Prinzessinnenpalais

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Prinzessinnenpalais

Das Prinzessinnenpalais ist ein Baudenkmal an der Prachtstraße Unter den Linden 5 im Berliner Ortsteil Mitte und Teil des Forum Fridericianum. Es wurde im Jahr 1733 von Friedrich Wilhelm Dieterichs im Stil des Friderizianischen Rokoko errichtet und 1810 bis 1811 von Heinrich Gentz im Stil des Klassizismus erweitert. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und 1962 abgerissen, wurde es 1963 bis 1964 von Richard Paulick als Operncafé rekonstruiert. Seit 2018 beheimatet das Prinzessinnenpalais die Kunsthalle PalaisPopulaire der Deutschen Bank.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parade vor dem Königlichen Palais, Gemälde von Wilhelm Brücke, 1839;
rechts das Prinzessinnenpalais
Ansicht des PalaisPopulaire im Prinzessinnenpalais bei Nacht, 2018

Im Jahr 1733 verband Friedrich Wilhelm Dieterichs zwei 1730 für den General von Becheffer und den Finanzminister Freiherr von Cocceji in der Oberwallstraße am Berliner Festungsgraben erbaute Gebäude durch Einfügung eines Mittelrisalits zu einem neuen quer zu der Straße Unter den Linden stehenden Palais, das Cocceji bis zu seinem Tod bewohnte. Markgraf Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt erwarb 1755 das Gebäude. Nach dem Tod des schlimmen Markgrafen 1788 ging das Palais ins Eigentum des preußischen Königshauses über.[1]

Zunächst bewohnte es das Prinzenpaar Friedrich Ludwig Karl und Friederike von Preußen, dann das Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen mit den drei Töchtern Charlotte, Alexandrine und Luise. Seitdem trägt es den Namen Prinzessinnenpalais. 1811 ließ König Friedrich Wilhelm III. das Prinzessinnenpalais von Baumeister Heinrich Gentz durch einen Kopfbau bis zur Prachtstraße Unter den Linden verlängern und von Karl Friedrich Schinkel durch einen Schwibbogen mit dem Königlichen Palais verbinden. Bereits 1809 hatte Königin Luise den jungen Schinkel mit dem Entwurf eines repräsentativen Kopfbaus beauftragt, der jedoch aus finanziellen Gründen nicht zur Ausführung kam. Nach dem Auszug der Töchter bewohnte Gräfin Auguste von Harrach, die Friedrich Wilhelm III. nach dem Tod Luises geheiratet hatte, ab 1824 das Prinzessinnenpalais.[2]

Nach dem Ende der Monarchie 1918 ging das Palais zunächst ins Eigentum des Freistaats Preußen und dann der Staatlichen Museen über. Am 13. März 1931, dem 150. Geburtstag Karl Friedrich Schinkels, eröffnete in den Räumen das Schinkel-Museum. Es zeigte mit einer großen Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Skizzen die ganze Vielfalt seines Schaffens.[2]

Als sich der 1952 geplante Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten Prinzessinnenpalais aus finanziellen Gründen mehrmals verzögert hatte, waren die Fassaden so verwittert, dass sie 1960 bis 1962 abgerissen und von Richard Paulick 1962 bis 1964 rekonstruiert wurden. Das neu eröffnete Operncafé mit Opernbar, Weinstube und Grillrestaurant erhielt eine moderne Ausstattung und eine große Terrasse zum Operngarten. Im runden Treppenhaus wurde das schmiedeeiserne Rokokogeländer aus dem 1964 abgerissenen Schloss Buch, ebenfalls ein Werk von Dieterichs, angebracht. Das rekonstruierte Prinzessinnenpalais entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Es diente auch als Drehort für Die Legende von Paul und Paula, einem der erfolgreichsten Spielfilme der DDR. Für die Ost-Berliner Schwulenszene fanden im Operncafé wöchentliche Discoabende statt.[2]

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm der Berliner Gastronom Manfred Otte das Operncafé, wobei es 1990 bis 1991 eine historisierende Ausstattung erhielt. Bis zur Schließung 2011 war es vor allem für seine mehr als 50 Sorten Kuchen und Torten, aber auch für seine zahlreichen hochrangigen Gäste wie den Dirigenten Daniel Barenboim, den Tenor Plácido Domingo, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl oder Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker berühmt.[3] Im Jahr 2014 erwarb Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner das Prinzessinnenpalais von der TLG Immobilien und vermietete es an die Deutsche Bank, die es bis 2018 von Kuehn Malvezzi zur Kunsthalle PalaisPopulaire umbauen ließ.[4] Dabei wurde der Haupteingang an die Oberwallstraße zurückverlegt und der Betonkern im Innern freigelegt. Die 900 Quadratmeter großen Ausstellungsräume erhielten eine schmucklose Ausstattung mit grauen Böden, weißen Wänden und unverkleideten Decken.[5] Im Erdgeschoss betreibt der hessische Gastronom Klaus Peter Kofler das Café LePopulaire.[6]

Der ehemalige Garten des Prinzessinnenpalais bildet seit der Nachkriegszeit den östlichen Teil des Bebelplatzes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Borrmann: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Verlag von Julius Springer, Berlin 1893, S. 321–323.
  • Hermann Heckmann: Baumeister des Barock und Rokoko in Brandenburg-Preußen. Verlag für Bauwesen, Berlin 1998, ISBN 3-345-00631-6, S. 332 (Schloss Buch), S. 334–335 (Prinzessinnenpalais).
  • Folkwin Wendland: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert: Das klassische Berlin. Propyläen-Verlag, Frankfurt a. M., Berlin / Wien 1979, ISBN 3-549-06645-7, S. 55–57.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Prinzessinnenpalais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Borrmann, S. 321 ff.
  2. a b c Architektur – PalaisPopulaire
  3. Das Operncafé schließt. In: Berliner Zeitung, 26. August 2011.
  4. Nikolaus Bernau: Kunst, Sport und Kuchen. In: Berliner Zeitung, 28. Februar 2018, S. 23.
  5. Ein neuer Volkspalast für Berlin? Umbau des Prinzessinnenpalais von Kuehn Malvezzi. In: Baunetz, 17. September 2018.
  6. Kofler – LePopulaire