Bosso

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Landgemeinde Bosso
Landgemeinde Bosso (Niger)
Landgemeinde Bosso (13° 41′ 59,64″ N, 13° 18′ 38,88″O)
Landgemeinde Bosso
Koordinaten 13° 42′ N, 13° 19′ OKoordinaten: 13° 42′ N, 13° 19′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Diffa
Departement Bosso
Einwohner 65.022 (2012)

Bosso (auch: Boso) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Bosso in Niger.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich im äußersten Südosten des Landes in der Landschaft Manga. Bosso liegt in der Sahelzone am Fluss Komadougou Yobé, an der Staatsgrenze zu Nigeria und am früheren Ufer des Tschadsees. Die Regionalhauptstadt Diffa ist 85 Kilometer entfernt. Die Nachbargemeinden Bossos in Niger sind Kabléwa und N’Guigmi im Norden, Toumour im Nordwesten und Gueskérou im Südwesten. In geologischer Hinsicht befindet sich der Ort in einem dem Erdzeitalter Quartär zugerechneten Gebiet.[1]

Bei den Siedlungen im Gemeindegebiet handelt es sich um 53 Dörfer, 66 Weiler, 44 Lager und zwei Wasserstellen.[2] Der Hauptort der Landgemeinde ist das Dorf Bosso.[3] Ein weiteres historisch bedeutendes Dorf im Gemeindegebiet ist Barwa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bosso in Stielers Hand-Atlas (1891)

Bosso wurde um 1780 von einem Tuareg-Anführer namens Aoudou gegründet und befestigt. Die Herrschaft über den Ort übernahmen in weiterer Folge Aoudous Sohn Tar, Tars Sohn Abdou und schließlich im Jahr 1906 Abdous Sohn Lossey, der den Titel Katiella annahm.[4] Die französische Forschungs- und Militärexpedition Mission Foureau-Lamy machte am 2. Februar 1900 in Bosso Station.[5]

Bei der Hungerkrise in Niger 2005 gehörte Bosso zu den am stärksten betroffenen Orten. Hier hatte die Bevölkerung weniger als eine Mahlzeit am Tag zur Verfügung.[6] Seit 2011 gehört die Landgemeinde nicht mehr zum Departement Diffa, sondern zum neugeschaffenen Departement Bosso.[7]

Ein Militärfahrzeug vor einer Schule in Bosso (2017)

Nach einem Angriff der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram auf die Ortschaft Baga in Nigeria im April 2013 flüchteten etwa 2000 Einwohner Bagas nach Bosso. In den darauffolgenden Wochen erhöhte sich die Anzahl der Flüchtlinge aus Nigeria, die in Bosso vor Boko Haram Schutz suchten, auf über 6000. Sie kamen aus verschiedenen Orten im nigerianischen Bundesstaat Borno.[8]

Die Streitkräfte Nigers und die Streitkräfte Tschads wehrten am 6. Februar 2015 einen Angriff der Terrorgruppe auf Bosso ab, die den Ort vorübergehend eingenommen hatte. Der Angriff Boko Harams auf Bosso war der erste der Gruppe auf nigrischem Territorium.[9] Im April 2015 griff Boko Haram Stützpunkte der Streitkräfte Nigers auf den zu Bosso gehörenden Tschadsee-Inseln Lallewa Kerea und Karamga an. Dabei kamen etwa 60 Soldaten, 156 Boko-Haram-Kämpfer und 28 Zivilisten ums Leben. Die nigrischen Behörden ordneten kurz darauf die Evakuierung aller bewohnten Tschadsee-Inseln an. Etwa 25.700 Menschen zogen von den Inseln auf das Festland in Bosso und der Nachbargemeinde N’Guigmi.

Im Juli 2015 verschlechterte sich die Sicherheitslage weiter. Es kam zu Attacken von Boko Haram auf die zu Bosso gehörenden Dörfer Tchoukoudjani und Dagaya. Menschen flüchteten aus dem Gemeindegebiet in die Nachbargemeinden Kabléwa, N’Guigmi und Toumour.[10] In der Gemeinde Bosso selbst lebten Ende 2016 2240 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 19 Jahren, die Flüchtlinge, Rückkehrer oder Binnenvertriebene waren.[11] Im Januar 2021 betrug die Gesamtzahl der von Zwangsmigration betroffenen Personen in Bosso 7835.[12]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulkinder in Bosso (2017)

Bei der Volkszählung 2012 hatte die Landgemeinde 65.022 Einwohner, die in 11.319 Haushalten lebten.[2] Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 36.942 in 6.964 Haushalten.[13]

Im Hauptort lebten bei der Volkszählung 2012 4.767 Einwohner in 871 Haushalten,[2] bei der Volkszählung 2001 3.062 in 577 Haushalten[13] und bei der Volkszählung 1988 1.758 in 414 Haushalten.[14]

In ethnischer Hinsicht ist die Gemeinde ein Siedlungsgebiet von Mober und Fulbe.[15]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 18 Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 8 PNDS-Tarayya, 4 MNSD-Nassara, 3 MPR-Jamhuriya und 3 PJP-Génération Doubara.[16]

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze von 47 Dörfern in der Gemeinde, darunter dem Hauptort.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Packesel auf dem Markt in Bosso (2017)

Die Bevölkerung betreibt vor allem Fischerei und Kunsthandwerk. Produziert werden Lederwaren und aus Palmblättern hergestellte Gegenstände. Der Markttag in Bosso ist Sonntag.[17] Das staatliche Versorgungszentrum für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhält eine Verkaufsstelle im Hauptort.[18] In der Umgebung der Ortschaft werden Kouri-Rinder gehalten.[19] In Teilen der Gemeinde wird Regenfeldbau betrieben.[20]

Gesundheitszentren des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) sind im Hauptort sowie in den Siedlungen Bandi, Barwa und Dagaya vorhanden. Das Gesundheitszentrum im Hauptort verfügt über ein eigenes Labor und eine Entbindungsstation.[21] Der CEG Bosso ist eine allgemein bildende Schule der Sekundarstufe des Typs Collège d’Enseignement Général (CEG).[22] Der Collège d’Enseignement Technique de Bosso (CET Bosso) ist eine technische Fachschule.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Korodji Dalla: Rôles et responsabilités de l’Etat et des populations locales dans le processus de décentralisation du Niger : cas de la commune rurale de Bosso, région de Diffa. Mémoire de Maîtrise. Département de Géographie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2004.
  • Taher Ali Idriss: Etude d’impacts de retenue des eaux des mares : cas de la mare de Djaboulloum dans la commune rurale de Bosso, région de Diffa. Mémoire de Maîtrise. Département de Géographie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2009.
  • Ari Elhadji Papa Moussa: Impact des ouvrages antiérosifs sur la régénération de la végétation dans les communes rurales de Bosso, Toumour et Gueskerou, région de Diffa. Mémoire de Maîtrise. Département de Géographie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bosso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Krings: Sahelländer. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11860-X, S. 16.
  2. a b c d Répertoire National des Localités (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique de la République du Niger, Juli 2014, S. 30–33, abgerufen am 7. August 2015 (französisch).
  3. Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux. République du Niger, 11. Juni 2002.
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 116.
  5. Fernand Foureau: Documents scientifiques de la mission saharienne. Mission Foureau-Lamy d’Alger au Congo par le Tchad. Atlas (Kartograf: Verlet-Hanus). Masson, Paris 1905 (jubilotheque.upmc.fr [abgerufen am 6. Mai 2018]).
  6. Niger Food Crisis 2005: Humanitarian Situation Report No. 1. UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, 26. Juli 2005, abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  7. Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (nigerdiaspora.net [PDF; abgerufen am 28. Januar 2014]).
  8. Yusha'u A Ibrahim: How Borno refugees survive in Bosso. In: Weekly Trust. 1. Juni 2013, archiviert vom Original am 8. Februar 2015; abgerufen am 8. Februar 2015 (englisch).
  9. 109 Boko-Haram-Kämpfer in Niger getötet. In: derStandard.at. 6. Februar 2015, abgerufen am 7. Februar 2015.
  10. Niger: Timeline regarding the Humanitarian Situation in Diffa (as of 15 august 2015). (PDF) UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, 5. August 2015, abgerufen am 21. Mai 2018 (englisch).
  11. Tranches d'âges utiles: réfugiés, retournés et IDPs. Éducation et nutrition. Direction régionale de l’état civil, des migrations et des réfugiés, Région de Diffa, République du Niger, 25. Dezember 2016 (reliefweb.int [PDF; abgerufen am 5. Februar 2021]).
  12. Cartographie des sites de déplacés de la région de Diffa, Janvier 2021. (PDF) UNHCR, 11. Februar 2021, abgerufen am 18. Juli 2021 (französisch).
  13. a b Répertoire National des Communes (RENACOM). (RAR-Datei) Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010 (französisch).
  14. Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S. 44 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2019]).
  15. Yveline Poncet: Cartes ethno-démographiques du Niger au 1/1 000 000. Notice des cartes (= Etudes nigériennes. Nr. 32). Centre Nigérien de Recherches en Sciences Humaines, Niamey 1973, Annex: République du Niger: Carte ethno-démographique au 1:1 000 000 (odsef.fss.ulaval.ca [PDF; abgerufen am 31. Januar 2021]).
  16. Résultats élections – Communales. Commission Électorale Nationale Indépendante, abgerufen am 2. Januar 2021 (französisch).
  17. Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 231.
  18. CAIMA. In: Béret Vert. Bulletin de Liaison et d’Information des Forces Armées Nigériennes. Nr. 17, Mai 2013, S. 28.
  19. Jean-Paul Labourdette, Dominique Auzias: Niger 2009. Nouvelle édition de l’Université, Paris 2009, ISBN 2-7469-1640-1, S. 160.
  20. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. (PDF) Save the Children UK, 2009, S. 8, abgerufen am 2. September 2020 (französisch).
  21. Niger DSS. In: Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS). Ministère de la Santé Publique, République du Niger, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  22. Niger – Recensement Scolaire 2008–2009, Enquête statistique. Dictionnaire des donnèes. Institut National de la Statistique de la République du Niger, 28. November 2013, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  23. CET Diffa. Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).