Augusto Gansser

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Augusto Gansser (1936)

Augusto Gansser (* 28. Oktober 1910 in Mailand, Italien; † 9. Januar 2012 in Massagno, Schweiz), war ein Schweizer Geologe.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augusto Gansser war Ältester von 5 Geschwistern und wurde von Auslandschweizern in Mailand geboren, kehrte 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zurück in die Schweiz und besuchte die Primarschule Lugano und die Sekundarstufe in Trogen.

1937 heiratete er in Lugano Lina Biaggi, genannt «Toti». Aus der Ehe gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor (Ursula *1941, Mario *1943, Luca *1945, Manuela *1949, Francesca 1956, Rosanna 1959)[1]

Ganssers älteste Tochter ist die Fotografin Ursula Markus[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Expeditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1929 begann Gansser das Geologiestudium an der Universität Zürich und promovierte dort 1936.

1934 unternahm er seine erste Expedition zusammen mit dem dänischen Forscher Lauge Koch auf dem Segeldampfer Gustav Holm an die Ostküste Grönlands.

1936 nahm er anb der ersten Schweizer Himalaya-Expeditioner unter der Führung von Arnold Heim teil. Gansser reist auf eigenes Risiko allein nach Tibet weiter, umrundet als erster Geologe den heiligen Berg Kailash, und entdeckte dort, am Südfuss des Kailash die tektonische Plattengrenze des indischen Subkontinent[3].Da das Betreten Tibets damals für Ausländer verboten war, unternahm Gansser die Umrundung des Kailash von indischem Boden aus als buddhistischer Pilger verkleidet[1].

Berufs- und Forschungs- und Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1938 bis 1946 lebte die Familie in Kolumbien und nach kurzem Aufenthalt in der Schweiz von 1947 bis 1949 auf der Insel Trinidad. In beiden Ländern war Gansser im Auftrag des Erdölkonzerns Shell unterwegs.

1950–1957 suchte Gansser als Chefgeologe der National Iranian Oil Company nach Öl.

1958 folgte die Berufung als Professor der Geologie an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) und die Universität Zürich. Gansser leitete als Direktor das geologische Institut Universität und ETH.

1963–1977 fünf Expeditionen nach Bhutan.Gansser erforschte die nördlichen Hochgebirge an der Grenze zu Tibet und war der erste Geologe, der das isolierte Königreich kartographierte

1968 Reise in die kanadische Arktis(Axel Heiberg Land)

Daneben setzte er seine Forschungen in Ladakh, Nepal, Afghanistan, Patagonien und der Antarktis fort.

Nach der Emeritierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Gansser 1977 seine Lehrtätigkeit beendete, bereiste er weiterhin die Welt und publizierte umfangreich.

1978 Besuch des polaren Ural auf Einladung der russischen Akademie der Geologie

1980 und 1985 lud ihn der chinesische Machthaber Deng Xiaoping zu Besuchen nach Tibet ein.

1983 Veröffentlichung der ersten geologischen Karte von Buthan

Sein Alterswohnsitz befand sich ob Lugano, wo er nach dem Tod seiner an Alzheimer-Demenz erkrankten Frau Linda im Jahr 2000 allein lebte.

2008 hat seine älteste Tochter, die Fotografin Ursula Markus, eine Biografie (mit Texten von Ursula Eichenberger) herausgegeben, in welcher besonders Schwarz-Weiss-Fotos und Skizzen von seinen Forschungsreisen abgebildet sind.

Mitgliedschaften und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Il Tambo visto da un geologo, In: Cinquant´anni Sez. Ticino CAS., Bellinzona: Ed. Salvoni & Co 1936.
  • Ein Carbonvorkommen an der Basis der Tambodecke (Graubünden): in Eclogae Geologicae Helvetiae., Vol. 29, Basel: Birkhäuser & Cie, 1936.
  • Der Nordrand der Tambodecke. Geologische und petrographische Untersuchungen zwischen San Bernardino und Splügenpasse (Thesis), Schweiz: Min. Petr. Mitt. 17, 1937.
  • Ein Abstecher ins unbekannte Nepal, in die Alpen, 1937.
  • Thron der Götter: Erlebnisse der ersten Schweizer Himalaja-Expedition (mit Arnold Heim), Zürich: Morgarten-Verlag 1938.
  • Der Nevado del Cocuy: Columbianisches Bergerlebnis in die Alpen Nr. 8, 1939.
  • Die Berge Columbiens in Berge der Welt, Nr. 3, Schweiz, Stiftg. Alp. Forschg., 1948.
  • The Guyana Shield (S. America), Geological Observations, Eclogae Geologicae Helvetiae, Vol. 47, Basel: Birkhäuser AG, 1954.
  • Geology of the Himalayas, London/New York/Sydney: Wiley Interscience 1964.
  • Verborgene Schätze in Bhutan (mit Ursula Markus und Blanche Olschak), Bern: Hallwag 1969.
  • The Large Earthquake of Iran and their Geological Frame, Eclogae Geologicae Helvetiae, Vol.62 Bd 2, Basel: Birkhäuser SA, 1969.
  • The Taftan Volcano, Eclogae Geologicae Helvetiae, Vol.64 Bd 2, Basel: Birkhäuser SA, 1971.
  • Geology of Bhutan Himalaya, Basel/Boston/Stuttgart: Birkhäuser 1983. ISBN 3-7643-1371-4.
  • Bhutan: Königreich im Himalaja (mit Ursula Markus und Blanche Olschak), Freiburg im Breisgau: Atlantis 1983. ISBN 3-7611-0652-1.
  • Schalensteine: prähistorische Kult-Objekte, München: Verlag Dr. Christian Müller-Straten 1999. ISBN 978-3-932704-66-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursula Eichenberger (Text), Ursula Markus (Hrsg.): Augusto Gansser. Aus dem Leben eines Welt-Erkunders, Zürich: AS Verlag 2008. ISBN 978-3-909111-98-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Markus, Ursula., Eichenberger, Ursula., Gansser, Augusto, 1910–2012.: Augusto Gansser : from the life of a world explorer. AS, Zürich 2012, ISBN 978-3-909111-98-5, S. 158.
  2. Willi Wottreng: Bis dahin, wo die Götter thronen. Hrsg.: NZZ am Sonntag. 22. Januar 2012, S. 18.
  3. Andreas Fischer/Ralph Eichler: Nachruf Prof. Dr. Augusto Gansser. NZZ, Zürich 12. Januar 2012, S. 12.