Ausrufezeichen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
!
Interpunktionszeichen
Komma, Beistrich ,
Strichpunkt, Semikolon ;
Doppelpunkt, Kolon :
Punkt .
Auslassungspunkte
Mittelpunkt ·
Aufzählungszeichen
Fragezeichen ?
Ausrufe‑, Ausruf‑, Rufzeichen !
Apostroph, Hochkomma
‐ - Bindestrich; Trennstrich;
Ergänzungsstrich
Gedankenstrich; Bis-Strich
Anführungszeichen„ “ » « / « »
‚ ‘  › ‹ / ‹ › 
Schrägstrich; Backslash / \
Klammern ( ) [ ]

Das Ausrufezeichen (auch als Ausrufzeichen oder Ausrufungszeichen bekannt, besonders in der Schweiz und vereinzelt in Deutschland)[1] oder das Rufzeichen (insbesondere in Österreich und Südtirol, manchmal auch Rufezeichen),[1] ist ein Satzzeichen, das nach Ausrufe-, Wunsch- und Aufforderungssätzen sowie nach Ausrufewörtern und nach bedingten indirekten Fragen (Irrealis) steht. Dargestellt wird es durch das Zeichen (!). Der Begriff ist eine Lehnübersetzung von lateinisch signum exclamationis, wovon sich auch die seltenere Bezeichnung Exklamationszeichen ableitet. In Österreich ist die Verwendung des Ausrufezeichens bei der Anrede in Briefen weit verbreitet, während diese Praxis in Deutschland nicht mehr üblich ist. Das Ausrufezeichen symbolisiert neben Ausrufen, Wünschen und Aufforderungen auch wichtige und ähnliche Sachverhalte und repräsentiert einige völlig andere Bedeutungen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Günther, Professor für deutsche Sprache und Didaktik an der Universität zu Köln, fand bei einem diachronen Vergleich von Editionen der lutherschen Bibelübersetzung das erste Ausrufezeichen in einer Ausgabe aus dem Jahr 1797. Es erfüllte dabei bereits grammatikalische Aufgaben und diente nicht, wie bis dahin vermutet, nur als Intonationsinformation.[2]

Das Ausrufezeichen tauchte unter der Bezeichnung „Rufzeichen“ im 17. Jahrhundert auf. Das früheste Zeugnis in Deutschland ist wohl der Erstdruck von Johann Fischarts „Ehezuchtbüchlein“ Flöhhatz[3] von 1573.[4]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Satzzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Satzzeichen steht das Ausrufezeichen in unabhängigen Sätzen, Wortgruppen oder nach Einzelwörtern (auch in Überschriften und ähnlichem), und zwar nach Ausrufen, Anrufen, Befehlen, Aufforderungen, Warnungen, Verboten, Wünschen, Grüßen und nachdrücklichen Behauptungen. Beim Sprechen fällt die Tonhöhe zum Satzende hin ab. Das Ausrufezeichen wird ohne Leerzeichen an das letzte Wort des Satzes geschrieben. Ein Ausrufezeichen in einer Klammer „(!)“ informiert darüber, dass die Angabe unmittelbar vor der Klammer dem Verfasser des Satzes bemerkenswert erscheint.

Beispiele:

  • „Nein!“
  • „Das darfst du nicht!“
  • „Betreten verboten!“
  • „Halt!“
  • „Die Wikipedia enthält 2.769.696 (!) Artikel.“

Anders als in den meisten romanischen und angelsächsischen Ländern wird im deutschen Sprachgebrauch das Ausrufezeichen nicht nur nach direkter Anrufung, sondern auch zur Bekräftigung verwendet. Diese Entwicklung ist jedoch umgangssprachlich begründet und entstand in den Anfangsjahren des Internets. Neben der Verwendung sogenannter Emoticons wurde die Mehrfachverwendung von Ausrufezeichen und Fragezeichen (z. B. „Sag mir wie????“) als zusätzliche Betonung in Internetforen und Newsgroups verwendet, ohne dass es dafür einen geschichtlichen Hintergrund gab. Durch die Mehrfachverwendung des Ausrufezeichens kann es jedoch zu einer Überbetonung kommen. Es ist daher ratsam, das Ausrufezeichen mit Bedacht und in angemessenem Maße zu verwenden. Die Anzahl der Ausrufezeichen soll nämlich die Wichtigkeit des Gesagten spiegeln (z. B. „Jetzt nur 5 Prozent!!!“).

Aus diesem Kontext heraus ist auch die ironische Überhöhung !!11einseinseinself stellvertretend für sehr viele Ausrufezeichen entstanden, deren Ursprung auf Tippfehler auf der deutsch-österreichischen Tastatur zurückzuführen ist (die Ziffer 1 und das Ausrufezeichen befinden sich auf derselben Taste, siehe in Leetspeak – Überhöhung).

Es ist auch wichtig, zu beachten, dass das Ausrufezeichen in der schriftlichen Kommunikation wie E-Mail, SMS und Chat verwendet wird, um Emotionen auszudrücken, insbesondere in Fällen von Überraschung, Freude, Wut, Aufregung und so weiter. Es ist auch in der Programmierung und in Informations- und technischen Dokumenten verbreitet, um besondere Aufmerksamkeit auf wichtige Informationen oder Warnungen zu lenken. Es wird auch in der Mathematik und in der Wissenschaft als Symbol für die Fakultät verwendet.

՜

Armenisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der armenischen Schrift gibt es das բացականչական նշան (batsaganchakan nshan; Unicode U+055C armenian exclamation mark). Es wird ähnlich einem diakritischen Zeichen auf den betonten Vokal der Aussage gesetzt; bei der Eingabe am Computer wird es nach diesem Vokal eingegeben.

Französisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Französischen wird vor dem Ausrufezeichen nach dem letzten Wort des Satzes ein Leerzeichen eingefügt. Um einen Zeilenumbruch zu vermeiden, soll es mit einem (schmalen) geschützten Leerzeichen gesetzt werden.

Beispiel:

  • Attention ! La voiture quitte le garage. „(Achtung! Das Auto verlässt die Garage.)“

Wenn mehrfache Ausrufezeichen erwünscht sind, wird ebenso ein Leerzeichen nach dem letzten Wort des Satzes eingefügt:

  • Ouah !!! C’est une jolie photo. „(O ja!!! Das ist ein hübsches Foto.)“

Spanisch: „¡“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

¡
Dreisprachige Werbetafel in Barcelona (Detail). Das öffnende Ausrufezeichen wird nur im Spanischen verwendet, nicht in der Regionalsprache (Katalanisch).

Im Spanischen existiert das Ausrufezeichen, das hier signo de exclamación genannt wird, jedoch manchmal auch signo de admiración („Bewunderungszeichen“), in zwei Formen. Neben dem auch in anderen Sprachen üblichen, einen Satz abschließenden Zeichen „!“ gibt es das öffnende Ausrufezeichen „¡“, das betonten Sätzen oder Wörtern vorangestellt wird:

  • ¡Atención!

Wenn Ausrufezeichen mehrmals erwünscht sind, wird das öffnende Ausrufezeichen so oft geschrieben wie das schließende:

  • ¡¡¡Atención!!!

Bei einer höflichen Aufforderung wird – analog der Sprache – zwar betont, aber nicht laut gerufen, also nur das Betonungszeichen gesetzt:

  • ¡Por favor llame. („Bitte klingeln“)

Als Lautzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deskriptorsymbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Symbolische Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ausrufezeichen steht allgemein für „wichtig“, insbesondere für eine Warnung („Achtung“), oder für „Gefahr“ und „Gefährdung“.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Studentenverbindungen kann das Ausrufezeichen Teil des Verbindungszirkels sein.

Zeichenkodierung und Tastatureingabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ausrufezeichen liegt im ASCII-Zeichensatz auf 21 hexadezimal (Unicode U+0021; dezimal 33); es ist das erste sichtbare Zeichen nach den Steuerzeichen und wird daher je nach Sortieralgorithmus an erster Stelle sortiert.

Das umgekehrte Ausrufezeichen für die Spanische Sprache liegt in ISO 8859-1 und Unicode auf Code 161 (U+00A1) und lässt sich unter Windows auf jeder Tastatur über Alt + 0161 beziehungsweise Alt + 173 auf dem Nummernblock erzeugen. Bei einem Macintosh wird dieses durch Alt + 1/! erzeugt, unter Linux/X11 durch Shift + AltGr + 1/!.

Das doppelte Ausrufezeichen („‼“) wird in Unicode als U+203C kodiert.

In HTML kann das Ausrufezeichen auch durch folgende Codes erzeugt werden[5]:

Kodierung
dezimal !
hexadezimal !
benannte Entität !

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ausrufezeichen – Mediensammlung
Wiktionary: Ausrufezeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ausrufezeichen. In: Atlas zur deutschen Alltagssprache. Universität Salzburg, Universität Lüttich, abgerufen am 6. März 2020.
  2. Wolfgang Mathias: Presse-Information 127/2002 – Die Entwicklung der deutschen Zeichensetzung. Universität zu Köln, 19. August 2002, archiviert vom Original am 6. Juni 2011; abgerufen am 28. Februar 2013.
  3. Flöh-Hatz/Weiber-Tratz. der wunder unrichtige und spottwichtige Rechtshändel der Flöh mit den weybern, Aufl. Straßburg 1601 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  4. Duden Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen. Mit umfangreicher Beispielsammlung, Dudenverlag, 1998, S. 9.
  5. W3C (World Wide Web Consortium): Character entity reference chart