Berlin-Kaulsdorf

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Kaulsdorf
Ortsteil von Berlin
BerlinMarzahnHellersdorfKaulsdorfMahlsdorfBiesdorfBrandenburgKaulsdorf auf der Karte von Marzahn-Hellersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 30′ 29″ N, 13° 34′ 51″ OKoordinaten: 52° 30′ 29″ N, 13° 34′ 51″ O
Höhe 32–60 m ü. NHN
Fläche 8,81 km²
Einwohner 19.408 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 2203 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12621, 12619
Ortsteilnummer 1003
Gliederung
Bezirk Marzahn-Hellersdorf
Ortslagen
  • Kaulsdorf Nord
  • Alt-Kaulsdorf
  • Kaulsdorf Süd

Kaulsdorf ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Gemeinsam mit Biesdorf und Mahlsdorf befindet sich hier Deutschlands größtes zusammenhängendes Gebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand vor 1200 im Zuge der deutschen Ostsiedlung, allerdings nicht als Neugründung („aus wilder Wurzel“), sondern in Umstrukturierung einer slawischen Siedlung, wie der archäologische Befund von vergesellschafteten spätslawischen und frühdeutschen Scherben zeigt. Um 1250 folgte die Errichtung der Dorfkirche Kaulsdorf. Im Jahr 1347 wurde Kaulsdorf als Caulstorp in einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Ludwig des Älteren an die Kalandsbrüder in Bernau erwähnt. Erstmals erschien der Name jedoch bereits 1285 im Zusammenhang mit einem Bewohner: Nicolao de Caulestorp.[2] 1412 wurde der Ort ein Altargut der Petrikirche zu Cölln an der Spree, bis 1536 die Rechte der Petrikirche an die Domkirche in Berlin abgetreten wurden. 1539 wurde Kaulsdorf mit der Reformation Tochterkirche von Biesdorf.

Dorfkirche Kaulsdorf
Ehemaliger Dorfkrug

Die ersten Wohnhäuser entstanden um die Kirche herum als ein typisches Angerdorf; ungewöhnlich ist allerdings seine Dreiecksform. Infolge des Dreißigjährigen Kriegs wurden 1638 alle Höfe im Dorf verwüstet und waren unbewohnt, bis 1652 in Kaulsdorf fast alle Bauern- und Kossätenhöfe wieder besetzt wurden. Franz Carl Achard, Mitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften, erwarb 1782 das von Abgaben befreite Gut für Versuche des Rübenanbaus und der Zuckergewinnung.

Der Haltepunkt Kaulsdorf an der Preußischen Ostbahn wurde 1869 eröffnet. In Kaulsdorf, das zum damals neu gebildeten Amtsbezirk Biesdorf gehörte, fand erstmals 1874 eine Gemeindevertreterwahl statt. Die Eröffnung des Wasserwerks Kaulsdorf zur Trinkwasserversorgung der Einwohner erfolgte im Jahr 1916. Bis 1920 gehörte der Ort zum Landkreis Niederbarnim, dann wurde Kaulsdorf nach Groß-Berlin eingemeindet und Teil des Bezirks Lichtenberg. Im März 1920 wurde Kaulsdorf an das Elektroenergienetz angeschlossen. Zwischen 1942 und 1945 entstand ein Hilfslazarett (später Krankenhaus Kaulsdorf, 1997 bis 2015: Vivantes Klinikum Hellersdorf (Standort Myslowitzer Straße), danach Vivantes Klinikum Kaulsdorf).

Aus dem Stadtbezirk Lichtenberg wurde Kaulsdorf 1979 in den damals neu entstandenen Ost-Berliner Stadtbezirk Marzahn ausgegliedert. Als dieser 1986 geteilt wurde, kam Kaulsdorf zum neu geschaffenen Stadtbezirk Hellersdorf (bestehend aus den Ortsteilen Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf). Der Ortsteil wurde 2001 durch die Fusion der Bezirke Marzahn und Hellersdorf Teil des neu gebildeten Bezirks Marzahn-Hellersdorf.

Kaulsdorf teilt sich in die LOR-Planungsräume Kaulsdorf-Nord (nördlich der Bahntrasse), Alt-Kaulsdorf (zwischen Bahntrasse und der Straße Alt-Kaulsdorf) und Kaulsdorf-Süd (südlich der Straße Alt-Kaulsdorf).[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1895 wohnten in Kaulsdorf 750 Personen, deren Zahl sich durch die Ansiedlung weiterer Familien vor allem entlang der Bahnlinie bis 1920 auf rund 4000 erhöht hatte.[2] Im Jahr 1995 hatte Kaulsdorf 13.089 Einwohner, am 31. Dezember 2020 waren es 19.408. Der enorme Zuwachs resultiert aus der Neuerrichtung von Eigenheimen, der Sanierung von alten Bauerngehöften und auch aus den neu entstandenen Siedlungsgebieten um die Hugo-Distler-Straße nördlich von Alt-Kaulsdorf, die Steffenshagener Straße oder die Kaulsdorfer Gärten an der Heerstraße.

Jahr Kaulsdorf Nord Alt-Kaulsdorf Kaulsdorf Süd Kaulsdorf insgesamt
2006 7.832 3.552 7.438 18.822
2009 7.700 3.584 7.448 18.732
2012 7.685 3.582 7.444 18.711
2015 7.621 3.639 7.534 18.794
2018 7.805 3.923 7.646 19.374
2019 7.800 3.938 7.670 19.408
2020 7.807 3.868 7.733 19.408

Melderechtlich registrierte Einwohner am Ort der Hauptwohnung am 31.12.[4][5][6][7][8]

Katholische Kirche St. Martin
Sowjetisches Ehrenmal

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift links
Ewiger Ruhm euch Helden des russischen Volkes, die ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt
Inschrift rechts
Ewiger Ruhm den Kämpfern der Roten Armee, die im Kampf um die Einnahme Berlins gefallen sind
Inschrift hinten
Ewiger Ruhm euch Helden, die ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Balkon

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinos oder Theatereinrichtungen gibt es im Ortsteil nicht. Größere Veranstaltungen können dagegen im Veranstaltungs- und Tagungshotel Am Niederfeld stattfinden.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wasserwerk Kaulsdorf in der Mieltschiner Straße, 1916 in Betrieb genommen, versorgt rund 160.000 Berliner Haushalte mit Trinkwasser.[12]

In Kaulsdorf hat sich 1932 die Firma Schilkin KG an der Straße Alt-Kaulsdorf angesiedelt und produziert seitdem Spirituosen für den deutschen Markt und für den Export. Bis 1990 gab es südlich der Straße Alt-Kaulsdorf auf dem Grundstück Nr. 64 eine Gewerbeansiedlung einschließlich einer traditionsreichen Gärtnerei. Hier befindet sich heute ein Einkaufszentrum.

Die Gebäude des ehemaligen Wachkommandos Missionsschutz, das in der DDR für die Bewachung der diplomatischen Vertretungen in Ost-Berlin verantwortlich war, an der Hönower Straße (jetzt: Heinrich-Grüber-Straße) / Ecke Hellersdorfer Straße werden vom Polizeiabschnitt 63 der Berliner Polizei genutzt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kaulsdorf gibt es die im Jahr 1911 eingeweihte Dorfschule in der Adolfstraße (jetzt: Franz-Carl-Achard-Grundschule), die Ulmen-Grundschule in der Ulmenstraße und die BEST-Sabel-Grundschule in der Wernerstraße.[13]

Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vivantes Klinikum Kaulsdorf verfügt über acht medizinische Fachabteilungen und 465 Betten. 121 Ärzte und 303 Pflegekräfte sind hier tätig. Jährlich werden etwa 42.000 Patienten behandelt, davon 16.000 stationär und 26.000 ambulant.(Stand: 2022).[14]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kaulsdorf-Süd entstand 1926 an der Lassaner Straße die Freisportanlage der SG Stern Kaulsdorf, die bis heute weiter genutzt wird.

1903 wurde an der Wernerstraße das Wernerbad als Freibadeanstalt eröffnet. In den späten 1950er Jahren wurde es im Rahmen des NAW wieder benutzbar gemacht und am 15. August 1959 eröffnet.[15] Es musste jedoch 2002 wegen gravierender baulicher Mängel geschlossen werden. Die Zukunft des Grundstücks ist unklar.[16]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße Alt-Kaulsdorf

Die Straße Alt-Kaulsdorf (gemeinsam geführte Bundesstraßen B 1 / B 5) durchquert den Ortsteil in West-Ost-Richtung. In Nord-Süd-Richtung wird Kaulsdorf-Süd durch die Chemnitzer Straße erschlossen.

Der S-Bahnhof Kaulsdorf liegt an der Bahnstrecke Berlin–Kostrzyn (Preußische Ostbahn) und wird von der S-Bahn-Linie 5 (WestkreuzStrausberg Nord) bedient.

Der U-Bahnhof Kaulsdorf-Nord an der U-Bahn-Linie 5 (HauptbahnhofHönow) liegt im benachbarten Ortsteil Hellersdorf.

Mehrere Buslinien erschließen den Ortsteil.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Carl Achard
Gedenktafel Am Feldberg 3

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 251 ff.
  • Birgitt Eltzel: Schöner wohnen auf dem Bauernhof. In: Berliner Zeitung. 25./26. Juni 2011.
  • Anja Franziska Denker, Lothar Herrmann: Die Denkmale im Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Ortsteile Kaulsdorf, Mahlsdorf und Hellersdorf. Lukas Verlag, 2002, ISBN 3-931836-73-8 (Leseprobe: books.google.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Berlin-Kaulsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 10 Vorurteile über Marzahn. Abgerufen am 2. September 2010.
  2. a b Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin II. S. 251.
  3. Adressverzeichnis für die lebensweltlich orientierten Räume Berlin. Marzahn-Hellersdorf. (PDF).
  4. Datensätze des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
  5. Statistischer Bericht A I 16 – hj 2/ 15 Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31.Dezember 2015. LOR-Planungsräume. (PDF) S. 26.
  6. Statistischer Bericht A I 16 – hj 2/ 18 Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31.Dezember 2018. LOR-Planungsräume. (PDF) S. 27.
  7. Statistischer Bericht A I 16 – hj 2/ 19 Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31.Dezember 2019. LOR-Planungsräume. (PDF) S. 26.
  8. Statistischer Bericht A I 16 – hj 2/ 20 Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31. Dezember 2020. LOR-Planungsräume. (PDF) S. 29.
  9. Lager Kaulsdorfer Straße 90
  10. Sowjetisches Ehrenmal Kaulsdorf
  11. Haus am Niederfeld. In: www.hw-hotel.de. Abgerufen am 5. Februar 2022.
  12. Wasserwerk Kaulsdorf versorgt 160 000 Haushalte mit Trinkwasser. In: Berliner Woche. 20. Juli 2016.
  13. Berliner Schulen. Website der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
  14. Klinikum Kaulsdorf. In: www.vivantes.de. Abgerufen am 5. Februar 2022.
  15. Mit einer zünftigen Wasserschlacht wurde das Wernerbad eingeweiht. In: Neue Zeit. 18. August 1959, S. 6.
  16. Was wird mit dem Wernerbad? In: Berliner Woche. Mein Kiez: Kaulsdorf. 23. Juli 2018.
  17. v. d. Planitz, Ernst Edler. In: Berliner Adreßbuch, 1935, Teil 1, S. 1978.
  18. Turek. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1975, S. 522.
  19. Der freche Zeichenstift aus Kaulsdorf. In: Neues Deutschland, 6. Februar 2008.
  20. Meister des besonderen Klangs. In: Die Hellersdorfer, 12. August 2016.