Burg Stein (Sachsen)

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Burg Stein
Burg und Schloss Stein, Südansicht

Burg und Schloss Stein, Südansicht

Alternativname(n): Schloss Stein
Entstehungszeit: um 1200
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Hartenstein
Geographische Lage 50° 39′ 6″ N, 12° 39′ 42″ OKoordinaten: 50° 39′ 6″ N, 12° 39′ 42″ O
Burg Stein (Sachsen) (Sachsen)
Burg Stein (Sachsen)

Die Burg Stein, auch Schloss Stein genannt, befindet sich südöstlich von Zwickau im Hartensteiner Ortsteil Stein auf dem felsigen Ufer der Zwickauer Mulde in Sachsen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleich oberhalb der Niederungsburg befindet sich ein Wehr in der Mulde. Der aufgestaute Fluss trieb eine Mühle mit vier großen Wasserrädern an. Der Mahlzwang ging im Jahre 1788 von einer älteren an diese Mühle über. Aufgrund des bestehenden Mahlzwanges führten mehrere Mühlwege nach Stein. Die Ruine der Isenburg befindet sich nur zwei Kilometer flussaufwärts. In Richtung Langenbach befanden sich einst die zur Burg Stein gehörigen Dörfer Ober- und Niederopritz, welche wahrscheinlich während der Hussitenkriege zerstört wurden.

Burg Stein, Luftaufnahme (2018)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedelung des Erzgebirges begann im 12./13. Jahrhundert vor allem entlang der Flussläufe. Flussübergänge und Niederlassungen wurden durch befestigte Anlagen gedeckt. Auch entlang der Zwickauer Mulde wurden zahlreiche Burgen errichtet. Vorläufer der alten Burg Stein befinden sich am nördlichen Steilufer der Zwickauer Mulde über dem Bahnhof.

An der Burg befand sich früher eine Furt, später eine Fähre und verschiedene hölzerne und steinerne Brücken, die in alten Abbildungen zum Teil überdacht dargestellt werden. Bis in das Jahr 1924 wurde noch Brückenzoll erhoben. Eine neuzeitliche Stahlbogenbrücke wurde 1945 durch die SS gesprengt, seit 1950 steht an dieser Stelle eine Betonbrücke.

Bauliche Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oberburg von 1200, von Norden aus gesehen

Mit dem Bau der oberen Burg wurde wahrscheinlich um das Jahr 1200 auf einem Fels aus Hornblende direkt am jenseitigen Mulde-Südufer begonnen. Die Befestigungsanlage diente wahrscheinlich auch als Vorburg zur damals noch nicht zum Schloss umgebauten Burg Hartenstein.

Dieser älteste Teil bildet heute die Oberburg, bestehend aus rundem Bergfried mit historischem Leiter-Einstieg auf halber Höhe, dem Palas mit steilem Dach sowie Wehrmauern. Die Architektur trägt noch romanische Züge. Eine alte Wendeltreppe aus roh behauenen Tannenholzbohlen verbindet die Geschosse des Palas. Unter dem Bergfried stand die gotische Burgkapelle, die 1886 aufgrund schlechten Bauzustands abgetragen wurde.

Die übrigen Bauteile sind jünger. Der spitze Rundturm im Südwesten entstand möglicherweise im 14. Jahrhundert, die anderen Teile der Niederburg am Ende des 15. Jahrhunderts. Der Bergfried der Oberburg wurde im 16. Jahrhundert durch einen Aufbau mit Giebelkranz ergänzt, der im 18. Jahrhundert mit einer barocken Haube gekrönt wurde.

Nordwestlich der Burg liegen die Reste einer weiteren recht gut erkennbaren Befestigung mit runder Erhöhung (Durchmesser ca. 30 m), innerem Graben (10 m bis 12 m breit, 2 m tief), Wall (ca. 5 m bis 8 m breit) und Außengraben. Am Steilhang nach Südsüdwest führen die Gräben nicht in gleicher Tiefe und Breite durch. Die Anlage wurde mehrheitlich als Turmhügelburg und Vorgängeranlage von Burg Stein und zum Teil „Ur-Stein“ genannt. Neuere Forschung erbrachten jedoch, dass es sich um die Reste einer mittelalterlichen Belagerungsstelle handelt. Auf alten Karten wird der Berg mit der Ringwallanlage auch als „Türmelberg“ benannt.

Das abgegangene Vorwerk der Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich vor dem Tor der Unterburg befand sich ein heute nicht mehr vorhandenes Vorwerk. Es ist auf der alten Abbildung der Burg auf einem schönburgischem Stammbaum (um 1760) noch zu sehen.[1]

Die abgegangene Kapelle der Oberburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Ansichten der Burg zeigen direkt westlich neben dem Bergfried auf dem Felsen der Oberburg eine Burgkapelle. Sie war ein spätgotischer einschiffiger Bau mit einem großen spitzbogigen Fenster mit Maßwerkfüllung. 1844 brannte sie ab und wurde anschließend vermutlich nur notdürftig instand gesetzt, denn bereits 1886 wurde sie wegen Baufälligkeit abgetragen[2].

Lehensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1233 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt, sie stand wie die gesamte Grafschaft Hartenstein unter der Hoheit der Burggrafen von Meißen. Ritter Heidenreich von Grünhain (Heidenricus miles de lapide, wobei lapide für Felsenburg steht) war der erste bekannte Besitzer und Angehöriger eines niederen Rittergeschlechts. Fronpflichtig waren die Bauerndörfer Langenbach und Wildbach.

Die Burgherren des 14. Jahrhunderts waren als Raubritter berüchtigt, namentlich ein Conradus de lapide wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1320 zahlreicher Untaten bezichtigt. Ab 1406 waren die Schönburger und deren Vasallen mit der Burg belehnt. Die wohl bekannteste Geschichte rankt sich um Kunz von Kaufungen und den Sächsischen Prinzenraub im Jahre 1455: Kunz wird als verdienstvoller und gerechter Ritter beschrieben. Von seinem Herrn, Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen fühlte er sich jedoch ungerecht behandelt und sann auf Wiedergutmachung. Daraufhin entführte er die Söhne des Kurfürsten, die Prinzen Ernst und Albrecht mit Hilfe zweier Komplizen. Prinz Ernst wurde in der nahe gelegenen und hiernach benannten Prinzenhöhle versteckt. Ritter Kunz wurde gefasst und am 14. Juli 1455 in Freiberg enthauptet.

Die Unterburg (Ende 15. Jhd.) am Ufer der Mulde, mit der darüber auf schmalem Felsgrat gelegenen Oberburg

Zu Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts wurde am Flussufer die besser zugängliche Unterburg angelegt. Die Tordurchfahrt zum Burghof befindet sich im Westflügel, der bis an den Felsen der Oberburg heranreicht. Es folgt der zur Mulde gerichtete Südflügel. Der an die Ecke gesetzte Rundturm überragt mit seinem spitzen Kegeldach die Dächer und Giebel des unteren Burgbereichs. Es folgte ein Wehrgang, der bis in den Felsen der Oberburg heranreichte. An diesen lehnten sich auch die Wirtschaftsgebäude des Burghofs an.

1525 – zur Zeit des Bauernkrieges – wurde die Burg von ihren Fronbauern belagert. Die Bauern nutzten die Abwesenheit ihres Fronherrn Ernst II. von Schönburg. Als dieser jedoch mit seiner Streitmacht von der Schlacht bei Frankenhausen zurückkehrte, fand die Belagerung ein jähes Ende. Die Bauern wurden hart bestraft, viele hingerichtet. Die Schönburger hatten die Burg an adlige Herren verlehnt, 1632 fiel sie jedoch an die Lehnsgeber zurück.

Mit dem Tod Otto Ludwigs von Schönburg 1701 beziehungsweise dem Erbvertrag seiner vier erbberechtigten Söhne 1702 wurde die Herrschaft Stein gebildet. Im Jahre 1740 schloss der sächsische Kurfürst mit den Schönburgern einen Rezess, welcher den Verzicht auf die aus der Reichsunmittelbarkeit resultierenden Autonomierechte der Herrschaften Waldenburg, Glauchau, Lichtenstein, Hartenstein und Stein zur Folge hatte. In den folgenden Jahren wurden die Gebiete schrittweise in den sächsischen Kurstaat integriert. Mit der Ausgliederung der Herrschaft Stein aus der Grafschaft Hartenstein wurde die Burg in den Jahren 1701/1702 eigenständiger Herrschaftssitz des Amtes Stein. Weil die Burg jedoch kaum den Ansprüchen an eine barocke Residenz entsprach, ließ Ludwig Friedrich Graf von Schönburg-Stein (1681–1736) in Rüsdorf, nahe dem Schloss Lichtenstein, ein neues (heute nicht mehr vorhandenes) Herrenhaus errichten. 1762 zerstörte ein Großbrand die Niederburg, welche 1798 teilweise wieder aufgebaut wurde, der Saal im zweiten Obergeschoss erhielt eine klassizistische Ausmalung; eine Renovierung erfolgte 1846.

1813 trat Fürst Otto Victor I. von Schönburg in einem Vergleich mit seinen drei nachgeborenen Brüdern die Herrschaften Stein und Hartenstein ab und behielt die wirtschaftlich lukrativeren Herrschaften Lichtenstein, Remse und Waldenburg. Da 1840 und 1846 zwei der Brüder kinderlos starben, wurde Otto Victor jedoch wieder Mitbesitzer der beiden 1813 abgegebenen Herrschaften. Ihm folgte 1859 sein Sohn, Fürst Otto Friedrich von Schönburg-Waldenburg.

Die Herrschaft Stein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Renaissancetrakt zwischen Ober- und Unterburg

Mit der Ausgliederung der Herrschaft Stein aus der Grafschaft Hartenstein wurde die Burg in den Jahren 1701/1702 Herrschaftssitz. Zur Herrschaft Stein gehörten folgende Orte:

1740 schlossen die Wettiner einen Rezess mit den Grafen von Schönburg, durch welchen die Schönburger die Landeshoheit des sächsischen Herrscherhauses über die bis dahin reichsunmittelbaren Herrschaften Waldenburg, Glauchau, Lichtenstein, Hartenstein (die niedere Grafschaft) und Stein anerkennen mussten. Die fünf Rezessherrschaften blieben bis 1878 unter schönburgischer Hoheit. Danach wurden sie vollständig in das Königreich Sachsen integriert. Die Herrschaft Stein und die niedere Grafschaft Hartenstein (ohne den Gerichtsamtsbezirk Lößnitz) kamen an die Amtshauptmannschaft Zwickau.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke der Deutschen Post der DDR aus der Serie Burgen
Burg Stein, Festsaal

Die Burg befand sich bis zur Enteignung im Rahmen der sozialistischen Bodenreform 1945 im Besitz der Fürsten von Schönburg-Waldenburg. Der bis 1945 letzte Hausherr war Günther Fürst von Schönburg-Waldenburg (1887–1960), der jedoch auf Waldenburg residierte und auch Lichtenstein, Belgershain und Schloss Pomßen besaß.[3]

Während das nahegelegene Schloss Hartenstein am 20. April 1945 durch Bomben amerikanischer Tiefflieger fast vollständig zerstört wurde, blieb die Burg Stein unversehrt erhalten. Seit 1954 beherbergt das Anwesen ein Burg- und Heimatmuseum. Im neueren Teil der Niederburg wurde während der DDR-Zeit ein Erholungsheim eingerichtet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erwarb im Jahre 1996 Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein (* 1953) Teile des einstigen Familienbesitzes der (seit Anfang des 19. Jahrhunderts überwiegend in Wien und Böhmen lebenden) Hartensteiner Linie mit dem Poppenwald von der Stadt Hartenstein zurück und ließ auch die dazu erworbene Burg Stein aufwändig sanieren.[4] Sie ist teilweise öffentlich zugänglich. Die Unterburg beherbergt die Forstverwaltung und private Wohnräume, während der Festsaal und das gotische Turmgewölbe für Konzerte, Hochzeiten und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Die romanische Oberburg dient als Museum und kann besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kollektiv der Natur- und Heimatfreunde: Die Burg Stein bei Hartenstein und ihre Umgebung, Hartenstein 1974
  • Museum Burg Stein (Hrsg.): Die Burg Stein bei Hartenstein und ihre Umgebung, Schneeberg 1993
  • Matthias Donath: Burgen & Schlösser in Sachsen, Petersberg 2012, ISBN 978-3-86568-768-5, S. 74f.
  • Wolf-Dieter Röber: Burg Stein, In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, DDR, S. 23–25, Abbildung auf einem schönburgischem Stammbaum um 1760 auf S. 40 (zur Geschichte und Baugeschichte von Burg Stein)
  • Emil Wilke: Führer durch die Burg Stein, Waldenburg 1932
  • Anton Bär: Schloß und Standesherrschaft Stein an der westl. Mulde, In: Glückauf, Zeitschrift des Erzgebirgs-Vereins, 21. Jg., 1901
  • Wolf-Dieter Röber: (Burg) Stein In: Autorenkollektiv, u. a. Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler und Wolf-Dieter Röber: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, S. 29–31

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Stein (Sachsen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf-Dieter Röber: Burg Stein. In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, DDR, S. 23–25, Abbildung auf einem schönburgischem Stammbaum um 1760 auf S. 40
  2. Wolf-Dieter Röber: Die Kapelle im Schloß Hinterglauchau. In: Schriftenreihe Heft 10, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1994, S. 8–15 (Bemerkungen zur Geschichte der Burgkapelle der Oberburg von Burg Stein, S. 8)
  3. Sächsische Biografie
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 20. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.burg-stein.de