöchentlich auf dem alten Sendeplatz ausgestrahlt. Aspekte widmete sich, neben den eingeführten Mainstream-Themen wie Film und Bestseller, Soziales und Politik gezielt den aktuellen Spielarten der Kultur. Programmatisch wurden Entdeckungen, also noch ganz junge, relativ unbekannte Kreative präsentiert – und wie selbstverständlich neben die Großen der Zunft gestellt. Die Themen konzentrierten sich auf aktuelle Kunst und zeitgenössische Musik, auf experimentelles Theater und Tanztheater. Der „Aspekte-Literaturpreis“ wurde durch eine neue junge Jury, durch eine spektakuläre Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse und durch ausführliche Porträts der ausgezeichneten Autoren in der Sendung selbst aufgewertet.

Seit 1993 gehört Luzia Braun als Nachfolgerin von Carola Wedel zum Moderatorenteam des Magazins.

2000 zog die Sendung nach Berlin um; Wolfgang Herles wurde Chef der Aspekte-Redaktion und neben Luzia Braun Moderator. Der Fokus der Sendung auf Kultur-Magazin erweiterte sich auf einen Blick, der nun auch Hintergrundpolitik abseits des Tagesgeschehens mit solider Recherche thematisierte. Neu hinzu kamen Rubriken wie die Beitragsreihe zum Thema Zukunft unter dem Titel Aspekte übermorgen sowie Sondersendungen wie die Interview-Reihe „Blaues Sofa“ auf der Frankfurter Buchmesse. In mittlerweile 25 Beiträgen seit dem Jahr 2000 widmen sich die Autoren Themen wie Künstliche Intelligenz, Gentechnik, Ernährung der Zukunft, Identität, Überwachung, Nano-Technologie oder auch der Überalterung der Gesellschaft unter dem Titel „Die glücklichen Alten“.

Wolfgang Herles übergab im Juli 2011 die Leitung der Sendung an den nicht moderierenden Christhard Läpple[4] und moderierte von September 2011 bis Mai 2015 die aus Aspekte heraus entstandene Literatursendung „Das blaue Sofa“ einmal monatlich am gleichen Sendeplatz. Luzia Braun wurde stellvertretende Redaktionsleiterin[5] und moderierte von Juli bis Dezember 2011 allein, bevor sie ihren Abschied beschließt.

Seit dem 13. Januar 2012 wird die Sendung von Katty Salié moderiert. Als Vertretung stand Tobias Schlegl gelegentlich vor der Kamera. Am 1. Januar 2013 ging die Redaktion aspekte in der neu gegründeten Redaktion Kultur Berlin auf. Redaktionsleiter wurde Daniel Fiedler.[6] Im Februar 2014 wurde die Sendung stark ausgebaut. Die Sendezeit wurde um 15 auf 45 Minuten verlängert und findet, zuvor nur mit Moderator im Studio präsentiert, seitdem mit Publikum statt. Das Moderatorenteam wurde um Jo Schück ergänzt und die aufgezeichnete Sendung im wöchentlichen Wechsel von zwei der drei Moderatoren präsentiert, die sich nach Film-Einspielern mit Künstlern und Menschen aus der Kulturszene unterhalten. Auch finden seitdem Live-Auftritte von Künstlern in der Sendung statt. Im September 2016 beendete Tobias Schlegl seine Fernsehkarriere, seitdem moderieren immer Salié und Schück im Duo.

Seit dem 23. Oktober 2020 wird Aspekte nicht mehr in einem Fernsehstudio produziert, sondern ist ein Reportageformat. Die Moderatoren sind an unterschiedlichen Orten unterwegs und sprechen mit Künstlern, Musikern, Schauspielern und anderen Kulturschaffenden. Auch Filmeinspieler zu aktuellen Schwerpunktthemen und Auftritte von Musikern sind weiter Teil der Sendung.

Redaktionsleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur Berlin

Aspekte online[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aspekte präsentiert sich umfangreich auf den Internet-Seiten des ZDF. Neben Texten, Bildern und Videos zu den aktuellen Sendungen gibt es einige Online-Extras im Video: „Tatort Kultur“ (Schräges in der Kunst: Installationen, Malerei, Fotografie und mehr), „Gelesen: Buchtipps“ und „Hartschnitt“ (aktuelle Filmtipps).

Das blaue Sofa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sönke Wortmann auf dem blauen sofa auf der Frankfurter Buchmesse 2006

Seit 1999 gibt es auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig ein Aspekte extra unter dem Namen das blaue sofa.

In jeweils 15 bis 30 Minuten wird ein Autor auf dem blauen Sofa über sein neuestes Werk interviewt. Die Interviews werden auf den ZDF-Webseiten zur Onlineansicht gestellt. Ausgewählte werden im Programm von 3sat beziehungsweise in Die lange Nacht des blauen Sofas im Nachtprogramm des ZDF gezeigt.

Das blaue Sofa stand jahrelang auf einem überdimensionalen aufgeschlagenen Buch. Es handelte sich dabei um den Roman Die Wahlverwandtschaften von Johann Wolfgang von Goethe. Seit 2010 präsentiert sich das blaue Sofa in neuem Bühnen-Design. Es steht nun auf einem überdimensionalen Bücherstapel.

Ab dem 16. September 2011 trug zudem eine eigene Literatursendung im ZDF den Titel Das blaue Sofa, in der Wolfgang Herles mit dem Möbelstück auf Reisen ging. In jeder Sendung traf er Schriftsteller am Ort ihres Wirkens oder am Schauplatz der Romanhandlung und stellte literarische Neuerscheinungen vor. Insgesamt waren etwa 75 Schriftsteller zu Gast. Die halbstündige Produktion kostete laut ZDF ca. 80.000 Euro. Mit der letzten Ausgabe vom 1. Mai 2015 wurde die Sendung eingestellt, da Herles im Spätsommer 2015 in Pension ging. Anfang Oktober 2015 wurde ein Revival des Literarischen Quartetts zur Nachfolgesendung.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Echo in der Kategorie „Partner des Jahres“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue "Aspekte"-Moderatorin. Spiegel Online, 24. November 2011
  2. Nachrichtensendungen und Magazine – Profile und Kosten. ZDF, 28. August 2014, archiviert vom Original am 3. Dezember 2016; abgerufen am 30. August 2014.
  3. Dieter Schwarzenau. Abgerufen am 13. November 2021.
  4. Lebenslauf (Memento vom 3. Januar 2012 im Internet Archive) auf der persönlichen Website von Christhard Läpple, abgerufen am 14. März 2012
  5. Wer macht aspekte? (Memento vom 22. Februar 2012 im Internet Archive) auf zdf.de, nur abrufbar bei deaktiviertem JavaScript.
  6. "Kultur Berlin": Daniel Fiedler soll neue Redaktion leiten, abgerufen am 11. Januar 2013