Christina von Braun

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christina von Braun

Christina von Braun (* 27. Juni 1944 in Rom) ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin, Gender-Theoretikerin, Professorin emerita, Autorin und Filmemacherin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christina von Braun ist die Tochter von Hildegard Beck-Margis und des ehemaligen UNO- und Frankreich-Botschafters Sigismund von Braun, der zum Zeitpunkt ihrer Geburt als Legationssekretär in der Botschaft am Heiligen Stuhl in Rom tätig war. Ihr Onkel war der Raketenforscher Wernher von Braun, über den sie 2012 sagte, dass er „mit den größten Verbrechern des 20. Jahrhunderts kollaborierte“. Ihre Schwester ist die FDP-Politikerin Carola von Braun. Ihre Großmutter Hildegard Margis starb im Frauengefängnis Barnimstraße, nachdem sie wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Zusammenhang mit der Gruppe um Anton Saefkow und Franz Jacob verhaftet worden war.

Christina von Braun verbrachte ihre ersten Lebensjahre im Vatikan und kam erst 1949 nach Deutschland.[1] Sie studierte in den USA und Deutschland und war von 1969 bis 1981 als freischaffende Autorin und Filmemacherin in Paris ansässig. 1991 bis 1993 war sie Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen.[2]

1994 wurde sie auf den Lehrstuhl für Kulturtheorie mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte am Institut für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Zu ihren Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählen: Gender, Medien, Religion und Moderne, Säkularisierung und Geschichte des Antisemitismus.

Christina von Braun produzierte ca. fünfzig Filmdokumentationen und Fernsehspiele zu kulturhistorischen Themen und verfasste zahlreiche Bücher und Aufsätze über das Wechselverhältnis von Geistesgeschichte und Körpergeschichte.

2013 wurde sie mit dem Sigmund Freud Kulturpreis der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) für ihr Œuvre als herausragende Wissenschaftlerin gewürdigt.

Christina von Braun ist mit dem Psychoanalytiker Tilo Held verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder.[3]

Universitäre Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2012 Sprecherin des Zentrums Jüdische Studien Berlin Brandenburg[4]
  • Seit 2010 Mitglied im Beirat der Zeitschrift Sexuality & Culture
  • 2009-2013 Gründerin und Leiterin des „Kollegium Jüdische Studien“[5] an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2005-2012 Sprecherin des Graduiertenkollegs Geschlecht als Wissenskategorie[6]
  • 2005–2007 Leiterin des Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität
  • 2004–2009 Mitglied im Medizinsenat der Charité
  • seit 1998 Mitglied im Beirat der Zeitschrift für Sexualforschung
  • Initiatorin, Mitbegründerin und von 1996 bis 2002 Leiterin des Studiengangs Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 1996–1998 Dekanin der Philosophischen Fakultät III der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 1990–2000 Mitherausgeberin der Zeitschrift Metis. Zeitschrift für historische Frauenforschung und feministische Praxis

Außeruniversitäre Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 2010 Mitglied im Beirat des Forums für Interkulturellen Dialog e.V.
  • seit 2008 Vizepräsidentin des Goethe-Instituts
  • seit 2007 Mitglied im Vorstand der Deutschen Orientstiftung
  • seit 2002 Mitglied im Präsidium des Goethe-Instituts
  • seit 1999 Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied der Grünen Akademie in der Heinrich-Böll-Stiftung
  • 1999–2005 Mitglied im Präsidium des Evangelischen Kirchentages
  • 1990–1998 Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Film- und Fernsehregisseure

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wachstum im Wandel: Chancen und Risiken für die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft, herausgegeben von Bertelsmann Stiftung, Beiträge von Christina von Braun und 11 andere, Fotografien von Veit Mette, Bertelsmann Stiftung, Güterloh 2016, ISBN 978-3-86793-687-3.
  • Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte. Aufbau-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-02710-0.
  • Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen. Aufbau-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-351-02643-1 (zusammen mit Bettina Mathes).
  • Stille Post. Eine andere Familiengeschichte. Propyläen, Berlin 2007, ISBN 978-3-549-07314-8; Taschenbuchausgabe: List-Taschenbuch 60810, Berlin 2008, ISBN 978-3-548-60810-5 Verlagstext.
  • Gibt es eine „jüdische“ und eine „christliche“ Sexualwissenschaft? Sexualität und Säkularisierung (= Wiener Vorlesungen im Rathaus, Band 110). Picus, Wien 2004, ISBN 3-85452-510-9.
  • Interface 5 - Die Politik der Maschine. Computer Odyssee 2001. Nomos, Hamburg 2002, ISBN 3-7890-8245-7 (zusammen mit Hartmut Böhme, Martin Burckhardt, Wolfgang Coy, Friedrich Kittler und Hans-Ulrich Reck).
  • Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht. Pendo, Zürich 2001, ISBN 3-85842-406-4.
  • Essen und Gesellschaft. Die Politik der Ernährung (= Senatsarbeitskreis für Wissenschaft und Verantwortlichkeit; Band 5). Studienverlag, Innsbruck / Wien / München 2000, ISBN 3-7065-1496-6 (zusammen mit Eva Barlösius).
  • Die schamlose Schönheit des Vergangenen. Zum Verhältnis von Geschlecht und Geschichte, Aufsätze. Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-8015-0229-5.
  • Nicht ich. Logik, Lüge, Libido. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-8015-0200-7; Neuausgabe, Aufbau Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-351-02672-1.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Unbewusste. Krisis und Kapital der Wissenschaften. von Wissen und Geschlecht Studien zum Verhältnis (GenderCodes; Bd. 9). transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1145-8 (zusammen mit Dorothea Dornhof und Eva Johach).
  • Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. 2. Auflage. Wien/Köln 2009 (EA 2005, zusammen mit Inge Stephan).
  • Mythen des Blutes. Campus, Frankfurt/M 2007, ISBN 978-3-593-38349-1 (zusammen mit Christoph Wulf).
  • Säkularisierung. Bilanz und Perspektiven einer umstrittenen These (Religion, Staat, Kultur; Bd. 5). LIT-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8258-0150-2 (zusammen mit Wilhelm Gräb und Johannes Zachhuber).
  • Gender in Conflicts. Palestine, Israel, Germany (Berliner Gender Studies; Bd. 3). LIT-Verlag, Münster/Berlin, 20066, ISBN 3-8258-9281-6 (zusammen mit Ulrike Auga).
  • „Holy War“ and Gender. Violence in religious discourses/„Gotteskrieg“ und Geschlecht (Berliner Gender Studies; Bd. 2). LIT-Verlag, Münster/Berlin, 2006, ISBN 3-8258-8109-1 (zusammen mit Ulrike Brunotte, Gabriele Dietze, Daniela Hrzàn, Gabriele Jähnert und Dagmar Pruin).
  • Gender Studien. Eine Einführung. 2. aktualisierte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 3-476-02143-2 (EA Stuttgart 2000, zusammen mit 2006 Inge Stephan).
  • Das „bewegliche“ Vorurteil. Aspekte des Internationalen Antisemitismus. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2820-1 (zusammen mit Eva-Maria Ziege).
  • Der Ewige Judenhaß. Begleitbuch zur gleichnamigen Filmtrilogie (Studien zur Geistesgeschichte; Bd. 12). 2. Auflage. Philo Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-8257-0149-2 (EA Bonn 1990, zusammen mit Ludger Heid).
  • Die Multiple Persönlichkeit. Krankheit, Medium oder Metapher?, Zu den geistesgeschichtlichen Hintergründen eines modernen Krankheitsbildes. Verlag Neue Kritik, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-8015-0326-7 (zusammen mit Gabriele Dietze).

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wir zahlen alle den Preis des Geldes. In: Kursbuch. Bd. 172: Gut Leben. Hamburg (Murmann) 2012, S. 41–55.
  • Der Dienst am Geld. In: Schauspiel Frankfurt am Main (Programmheft), Frankfurt /M. 2012, S. 852–853.
  • Der Preis des Geldes. In: DGB (Hrsg.): Gegenblende. Das gewerkschaftliche Debattenmagazin, Bd. 18 (2012).
  • Nacktheit, Scham und Männlichkeit. In: Lentos Museum Lin7/Ludwig Museum Budapest (Hrsg.): Der nackte Mann (Ausstellungskatalog), Nürnberg (Verlag für Moderne Kunst) 2012, S. 25–36.
  • Die Schlange. In: Christian Kassung, Jasmin Mersmann, Olaf B. Rader (Hrsg.): Zoologicon. Ein kulturhistorisches Wörterbuch der Tiere. W. Fink, München 2012, S. 354–361.
  • Das Geschlecht des Unbewussten in der Wissensordnung. In: Günter Gödde, Michael B. Buchholz (Hrsg.): Der Besen, mit dem die Hexe fliegt. Wissenschaft und Therapeutik des Unbewussten, Bd. 1: Psychologie als Wissenschaft der Komplementarität. Psychosozial, Gießen 2012, S. 139–158.
  • Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. In: Evangel. Stadtkirche (Hrsg.): Seligpreisungen. Freshup Publ. Stuttgart 2012, S. 7–26.
  • Das Geschlecht des Kanons. In: Berthold Franke, Ulrich Ribbert, Joachim Umlauf (Hrsg.): Kanon und Bestenliste. Was gilt in der Kultur? Was zählt für Deutschlands Nachbarn? Steidl, Göttingen 2012, S. 19–32.
  • Die Hysterie und der Vibrator. In: Cuvilliés-Theater (Programmheft), München 2011/12, S. 6–13.
  • Was bedeutet Säkularisierung für Juden und Christen. Aspekte der Aufklärung, Ausgrenzung und Angst. In: Marta S. Halpert, Leon Widecki (Hrsg.): Religion heute. Wozu? (Jüdisches Echo 60). Wien 2011/12, S. 21–26.
  • Bild und Geschlecht in den drei Religionen des Buches. Judentum, Christentum und Islam. In: Christoph Wulf, Jacques Poulain, Fathi Triki (Hrsg.): Emotionen in einer transkulturellen Welt (Paragrana Heft 20). Akademie Verlag, Berlin 2011, S. 28–40.
  • Symbolische Geschlechterordnung. Bild und Geschlecht in Judentum, Christentum und Islam. In: Deutsche Botschaft Ankara (Hrsg.), Ankara 2011, S. 11–28.
  • Geschlechterordnungen spiegeln das Verhältnis von Gott und Mensch. In: Goethe Institut (Hrsg.): Wie geht es eigentlich den Frauen? Reportagen, Bilder, Gespräche. München 2011, S. 3–6.
  • The Headscarf. An Empty Signifier. In: Jill Winder u. a.: The Return of Religion and Other Myths. A Critical Reader. BAK, Utrecht 2009, S. 32–55.
  • The Symbol of the Cross. Secularization of a Metaphor From the Early Church to National Socialism. In: Doris Bergen (Hrsg.): Lessons and Legacies, Bd. 7: From Generation to Generation. Northwestern University Press, Evanston Ill. 2008, S. 5–33.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zählen:

  • Schönheit – verzweifelt gesucht. Zur Geschichte der Schönheit. (2002)
  • Das geteilte Ich. Gestalten des Selbst in der Moderne. (Das literarische Motiv des Doppelgängers und das Krankheitsbild der multiplen Persönlichkeit) (WDR, 1996)
  • Böses Blut. Mythen und Wirkungsgeschichte der Syphilis. (WDR, 1993/94, 60 Min.)
  • Vom Sinn des Sehens. Augen-Blicke der Geschlechter. (Der Wandel des Blicks und der Einfluss seines Wandels auf die Geschlechterwahrnehmung). (WDR, 1994)
  • Die Angst der Satten. Zur Geschichte des Hungerstreiks als politische Waffe. (WDR, 1991, 45 Min.)
  • Der ewige Judenhaß. Filmtrilogie: I. Christlicher Antijudaismus II. Deutschnationale Judenfeindlichkeit III. Rassistischer Antisemitismus (WDR, 1990, l35 Min.)
  • Die Erben des Hakenkreuzes. Die Geschichte der Entnazifizierung in den beiden deutschen Staaten. Folge I: Westdeutschland. Folge II Ostdeutschland. (WDR, 1988, 120 Min.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Auga (Hrsg.): Dämonen, Vamps und Hysterikerinnen: Geschlechter- und Rassenfigurationen in Wissen, Medien und Alltag um 1900, Festschrift für Christina von Braun (= GenderCodes, Band 14), Transcript, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1572-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast3000/AU-20131212-1530-3042.mp3
  2. Kurzvita
  3. "Eros lässt sich kaum versprachlichen"; Interview mit Alem Grabovac in taz, die tageszeitung, Ausgabe 1./2. September 2012.
  4. http://www.zentrum-juedische-studien.de/zentrum/kollegium/
  5. http://www2.hu-berlin.de/kollegium-juedische-studien/
  6. http://www2.hu-berlin.de/gkgeschlecht/