Diffa

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Stadtgemeinde Diffa
Stadtgemeinde Diffa (Niger)
Stadtgemeinde Diffa
Stadtgemeinde Diffa
Koordinaten 13° 19′ N, 12° 37′ OKoordinaten: 13° 19′ N, 12° 37′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Diffa
Departement Diffa
Höhe 285 m
Einwohner 56.437 (2012)
Politik
Bürgermeister Ousmane Koussouri
Partei MNSD-Nassara

Diffa ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region Diffa in Niger. Sie hat rund 56.000 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldaten in Diffa (2017)

Diffa liegt im Südosten des Landes in der Sahelzone. Die Stadt grenzt im Westen an die Gemeinde Chétimari, im Norden und Osten an die Gemeinde Gueskérou und im Süden an den Bundesstaat Borno im Nachbarland Nigeria. Die Grenze zu Nigeria wird vom Fluss Komadougou Yobé gebildet. In geologischer Hinsicht liegt die Stadt in einem dem Erdzeitalter Quartär zugerechneten Gebiet.[1] Das Stadtgebiet ist in sieben Stadtviertel, 17 administrative Dörfer, 18 traditionelle Dörfer und einen Weiler gegliedert. Die Stadtviertel heißen Adjimeri, Affou Nouri, Diffa Koura, Festival, Nouveau Carré, Résidence und Tchariram.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch bis in die 1960er Jahre war Diffa ein kleines Dorf. Im seit 1960 unabhängigen Niger wurde am 17. Juli 1964 eine umfassende Verwaltungsreform erlassen. Die Rolle einer Hauptstadt des neuen im Südosten des Landes entstandenen Departements war zwischen Maïné-Soroa und N’Guigmi strittig, den beiden damals bedeutendsten Städten in der Region. Als Kompromiss fiel die Wahl auf das Dorf Diffa.

Die neue Regionalhauptstadt begann kontinuierlich zu wachsen. Zusätzlich zu den ältesten Ortsteilen Diffa-Koura und Affounori entstanden weitere Wohnviertel. 1979 fand erstmals die nationale Meisterschaft in der lutte traditionnelle, einer in Niger beliebten Kampfsportart, in Diffa statt. 1985 erhielt Diffa als zwölfter Ort in Niger den Status einer eigenständigen Gemeinde (commune).[3]

In einem bereits 1996 beschlossenen, aber erst 2000 nach der Wahl Tandja Mamadous zum Präsidenten des Landes umgesetzten Gesetz zur Dezentralisierung wurde das bisherige Departement Diffa zur Region mit erweiterten Kompetenzen umgewandelt. Die Hauptstadt wurde von einer Gemeinde (commune) zu einer Stadtgemeinde (commune urbaine) erhoben.

Wegen der Aktivitäten der dschihadistischen Terrorgruppe Boko Haram flüchteten ab Mai 2013 etwa 150.000 Menschen aus dem Nachbarland Nigeria nach Diffa. Im Dezember 2014 brach eine Choleraepidemie in der Stadt aus. Boko Haram griff am 8. Februar 2015 erstmals Diffa an. Menschen flüchteten aus der Stadt Richtung Westen nach Foulatari, Goudoumaria, Gouré, Maïné-Soroa, N’Guelbély und Soubdou sowie in die weiter entfernten Großstädte Maradi und Niamey.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulkinder in Diffa (2006)

Bei der Volkszählung 1977 hatte Diffa 4253 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 13.387 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 23.233 Einwohner.[5] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 56.437.[6] Die Bevölkerung gehört mehrheitlich dem Islam an. Die kleine römisch-katholische Gemeinde wird von der 1971 gegründeten Pfarre N’Guigmi-Diffa mit Sitz in N’Guigmi betreut.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat (conseil communal) von Diffa wählte am 14. Juli 2011 Ousmane Koussouri (MNSD-Nassara) zum Bürgermeister und Hankouraou Biri Kassoum (MODEN-FA Lumana Africa) zum Vizebürgermeister. Der Gemeinderat hat 13 Mitglieder.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wochenmarkt Marché Central in Diffa (2013)

Besonders für die informelle Wirtschaft ist Diffa ein wichtiges Zentrum für den Handel mit Nigeria und der Nachbarregion Zinder. Die meistgebrauchte Währung ist der Naira des Nachbarlands Nigeria.[9] Auf dem Wochenmarkt werden vor allem Lebensmittel angeboten. Diffa ist ein wichtiger Umschlagplatz für roten Paprika, der wegen seines hohen Marktwerts auch als „rotes Gold“ bezeichnet wird. Der Paprika wird im Departement auf einem schmalen Landstreifen entlang des Komadougou Yobé angebaut und in getrockneter Form bis nach Nigeria sowie Zinder, Maradi und Niamey weiterverkauft. Potentiell gefährdet ist der Paprika-Anbau durch Krankheiten der Pflanzen, durch geringe Niederschläge und durch niedrigen Wasserstand am Komadougou Yobé, der durch nigerianische Dämme wie am Tiga-Stausee entstehen kann.[10]

In Diffa gibt es 175 Grundschulen, davon sind zwei Privatschulen. Auf einen Grundschullehrer kommen durchschnittlich 26 Schüler (landesweit 39).[11] Diffa ist der Sitz eines Tribunal de Grande Instance, eines der landesweit zehn Zivilgerichte der ersten Instanz.[12]

Die Stadt liegt an der Nationalstraße 1. In Diffa befindet sich ein ziviler Flughafen, der Flughafen Diffa (ICAO-Code: DRZF).[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arma Yaou Ousman: Etude économique de la culture du poivron dans les exploitations agricoles familiales de la région de Diffa, cas du village de Kayowa. Mémoire. Faculté d’Agronomie, Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Diffa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Krings: Sahelländer. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11860-X, S. 16.
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  3. Historique de la décentralisation au Niger (Memento des Originals vom 18. Oktober 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lucop.org (PDF; 93 kB). Website des Programme nigéro-allemand de lutte contre la pauvreté dans les zones de Tillabéri et Tahoua-Nord, veröffentlicht im Mai 2008, abgerufen am 21. Januar 2012.
  4. Niger: Timeline regarding the Humanitarian Situation in Diffa (as of 15 august 2015). OCHA, 5. August 2015, abgerufen am 21. Mai 2018 (PDF, englisch).
  5. World Gazetteer: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bevoelkerungsstatistik.deDiffa, abgerufen am 9. Jänner 2010.
  6. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  7. N’Guigmi-Diffa. Eglise Catholique au Niger, abgerufen am 1. Juli 2015 (französisch).
  8. Aboubacar Halilou: Ousman KOUSSOURI du MNSD-Nassara élu Maire de la Commune Urbaine de Diffa. In: La Source. Nr. 118, 23. Juli 2011, S. 2 (PDF-Datei [abgerufen am 6. Oktober 2013]).
  9. Dominique Auzias, Jean-Paul Labourdette: Niger 2009. Nouvelle édition de l’Université, Paris 2009, ISBN 2-7469-1640-1, S. 156.
  10. Livelihoods Zoning “Plus” Activity In Niger (Memento vom 28. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 2,5 MB). S. 44, Website des Famine Early Warning Systems Network, veröffentlicht im August 2011, abgerufen am 19. Januar 2012.
  11. Statistiques de l’éducation de base. Annuaire 2009–2010 (PDF; 19,1 MB). Website des nigrischen Unterrichtsministeriums, veröffentlicht im September 2010, abgerufen am 14. Februar 2012.
  12. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  13. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.