Trogen AR

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AR ist das Kürzel für den Kanton Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Trogen zu vermeiden.
Trogen
Wappen von Trogen
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Mittellandw
BFS-Nr.: 3025i1f3f4
Postleitzahl: 9043
Koordinaten: 752907 / 252759Koordinaten: 47° 24′ 28″ N, 9° 27′ 53″ O; CH1903: 752907 / 252759
Höhe: 903 m ü. M.
Fläche: 10,01 km²
Einwohner: 1721 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 172 Einw. pro km²
Gemeindepräsidentin: Altherr Dorothea
Website: www.trogen.ch
Unterdorf Trogen mit Kirche

Unterdorf Trogen mit Kirche

Karte
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Trogen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Mittelland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz. Sie ist Sitz der kantonalen Justizbehörden von Appenzell Ausserrhoden.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trogen liegt im Appenzeller Mittelland, geprägt vom Hügel Gäbris. Der tiefste Punkt der Gemeinde befindet sich beim Chastenloch auf 693 Meter, der höchste Punkt befindet sich oberhalb des Sitz auf 1183 Meter. Trogen grenzt an die Gemeinden Wald, Oberegg (AI), Altstätten (SG), Gais, Bühler, Speicher und Rehetobel. Trogen ist zudem der Endpunkt der Bahnstrecke Appenzell–St. Gallen–Trogen der Appenzeller Bahnen (ehemalige Trogenerbahn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild der Swissair Photo AG von 1949

Trogen wurde 1168 als Trugin erstmals erwähnt. Als sich das Land Appenzell 1597 in Ausser- und Innerrhoden teilte, wurde Trogen der Hauptort des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Stock und Galgen kamen nach Trogen; der Richtplatz befand sich westlich von Trogen im heutigen Ortsteil Gfeld.

Ab dem 16. Jahrhundert bis zur industriellen Revolution wurde Trogen, wie ein grosser Teil des Appenzellerlands, durch den Verkauf von Webereien und Stickereien wohlhabend. Dieser Trend wurde durch die Zellweger-Familie enorm verstärkt, welche mit dem Leinwandhandel zeitweise ein Vermögen machte. Aus jener Zeit stammen auch die Zellweger-Paläste in Trogen. Einige davon stehen auf der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung (siehe auch Bilder unter Commons). Die kunsthistorisch bedeutende reformierte Kirche und fünf Profanbauten stammen vom spätbarocken Baumeister Johann Ulrich Grubenmann von Teufen.

Die Landsgemeinde fand bis zu ihrer Abschaffung 1997 jedes zweite Jahr in Trogen statt. Wegen seiner Grösse, des Sitzes der Kantonsregierung und Teilen der Verwaltung wird heute jedoch meist Herisau als Hauptort bezeichnet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[2]
Jahr 1667 1734 1813 1850 1900 1950 1980 2000 2005 2010
Einwohner 2262* 2250** 2370 2611 2496 2142 1853 1867 1751 1687

*(inkl. Wald, Rehetobel)00000 **(exkl. Wald, Rehetobel)

Kantonsverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kantonale Obergericht, das Kantonsgericht (Äquivalent zum Bezirksgericht in Kantonen mit Bezirken), das Verwaltungsgericht sowie das Jugendgericht haben ihren Sitz in Trogen. Obwohl der Kanton Appenzell Ausserrhoden laut Kantonsverfassung keinen Kantonshauptort kennt, teilen sich diesen Status de facto Herisau (Sitz der Legislative, der Exekutive und des Polizeiwesens) und Trogen (Sitz der Judikative).

In Trogen befindet sich auch die Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden.

Bis zur Abschaffung der Landsgemeinde waren Hundwil und Trogen die beiden alternierenden Versammlungsorte der Ausserrhoder Landsgemeinde.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sämtliche Stufen der obligatorischen Schulzeit können in Trogen absolviert werden. Zudem steht mit der 1821 gegründeten Kantonsschule Trogen (KST), kurz auch «Kanti Trogen», die einzige Mittelschule des Kantons Appenzell Ausserrhoden in Trogen. Zum Angebot der Kantonsschule gehören neben dem Gymnasium auch eine Wirtschafts- und Fachmittelschule. Seit 1907 wird an der KST ebenfalls die Sekundarschule für die Gemeinden Trogen, Wald und Rehetobel geführt.

Soziales und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Trogen befindet sich das über den Kanton hinaus bekannte Kinderdorf Pestalozzi. Seit einigen Jahren präsentiert sich das Dorf offiziell unter dem Namen «Kulturdorf im Appenzellerland». In der Reformierten Kirche Trogen finden die meisten Veranstaltungen zur Aufführung des gesamten Bachschen Vokalwerks durch die J. S. Bach-Stiftung statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trogen: Hinterdorf mit Blick Richtung Bahnhof, rechts «Alte Drogerie». Linolschnitt von Otto Schmid, 1952
  • Carl Adams (1811–1849), Mathematiker, unterrichtete in Trogen
  • Carl Aeschbacher (1886–1944), Komponist und Chorleiter, Musikdirektor in Trogen
  • Hans Altherr (* 1950), Politiker (FDP), von 1976 bis 1993 Gemeinderat in Trogen
  • Hermann Altherr (1848–1927), Arzt, besuchte die Kantonsschule in Trogen
  • Jeannette Altwegg (* 1930), Eiskunstläuferin, arbeitete als Betreuerin im Pestalozzi-Kinderdorf
  • Rudolf am Bach (1919–2004), Pianist und Musikpädagoge, geboren in Trogen als Rudolf Aeschbacher
  • Johannes Baumann (1874–1953), Politiker, Bundesrat, war von 1899 bis 1905 Verhörrichter und Kantonspolizeidirektor in Trogen
  • Alois Emanuel Biedermann (1819–1885), reformierter Theologe, besuchte von 1826 bis 1830 die Kantonsschule in Trogen
  • Maria Bill (* 1948), Schauspielerin und Sängerin, geboren in Trogen
  • Bartholome Bischoffsberger (um 1622–1698), ab 1643 Pfarrer in Trogen, hier verstorben
  • Mark Staff Brandl (* 1955), Künstler und Kunsthistoriker, lebt in Trogen
  • Willi Eugster (* 1948), Pädagoge und Psychologe, leitete von 1985 bis 2013 die Kantonsschule Trogen
  • Robert Holzach (1922–2009), Rechtsanwalt und Bankmanager, besuchte die Kantonsschule in Trogen
  • Bartholome Honnerlag (1740–1815), Arzt, in Trogengeboren, lebte und wirkte hier und ist in Trogen gestorben
  • Gabriela Krapf (* 1973), Musikerin, besuchte die Kantonsschule in Trogen
  • Helen Meier (* 1929), Schriftstellerin, lebt in Trogen
  • Elisabeth Pletscher (1908–2003), Medizinische Laborantin, Frauenrechtlerin; verbrachte Kindheit, Jugend und zweite Lebenshälfte in Trogen
  • Marino Pliakas (* 1964), Musiker, geboren in Trogen
  • Ueli Prager (1916–2011), Unternehmer, besuchte von 1929 bis 1935 die Kantonsschule in Trogen
  • Heinz Rutishauser (1918–1970), Mathematiker, unterrichtete bis 1948 in Trogen
  • Robert Schläpfer (1923–2001), Sprachwissenschaftler, bürgerberechtigt in Trogen
  • Otto Schmid (1889–1974), Maler, Zeichner und Pädagoge an der Kantonsschule Trogen
  • Hans Konrad Sonderegger (1891–1944), Theologe, Rechtsanwalt und Politiker, besuchte 1907–1911 die Kantonsschule in Trogen
  • Sophie Taeuber-Arp (1889–1943), Malerin, Bildhauerin und Tänzerin, aufgewachsen in Trogen
  • Johann Heinrich Tobler (1777–1838), Dichter und Komponist, geboren in Trogen
  • Titus Tobler (1806–1877), Arzt und Palästinaforscher, besuchte die Kantonsschule in Trogen
  • Emil Walser (1909–1972), Komponist und Volksmusikant, lebte in Trogen
  • Ernst Wildi (1878–1939), Rektor der Kantonsschule Trogen von 1904 bis 1937, lebte in Trogen im Honnerlagschen Doppelpalast
  • Zellweger (16.–18. Jahrhundert), Patrizierfamilie mit Zweig in Trogen
  • Eduard Zellweger (1901–1975), Jurist, Politiker und Diplomat, bürgerberechtigt in Trogen
  • Norbert Zeilberger (1969–2012), österreichischer Musiker, wirkte im Rahmen der J. S. Bach-Stiftung in Trogen, daselbst verstorben
  • Johann Caspar Zellweger (1768–1855), Kaufmann, Gelehrter und Philanthrop
  • Laurenz Zellweger (1692–1764), Schweizer Aufklärer, Arzt und Mitbegründer der Helvetischen Gesellschaft
  • Ulrich Zellweger (1804–1871), Bankier, Publizist und Gründer der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft
  • Ursula Wolf-Zellweger (1735–1820), Stifterin der Gemälde in der reformierten Kirche von Trogen und in Trogen verstorben

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trogen im Winter. Linolschnitt von Otto Schmid, 1923
  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band 2: Der Bezirk Mittelland. Birkhäuser Verlag, Basel 1980, ISBN 3-7643-1174-6. (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 97.) S. 23–170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trogen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. 1667–1950: Historisches Lexikon der Schweiz
  3. Bernhard Anderes: Die Pfarrkirche Trogen. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 518). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1992, ISBN 978-3-85782-518-7.