Komma

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Komma (Begriffsklärung) aufgeführt.
,
Interpunktionszeichen
Leerzeichen  
schmales Leerzeichen
Komma, Beistrich ,
Strichpunkt, Semikolon ;
Doppelpunkt :
Punkt .
Auslassungspunkte
Mittelpunkt ·
Aufzählungszeichen
Fragezeichen ?
Ausrufe‑, Ausruf‑, Rufzeichen !
Apostroph, Hochkomma
Anführungszeichen„ “  » « / « »
‚ ‘   › ‹ / ‹ ›
-Bindestrich; Trennstrich;
Ergänzungsstrich
Gedankenstrich; Bis-Strich
Doppelbindestrich
Schrägstriche /\
Klammern ( )

Das Komma (griechisch κόμμα „Abschnitt“, „Einschnitt“; Pl. Kommas oder Kommata) ist zum einen ein Satzzeichen – besonders in Österreich und Südtirol wird es dann als Beistrich bezeichnet – und zum anderen ein Trennzeichen wie etwa in vielen Ländern das Dezimaltrennzeichen bei Zahlen oder beim Separieren von Daten und Werten.

Satzzeichen[Bearbeiten]

In der Grammatik dient das Komma zur Strukturierung des Satzes und trennt bestimmte Elemente voneinander: So werden im Deutschen Kommas zwischen Hauptsätzen und Nebensätzen, aber auch zwischen einzelnen Elementen einer Aufzählung gesetzt. Ebenso werden Appositionen und Nachstellungen durch Kommas vom Rest des Satzes abgetrennt. Daher sind Kommafehler keine Nebensächlichkeiten, sondern Grammatikfehler.

Komma leitet sich vom Altgriechischen κóµµα (komma) = Einschnitt, Abschnitt her, daher kommt auch der Plural Kommata. Die heutige Form des Kommas ist auf den Drucker und Typografen Aldus Manutius (gest. 1515) zurückzuführen, der es mit der Einführung weiterer Satzzeichen aus der Virgel entwickelte.

Philipp von Zesen (gest. 1689) deutschte den Begriff Komma mit Beistrich ein. Das Wort wurde bzw. wird u. a. von Bertolt Brecht,[1] in älteren Duden-Ausgaben[2] und selbst in neueren Werken[3] verwendet; dennoch wird in Deutschland und in der Schweiz „Beistrich“ eher selten verwendet,[4] während das Wort in Österreich weiterhin gebräuchlich ist.

Das Komma trägt zur Verständlichkeit und besseren Lesbarkeit von Texten bei, da im Gegensatz zur gesprochenen Rede die Sprachmelodie auf dem Papier verloren geht. So ist folgender Satz ohne Kommas beim ersten Lesen verwirrend, weil er einen starken Holzwegeffekt erzeugt: „Manfred las das Buch auf den Knien der Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vor.“ Erst mit der Kommasetzung wird der Satz verständlich bezüglich der Frage, auf wessen Knien das Buch nun liegt: „Manfred las, das Buch auf den Knien, der Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vor.“ Ein eingängigeres Beispiel für die verschiedenen möglichen Bedeutungen, die durch die Kommas gesteuert werden, ist: „Manfred las das Buch auf den Knien zu Ende.“ und „Manfred las, das Buch auf den Knien, zu Ende.“ Im ersten Satz liest Manfred das Buch bis ganz zum Schluss, während er selbst kniet. Im zweiten Satz liest Manfred einen Abschnitt, aber nicht zwingend das ganze Buch, zu Ende, während das Buch dabei auf Manfreds Knien liegt.

Ein anderes Beispiel für einen Doppelsinn gibt eine fiktive Kurzgeschichte. Ein Verbrecher soll gehängt werden, doch der König erfährt durch einen Boten in letzter Sekunde, dass der Todgeweihte unschuldig ist. Nun richtet er eine Nachricht an den Scharfrichter, die Nachricht heißt: „Wartet nicht, hängen!“ Der Scharfrichter erhält die Nachricht und hängt den Unschuldigen zur Empörung des Königs. Dieser hatte einen Beistrichfehler gemacht, er wollte eigentlich schreiben: „Wartet, nicht hängen!“

Für die korrekte und standardisierte Verwendung von Kommas gelten Kommaregeln, die in der Grammatik einer Sprache beschrieben werden. Die Kommaregeln für das Deutsche wurden im Zuge der Rechtschreibreform von 1996 mit dem Ziel einer Vereinfachung grundlegend geändert; dabei wurde die Kommasetzung in vielen Fällen freigestellt. Mit der Überarbeitung des Reformregelwerks im Jahr 2006 wurde die Kommasetzung nochmals modifiziert und hauptsächlich viele Freistellungen mit dem Ziel einer besseren Lesbarkeit zurückgenommen.

Die Kommasetzung unterliegt bei künstlerischen Werken einer größeren Freiheit: In lyrischen Texten kann die Interpunktion (Zeichensetzung) völlig verschwinden, zur besonderen Betonung oder Gliederung verwendet werden oder aber auch selbst Teil eines Sprachspiels sein. Auch epische Texte weisen oftmals eine sehr eigenwillige Kommasetzung auf – als Beispiel sei auf Kleist verwiesen, der die Kommas nicht nach Regeln, sondern nach seinem Gutdünken setzte.

Zahlen[Bearbeiten]

In den meisten europäischen Ländern verwendet man das Komma in der Mathematik in einer Dezimalzahl als Dezimaltrennzeichen, um den ganzzahligen Teil von dem Teil zu trennen, der den Unterschied zur Ganzzahl bildet. Die Zahl 12,34 wird korrekt zwölf Komma drei vier ausgesprochen (vor allem in Österreich zumeist zwölf Komma vierunddreißig). Sollte das Komma zusätzlich als Trennsymbol in Aufzählungen erscheinen, weicht man, um Verwechslungen mit Dezimalzahlen zu vermeiden, auf das Semikolon aus.

Im englischsprachigen Raum und teilweise in der Schweiz (siehe unten) wird das Komma zur Trennung von Tausenderstellen in Zahlen verwendet; die englischsprachige Bedeutung von Punkt und Komma in Zahlen ist also gegenüber Deutschland und Österreich umgekehrt.

Nationale Besonderheiten[Bearbeiten]

Österreich und Südtirol[Bearbeiten]

In Österreich und in Südtirol wird die Bezeichnung „Komma“ nur bei Zahlen verwendet, als Bezeichnung für das Satzzeichen hat sich der Begriff „Beistrich“ etabliert.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist die Verwendung von Punkt oder Komma als Dezimaltrennzeichen uneinheitlich; beide werden üblicherweise immer als „Komma“ gelesen. Auch an den Schulen wird eine nicht einheitliche Praxis verfolgt: Die Schulen des Kantons St. Gallen[5] wie auch des Kantons Zürich lehren beispielsweise den Dezimalpunkt. Es kommt vor, dass in der Unterstufe/Primarschule das Komma (wie es gesprochen wird), ab der Mittelstufe der Punkt gelehrt wird.

In amtlichen Dokumenten des Bundes wird gemäß den Weisungen der Bundeskanzlei grundsätzlich das Komma verwendet, bei Geldbeträgen wird jedoch zwischen der Währungseinheit und der Untereinheit ein Punkt gesetzt.[6] Den Punkt verwendet zudem das Bundesamt für Landestopographie für die Schweizer Landeskoordinaten.[7]

Bei vielen Textverarbeitungsprogrammen ist in der schweizspezifischen Spracheinstellung der Punkt als Dezimaltrennzeichen definiert, auf dem Ziffernblock schweizerischer Tastaturen wird ebenfalls der Punkt verwendet.[8]

Als Tausendertrennzeichen werden aber weder Punkt noch Komma benutzt. Sofern als Tausendertrennzeichen nicht ein Leerzeichen gesetzt wird, kommt dafür das (gerade) Apostroph zur Anwendung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Komma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Beistrich – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bertolt Brecht: Leben Eduards des Zweiten von England. Gustav Kiepenheuer, Potsdam 1924, S. 110 und 117.
  2. Der große Duden. Band 1. Dudenverlag des Bibliographischen Instituts, Mannheim 1956, S. 17f;
    Konrad Duden, Paul Grebe: Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter. Bibliographisches Institut, Mannheim 1962, S. 17 etc.
  3. Wolfgang Mentrup: Zur Zeichensetzung im Deutschen – die Regeln und ihre Reform. Gunter Narr, Tübingen 1983, S. 13, 15, 17 etc.; Georg Nolte: Eingreifen auf Einladung. Springer, 1999, S. 372, 421 etc.
  4. Anna-Julia Lingg: Kriterien zur Unterscheidung von Austriazismen, Helvetismen und Teutonismen. In: Christa Dürscheid, Martin Businger (Hrsg.): Schweizer Standarddeutsch. Beiträge zur Varietätenlinguistik. Gunter Narr, Tübingen 2006, S. 23–48, hier S. 30–35.
  5. Lehrplan Fachbereich Mathematik (PDF-Datei; 252 kB) auf schule.sg.ch, abgerufen am 27. September 2013
  6.  Schweizerische Bundeskanzlei (Hrsg.): Schreibweisungen. 1 Auflage. 2008, 514: Dezimalkomma und Dezimalpunkt, S. 80 (http://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04915/05016/index.html?lang=de, abgerufen am 4. März 2010).
  7.  Bundesamt für Landestopografie swisstopo (Hrsg.): Neue Koordinaten für die Schweiz - Der Bezugsrahmen LV95. 1 Auflage. 2006, S. 8-11 (http://www.cadastre.ch/internet/cadastre/de/home/topics/upon.parsysrelated1.17860.downloadList.74206.DownloadFile.tmp/broschlv95de.pdf, abgerufen am 27. Oktober 2010).
  8. Z. B. für Apple-Tastaturen siehe Lokale Tastatur identifizieren auf support.apple.com