Palais des Prinzen Heinrich

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Das ehemalige Palais des Prinzen Heinrich im Jahre 1855

Das Palais des Prinzen Heinrich ist ein ehemaliges Prinzenpalais in Berlin in der Straße Unter den Linden Nummer 6. Heute ist es das Hauptgebäude der Humboldt-Universität.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der preußische König Friedrich II. ließ das Gebäude in den Jahren 1748 bis 1753 für seinen Bruder Prinz Heinrich errichten. Die Pläne für das spätbarocke Gebäude stammten von Johann Boumann, der sich auf erste Entwürfe von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gestützt haben soll.

Knobelsdorff sollte an dieser Stelle ursprünglich eine Residenz für Friedrich II. errichten, als Teil eines größeren Bauensembles, des so genannten Forum Fridericianum. Nach der Weigerung der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, ihr bestehendes Palais, den Vorgängerbau des Alten Palais, für die Neuanlage des geplanten großen Forums zu verkaufen, rückte Friedrich II. von der Idee des Palais du Roy ab, ließ sich eine Wohnung im Berliner Stadtschloss neu ausstatten und konzentrierte seine Bautätigkeiten fortan auf Potsdam. Da jedoch die gegenüberliegende Königliche Hofoper nach Knobelsdorffs Plänen auf dem leeren Geländestreifen der ehemaligen Festungsanlagen bereits errichtet war und einer Einrahmung bedurfte, lieferte Friedrich II. als Bauherr erneut Ideenskizzen. So entstand das für einen jungen, damals noch unverheirateten Prinzen bemerkenswert geräumige Palais an der Stelle, die ursprünglich für das Königspalais vorgesehen war. Gleichzeitig entstand gegenüber die Hedwigskirche, erst 1773 geweiht, und 1775–1786 die Königliche Bibliothek, sodass eine stark verkleinerte Version des Forums schließlich doch vollendet wurde.

Das ehemalige Palais des Prinzen Heinrich und heutige Hauptgebäude der Humboldt-Universität (2015)

Die Fassadengestaltung orientierte sich an den Formen des Opernhauses und zielte offensichtlich darauf ab, dem Platz eine einheitliche Gestaltung zu vermitteln. Die Bauleitung übernahmen zuerst Boumann selbst, später Carl Ludwig Hildebrandt, als Boumann 1755 die Zuständigkeit für das gesamte Berliner Bauwesen übertragen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Kosten für das Prinz-Heinrich-Palais schon auf 200.000 Taler angestiegen, 1756 wurden nochmals 33.000 Taler bewilligt – für ein Projekt dieser Art damals ungeheure Summen. Die Arbeiten kamen auch hier nur langsam voran, und während des Siebenjährigen Krieges wurden sie völlig eingestellt. Erst Anfang 1766 konnte der Prinz mit seinem Hofstaat einziehen, zusammen mit seiner Gemahlin Wilhelmine von Hessen-Kassel, mit der er 1752 aus Gründen der Staatsräson verheiratet worden war. Heinrich bewohnte das Gebäude bis zu seinem Tod 1802, sofern er nicht auf seinem Schloss Rheinsberg oder in seiner Wohnung im Potsdamer Stadtschloss weilte, und Wilhelmine noch bis zu ihrem Tod 1808, freilich in getrennten Appartements in den beiden Seitenflügeln.

Als 1809 die Berliner Universität begründet wurde, widmete ihr der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Gebäude. In den Jahren 1836 bis 1846 und 1892 wurde das Innere des Palais an die Erfordernisse der Universität angepasst. Zwischen 1913 und 1920 erweiterte der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann das Gebäude durch die Verlängerung der beiden Seitenflügel unter Bewahrung des Baustils und der Traufhöhe in Richtung Norden und um seitlichen Anbauten. Aus der U-Form wurde die heutige H-Form.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile des Gebäudes zerstört, hauptsächlich während der Bombenangriffe zwischen dem 24. November 1943 und dem 19. Juli 1944. Der Lehrbetrieb wurde 1945 zunächst in einigen provisorisch instandgesetzten Räumen im Westflügel wieder aufgenommen. Anschließend wurde das Gebäude in zwei Bauphasen nach historischem Vorbild wieder aufgebaut: 1947 bis 1954 der Mitteltrakt, 1958 bis 1962 der Ostflügel, in dem sich heute das Audimax befindet. Nur wenige Gebäudeteile wie ein Treppenhaus im östlichen Kopfbau blieben original erhalten. Seit 1975 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus-Dietrich Gandert, Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität, Berlin 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 31′ 5″ N, 13° 23′ 36″ O