Asterix und die Goten

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Asterix und die Goten (Französischer Originaltitel: Astérix et les Goths) ist der dritte Band der Asterix-Reihe von Albert Uderzo und René Goscinny. 1963 wurde er das erste Mal in der Zeitschrift Pilote veröffentlicht.1965 erschien eine erste Übersetzung im Magazin Lupo Modern, 1970 eine zweite als siebter Band der Albenausgabe der Reihe im Egmont-Verlag.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Druide Miraculix wird von Asterix und Obelix zum alljährlichen Druidenwettkampf im Karnutenwald begleitet.

Gleichzeitig dringt eine Schar von Westgoten in Gallien ein. Die Westgoten planen, den Sieger des Druidenwettstreits zu entführen und mit seiner Hilfe erst Ostgermanien, dann Gallien und zu guter Letzt das gesamte Römische Reich zu erobern.

Auf dem Weg zum Karnutenwald treffen Asterix, Obelix und Miraculix auf dessen Freund Spürnix, der ebenfalls Druide ist. Kurz vor ihrem Ziel werden sie von einer römischen Patrouille aufgehalten, die auf der Suche nach den eingedrungenen Goten ist. Kurze Zeit später kommen die vier am Ziel an. Da nur Druiden den Wald betreten dürfen, verabschieden sich Asterix und Obelix von den Druiden und warten am Waldrand.

Zur selben Zeit erreichen die Goten den Karnutenwald und belauschen den Wettkampf. Der Druide Florix schafft es, mit nur wenigen Tropfen seines Zaubertrankes viele schöne Blumen wachsen zu lassen; Barometrix wirft ein wenig von seinem Pulver in die Luft, schon regnet es; Praktifix hat einen Weg gefunden, aus einem Trank Pulver zu machen, das in einem Sack verpackt weniger Platz wegnimmt als ein Topf, und Spürnix hat einen Trank erfunden, mit dem er Pommes frites unversehrt aus der Fritteuse holen kann. Allerdings ist das absolute Highlight der Veranstaltung Miraculix, dessen Zaubertrank übermenschliche Kräfte verleihen kann, so dass man nicht nur Bäume ausreißen, sondern auch die Römer in Schach halten kann. Deshalb gewinnt er und erhält als Preis den „goldenen Hinkelstein“. Als er gerade seine Sachen für die Abreise zusammenpackt, wird er von den Westgoten überfallen und gefangengenommen.

Als Miraculix nicht wiederkommt, beschließen die Gefährten, ihn zu suchen. Sie finden einen gotischen Helm und erkennen, dass Miraculix von den „Barbaren“ entführt worden ist. Daher beschließt Asterix, mit Obelix zu den Goten zu reisen und Spürnix zu ihrem Dorf zu schicken, um die erschreckende Nachricht den Dorfbewohnern mitzuteilen.

Nach dem Aufbruch werden Asterix und Obelix von Römern aufgehalten, die sie, da Asterix noch den Helm bei sich trägt, für Goten halten. Zwar verprügeln Asterix und Obelix alle und fliehen, doch werden sie nun von den Römern gesucht, was die Sache erschwert. Diese halten sie für als Gallier verkleidete Goten, weshalb sich die Gallier zur Tarnung als Römer verkleiden. So gelangen sie nach Germanien, wo Miraculix vom Chef Cholerik in einem Käfig eingesperrt gefangen gehalten wird. Nun verkleiden sie sich als Goten.

Währenddessen will Cholerik mit der Hilfe des Übersetzers Holperik erfragen, ob der Druide bereit sei, den Zaubertrank zu brauen. Sein „nein“ übersetzt Holperik, der um sein Leben fürchtet, mit „ja“.

Um Miraculix zu finden, schließen sich Asterix und Obelix einem Trupp gotischer Soldaten an. In der Nacht versuchen sie zu fliehen. Der gleichfalls geflohene Holperik wird von einer Patrouille entdeckt, die auch Asterix und Obelix aufgreift und mit dem Übersetzer in den Kerker wirft.

Nach ihrem Ausbruch berichtet Holperik ihnen, wo sich Miraculix aufhält. Als Soldaten an ihnen vorbeilaufen, macht er diese auf die Gallier aufmerksam. Zwar verprügelt Obelix die Goten erst, doch dann entwickelt Asterix einen Plan und sie ergeben sich. Tatsächlich werden sie zu Cholerik geführt, wo sie auf Miraculix treffen. Dieser enthüllt dem Gotenchef, dass sein Übersetzer gelogen hat, denn Miraculix beherrscht die Sprache der Goten. Cholerik entschließt sich, alle vier am nächsten Tag hinzurichten, und sperrt sie wieder in den Kerker. Dort schmieden Asterix, Obelix und Miraculix einen Plan: Sie initiieren einen Bürgerkrieg, damit die Goten für die nächsten Jahrhunderte nicht mehr auf die Idee verfallen, ihre Nachbarn zu überfallen. Daher braut Miraculix für Holperik seinen Zaubertrank.

Als er am nächsten Tag gevierteilt werden soll, stellt sich heraus, dass die Pferde nicht stark genug sind. Holperik stürzt Cholerik vom Thron, macht sich zum Chef und will Cholerik zusammen mit den Galliern qualvoll hinrichten lassen. Miraculix versorgt nun Cholerik ebenfalls mit Zaubertrank sowie weitere geeignete Kandidaten. Daraufhin brechen im Land der Goten die „asterixinischen Kriege“ aus.

Die drei Gallier kehren unbehelligt in ihr Dorf zurück, wo man sie schon für tot gehalten hat. Grund genug für die traditionelle Feier unter dem Sternenhimmel.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Band parodiert mehrere Klischees der Franzosen über die Deutschen, vor allem deren (preußischen) Militarismus und Reinlichkeit. Die deutsche Kleinstaaterei bzw. die deutsche Teilung werden als vermeintlich (einzig) brauchbarer Weg zur Zähmung des kriegslüsternen Nachbarn interpretiert. Die Goten tragen zur Veranschaulichung Pickelhauben und in der französischsprachigen Originalversion sind Hakenkreuze in einer Sprechblase und auf einer Flagge zu sehen. Zudem „sprechen“ die Goten in Frakturschrift. Die Unterscheidung zwischen Ost- und Westgoten, sowie deren wechselnde Position in Europa während der Völkerwanderungszeit, wird satirisch erwähnt.[1][2]

Das Heft ist mit dem Vorgängerband Die Goldene Sichel inhaltlich verbunden: Dort erwähnt Miraculix, dass das Druidentreffen bald stattfinde, hier ist es soweit. Das Treffen im Karnutenwald wird übrigens schon von Gaius Iulius Caesar in seinem Werk Der Gallische Krieg erwähnt.

Obwohl das Treffen im Karnutenwald jährlich stattfindet, präsentiert Miraculix seinen Zaubertrank, den er schon vor längerer Zeit erfunden haben muss, erstmals den eindeutig überraschten anderen Druiden.

In diesem Comic existieren die Pommes frites schon. Allerdings werden sie erst im späteren Band Asterix bei den Belgiern erfunden, was allerdings ebenfalls einen Anachronismus darstellt, da Kartoffeln zu der Zeit in Europa nicht beheimatet waren.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte wurde ab 18. Mai 1961 in den Pilote-Ausgaben 82 bis 122 veröffentlicht. Astérix chez les Goths erschien erstmals 1963 bei Dargaud als Band 3 der Reihe.

Eine verfälschende Übersetzung im Rahmen des Magazins Lupo Modern unter dem Titel "Siggi und die Ostgoten" wurde zum Politikum, da in Anlehnung an die deutsch-deutsche Teilung allzu offensichtlich die Westgoten zu Westdeutschen und die Ostgoten zu Ostdeutschen umgeschrieben wurden: Sie sprachen mit sächsischem Dialekt, redeten sich mit "Genosse" an, und anstelle der Fraktur-Schrift wurde teilweise rote Schrift verwendet.[3]

Die Übersetzung führte zu einer politischen Debatte und dazu, dass der Comic der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vorgelegt wurde.[4] Schließlich wurden auch Uderzo und Goscinny auf den Missbrauch aufmerksam, was dazu führte, dass auf Betreiben von Goscinny der Verlag Dargaud den Vertrag mit Kauka kündigte.[5]

Die freigewordenen Rechte wurden vom Egmont-Verlag erworben, der ab 1968 mit der Publikation der Asterix-Alben in neuer Übersetzung begann. 1970 erschien "Asterix und die Goten" erstmals als siebter Band der nummerisch vom Original abweichenden deutschen Edition (Frankreich: Band 3).

Der Band wurde, wie die gesamte Serie, in sämtliche wichtigen Weltsprachen übersetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gotisch, germanisch, deutsch: Das Bild der Goten in „Asterix und die Goten“. yellowcomic.com, 2014; abgerufen am 29. September 2015.
  2. Deutsche waren bei Asterix Militaristen. Deutsche Welle, 29. Oktober 2009; abgerufen am 29. September 2015.
  3. Marco Muetz: Lupo Modern - Asterix Archiv - Bibliothek - Sammler. Abgerufen am 13. Oktober 2017.
  4. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart, Germany: Comicübersetzungen: Als Asterix Siggi hieß. In: stuttgarter-nachrichten.de. (stuttgarter-nachrichten.de [abgerufen am 13. Oktober 2017]).
  5. Matthias Heine: Comic-Geschichte: Der Kauka-Effekt. In: DIE WELT. 21. März 2005 (welt.de [abgerufen am 13. Oktober 2017]).