Petrikirche (Berlin-Cölln)

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Die barocke Petrikirche als südlicher Abschluss der Brüderstraße;
Kupferstich nach einer Vorlage von Franz Ludwig Catel, 1808

Die Petrikirche stand auf dem Berliner Petriplatz und gehörte als Stadtpfarrkirche von Cölln zu den ersten fünf Kirchen der Doppelstadt Berlin-Cölln. Sie wurde um 1230 erbaut, mehrmals um- und neugebaut und 1964 abgerissen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Petrikirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte von Berlin und Cölln im Anfang des 13. Jahrhunderts mit der Petrikirche (etwa beim „K“ von „Kollne“);
Wiederherstellungsversuch von Karl Friedrich von Klöden

In Dokumenten des Jahres 1235 wird eine Prämonstratenser-Gründung in Cölln erwähnt, die vom Domkapitel von Brandenburg an der Havel ausgegangen war. Für diese Einrichtung entstand die erste Kirche und erhielt vom damaligen Bischof ihren Namen nach dem Apostel Petrus.[1] Im Jahr 1237 wird ein Pfarrer zu Cölln genannt, was das Bestehen der Petrikirche zu diesem Zeitpunkt bestätigt. Das Jahr 1237 gilt gleichzeitig als erste urkundliche Erwähnung Cöllns, das später nach Berlin eingemeindet wurde. 1967 vorgenommene archäologische Grabungen auf dem Kirchengelände bezeugen, dass die Petrikirche, wie die Berliner Nikolaikirche, um 1200, spätestens 1230, entstanden sein muss. Es lässt sich ein Grundriss des ersten, sicher spätromanischen, Baues von 45 Meter × 20 Meter rekonstruieren, ohne dass sich ansonsten von der Bausubstanz etwas erhalten hätte.

Zweite und dritte Petrikirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Später folgten Neubauten im frühgotischen und 1379 im hochgotischen Stil. Letzterer war eine dreischiffige Backsteinkirche mit fünf Jochen in Hallenbauweise, wobei lediglich, wie damals häufig üblich, der untere Teil der Wände mit Feldsteinen vermauert war. 1505 stiftete ein Bäckermeister Fritze eine Marienkapelle, die an die Kirche im Süden angebaut wurde. 1606 fügte man im Inneren eine kunstvoll geschnitzte Kanzel hinzu. Der Turm der Kirche musste allerdings im 17. Jahrhundert abgerissen werden; wohl weil der Boden das Gewicht nicht trug.

1615 ging von der Petrikirche der Berliner Tumult aus.

Im Jahr 1709 schlossen sich Cölln und Alt-Berlin zusammen, auch die Kirchenorganisation der Residenzstadt wurde entsprechend angepasst. Ab 1717 erfolgte ein umfangreicher Umbau der Kirche nunmehr im barocken Baustil. Neben einer von Johann Conrad Koch angefertigten Kanzel betraf dies vor allem den Bau eines neuen Kirchturms, der von Johann Friedrich Grael geplant wurde und eine Höhe von 108 Metern erreichte. Im zeitigen Frühjahr 1734 konnte „die Helmstange von 26 Zentner Gewicht aufgerichtet“ werden. Kurz vor Fertigstellung des Turms traf am 29. Mai 1730 ein Blitz das Baugerüst des Turmes und die Kirche und richtete schweren Schaden an, sodass das Bauwerk praktisch von Grund auf neugestaltet werden musste. Den Wiederaufbau leitete zunächst wieder Grael, ab 1733 Philipp Gerlach und ab 1737 Titus de Favre. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. erklärte sich bereit, die Baukosten mit 30.000 Talern zu finanzieren. Der von ihm ausgeübte Druck, die Kirche möglichst schnell fertigzustellen, führte zu einer unsachgemäßen Bauausführung, sodass der Turm am 28. August 1734 einstürzte. Vor allem stürzte die „schwere steinerne Krone eines Turmes“ herab. Sie wurde von den Anwohnern geborgen und im Keller eines benachbarten Wohnhauses eingelagert.[1] Ganz langsam, zwischen 1738 und 1809, wurde der Turm wieder aufgerichtet. Gerade im Jahr der Turmfertigstellung, am 20. September 1809, brannte die Kirche erneut bis auf die Grundmauern ab. Die Trümmer wurden abgeräumt. Rund 40 Jahre lang stand an dieser Stelle die Ruine und es wurde darum gestritten, ob hier ein Park entstehen sollte oder noch einmal ein Kirchengebäude.[1]

Vierte und letzte Petrikirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss der neugotischen Kirche
Petrikirche, im Vordergrund die Gertraudenstraße, gesehen vom Spittelmarkt, 1901

Schließlich wurde 1846 ein Neubau beschlossen, für den am 3. August 1847 der Grundstein gelegt wurde. Baumeister war Heinrich Strack, der einen neogotischen Bau errichtete, dessen 111 Meter hoher Turm lange Zeit das höchste Gebäude Berlins darstellte. Der Zentralbau war einschiffig, kreuzförmig und in Ziegelbauweise gefertigt, der Chor polygonal. Die Bauausführung verantwortete der Architekt August Dieckhoff.[2] Die Einweihung der Kirche erfolgte am 16. Oktober 1853 in Anwesenheit von Friedrich Wilhelm IV.

Im Jahr 1928 beging die Stadt und die Kirchengemeinde das 75-jährige Bestehen der neuen Petrikirche mit einem Festgottesdienst.[1]

Die Ruine der Petrikirche, 1951

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche noch in den letzten Tagen der Schlacht um Berlin zerstört. Nachdem sie die Bombenangriffe unbeschadet überstanden hatte, geriet sie im April 1945 unter Beschuss, da sich in ihr SS-Einheiten verschanzt hielten. Nach Kriegsende blieb nur noch eine Ruine übrig. Da die DDR kein Interesse hatte, den Wiederaufbau der Kirche zu finanzieren und sie den Straßenplanungen im Zuge der Neutrassierung bzw. Begradigung der Gertraudenstraße in Richtung Mühlendamm im Wege stand, sah sich der Gemeindekirchenrat 1960 gezwungen, dem Abriss zuzustimmen. Die letzten Gebäudereste wurden 1964 abgetragen. Seither befinden sich die Gemeinderäume in einem Gebäude in der Neuen Grünstraße, wo auch die Gottesdienste abgehalten werden.

Grabmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologisches Zentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freigelegte Fundamentreste der Petrikirche
Begräbnisstätte an der Petrikirche, Ausgrabung eines Skeletts

Im Jahr 2007 begann die Senatsverwaltung mit archäologischen Grabungen unter der Leitung von Claudia Melisch zur erneuten Untersuchung der historischen Keimzelle Berlins am Petriplatz. Dabei wurden die teilweise noch im Boden befindlichen Kirchenfundamente freigelegt und vermessen sowie der nahe gelegene Begräbnisplatz, der bis 1717 genutzt wurde, genauestens untersucht.[3]

Geplanter Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurden von der St.-Petri-Gemeinde Pläne für einen Neubau bekanntgegeben.[4] Geplant ist ein Gotteshaus als „interreligiöses Bet- und Lehrhaus“, das Juden, Christen und Muslimen offenstehen soll. Für jede dieser Religionen soll es einen eigenen Raum für Gebete geben und einen gemeinsamen Zentralbereich als sogenanntes „Lehrhaus“. Für dieses Konzept veranstaltete der dafür gegründete Verein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e. V.“, angesiedelt bei der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien, einen Architekturwettbewerb. Prämiert wurde der Entwurf des Architekturbüros Kuehn Malvezzi.[5] Die Realisation ist für 2018 geplant, das Haus soll den Namen House of One tragen.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Koziol: Kleine Chronik der St. Petri-Kirche zu Berlin. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1965.
  • Heinz Seyer: Berlin im Mittelalter. Die Entstehung der mittelalterlichen Stadt. Berlin 1987, ISBN 3-326-00075-8.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Teil VI – Sakralbauten. Berlin 1997.
  • Marina Wesner, Claudia M. Melisch: St. Petri-Kirche. Berlin Story Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-87-7 (Frau Melisch leitete die Ausgrabungen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Petrikirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Vossische Zeitung, Morgenausgabe, 20. Okt. 1928 (Memento vom 22. Februar 2015 im Webarchiv archive.is), abgerufen am 11. Januar 2016.
  2. Sehenswürdigkeiten. In: Berliner Adreßbuch, 1875, Teil 4, S. 172.
  3. Berlin, Petriplatz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Dezember 2012, S. 26
  4. Die Petrikirche soll wiederauferstehen. In: Berliner Morgenpost, 2. Juni 2009
  5. Text der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für die Ausstellung „Petriplatz und Breite Straße – Planungen für Alt-Cölln“, Berlin, August 2012
  6. Darstellung des Konzepts auf Internetseite des Vereins

Koordinaten: 52° 30′ 48″ N, 13° 24′ 15″ O