Bernsteinzimmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rekonstruiertes Bernsteinzimmer

Das Bernsteinzimmer, ein im Auftrag des ersten Preußenkönigs Friedrich I. von Andreas Schlüter gefertigter Raum mit Wandverkleidungen und Möbeln aus Bernsteinelementen, wurde ursprünglich im Berliner Stadtschloss eingebaut. 1716 wurde es vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt, aber erst 1743 wurde es unter der Regentschaft von Zarin Elisabeth im Winterpalast dauerhaft aufgebaut. Dieselbe Regentin ließ im Jahre 1755 einen Raum für die Bernsteinpaneele im Katharinenpalast in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg einrichten, in dem das Bernsteinzimmer dann fast zwei Jahrhunderte verblieb.[1] Nachdem die Wandverkleidungen und das Interieur 1941 als Kriegsbeute durch die deutschen Besatzer geraubt und ab 1942 im Königsberger Schloss ausgestellt wurden, sind sie seit seiner ebenfalls kriegsbedingten Evakuierung 1945 verschollen.

Im Katharinenpalast befindet sich seit 2003 eine originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bernsteinzimmer war ursprünglich für das Charlottenburger Schloss bestimmt. Entworfen wurde es von dem Architekten und Bildhauer Andreas Schlüter. Es handelte sich um eine komplette Wandvertäfelung aus Bernstein, die später auch als das „achte Weltwunder“ bezeichnet wurde. Der dänische Bernsteindreher Gottfried Wolffram befand sich aufgrund einer Empfehlung Friedrichs IV. von Dänemark wohl seit 1701 in Diensten Friedrichs I. in Königsberg. Im Jahr 1706 wurde die Ausführung den Danziger Bernsteinmeistern Ernst Schacht und Gottfried Turau übertragen, da Wolfframs Preise als zu hoch empfunden wurden. 1712 wird die Arbeit noch erwähnt, ist dann aber erst nach dem Tode Friedrichs I. teilweise in ein Kabinett am Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses eingebaut worden.

Der russische Zar Peter der Große bewunderte das Zimmer bei seinem Besuch in der preußischen Residenz des „Soldatenkönigs“, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger für derlei Kunst am Bau wenig übrig hatte, dafür aber „Lange Kerls“ für seine Leibgarde suchte. So kam es mit Zar Peter zum Austausch von Geschenken zur Besiegelung einer Allianz gegen Schweden, und das Zimmer wurde gegen Soldaten mit Gardemaß getauscht. Das wertvolle Geschenk an den russischen Monarchen verursachte bereits damals Schlagzeilen in deutschen Zeitschriften, so z. B. im Journal Remarquable Curiosa.[2] Die auf Peter I. folgenden Regenten (Katharina I., Peter II., Anna und der Kindkaiser Iwan VI.) nahmen sich des Bernsteinzimmers nicht an. Erst die Tochter Peter I. und Katharina I., Zarin Elisabeth, ließ das Zimmer unter maßgeblicher Beteiligung des am Zarenhof tätigen italienischen Restaurators und Stuckateurmeisters Alexander Martelli umgestalten und in Sankt Petersburg zunächst im Winterpalast installieren, später im Katharinenpalast in Zarskoje Selo.[1] Der im Dienste des russischen Hofes stehende italienische Architekt Bartolomeo Francesco Rastrelli brachte das Zimmer durch Einfügung von Spiegelpilastern und vergoldeten Schnitzereien zu seiner endgültigen Größe.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schicksal im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1941 wurde der Katharinenpalast von der Wehrmacht als Wohnunterkunft beschlagnahmt. Der sowjetischen Verwaltung war es nicht gelungen, die Wandtafeln abzutransportieren, sie wurden durch Pappe notdürftig gegen Splitter gesichert. Ab dem 14. Oktober 1941 wurde das Bernsteinzimmer im Auftrag des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg unter Aufsicht des Rittmeisters Ernstotto zu Solms-Laubach und des Hauptmanns Georg Poensgen innerhalb von 36 Stunden demontiert, in 28 Kisten verpackt und nach Königsberg abtransportiert, wo sich die Prussia-Sammlung befand. Am 13. November 1941 berichtete die Königsberger Allgemeine Zeitung ausführlich über eine Ausstellung von Teilen des Bernsteinzimmers im Königsberger Schloss. Ebenso erschien ein Artikel in der Zeitschrift Pantheon, dessen Fotomaterial offenbarte, dass ein florentinisches Mosaik fehlte.

Als Königsberg in die Reichweite der alliierten Bomberflotten geriet, wurde im März 1944 das Bernsteinzimmer erneut in 28 Kisten eingelagert. Im August richteten britische Bomber bei ihren Luftangriffen auf Königsberg weitreichende Zerstörungen in der Stadt an. Seitdem verliert sich seine Spur.[3]

Einem Bericht des Guardian zufolge könnte es an Bord des Schiffes "Karlsruhe" gewesen sein, das 1945 von Königsberg aus nach Deutschland fuhr. Es wurde wohl von sowjetischen Flugzeugen versenkt. Polnische Taucher berichteten im September 2020, das Schiff entdeckt zu haben.[4]

Verbleib des Bernsteinzimmers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen. Über seinen Verbleib gab es seither eine Vielzahl an Behauptungen, Vermutungen und Spekulationen. Es wurden mehrere hundert Orte benannt, wo es verborgen sein soll. Zahlreiche in- und ausländische Forscher suchten vergeblich nach dem Bernsteinzimmer. Sogar das Ministerium für Staatssicherheit der DDR suchte eine Zeit lang mit hohem Aufwand und teilweise geheimdienstlichen Methoden danach. Fest steht lediglich, dass es letztmals in Königsberg gesehen wurde.

Das Schloss von Königsberg, in dem sich das Bernsteinzimmer befand, wurde 1945 stark beschädigt und die Ruine 1968 auf Befehl von Leonid Breschnew abgerissen, um dort das Haus der Sowjets zu errichten. Aufgrund von Statikproblemen wurde dieses Hochhaus nicht fertiggestellt; bisher konnte man sich weder zu einer Fertigstellung noch zu einem Abriss entschließen.

Aufgefundene Inventarteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist es unter ungeklärten Umständen zu Diebstählen von einzelnen Ausstattungsstücken des Bernsteinzimmers gekommen. Darauf lässt die Tatsache schließen, dass eine Kommode und ein Steinmosaik, das angeblich bereits 1941 vor der Ankunft in Königsberg gestohlen wurde, Ende der 1990er Jahre in Deutschland aufgefunden wurden. Das Mosaik tauchte 1997 in Norddeutschland auf und wurde auf dem „grauen Kunstmarkt“ für 2,5 Millionen US-Dollar angeboten. Bevor es jedoch zu einem Verkauf kam, wurde das Objekt von der Polizei in Bremen beschlagnahmt.[5] Einige Zeit nach diesem spektakulären Fund meldete sich aufgrund von Presseberichten die Besitzerin der Kommode in Berlin.[6] Diese beiden Teile des Bernsteinzimmers wurden von der Bundesregierung an Russland zurückgegeben.

Die Rekonstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Katharinenpalast wurde ab 1976 an der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers gearbeitet, die sich hauptsächlich auf Schwarz-Weiß-Fotos des Originals sowie auf das einzige vorhandene Farbfoto stützte. Nach einer Unterbrechung aufgrund von Finanzierungsproblemen konnten die Arbeiten durch eine Spende der deutschen Ruhrgas AG von 3,5 Millionen Dollar abgeschlossen werden.[7][8][9][10] Im Rahmen des 300-jährigen Stadtjubiläums von Sankt Petersburg wurde das teilweise rekonstruierte Bernsteinzimmer am 31. Mai 2003 in einem feierlichen Akt durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und den russischen Präsidenten Wladimir Putin der Öffentlichkeit übergeben und kann seitdem im Katharinenpalast besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Bruhn: Das Bernsteinzimmer in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg. Bibliographie mit über 3.800 Literaturnachweisen aus den Jahren 1790 bis 2003. Von der Schenkung des Bernsteinzimmers durch den König von Preußen an den Zar, über das ungeklärte Verschwinden des Bernsteinzimmers im Zweiten Weltkrieg, bis zur Vollendung der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers im Jahre 2003. = Bibliographie Bernsteinzimmer. 2. sehr vermehrte und erweiterte Auflage. Bock & Kübler, Berlin 2004, ISBN 3-86155-109-8 (Literaturhinweise zu aktuellen Russland-Themen 5).
  • Paul Enke: Bernsteinzimmer Report. Raub, Verschleppung und Suche eines weltbekannten Kunstwerkes. Verlag Die Wirtschaft, Berlin (DDR) 1986, ISBN 3-349-00108-4.
  • Herbert Gold: Das Bernsteinzimmer. Geheimtransport in den Pinzgau. Von Berlin nach St. Petersburg, vom Katharinenpalast nach Königsberg. Die Ermittlungen und Beweise, dass es zu einem Schloss im Pinzgau transportiert wurde. Selbstverlag, Niedernsill 2004, ISBN 3-200-00114-3.
  • Андрей Горляк / Andrej Gorljak: Магия Янтарной комнаты / Magija Jantarnoj komnaty. Содружество А. Богатых и Э. Р. Акитской / Sodrushjestwo A. Bogatyh i E. R. Akitskoj, Москва / Moskva 2002, ISBN 5-93721-107-3.
  • Henry Hatt: Ignorierte Geheimobjekte Hitlers. Kunstraubspuren in Bergwerken. Ein Buch zur Aufarbeitung der Geschehnisse in Thüringens Schieferbergwerken während des II. Weltkrieges. Hattenhauer, Ludwigsstadt 1995, ISBN 3-930988-00-3.
  • Juri Iwanow: Von Kaliningrad nach Königsberg. Auf der Suche nach verlorenen Schätzen. Rautenberg, Leer 1991, ISBN 3-7921-0477-6.
  • Manfred John, Gabi Liebegall: Gebunkerte Geheimnisse. Auf den Spuren des Bernsteinzimmers in Sachsen. Tauchaer Verlag, Taucha 2008, ISBN 978-3-89772-140-1.
  • Guido Knopp: Das Bernsteinzimmer. Dem Mythos auf der Spur. Das Buch zur großen Serie im ZDF. Hoffmann & Campe, Hamburg 2003, ISBN 3-455-09396-5.
  • Margarete Kühn: Schloß Charlottenburg. Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, Berlin 1955, S. 48f. (Denkmäler deutscher Kunst).
  • Goerd Peschken: Bernsteinkabinett und Rote Kammer. In: Waldemar Strempler (Hrsg.): Aspekte der Kunst und Architektur in Berlin um 1700. Herausgegeben von der Generaldirektorin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Bearbeitet von Guido Hinterkeuser und Jörg Meiner. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2002, S. 48–57.
  • Maurice Philip Remy: Mythos Bernsteinzimmer. List, München 2003, ISBN 3-471-78579-5.
  • I. P. Sautow u. a.: Das Bernsteinzimmer. Drei Jahrhunderte Geschichte. Aurora-Kunstverlag, Sankt Petersburg 2003, ISBN 5-7300-0744-2.
  • Wolfgang Schneider: Die neue Spur des Bernsteinzimmers. Tagebuch einer Kunstfahndung. Kiepenheuer, Leipzig 1994, ISBN 3-378-00580-7.
  • Heinz Schön: Das Geheimnis des Bernsteinzimmers. Das Ende der Legenden um den in Königsberg verschollenen Zarenschatz. Paul Pietsch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-50401-4
  • Martin Stade: Vom Bernsteinzimmer in Thüringen. Berichte über die Tätigkeit des SD 1942–1945. 2. Auflage. Rhino-Verlag, Ilmenau 2008, ISBN 978-3-939399-99-5 (Escher Taschenbuch).
  • Günter Wermusch: Die Bernsteinzimmer-Saga. Spuren, Hypothesen, Rätsel. Links-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-86153-019-8.
  • Zarskoje Selo – Bernsteinzimmer – Katharinenpalast. Kunstverlag Iwan Fjodorow, Sankt Petersburg 2004, ISBN 5-93051-023-7.
  • Gert Dieter Schmidt, Verborgenen Schätzen auf der Spur. Die unendliche Suche nach dem Bernsteinzimmer, Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis 2014, ISBN 978-3-943552-08-9.
  • Erich Wiedemann: Operation Puschkin. In: Der Spiegel 48/2000, Seiten 76–98, und 49/2000, Seiten 82–108.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Bernsteinzimmer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Bernsteinzimmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wiesław Gierłowski: Amber Room - the founders and the creators. In: Amber – Views – Opinions. Warschau, Danzig 2000, S. 147–155.
  2. Tobario: Remarquable Curiosa, XXVII. Lieferung 1717, S. 451.
  3. Die berühmteste Trophäe der Nazis wurde zum Gral. Die Welt, 16. Oktober 2016, abgerufen am 10. Februar 2020.
  4. Nazi shipwreck found off Poland may solve Amber Room mystery. The Guardian, 1. Oktober 2020
  5. Wolfgang Beyer: Das kann man nicht fälschen. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1997 (online19. Mai 1997).
  6. Wolfgang Beyer: Tränen unserer Vorfahren. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1997 (online26. Mai 1997).
  7. Wiedergeburt eines Wunders, Focus vom 24. März 2003
  8. Bernsteinzimmer wiederhergestellt, Deutsche Welle vom 19. Mai 2003
  9. In Freundschaft zurückgegeben, Damals vom 28. Mai 2003
  10. "Eine Geste guten Willens", Die Welt vom 18. Mai 2003