Bilal Erdoğan

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Necmettin Bilal Erdoğan (* 23. April 1981 in Istanbul) ist ein türkischer Unternehmer. Er ist das dritte Kind von Emine und Recep Tayyip Erdoğan, dem amtierenden Präsidenten der Republik Türkei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilal Erdoğan besuchte das İmam-Hatip-Gymnasium in Kartal. Nach seiner Schulausbildung erwarb Erdoğan im Jahr 2003 einen Master-Abschluss in Public administration an der Harvard Kennedy School der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Ab November 2004 arbeitete er einige Zeit als Praktikant bei der Weltbank und später als Forschungsbeauftragter an der Brookings Institution.

Im Jahr 2006 wurde Erdoğan gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Frau Teilhaber der Firma Atagold. Im September 2008 erwarb Erdoğan Anteile an der Kosmetik-Firma Maye Dış Ticaret Limited. Erdoğan leistete den verkürzten Wehrdienst von 21 Tagen im Juli 2009. Im darauf folgenden Monat wurde Erdoğan einer der beiden größten Teilhaber der Firma Doruk Izgara Gıda Ticaret Limited Şirketi im Bereich Backwaren, Catering und Tourismus. 2013 gründete Erdoğan gemeinsam mit seinem Schwager und einem Onkel die Firma BMZ Group Denizcilik ve İnşaat Sanayi A.Ş., ein Unternehmen für Frachtschifffahrt. Die BMZ Group verfügte Ende 2015 über fünf Tanker. Im Jahr 2013 gehörte Erdoğan zu den Gründern der Stiftung İnsan ve İrfan Vakfı, die im religiös geprägten Bildungswesen aktiv ist. Ferner sitzt Erdoğan gemeinsam mit seiner Schwester Esra und Politikern der AKP im Verwaltungsrat der Stiftung Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet Vakfı, die Studentenwohnheime baut und betreibt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdoğan hat drei Geschwister, den Bruder Ahmet Burak (* 1979) und die Schwestern Sümeyye (* 1985) und Esra. 2003 heiratete er die damals 17-jährige Reyvan Uzuner (* 1986), die die Söhne Ömer Tayyip (* 2007) und Ali Tahir (* 2013) gebar. Die als Freunde Recep Tayyip Erdoğans geltenden Politiker Silvio Berlusconi und Kostas Karamanlis fungierten bei der prunkvollen Hochzeitsfeier in Istanbul als zwei von vier Trauzeugen.[1] Ehemann von Erdoğans Schwester Esra ist Berat Albayrak, den Erdoğans Vater am 24. November 2015 als Minister für Energie und Naturschätze im Kabinett Davutoğlu III bestätigte.[2]

Verdächtigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 wurde Erdoğan von der Istanbuler Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal verdächtigt, Bestechungsgelder seines Vaters zu waschen. Ein Korruptionsverdacht bezieht sich darauf, dass Erdoğans Stiftung von dem ebenfalls der Bestechung verdächtigten Geschäftsmann Ali Ağaoğlu ein Grundstück von 20.000 m² geschenkt bekam.[3] Kurz darauf tauchten Mitschnitte eines mutmaßlichen Telefongespräches zwischen Erdogan und seinem Vater auf, bei dem es darum ging, große Mengen Bargeld in Sicherheit zu bringen. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft nahm im Dezember 2013 mehrere Verdächtige aus dem Umfeld der Regierung unter Korruptionsverdacht fest. Recep Tayyip Erdoğan bezeichnet die Korruptionsvorwürfe als Komplott von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der seine Regierung stürzen wolle. Die Regierung ließ zahlreiche Polizisten und Staatsanwälte versetzen. Die eingeleiteten Korruptionsermittlungen wurden danach ohne Anklageerhebung eingestellt.[4]

Im Zuge einer parlamentarischen Anfrage erfuhr die türkische Oppositionspartei CHP von Bülent Arınç, damals Vizepremier der türkischen Regierung, dass Erdoğans Stiftung Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet Vakfı in den Jahren 2008 bis 2012 aus dem Ausland eine Spendensumme von 99.999.990 US-Dollar erhalten habe. Darin sah die CHP einen Hinweis auf Korruption und vermutete, die Spende stamme aus dem Nahen Osten.[5]

Im November 2015 äußerte der syrische Informationsminister Omran Ahed Al Zoubi den Vorwurf, dass Erdoğans Transportunternehmen mit Öl, anderen Rohstoffen und Kulturgütern handele, die von der Terrororganisation Islamischer Staat stammen.[6][7][8] Gürsel Tekin, Generalsekretär der CHP, vertrat den Standpunkt, dass Bilal Erdoğan mit dem Terrorismus kooperiere und durch das Amt seines Vaters vor gerichtlicher Verfolgung geschützt sei.[9][10] Nachdem Vorwürfe, dass er und seine Familie von geschmuggeltem Öl des Islamischen Staats profitieren würden, Anfang Dezember 2015 auch von dem russischen Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu vorgetragen worden waren, trat Bilal Erdoğan ihnen durch ein Dementi entgegen.[11]

Im Februar 2016 begannen in Italien Geldwäsche-Ermittlungen gegen Erdoğan.[12] Die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Bologna nahm Ermittlungen gegen ihn auf. Erdoğan, der sich seit dem 30. August 2015 mit seiner Frau und seinen Kindern für ein Studium an der Johns-Hopkins-Universität in Bologna aufhielt, das er 2007 unterbrochen hatte, soll große Geldsummen nach Italien geschmuggelt haben. Den Vorwürfen zufolge soll Erdoğan zusammen mit mehreren bewaffneten Leibwächtern nach Italien gekommen sein. Zunächst sei den Leibwächtern die Einreise verweigert worden. Wenig später seien sie jedoch mit frisch ausgestellten türkischen Diplomatenpässen eingereist.[13][14][15][16] Die Opposition in der Türkei hielt seinen Wechsel nach Italien eher für eine Flucht, die er aufgrund der vielen Vorwürfe angetreten habe.[17] Seine Rückkehr in die Türkei hielten Medien abermals für eine Flucht. Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Hinweis des türkischen Geschäftsmanns Murat Hakan Uzan, Mitglied einer Familie türkischer Unternehmer,[18] der bereits im Jahr 2003 nach einem betrügerischen Bankrott der Türkiye İmar Bankası[19] gemeinsam mit seinem Vater aus der Türkei geflohen war[20] und zeitweise unter anderem Namen in Jordanien lebte.[21] Laut Uzan hält sich Erdoğan in Bologna auf, aber nicht in erster Linie, um zu studieren, sondern um die mutmaßlich illegalen Geschäfte der Familie zu organisieren, ohne verhaftet zu werden. Nach Italien sollen große Summen Schmiergelder geflossen sein.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Boris Kálnoky: Familie Erdogan. Artikel vom 17. Dezember 2004 im Portal welt.de, abgerufen am 6. Dezember 2015
  2. Markus Bernath: Ministerposten für Erdogans Schwiegersohn. Artikel vom 30. November 2015 im Portal derstandard.at, abgerufen am 14. Februar 2016
  3. Boris Kálnoky, Cigdem Toprak: Die bizarren Geschäfte des Bilal Erdogan. Artikel vom 27. Februar 2014 im Portal welt.de, abgerufen am 6. Dezember 2015
  4. Geldwäsche-Ermittlungen gegen Erdogans Sohn. Artikel vom 17. Februar 2016 im Portal handelsblatt.com, abgerufen am 20. Februar 2016
  5. Türkei: Stiftung von Erdogans Sohn erhielt riesige Millionenspende. Artikel vom 10. April 2014 im Portal spiegel.de, abgerufen am 8. Dezember 2015
  6. Ozan Demircan: Ist Erdogans Sohn der Ölminister des IS? Artikel vom 5. Dezember 2015 im Portal handelsblatt.com, abgerufen am 6. Dezember 2015
  7. Tyler Durden: ISIS Oil Trade Full Frontal: “Raqqa’s Rockefellers”, Bilal Erdogan, KRG Crude, And The Israel Connection. Artikel vom 1. Dezember 2015 im Portal jewishbusinessnews.com, abgerufen am 8. Dezember 2015
  8. Matin Suter, Ann Gueter: Ist Erdogans Sohn der «Ölminister» des IS? Artikel vom 3. Dezember 2015 im Portal 20min.ch, abgerufen am 8. Dezember 2015
  9. Patricia Kölb-Schur, Doro Schreier: Öl-Schmuggel des IS: So ist Erdogans Sohn darin verstrickt! Artikel vom 3. Dezember 2015 im Portal epochtimes.de, abgerufen am 8. Dezember 2015
  10. F. William Engdahl: Erdogan’s Dirty Dangerous ISIS Games. Artikel vom 24. August 2015 im Portal journal-neo.org, abgerufen am 8. Dezember 2015
  11. Turkish leader's son denies Russian allegations of Islamic State trade. Artikel vom 8. Dezember 2015 im Portal reuters.com, abgerufen am 8. Dezember 2015
  12. Michael Day: Bilal Erdogan: Italy names Turkish president's son in money laundering investigation allegedly connected to political corruption. Artikel vom 17. Februar 2016 im Portal independent.co.uk, abgerufen am 20. Februar 2016
  13. Geldwäscheermittlungen gegen Erdogans Sohn in Italien. Artikel vom 17. Februar 2016 im Portal orf.at, abgerufen am 20. Februar 2016
  14. Stampa turca: „Il figlio di Erdogan a Bologna“. Artikel vom 6. Oktober 2015 im Portal bologna.repubblica.it, abgerufen am 20. Februar 2016
  15. Un esposto alla Procura di Bologna sul figlio di Erdogan. Artikel vom 3. Dezemb er 2015 im Portal bologna.repubblica.it, abgerufen am 20. Februar 2016
  16. Erdogan jr: „A Bologna per studiare, poi tornerò in Turchia“. Artikel vom 7. Oktober 2015 im Portal bologna.repubblica.it, abgerufen am 20. Februar 2016
  17. Duygu Özkan: Türkei: Die vielen Geschäfte des Bilal Erdoğan. Artikel vom 17. Februar 2016 im Portal diepresse.com, abgerufen am 20. Februar 2016
  18. Martin Berger: Erdogan’s Family Caught in New Scandal. Artikel vom 28. Dezember 2015 im Portal journal-neo.org, abgerufen am 20. Februar 2016
  19. ntv.com.tr vom 18. Oktober 2003
  20. Hürriyet vom 13. Januar 2016
  21. Sabah vom 28. März 2013
  22. Geldwäscheermittlungen gegen Sohn des türkischen Präsidenten in Italien. Artikel vom 18. Februar 2016 im Portal afp.com, abgerufen am 20. Februar 2016