Prinzessinnenpalais

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Prinzessinnenpalais
Ansicht des Gebäudes

Ansicht des Gebäudes

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Richard Paulick
Bauherr Friedrich Wilhelm Diterichs
Baustil Rokoko
Baujahr 1730er Jahre
Wiederaufbau ab 1962
Koordinaten 52° 31′ 1″ N, 13° 23′ 46″ OKoordinaten: 52° 31′ 1″ N, 13° 23′ 46″ O

Das Prinzessinnenpalais am Boulevard Unter den Linden 5 im Berliner Ortsteil Mitte war ein Palais des Hauses Hohenzollern. Es erhielt seinen Namen nach den Töchtern der Königsfamilie, die jedoch nie darin wohnten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1733 verband Friedrich Wilhelm Diterichs zwei 1730 am Berliner Festungsgraben erbaute Gebäude durch Einfügung eines Mittelrisalits zu einem neuen quer zu der Straße Unter den Linden stehenden Palais. Markgraf Heinrich Friedrich von Brandenburg-Schwedt erwarb 1755 das Gebäude. Im Jahre 1788 erbte es das Königshaus. Im Jahr 1811 wurde es nach Plänen von Heinrich Gentz durch einen repräsentativen Kopfbau bis zur Straße Unter den Linden verlängert und von Karl Friedrich Schinkel mittels eines Schwibbogens mit dem Kronprinzenpalais verbunden. Seit diesem Umbau für die Töchter des Königs Friedrich Wilhelm III. war der Name Prinzessinnenpalais in Gebrauch.

Bis 1918 wohnten in dem Palais verschiedene Mitglieder der preußischen Herrscherfamilie wie die Witwe Kaiser Friedrichs III., aber auch Beamte. Ab 1931 wurde in den Räumen das Schinkel-Museum eingerichtet. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und die Ruine 1960 bis 1962 abgetragen worden war, ist das Palais als Operncafé zwischen 1962 und 1964 nach Plänen von Richard Paulick im Rahmen der Gesamtwiederherstellung des Friedrichsforums rekonstruiert worden. Das Innere wurde modern wiederhergestellt und nach der Wiedervereinigung in historisierender Form nochmals umgebaut. Historisch wertvoll ist das anlässlich der Rekonstruktion eingebaute Rokoko-Treppengeländer des Schlosses Berlin-Buch, eines 1964 abgerissenen Werkes von Diterichs von 1736.

Nach der deutschen Wiedervereinigung gelangte das Gebäude durch den Einigungsvertrag in den Besitz des Bundes, das nun zum Portfolio der TLG Immobilien GmbH gehörte. In Absprache mit dem Besitzer ließ der Cafébetreiber Manfred Otte die klassizistischen Wandverkleidungen beseitigen. Im Jahr 2012 hob der Bund den Pachtvertrag mit dem Betreiber des Operncafés einvernehmlich auf.[2] Die Räumlichkeiten wurden frei und standen zum Verkauf.

Tasse vom Weihnachtsmarkt am Opernpalais mit der Abbildung des Prinzessinnenpalais

Im Jahr 2014 erwarb der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlages, Mathias Döpfner, das Palais und ließ es durch David Chipperfield umbauen.[3]

Döpfner vermietete das komplette Gebäude im Jahr 2017 an die Deutsche Bank, die es nach umfangreichen Umbauarbeiten als DB-Kulturzentrum für ihre Kunsthalle und zu Veranstaltungen nutzen will. Die Architekten des Büros Kühn & Malvezzi arbeiteten die Umbaupläne aus, wonach helle luftige Räume entstehen sollen. Zugleich sollen die Geschichtsnarben, also die Stahlbetonpfeiler und Stahlunterzüge aus dem 1960er Wiederaufbau sichtbar gemacht werden. Der Kontrast zwischen den historisierenden Fassaden und der Moderne im Inneren soll betont werden. Die Wände werden jedoch weiß verkleidet, die Fenster können mittels Gaze und Technik den Lichtverhältnissen optimal angepasst werden.[1]

Voraussichtlich im Spätsommer 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das neue Kulturzentrum eingeweiht werden.[4]

Der bisher verschlossene Durchgang zwischen der Oberwallstraße und dem Garten des Palais wird geöffnet und seitlich vom neuen Foyer wird ein neues Restaurant eingerichtet. Als Betreiber konnte das Cateringunternehmen Kofler & Co. gewonnen werden. Dieses will an alte Caféhaustraditionen anknüpfen und den Besuchern neben trendiger frischer Küche auch kalorienreiche Luisen- und Prinzessinentorten anbieten. Der alte Eingang zum Palais vom Garten aus soll dagegen geschlossen bleiben, denn dahinter, im Treppenhaus, entsteht das neue Zentrum der Kunsthalle. In der zweiten Etage wird eine Atelierlounge geplant, die für Besuchergruppen, Workshops oder Empfänge genutzt werden soll.[1]

Prinzessinnengarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Garten des Prinzessinnenpalais („Prinzessinnengarten“ genannt) entstand kurz nach 1740 durch Abtragung des Festungswalls, der hinter dem von der Oberwallstraße zugänglichen Palais lag. Er erstreckte sich bis an das gleichzeitig errichtete Operngebäude und wurde vom Festungsgraben, der hier Grüner Graben hieß, durchflossen. Ursprünglich wohl ein Barockgarten mit Orangerie, hatte er später als Landschaftsgarten einen sehr alten hohen Baumbestand, war aber von einer Mauer umgeben und für Besucher nicht zugänglich. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gestaltete ihn Rolf Rühle 1964 im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Prinzessinnenpalais als Teilfläche des Bebelplatzes zu einer öffentlichen Grünanlage.

Im Westteil des Gartens befand sich zwischen 1914 und 1951 die Ostrampe des Lindentunnels, der der Straßenbahn als Unterführung der „Linden“ diente. Für den Bau musste der Sockel des Blücher-Denkmals verstärkt werden, da sich dieses über der Einfahrt befand. Die Rampe wurde nach der Stilllegung des Tunnels verfüllt.[5]

Die in den 1820er und 1850er Jahren gegenüber der Neuen Wache aufgestellten, von Christian Daniel Rauch geschaffenen bronzenen Standbilder der Generäle Gneisenau, Blücher und Yorck wurden, nachdem sie 1950 abgeräumt worden waren, bei der Neuanlage im hinteren Teil des Gartens wiedererrichtet. Die beiden ebenfalls von Christian Daniel Rauch geschaffenen marmornen Standbilder Scharnhorsts und Bülows, die von 1822 bis 1950 neben der Neuen Wache gestanden hatten, bekamen 2002 auf der anderen Straßenseite einen neuen Platz am vorderen Gartenrand.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Heckmann: Baumeister des Barock und Rokoko in Brandenburg-Preußen. Verlag für Bauwesen, Berlin 1998, ISBN 3-345-00631-6, S. 332 (Schloss Buch), S. 334–335 (Prinzessinnenpalais)
  • Folkwin Wendland: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert: Das klassische Berlin. Propyläen-Verlag, Frankfurt a. M., Berlin/ Wien 1979, ISBN 3-549-06645-7, S. 55–57

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Prinzessinnenpalais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Nikolaus Bernau: Kunst, Sport und Kuchen. In: Berliner Zeitung, 28. Februar 2018, s. 23.
  2. Berlin: Operncafé Unter den Linden wird geschlossen und wacht als Automobilshowroom wieder auf – voraussichtlich Auf: gewerbeimmobilien24.de, 9. September 2011, abgerufen am 21. November 2012.
  3. Prinzessinnenpalais Unter den Linden: Die Zukunft des Opernpalais bleibt ungewiss. In: Berliner Zeitung, 9. Juni 2015.
  4. Caspar Schwiertering: Im Prinzessinnenpalais eröffnet ein neuer Kulturort. In: Der Tagesspiegel. 27. Februar 2018, abgerufen am 27. Februar 2018.
  5. Hans-Joachim Pohl: Der Lindentunnel. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 7, 1980, S. 134–150.
  6. Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vom 2. Juli 2002, abgerufen am 7. Mai 2015