Blaues Wunder (Wächtersbach)

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Das Blaue Wunder (auch Schloss Kinzighausen) ist eine ehemalige Schlossanlage im Kinzigtal zwischen Aufenau und Neudorf, den Stadtteilen von Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Karte mit Schloss Kinzighausen von 1730 aus dem Hessischen Staatsarchiv Marburg
Heutiger Hof Kinzighausen, Ansicht von Süden 2016

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa zwei Kilometer östlich von Wächtersbach liegen in der Kinzigaue die Reste einer Burg- und Schlossanlage. Wälle und Gräben lassen auf eine frühere Wasserburg schließen.[1] Es handelt sich um den Mittelpunkt der kleinen Herrschaft Aufenau, die 1354 in den Besitz der Forstmeister von Gelnhausen kam.

Um 1600 wurde ein Schlösschen errichtet, das den Namen „Blaues Wunder“ erhielt. Der Name könnte auf eine Bemalung des kunstvollen Fachwerks oberhalb des Sandsteinsockels zurückgehen. Eine andere These geht von einem starken Kinzighochwasser aus, das die Anlage unversehrt überstand.[2]

Zum Anwesen gehörte eine große Wirtschaftsfläche, die in Frondienst durch die Untertanen aus Aufenau und Neudorf bestellt wurde. Dies stellte für die Herrschaft ein einträgliches Geschäft dar. Als die Herren Forstmeister von Gelnhausen im 18. Jahrhundert in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, verpachteten sie die Anlage mit allen Fronrechten. Das Schlossgebäude wurde damit zum Sitz des Hofgutpächters. 1782 verkauften die Forstmeister die Anlage schließlich an Kurmainz. In schneller Besitzfolge kam das Hofgut Kinzighausen an das Großherzogtum Frankfurt, das Königreich Bayern und schließlich an das Kurfürstentum Hessen, wobei das Schlossgebäude zusehends verfiel. 1800 diente es dem kurhessischen Militär zur Unterbringung von Kriegsgeräten, 1805 wurde das Schloss abgerissen. Der Grundbesitz wurde in 21 Lose aufgeteilt, die an Aufenauer und Neudorfer Bauern verliehen wurden.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Architektur der Schlossanlage ist wenig bekannt. Es handelte sich um einen massiven Bau, der von einem Wassergraben umgeben war. Die Reste wurden nach dem Abbruch zu einem Pächterwohnhaus zweitverwendet. Das zugehörige vierseitige Hofgut ist mit seinen Außenmauern erhalten. Zur Schlossanlage zählten außer dem Schlossgebäude:[3]

  • Bedientenhaus
  • Hofhaus mit zwei Kutschenremisen, vier Viehställen und ein Backhaus im Erdgeschoss
  • Schweinehof
  • Mahlmühle mit 2 Wassergängen und allem Zubehör
  • Papiermühle mit Wassergang und Geschirr

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Knappe S. 385.
  2. Jürgen Ackermann: Vom „Schlößchen Blaues Wunder“ zum Hofgut Kinzighausen. In: Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 41, 1989, S. 33.
  3. Aufstellung nach Waltraud Friedrich: Kulturdenkmäler im Main-Kinzig-Kreis II.1. Bad Orb, Biebergemünd, Birstein, Brachttal, Freigericht. Theiss, Stuttgart 2011, S. 913.

Koordinaten: 50° 15′ 31″ N, 9° 19′ 11″ O