Bernardino Ochino

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Bernardino Ochino

Bernardino Ochino (* 1487 in Siena; † 1564 in Austerlitz in Mähren) war ein reformatorischer Theologe aus Italien.

Leben[Bearbeiten]

Bereits in jungen Jahren wurde er Franziskaner, 1534 wechselte er in den neu gegründeten, strengeren Kapuzinerorden. 1538 wurde er dessen General. Ein moralischer Lebenswandel und begeisterte Predigten erwarben ihm den Ruf eines Heiligen. Durch Kontakte mit dem Spanier Juan de Valdés, der mit Karl V. in Deutschland gewesen war, den Augustinerprior Pietro Martire Vermigli, die Dichterin Vittoria Colonna, den Kardinal Gasparo Contarini und Caterina Cybo lernte er die neuen Lehren der deutschen Reformation kennen. Besonders zur Rechtfertigung aus Glauben, einem Hauptthema der Reformation, predigte er und bekannte sich 1542 erstmals in Venedig offen zu dieser neuen Lehre.

Als er 1542 vom Papst nach Rom geladen wurde, floh er zuerst nach Zürich, wo er nur wenige Tag blieb und mit dem dortigen Reformator Heinrich Bullinger in Kontakt kam. Dann zog er weiter nach Genf, wo er drei Jahre blieb, eine Italienerin aus Lucca heiratete, mit Jean Calvin in eine freundschaftliche Beziehung trat, Pfarrer der italienischen Gemeinde wurde, predigte und auch publizierte. 1545 reiste er weiter nach Basel und Augsburg, wo er auch Pastor der dortigen italienischsprachigen Gemeinde wurde. Aus konfessionspolitischen Gründen (Schmalkaldischer Krieg) musste er 1547 wegziehen nach Straßburg, wo er erneut mit Peter Martyr Vermigli zusammentraf. Vom englischen Reformator Thomas Cranmer wurden sie zusammen mit Martin Bucer nach London eingeladen. Dort erhielt er eine Pension von König Eduard VI. und wurde - wie an seinen bisherigen Aufenthaltsorten - Prediger der italienischsprachigen evangelischen Gemeinde.

1553 musste Ochino wegen der neuen katholischen Königin Maria Tudor England verlassen, und er kehrte in die Schweiz nach Genf und Basel zurück. 1554 weilte er im italienischen Chiavenna, wo es bereits eine grosse evangelische Gemeinde gab. 1555 kam er erneut nach Basel und danach nach Zürich, wo er Pastor der soeben vertriebenen evangelischen Gemeinde Locarnos wurde. Er war ein eigenständiger Denker, nonkonformer Schreiber und kritisierte auch Ungereimtheiten und Missstände im reformierten Genf und Zürich. Besonders sein Buch Dreissig Dialoge erregte wegen einigen bestimmten Aussagen Anstoss, und er wurde vom Rat Zürichs im Dezember 1563 wegen Ketzerei verbannt. Kurz zuvor war seine Frau durch einen Sturz gestorben. Mit seinen vier Kindern musste er Zürich verlassen, wanderte von Stadt zu Stadt und fand als angeblicher Ketzer keine feste Bleibe mehr. Nach dem Tod dreier seiner Kinder starb auch er 1564 an der Pest im mährischen Slavkov.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Benrath: Bernardino Ochino aus Siena. Ein Beitrag zur Geschichte der Reformation. Edition de Graaf, Amsterdam 1968 (Repr. d. Ausg. Braunschweig 1892).
  •  Johann Jakob Herzog (Begr.): Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. Bd. 14, ADEVA, Graz 1969 ff., S. 256–258 (Repr. d. Ausg, Leipzig 1896–1913).
  • Roland H. Bainton: Bernardino Ochino. Esule e riformatore senese de cinquecento 1487-1563. Sansoni, Florenz 1940 (Bibliographie).
  • Glen G. Williams: The theology of Bernardino Ochino. Dissertation, Universität Tübingen 1955.
  • Umberto Mazzone: Ochino, Bernardino. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 25, 1993, S. 1–6.
  • Erich WennekerOchino, Bernardino. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 1085–1089.
  •  Hermann-Peter Eberlein: Der freie Geist im Exil. Ketzerverfolgung am Beispiel von Caelio Secondo Curione, Bernardino Ochino und Etienne Dolet. In: Patrik Mähling (Hrsg.): Orientierung für das Leben. Kirchliche Bildung und Politik in Spätmittelalter, Reformation und Neuzeit (Festschrift für Manfred Schulze). Berlin 2010, S. 117–138.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.voceevangelica.ch/miscellanea/miscellanea.cfm?item=10307 Paolo Tognina: Bernardino Ochino (1487-1546), pastore dei Locarnesi a Zurigo. Voce Evangelica