Berenike II.

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Bildnis der Königin Berenike II., Münchner Glyptothek
Berenike II. auf einer Münze Ptolemaios III.

Königin Berenike II. (* um 272 v. Chr.; † 221 v. Chr.) war die Tochter von König Magas von Kyrene (und damit die Enkelin von Berenike I. aus deren erster Ehe) und der Seleukiden-Prinzessin Apama. Sie war die Ehefrau und Mitregentin von Ptolemaios III. Euergetes, dem dritten König von Ägypten aus der Dynastie der Ptolemäer. Die Hochzeit fand im Jahr seines Regierungsantritts (246 v. Chr.) statt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor ihrer Heirat mit Ptolemaios war Berenike mit Demetrios Kalos verlobt oder vermählt. Berenike ließ ihn angeblich ermorden, nachdem diesem eine Beziehung mit Berenikes Mutter Apama nachgewiesen werden konnte.[1]

Es wird angenommen, dass alle sechs in der Exedra von Thermos aufgeführten Königskinder des Ptolemaios III. von Berenike stammen. Zu den Kindern gehörte u. a. Ptolemaios IV., der nach dem Tod seines Vaters den Thron bestieg und kurz nach Regierungsantritt seine eigene Schwester Arsinoë III. heiratete. Eine Tochter mit dem Namen Berenike verstarb bereits frühzeitig im Februar 238 v. Chr. Eine zu diesem Zeitpunkt stattfindende Synode legte im Kanopus-Dekret fest, dass die Prinzessin aufwendig bestattet und ein eigener Kult für sie eingerichtet werden sollte. Den Frauen der benötigten Priester wurde als Unterhalt ein Brot zugeteilt, das man mit einem bestimmten Stempel versah und als „Berenike-Brot“ bezeichnete.[2][3]

Die Erzählung von Berenikes Haar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ihr Mann kurz nach Regierungsantritt gegen die Seleukiden in den sog. Laodike-Krieg zog (Dritter Syrischer Krieg 246–241 v. Chr.), soll sie ihr Haupthaar der Liebesgöttin Aphrodite geopfert haben, um seine sichere Rückkehr zu erbitten. Sie brachte es im Arsinoë-Tempel ihrer Schwiegermutter unter, der am Kap Zephyrion eine Kultstätte errichtet worden war. Der Haarschopf verschwand auf unbekannte Weise, doch der Hofastronom Konon von Samos erklärte, es sei in den Himmel erhoben worden, wo man es als neue Sterngruppe sehen könne.

Der Name Coma Berenices oder Haar der Berenike wurde in Erinnerung daran einem Sternbild am Frühlingshimmel zugewiesen. Kallimachos pries diese Verwandlung in dem Gedicht Locke der Berenike, von dem im Original lediglich einige Zeilen erhalten sind, Catulls Übersetzung ins Lateinische jedoch vollständig.

In den Astronomica des Hyginus wird die Geschichte dahingehend ausgeschmückt, dass der König sehr wütend geworden sei, als er seine Königin mit abgeschnittenen Haaren erblickte. Konon soll ihm von der zu den Sternen erhobenen Haarpracht erzählt haben, um die Gemüter wieder etwas abzukühlen. Hyginus' romanhafte Darstellung wird bis heute oft kolportiert.

Kurz nach dem Tod ihres Ehemanns (221 v. Chr.) wurden Berenike, ihr jüngerer Sohn Magas und ihr Schwager Lysimachos auf Veranlassung ihres Sohnes Ptolemaios IV. ermordet, mit dem sie vermutlich einige Monate gemeinsam regiert hatte.

Kultische Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berenike II. und Ptolemaios III. wurden bereits zu Lebzeiten als Wohltätergötter verehrt. Diese Kulte waren von den Ptolemäern einige Jahrzehnte zuvor eingeführt worden. Sie betrafen in stärkerem Maß Arsinoë II. und Ptolemaios II., deren Geschwisterehe – von den Griechen Philadelphoi (Bruderliebende) genannt – dadurch in ein besseres Licht kommen sollte.

Berenike wurde auch unabhängig von ihrem Gatten verehrt: Nach dem erfolgreichen Dritten Syrischen Krieg zeigen Siegel griechischen Stils ihren Kopf als Thea Euergetis, und ab 243 v. Chr. mit abgeschnittenem Haar und den Fruchtbarkeitsattributen der Demeter-Isis. Auch in Kallimachos’ Versen Sieg der Berenike (Nike heißt Sieg) wird die Königin kultisch in die Nähe der Isis gerückt. Die Verehrung einer vergöttlichten Berenike ist aus der Zeit Ptolemaios’ III. in der Oase Fayum nachgewiesen. Einmal trägt sie den Kultnamen Aphrodite, ein anderes Mal Isis, Mutter der Götter.

Im Jahre 2010 wurde in Kom al-Dikka in Alexandria ein Tempel, der wahrscheinlich Berenike II. geweiht war, gefunden. Die dort geborgenen 600 bronzenen und kalksteinernen Statuen und Tierfiguren waren teilweise hervorragend erhalten. Viele der dort gefundenen Katzendarstellungen verkörpern die Gottin Bastet.[4]

Die postume Kultgeschichte der Berenike II. – sowohl als wohltätige Göttin als auch als Retterin in der Seenot – gehört in die Zeit ab Ptolemaios IV. Von ägyptischen Ehrungsformen des königlichen Ehepaares abgesehen, bleibt die Verehrung aber in dem unter Griechen üblichen Rahmen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Städte Berenike am Roten Meer und Berenike in Epirus wurden hingegen schon nach Berenike I., ihrer Großmutter, benannt. Eine weitere Trägerin des Namens, Berenike die Jüngere, war als Schwester des Ptolemaios ihre Schwägerin. Deren Verstoßung durch den Seleukiden Antiochos hatte 246 v. Chr. den eingangs erwähnten Krieg zwischen Ägypten und Kleinasien ausgelöst.

Der Asteroid 653, der im Jahre 1907 entdeckt wurde, ist nach Berenike II. benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein

  • Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und Religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-10422-6, S. 44 f., 87–89.

Zum Namen

Detailfragen

  • Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. The American University in Cairo Press, London 2004, ISBN 977-424-878-3, S. 264–281.

Rezeption

  • Johanna Sprondel, Berenike Schröder: Berenike. In: Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 175–186.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berenike II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. Thames & Hudson, London 2010, ISBN 0-500-28857-7, S. 275–276.
  2. Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. London 2010, S. 268–269, 272, 276.
  3. C. Tietze, M. Maksoud, E. Lange: Das Kanopus-Dekret von Tell Basta. In: Kemet Heft 3/2004, Kemet-Verlag, Berlin 2004, ISSN 0943-5972, S. 65.
  4. Ein Tempel für die intrigante Berenike. Auf: Spiegel Online vom 19. Januar 2010, abgerufen am 4. Juli 2012.