C/2022 E3 (ZTF)

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C/2022 E3 (ZTF)[ i ]
Aufnahme vom INAF Palermo vom 27. Januar 2023 mit einer scheinbaren Helligkeit von 5m
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 17. August 2022 (JD 2.459.808,5)
Orbittyp hyperbolisch
(s. Kap. Umlaufbahn)
Numerische Exzentrizität 1,00027
Perihel 1,112 AE
Neigung der Bahnebene 109,2°
Periheldurchgang 12. Januar 2023
Bahngeschwindigkeit im Perihel 39,9 km/s
Geschichte
Entdecker Zwicky Transient Facility am Palomar-Observatorium
Datum der Entdeckung 2. März 2022
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/2022 E3 (ZTF) ist ein langperiodischer Komet des Sonnensystems, dessen Umlaufbahn im Januar 2023 in Sonnennähe verläuft und der am 1. Februar 2023 seinen erdnächsten Punkt erreichen wird. Dabei wird er im günstigsten Falle deutlich kleiner und blasser als der Polarstern zu sehen sein.

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der C/2022 E3 (ZTF) wurde am 2. März 2022 mit der Zwicky Transient Facility (ZTF) am Palomar-Observatorium, Kalifornien bei einer scheinbaren Helligkeit von etwa 17m entdeckt.[1] An der Entdeckung waren die Astronomen Bryce Bolin und Frank Masci beteiligt.[2] Nachträglich konnte der Komet bereits auf Aufnahmen von Pan-STARRS 1 auf Hawai’i vom 10. Juli 2021 bei einer Helligkeit von 23m nachgewiesen werden. Auch mit der ZTF war der Komet bereits unbemerkt im Oktober und November 2021 beobachtet worden.[3]

Kurz nach seiner Entdeckung wurde erwartet, dass er eine Helligkeit von unter 6m erreichen würde , so dass er dann bei guten Sichtbedingungen mit bloßem Auge gesehen werden könnte.[4] Bis zum Jahreswechsel 2022/23 war die Helligkeit bis auf ungefähr 7,5m angestiegen. Während der maximalen Annäherung an die Erde am 1. Februar 2023 erreichte er eine scheinbare Helligkeit von 4,5m.[5]

Der Komet hat sein Perihel am 12. Januar 2023 mit einer scheinbaren Helligkeit von 7m erreicht, wobei die Entfernung von der Sonne gut 1,11 AE betrug und er von der Erde aus gesehen im Sternbild Nördliche Krone zu sehen war.[5] Die größte Erdnähe wird er am 1. Februar 2023 im Sternbild Giraffe erreichen, nachdem er in einem Winkelabstand von knapp 10 Bogengrad am Polarstern vorbeigezogen ist. An diesem Tag kulminiert er von Mitteleuropa aus gesehen gegen 22 Uhr (MEZ) zwischen Polarstern und Zenit auf dem nördlichen Meridian. Am Abend des 4. Februars erreicht der Komet eine Deklination von 53 Bogengrad und kann in dieser nördlichen geografischen Breite dann dabei beobachtet werden, wie er beim Stundenwinkel Null durch den Zenit und somit von Osten nach Westen über den Meridian zieht. Danach wandert er weiter in Richtung Sternbild Fuhrmann, wo er am 6. Februar 2023 dicht am Stern Capella vorbeiziehen wird. Anschließend erreicht er am 11. Februar erst den Planeten Mars und am 15. Februar dann den Roten Riesen Aldebaran im Sternbild Stier.

In nördlichen Breiten wie in Deutschland kann er somit im Januar und Februar 2023 fast die gesamte Nacht lang beobachtet werden, ab Mitte Februar geht er in den Morgenstunden zusammen mit dem Sternbild Stier am westlichen Himmel unter.

Die Lage des Kometen C/2022 E3 (ZTF) am Sternhimmel zwischen dem 14. Januar und dem 16. Februar 2023

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komet befindet sich aktuell (Stand: Januar 2023) in Sonnennähe. Seit seiner ersten Beobachtung konnten aus 3396 Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 112 Jahren Bahnelemente einer derzeit temporär hyperbolischen Umlaufbahn bestimmt werden. Die Bahnparameter werden nach seinem Vorbeigang an der Sonne noch präziser bestimmt werden können. Über den früheren und zukünftigen Verlauf der Bahn des Kometen können deshalb derzeit nur grobe Abschätzungen durchgeführt werden, da insbesondere der zukünftige Verlauf durch nicht-gravitative Kräfte in Sonnennähe noch signifikant verändert werden kann. Die folgenden Angaben sind daher nur als eine Auswertung der aktuell bekannten Bahnparameter zu verstehen.

Die Bahn des Kometen ist um rund 109° gegen die Ekliptik geneigt, sie verläuft damit steil angestellt zu den Bahnebenen der Planeten, und er läuft relativ zu diesen im gegenläufigen Sinn (retrograd) durch seine Bahn.[6] Den sonnennächsten Punkt (Perihel) hat der Komet am 12. Januar 2023 durchlaufen, er war dabei etwa 166,4 Millionen Kilometer (1,11 AE) von der Sonne entfernt und befand sich also auch hier noch etwas außerhalb des Bereichs der Umlaufbahn der Erde. Aus diesen Gründen kam C2022/E3 von der Erde aus gesehen nicht in die Nähe der Sonne, so dass er sogar während seines Periheldurchgangs sehr gut beobachtet werden konnte.

Während seiner Passage des inneren Sonnensystems erfährt der Komet eine Anzahl von relativ nahen Vorbeigängen an den Planeten:

Annäherungen von C/2022 E3 an Planeten (Auswahl)
Datum Planet Minimaler Abstand (in AE)
August 2007 Neptun 10,7
29. Mai 2020 Saturn 1,18
2. April 2021 Jupiter 3,1
1. Februar 2023 Erde 0,28
21. Februar 2023 Mars 0,46
19. März 2023 Venus 1,06
17. Juli 2023 Jupiter 4,9
19. Oktober 2024 Saturn 9,6

Die größte Annäherung an die Erde entspricht einer Entfernung von etwa 42,5 Millionen Kilometern.

Nach den derzeit bekannten Bahnelementen (Stand: Januar 2023) war die Bahn des Kometen lange vor seiner Annäherung an das innere Sonnensystem elliptisch mit einer Exzentrizität von etwa 0,999195 und einer Großen Halbachse von etwa 1390 AE, seine Umlaufzeit lag bei etwa 52.000 Jahren. Demnach hatte der Komet um das Jahr 50.000 v. Chr. das letzte Mal das Sonnensystem durchflogen. Durch die Anziehungskraft der Planeten, insbesondere durch die relativ nahen Vorbeigänge an Saturn und Jupiter, wird sich (ohne Berücksichtigung von nicht-gravitativen Kräften) seine Bahnexzentrizität um etwa 0,00080 erhöhen und liegt dann sehr nahe bei Eins. Ob der Komet sich zukünftig noch auf einer geschlossenen Bahn bewegt oder das Sonnensystem auf einer hyperbolischen Bahn verlassen wird, kann aufgrund der derzeitigen Unsicherheit der Daten und der unwägbaren externen Einflüsse auf seine Bewegung in Sonnenferne im Laufe der nächsten Millionen von Jahren (Gravitationswirkung vorbeiziehender Fixsterne, der galaktischen Scheibe und des galaktischen Zentrums) nicht gesagt werden.[7]

Farbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bild des Kometen mit der hoch gesättigten grünen Farbe seiner Koma

Die ungewöhnliche grüne Farbe der Koma ist wahrscheinlich auf das Vorhandensein von zweiatomigem Kohlenstoff (C2) vor allem im Bereich des Kometenkopfes zurückzuführen.[8] Das C2-Molekül, das nur bei sehr hohen Temperaturen in der Gasphase existiert, emittiert, wenn es durch die ultraviolette Strahlung der Sonne angeregt wird, hauptsächlich im Infrarotbereich, aber sein Triplett-Zustand strahlt bei 518 Nanometer (grünlich). Es entsteht durch Photolyse von organischen Materialien, die aus dem Kern verdampft sind. Es unterliegt dann der Photodissoziation mit einer Lebensdauer von etwa zwei Tagen, weshalb das grüne Leuchten im Kopf des Kometen, nicht aber im Schweif erscheint.[9][10]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Bildergalerie zeigt den Kometen von verschiedenen Beobachtungspunkten aus in chronologischer Reihenfolge:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: C/2022 E3 (ZTF) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. B. Bolin: MPEC 2022-F13 : COMET C/2022 E3 (ZTF). In: Minor Planet Electronic Circular. Minor Planet Center, 21. März 2022, abgerufen am 24. August 2022.
  2. Komet C-2022 E3 ZTF kommt im Januar 2023. In: Allgäuer Zeitung. 4. Januar 2023, abgerufen am 5. Januar 2023.
  3. C/2022 E3 (ZTF) beim IAU Minor Planet Center (englisch)
  4. Donald Machholz: New comet might brighten enough for binoculars. In: earthsky.org. 25. März 2022, abgerufen am 24. August 2022.
  5. a b C/2022 E3 (ZTF) | astro.vanbuitenen.nl. Abgerufen am 1. Februar 2023.
  6. C/2022 E3 (ZTF) in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
  7. SOLEX 12.1 von A. Vitagliano. Abgerufen am 9. Juli 2020 (englisch).
  8. Joe Rao: A comet not seen in 50,000 years is coming. Here's what you need to know. 6. Januar 2023, abgerufen am 6. Januar 2023 (englisch).
  9. Katrina Krämer: Comets’ green colour comes from dicarbon dissociation, experiments confirm. 23. Dezember 2021, abgerufen am 7. Januar 2023 (englisch).
  10. Crystal Koe: Why are comet heads green — but not their tails? 31. Januar 2022, abgerufen am 7. Januar 2023 (englisch).