Boguschütz

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Boguschütz
Boguszyce
Boguschütz  Boguszyce führt kein Wappen
Boguschütz  Boguszyce (Polen)
Boguschütz  Boguszyce
Boguschütz
Boguszyce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Oppeln
Powiat: Oppeln
Gmina: Proskau
Geographische Lage: 50° 36′ N, 17° 56′ OKoordinaten: 50° 35′ 39″ N, 17° 56′ 2″ O
Einwohner:
Postleitzahl: 46-061
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK45 Opole-Krapkowice
Nächster int. Flughafen: Katowice



Boguschütz (poln. Boguszyce, 1936–1945 Gottesdorf) ist eine Ortschaft in Oberschlesien. Das Dorf liegt in der Gemeinde Proskau (Prószków) im Powiat Opolski (Kreis Oppeln) in der polnischen Woiwodschaft Oppeln.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boguschütz liegt sechs Kilometer nordöstlich vom Gemeindesitz Proskau und acht Kilometer südlich von der Kreisstadt und Woiwodschaftshauptstadt Opole (Oppeln). Durch den Ort verläuft die Landesstraße Droga krajowa 45.

Östlich der Ortschaft fließt die Oder.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Boguschütz sind im Westen Zlattnik (Złotniki), im Nordwesten Chrzumczütz (Chrząszczyce), im Norden Chrzowitz (Chrzowice), im Süden direkt angrenzend Zlönitz (Źlinice) und im Südwesten die Stadt Proskau (Prószków).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte mit Boguschütz um 1901. Östlich davon die Oder mit Dämmen.
Dorfpartie mit der kath. Dreifaltigkeitskirche
Straßenpartie an der DK45
Gedenkstein für die ermordeten Zivilisten vom Januar 1945 in Gottesdorf und Glockenau

Der Ort wurde 1260 erstmals urkundlich als Bogusici erwähnt.[1] Eine weitere urkundliche Erwähnung als Bogussicz folgte 1295. 1772 wurde eine katholische Schule errichtet. 1784 hatte Boguschütz, das zur königlichen Herrschaft Proskau gehörte, 12 Bauern, 16 Gärtner, einige Häusler, ein Vorwerk, eine Schule und insgesamt 170 Einwohner.[2] 1818 zählte Boguschütz 12 Bauern, 16 Gärtner, 5 Häusler, ein Vorwerk und eine katholische Schule.[3] 1860 wurde ein neues Schulgebäude erbaut, das das alte ersetzte. 1865 hatte der Ort 17 Bauern, 19 Gärtner, einen Häusler und 12 Angerhäusler. Ferner waren im Ort ein Kretschmer (Gastwirt), ein Schmied, ein Müller, ein Getreidehändler, ein Holzhändler und ein Graupenhändler ansässig.[4][5] Von 1868 bis 1872 wurde die katholische Kirche erbaut. 1885 lebten im Ort 518 Einwohner.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 149 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 178 für die Zugehörigkeit zu Polen.[6] Boguschütz verblieb dennoch beim Deutschen Reich. Am 19. Mai 1936 wurde der Ort in Gottesdorf umbenannt. Am 1. April 1939 wurde Gottesdorf nach Glockenau eingemeindet.[7]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das direkt westlich der umkämpften Oder liegende Gottesdorf gegen Ende Januar 1945 von der vorrückenden Roten Armee eingenommen. Dabei wurden zahlreiche Zivilisten ermordet. In den Tagen vom 28. Januar bis zum 30. Januar 1945 starben etwa 200 Einwohner von Gottesdorf, sowie 100 bis 150 weitere Zivilisten,[8] die aus der Stadt Oppeln und umliegenden Orten stammten und die in Gottesdorf Zuflucht gesucht hatten. Zu den Opfern zählte auch Pfarrer Franz Walloschek. Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) befasste sich 2004/05 mit den Ereignissen von 1945 und befragte dabei 98 Zeitzeugen. In seinem Jahrbuch 2005 berichtete das IPN u. a. außer über die Erschießung von mehr als 250 Einwohnern von Gottesdorf und Glockenau auch über die Ermordung von polnischen und ukrainischen Zwangsarbeitern, die sich damals in diesen beiden Orten aufhielten.[9][10]

Bis 1945 gehörte der Ort zum Landkreis Oppeln.[5] Danach kam der bisher deutsche Ort unter polnische Verwaltung und wurde in Boguszyce umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln. 1999 kam der Ort zum wiedergegründeten Powiat Opolski. Am 11. Juli 2006 wurde in der Gemeinde Proskau, der Boguschütz angehört, Deutsch als zweite Amtssprache eingeführt. Am 30. April 2010 erhielt der Ort zusätzlich den amtlichen deutschen Ortsnamen Boguschütz. Ende Juli 2012 wurden in der Gemeinde Proskau zweisprachige Ortstafeln aufgestellt.[11]

Sehenswürdigkeiten und Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Dreifaltigkeitskirche aus den Jahren 1868 bis 1872. Erbaut für die Bewohner von Boguschütz und Zlönitz.
  • Wegkapelle mit Glockenturm aus dem Jahr 1737
  • Hölzernes Wegkreuz aus dem Jahr 1893
  • Gefallenendenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit den Inschriften: „Als Opfer des Weltkrieges haben den Tod fürs Vaterland erlitten aus Boguschütz“ darauf folgt eine Aufzählung der Namen - „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen – Der Tod wird nicht mehr sein noch Trauer noch Klage noch Schmerz“ - Apoc. 24.4.
  • Gedenkstein für die Gefallenen der Dörfer Boguschütz und Zlönitz im Zweiten Weltkrieg
  • Gedenkstein für die ermordeten Zivilisten vom Januar 1945. Er enthält mehrere Namen und die Inschrift „Ewiges Gedächtnis den Zivilpersonen aus Gottesdorf, Glockenau und Oderfelde. Ermordet von Russischen Soldaten. Januar 1945“.
  • Das Altwasser der Oder. Dort können verschiedene Pflanzenarten ungestört wachsen und es bildet ein Rückzugsgebiet für zahlreiche Vogelarten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boguschütz (Landkreis Oppeln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Codex Diplomaticus Silesiae: Teil 7 – Regesten zur schlesischen Geschichte. Zweiter Theil. Bis zum Jahre 1280
  2. Johann Ernst Tramp: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien, Band 3, Brieg 1783
  3. Geographisch-statistisches Handbuch über Schlesien und die Grafschaft Glatz, Band 2; Breslau und Jauer 1818
  4. Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865
  5. a b Internetseite der Gemeinde (Memento des Originals vom 9. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.proszkow.pl, abgerufen im Juni 2012
  6. Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien von 1921: Literatur, Tabelle in digitaler Form (Memento vom 24. Januar 2017 im Internet Archive)
  7. Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Oppeln
  8. Tomasz Kamusella: Ethnic Cleansing in Upper Silesia, 1944–1951. In: Béla Várdy, T. Hunt Tooley, Ágnes Huszár Várdy (Hrsg.): Ethnic cleansing in twentieth-century Europe. Social Science Monographs, Boulder, Colorado 2003, ISBN 0-88033-995-0, S. 293–310, hier: S. 296 (englisch).
  9. Institut für Nationales Gedenken: Jahrbuch 2005 (polnisch).
  10. Gazeta Wyborcza: Rzeź w każdym domu. Ci, co przeżyli horror, nadal nie chcą o tym mówić
  11. Internetseite von Boguschütz@1@2Vorlage:Toter Link/www.boguszyce.pl (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.