Atlantia

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Atlantia S.p.A.

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Rechtsform Società per Azioni
ISIN IT0003506190
Gründung 1950
Sitz Rom, ItalienItalien Italien
Leitung

Marco Patuano (Vorsitzender des Verwaltungsrates),
Giovanni Castellucci (CEO)[1]

Mitarbeiterzahl

15.838 (2017)[2]

Umsatz 5,97 Mrd. EUR (2017)[2]
Branche Infrastrukturbetreiber
Website www.atlantia.it

Unternehmenssitz der Atlantia in Rom (2016)

Die Atlantia S.p.A. (ursprünglich Autostrade S.p.A.) mit Sitz in Rom ist ein 1950 gegründeter börsennotierter italienischer Infrastrukturbetreiber. Das Tochterunternehmen Autostrade betreibt 3.100 Kilometer italienischer Autobahnen mit 262 Mautstellen. Dies entspricht ca. 56 Prozent des gebührenpflichtigen italienischen Autobahnnetzes. Jährlich legen 750 Millionen Fahrzeuge 45 Milliarden Kilometer auf den gebührenpflichtigen Strecken zurück. Außerdem betreibt Atlantia Straßen außerhalb Italiens (in Brasilien, Chile, Indien und Polen) und Flughäfen direkt (in Frankreich, u. a. Nizza) und über die Tochter Aeroporti di Roma (die Flughäfen Fiumicino und Ciampino in Rom).

Zur Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde unter dem Namen Società Concessioni e Costruzioni Autostrade p.A. 1950 durch die staatliche Holding Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) zum Bau der A1 Autostrade del Sole, die 1964 fertiggestellt wurde;[3] in den 1960er Jahren erwarb das Unternehmen weitere Konzessionen und hält heute einen Großteil des aktuellen Autobahnnetzes in Italien. 1987 erfolgte der Gang an die Börse von Mailand und es erfolgte eine schrittweise Internationalisierung mit Beteiligungen an internationalen Straßenbauprojekten und der Teilnahme an Privatisierungen. 1999 wurde das Unternehmen vollständig privatisiert; die Benetton-Gruppe ist ihr bedeutendster Aktionär. 2003 wurde das italienische Konzessionsgeschäft in ein neues Tochterunternehmen, Autostrade per l’Italia, ausgegliedert.[3] Im Mai 2007 beschloss der Vorstand die Umbenennung der Holding, Autostrade, in Atlantia.[3]

Am 8. März 2013 kündigte Atlantia die Übernahme der Beteiligungsgesellschaft Gemina mittels eines bis Mai 2013 erfolgenden Aktientausches im Wert von 2 Milliarden Euro an. Gemina besitzt unter anderem die Gesellschaft Aeroporti di Roma, die die römischen Flughäfen Fiumicino und Ciampino betreibt, und ist in Lateinamerika aktiv. Atlantia betrieb zu dieser Zeit bereits unter anderem rund 1800 Kilometer Mautautobahnen in Brasilien und Chile und erhoffte sich durch die Übernahme weitere Konzessionen in Lateinamerika.[4][5]

Bereits 2006 plante Atlantia (damals noch unter dem Namen Autostrade) eine Fusion mit dem spanischen Konkurrenten und Autobahnbetreiber Abertis; die geplante Fusion kam zur damaligen Zeit aber wegen politischer Opposition in Italien nicht zustande und wurde aufgegeben. 2017 lancierte Atlantia erneut ein Angebot für Abertis; die ursprünglichen Übernahmepläne wurden durch ein Gegenangebot des spanischen Baukonzerns ACS und dessen deutscher Tochter Hochtief durchkreuzt. Im März 2018 wurde die gemeinschaftliche Übernahme des durch ein Konsortium aus Atlantia, dem spanischen Baukonzern ACS und Hochtief vereinbart, um einen Bieterwettbewerb zu vermeiden. Nach der Übernahme soll die Atlantia 50 % plus eine Aktie an Abertis halten, 20 % sollten von Hochtief erworben werden, die restlichen knapp 30 % von der ACS; gleichzeitig soll Atlantia einen 25 %-Anteil an Hochtief erwerben[6]

Ebenfalls im März 2018 erwarb Atlantia 15,49 % der Aktien der Getlink, die den Eurotunnel über den Kanal betreibt, für eine Milliarde Euro.[7]

Am 14. August 2018 stürzte in Genua ein Teilstück des Polcevera-Viadukts ein, wodurch 43 Menschen starben. Matteo Salvini, Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident Italiens, fragte öffentlich, wieviel seiner Einnahmen Autostrade für die Instandhaltung oder Instandsetzung seines Straßennetzes investiere.[8] Der Aktienkurs von Atlantia fiel nach dem Einsturz der Brücke am folgenden Handelstag um 22 Prozent und wurde zeitweise vom Börsenhandel ausgesetzt, nachdem Stimmen in der Politik für einen Konzessionsentzug wegen mangelnder Instandhaltung plädierten. Alle Wartungen seien vertragsgemäß durchgeführt worden, erklärte Atlantia gleich nach dem Unglück und widersprach der Regierung; Autostrade wolle jedoch Entlastungsstraßen bauen, andere Hilfsmaßnahmen in einem Wert von EUR 500 Mio. leisten und binnen von 8 Monaten eine neue Stahlbrücke errichten, sofern die nötigen Zulassungen vorlägen. Kurz darauf kündigte Innenminister Salvini dennoch an, Autostrade die Konzession für ihr gesamtes italienisches Netz entziehen zu wollen.[9]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Atlantia hatte im Jahr 2017 knapp 7 Mrd. € Einnahmen; 70 % davon stammten aus Mautgebühren. Atlantia hat die Erträge und die Profitabilität in den vergangenen Jahren gesteigert und die Ausschüttungen an die Aktionäre erhöht. Die italienischen Mautgebühren gelten als die höchsten Europas.[10]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anteil Anteilseigner[11]
30,25 % Sintonia
8,14 % Government of Singapore Investment Corporation
5,12 % BlackRock
5,06 % Fondazione Cassa di Risparmio di Torino
5,01 % HSBC Holdings
0,96 % Eigene Aktie
45,46 % Streubesitz

Die Kontrolle der Gesellschaft übt die Luxemburger Holdinggesellschaft Sintonia aus, die von der Familie Benetton geführt wird.[10]

Vergabe von Aufträgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Vergabe von Aufträgen für den Bau und Unterhalt der von ihnen verwalteten Straßen können die Betreiber in Italien einen großen Teil ohne öffentliche Ausschreibung ihren eigenen Tochterunternehmen zuschlagen. Atlantia hat die Tochtergesellschaft Pavimental. Die EU-Kommission und die damalige italienische Regierung Gentiloni vereinbarten im April 2018 einen Kompromiss.[12][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Board of Directors, Atlantia.it, abgerufen am 23. August 2018 (englisch)
  2. a b Atlantia: Geschäftsbericht 2017, abgerufen am 19. August 2018 (englisch, pdf)
  3. a b c Atlantia: Meilensteine, geschichtlicher Überblick auf Unternehmenswebsite, abgerufen am 19. August 2018 (englisch)
  4. Presseerklärung von Atlantia am 8. März 2013. Abgerufen am 9. März 2013 (italienisch)
  5. Benetton-Familie kauft Roms Flughafen. In: Spiegel Online, 9. März 2013
  6. Hochtief, ACS und Atlantia einigen sich – kein Bieterrennen um Abertis. In: handelsblatt.com. 14. März 2018, abgerufen am 14. August 2018.
  7. http://www.repubblica.it/economia/finanza/2018/03/02/news/atlantia_entra_nel_tunnel_della_manica_1_miliardo_per_il_15_di_getlink-190187993/ (abgerufen am 14. August 2018)
  8. 35 vittime tra cui tre bambini di 8, 12 e 13 anni, ma si scava ancora. In: repubblica.it
  9. Bloomberg: Italy to Revoke Autostrade Concession Despite Company Aid Offer, 19. August 2018, abgerufen am selben Tag (englisch)
  10. a b c Wie das Geschäftsmodell der «Herren der Autobahnen» funktioniert – und wieso der Brückeneinsturz es jetzt bedroht. In: NZZ.ch, 15. August 2018
  11. Aktionärsstruktur: – aktueller Stand. In: atlantia.it. Abgerufen am 17. August 2018.
  12. State aid: Commission approves investment plan for Italian motorways. In: europa.eu, 27. Mai 2018